Von der Einvernehmensbereisung zur Baustellenabnahme Maybachufer

Neues vom Landwehrkanal

Einvernehmen im Polizeiboot

Einvernehmensbereisung im Polizeiboot | (Fotos wie üblich zum Vergrößern anklicken!)

Vergangenen Freitag (27.8.), während leiser Regen fiel, bereisten Mitglieder von WSAAbz Neukölln, AG LWK, Bezirksamt Treptow-Köpenick, der Reederschaft und BI/Verein BaL sowie der Baumsachverständige Dr. Barsig in einem mit avancierter Navigations- und Peilungstechnik ausgerüsteten Boot der Schifffahrtspolizei den LWK von Ober- bis Unterschleuse. − Gleich vorweg auch schon mal der Hinweis, dass morgen,

Donnerstag, 2. September, 14 Uhr
anlässlich von „160 Jahre Landwehrkanal“ und der
Baustellenabnahme Riedel-Anleger „Kottbusser Brücke“

dortselbst in einem kleinen Zelt eine kleine Veranstaltung statt findet u.a. mit Thomas Menzel von der WSD.  − [rbb Abendschau ‚tschuldigung: spät gemerkt, aber jetzt funzt der Link!]

Hi Tec im Schifffahrtspolizeiboot

Visualisierter Standort, Wassertiefe, Fremdkörper-Peilung u.v.m.

Anlass war die Vor-Ort-Überprüfung der in der 23. Sitzung des Mediationsforums am 5. Juli von der Leiterin genannter AG LWK, Frau Dr. Ernst, präsentierten Ergebnisse jener bereits am 2. Juni erfolgten Kanalbereisung mit VertreterInnen von Senat und Bezirken zur Benehmensherstellung über die Ufervegetation betreffende Unterhaltungsmaßnahmen. − Bei der neuerlichen Bootsfahrt, nun auch mit BürgerInnenbeteiligung, ging es neben Inaugenscheinnahme der vereinbarten Maßnahmen auch darum, ggf. weitere, in der Zwischenzeit notwendig gewordene zu erörtern und insgesamt ein Einvernehmen über die mit Ende der Vegetationsperiode beginnenden Pflegearbeiten des Abz Neukölln zu erzielen.

Kahlschlag und Beton im grünen Kreuzberg

Flutgraben und Lohmühleninsel

Flutgraben und Lohmühleninsel

Zunächst wurde die auf Verlangen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg und ohne rechtzeitige Rücksprache mit Mediationsforum oder Baumsachverständigem vom Abz rasierte Ufervegetation entlang des Flutgrabens besichtigt. Die dortige Uferbefestigung wurde nicht in Regelbauweise erstellt, andererseits gilt der Bereich jedoch als Areal möglicher ökologischer Ausgleichsmaßnahmen. Der Aufwuchs musste jedoch deshalb beseitigt werden, weil die über den Metallzaun gewachsenen Baum-Schösslinge angeblich die Sicherheit der Flaneure auf dem Uferweg gefährdeten. Einmal mehr durfte sich also die ganz besonders rigide Auslegung der Verkehrssicherungspflicht seitens der Bezirksverantwortlichen austoben.

Behutsame Anbindung in Beton

Behutsame Anbindung in Beton

Auch der Anblick der Gestaltung der Grünanlage auf der Lohmühleninsel und ihrer sog. behutsamen Anbindung an den Görlitzer Park mittels viel Betonplatten und -kübeln und, nachdem einige alte Bäume dran glauben mussten, auf kümmerlichem unversiegeltem Rest viel zu dicht gepflanzte junge ließ zumindest die BürgervertreterInnen nur die Köpfe schütteln. − Jetzt aber

auf den Kanal

Girlanden-Attacke

Girlanden-Attacke

Das durch die Girlanden der Trauerweiden und ragende Äste verengte Lichtraumprofil behindert insbesondere vor Brücken und an Anlegestellen die Fahrgastschifffahrt (obschon, als unser Bootsführer demonstrativ unterm Trauerflor hindurchfuhr, niemand Verletzungen davon trug oder gar über Bord ging, aber wat mutt, dat mutt). Weidengirlanden zu kappen, sind noch die harmlosesten Schnittmaßnahmen, wenn auch, ganz abgesehen von der Naturästhetik, die Beschattung durch solchen Überhang vor allem für Wassertemperatur und die sich darunter aufhaltende Fischfauna bedeutsam ist. Begrüßenswerterweise soll auf durchgehenden orthogonalen Freischnitt des Lichtraumprofils verzichtet werden.

Kann so bleiben

Kann so bleiben

Am Studentenbad und im Urbanhafen sollen auch die Anleger für Sportboote „behutsam“ freigeschnitten werden, obschon seitens dieser Klientel noch zu keinem Zeitpunkt entsprechende Beschwerden gekommen seien −, aber die dürfe man selbstredend doch nicht erst abwarten. Schließlich würden auch die Hinweisschilder verdeckt!

Abschnittsweiser Rückschnitt

Für Inspektion abschnittsweiser Rückschnitt

Aufwuchs aus Mauerfugen muss, wenn er das Bauwerk schädigt und gar wie junge Pappeln oder Robinien Abdeckplatten verschiebt, natürlich beseitigt werden – diese Arbeiten wurden neu ausgeschrieben, nachdem in der Vergangenheit zu viel zu lange liegen oder besser: stehen geblieben ist −, und auch der Überhang von Büschen, der die Bauwerksinspektion beeinträchtigt, muss dort, wo Rückbinden, wie z. B. beim Feuerdorn, nicht funktioniert, beseitigt werden, doch soll das immerhin über vierjährige Intervalle verteilt abschnittsweise geschehen, damit die Kleintierfauna Gelegenheit zum Umzug erhält und nicht durch Langstrecken-Kahlschlag vernichtet wird.

Zwischennutzung an der Teststrecke

Zwischennutzung an Teststrecke Paul-Lincke-Ufer

Wir passierten die GIKEN-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer, wo Stockenten den Rückzugsraum hinter der Spundwand schätzen gelernt haben (dort, wo die Bäume wasserseitig gesichert wurden, etwa an Tempelhofer, Schöneberger oder Herkules Ufer, und der Raum zwischen Spund- und Uferwand aufgefüllt werden musste, haben sich gar schon Ansätze von Wildwiesenbiotopen entwickelt) und kamen natürlich auch an der inzwischen instand gesetzten Ufermauer mit der berühmten Abbruchstelle am Riedel-Anleger Kottbusser Brücke vorbei.

Einladung zur offiziellen Abnahme des Anlegers Kottbusser Brücke

Riedelanleger Kottb. Brücke instandgesetzt

Riedelanleger Kottb. Brücke instandgesetzt

Unter dem reichlich großspurigen Titel „Instandsetzung Maybachufer“ wird am kommenden Donnerstag, 2. September, 14 Uhr die offizielle Abnahme der Baustelle mit einer kleinen Veranstaltung verbunden, zu der auch WSD-Chef Thomas Menzel erwartet wird. Bei der Restaurierung dieser neunzig Meter Ufermauer, der eine komplizierte wasser- wie landseitige Sicherung hatte vorausgehen müssen, verhalf, wie berichtet [siehe hier, hier oder dort], die Bürgerinnen-Beteiligung, auf Grund derer nur eine Spundwand gesetzt wurde statt ihrer zwei, wie die ursprüngliche WSA-Planung vorsah, zur Einsparung von Zeit, Geld, Ressourcen und Emissionen. Mit dem Bau des von der Reederei geplanten, vor die Ufermauer und über die Spundwand gesetzten innovativen Anlegers, der – entweder in einem durchgängigen 90m-Stück oder dreigeteilt − nicht nur barrierefrei behinderten- und familienfreundlich, sondern auch für alternativ angetriebene (Sport-) Boote und Schiffe nutzbar sein soll, kann, immer vorausgesetzt, diese Mischnutzung wird sicherheitstechnisch vom WSA genehmigt, im kommenden Herbst begonnen werden.

Forumsveranstaltung anlässlich 160 Jahre Landwehrkanal flachgefallen

Muss ab

Muss wegen Brückeneinfahrt ab

Ursprünglich war geplant, aus Anlass des diesjährigen 160. Jubiläums des LWK seitens des Mediationsforums die nach Meinung vieler seiner Mitglieder längst überfällige öffentliche Veranstaltung endlich durchzuführen, um nicht nur über den Stand des Mediationsverfahrens „Zukunft LWK„, seine Ziele, Erfolge, Schwierigkeiten und weiteren Aufgaben zu berichten, sondern diese Gelegenheit auch für einen neuen Anlauf einer breiteren Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit zu nutzen, Kritik, Anregungen und Vorschläge aufzunehmen, um den im Forum gemeinsam erarbeiteten Interessen- und Kriterienkatalog ggf. zu ergänzen −, doch abermals scheiterte der Versuch, eine solche Veranstaltung durchs Forum zu organisieren, am Veto einiger weniger Beteiligter, die einerseits die Errungenschaften eines dreijährigen Mediationsprozesses offenbar noch immer als zu gering achten, um sie Bürger- und SteuerzahlerInnen vorweisen zu können, andererseits explizit fürchten, Mediationsverächtern eine Plattform zu bieten, um die konstruktive Basis und das auf ihr gemeinsam Geleistete zu gefährden oder gar zu zerstören − eine Haltung, die nicht gerade von übermäßigem Vertrauen ins Geleistete kündet.

Öffentliche Forums-Veranstaltung bleibt  ganz oben auf der Agenda!

Spundwandbiotop Herkulesufer

Spundwandbiotop Herkulesufer

Um nun mit unserer Einschätzung der Lage nicht hinterm Berg zu halten: BI/Verein BaL e.V. halten im Gegenteil gerade die drohende Verselbständigung und Abkapselung des MV gegenüber der Öffentlichkeit für eine viel größere Gefahr bspw. dafür, dass mit Blick auf sich wandelnde politische und ökonomische Rahmenbedingungen im Verfahren Erreichtes sang- und klanglos kassiert und am Ende doch noch von amtswegen eine Lösung des Quadratisch-praktisch-gut durchgezogen werden kann, EU-WRRL, BMVBS-Ökologieerlasse und Nachhaltigkeitsrhetorik in der Stadtentwicklung hin oder her.

Und auch WSA-Festakt gecancelled

Spundwandbiotop Tempelhofer Ufer

Spundwandbiotop Tempelhofer Ufer

Schließlich zeigte sich das WSA erbötig, seinerseits aus Anlass des runden Geburtstags einen Festakt zu veranstalten: mit gemeinsamer Presseerklärung des Forums, einer Pressekonferenz und allem drum & dran, woran dann neben dem WSD-Leiter Menzel, nach Möglichkeit auch Zuständige aus dem BMVBS teilnehmen sollten –, allein auch auf diese Variante wurde aus Gründen, die uns leider noch nicht recht deutlich geworden sind, plötzlich verzichtet und damit eine Gelegenheit, die Öffentlichkeit über die genannte Baustellenabnahme hinaus vom Stand des größten und gewiss längsten Mediationsverfahrens im deutschsprachigen Raum zu unterrichten, ohne Not verschenkt. – Dabei scheint es in Anbetracht kürzlich erschienener Presseartikel, die auch noch mit Bildern der 2007 von den BaumschützerInnen initiierten Menschenkette angereichert waren, doch dringend geboten, unseren weniger web-affinen PressevertreterInnen mal wieder einen Tick detaillierter die Lage der Dinge am LWK zu schildern. − Doch

zurück zur Einvernehmensbereisung

Ökologisch wertvoller Uferabschnitt

Ökologisch wertvoller Uferabschnitt

An mehreren Bäumen, vornehmlich Pappeln und Weiden, die zunächst hatten gefällt werden sollen, auf Grund der Empfehlungen des Baumsachverständigen dann aber nur eingekürzt wurden, konnten − nachdem auf diese Weise beide Seiten ein Restrisiko eingegangen waren – ökologisch und naturästhetisch sehr gute Ergebnisse demonstriert werden: Die gekappten Bäume hatten trotz Hitzesommer üppig wieder ausgeschlagen und neue Assimilationsfläche gebildet, wogegen ihre infolge Fällung verloren gegangene Funktion für Naturhaushalt und Mikroklima Neupflanzungen erst in Jahrzehnten hätten ersetzen können.

Sodann wurde vorbehaltlich der Ergebnisse der UVS schon mal vereinbart, zusätzliche Ausstiege für Sport- und Solarboote durch die vorgeschlagene Umrüstung bisheriger Notausstiege nicht ausgerechnet an ökologisch wertvollen Kanalabschnitten zu schaffen.

Gefahrenstelle

Gefahrenstelle im Bereich Prinzenbad

Eine Bürgervertreterin wies das WSA auf eine sich ihrer Meinung nach zuspitzende Gefahrensituation in Höhe Prinzenbad hin, wo die Uferböschung zwar abgesperrt ist, aber Mauerverschiebungen nun deutlicher hervorträten. Wenn auch Abz-Leiter Augsten eine Veränderung der bekannten Situation verneinte, bietet sich dieser Abschnitt sicherlich für die Auswahl als längere Sanierungsstrecke an, auch hier natürlich nicht zuletzt, um endlich den Bauzaun loszuwerden, dessen Wartung Geld kostet, die Menschen bekanntlich nicht daran hindert, sich auf der Böschung zu lagern, aber umgestürzt seinerseits eine akutere Gefahrenquelle bedeutet.

Kanalreiher

Kanalreiher

Über den Freischnitt des Anlegers Potsdamer Brücke von Stern und Kreis, nämlich Fällung kleinerer Trompetenbäume, Kappung von Robinienästen und Strauchrückschnitt, bestand Einvernehmen. Anstoß nahmen Naturschutzbewegte hingegen an der Liegestelle der Hotel-Yacht Esplanade, die sich ausgerechnet in einem ökologisch höherwertigen Kanalabschnitt am Reichpietschufer  breitmacht und das von hohem Altbaumbestand geprägte Bild der Stadtlandschaft mit seinem Straßenkreuzer-Chic verschandelt: „Das muss weg!“ wurde verschiedentlich geäußert. − Auch sollte wegen des Rückbaus des von der Reederei Riedel nur noch sehr selten, dafür umso häufiger zur Sperrmüllentsorgung genutzten Anlegers am naturnah unterhaltenen Salzufer verhandelt werden.

Schreckbild Stadtspree-Ufer

Grüne Öde an der Spree

Grüne Öde

Auf dem Rückweg via Spree konnte auf lange Strecken, sei’s in Mitte oder Friedrichshain, die kostspielig angelegten, pflegeintensiven, angeblich so nutzungsfreundlichen, aber mit Zierrasen und Einwegbäumchen schier unüberbietbar steril, ja fast surreal anmutenden Uferstreifen gewissermaßen als Menetekel und mahnendes Beispiel dessen studiert werden, was entlang des LWK niemals geschehen darf…

Grünes Grauen an der Spree

Grünes Grauen an der Spree

Nachsätze
Solch eine ernsthafte gemeinsame Anstrengung zur Herstellung von Einvernehmen über notwendige und zugleich behutsame Pflegemaßnahmen entlang einer repräsentativen innerstädtischen Wasserstraße − noch vor wenigen Jahren völlig utopisch − darf als keine kleine Errungenschaft des Mediationsverfahrens „Zukunft LWK“ gelten, indem hier mit BürgerInnenbeteiligung und unabhängiger fachwissenschaftlicher Unterstützung die in puncto ökologische Verträglichkeit, nachhaltige Stadtentwicklung, Schutz unserer Lebensgrundlagen, Änderung unserer Wirtschaftsweise etc. durchaus ambitionierten Richtlinien und Erlasse höchster Ebenen auf die lokale herunter gebrochen und vor Ort mit Leben erfüllt werden. − Große ungelöste Frage bleibt indessen, in welcher Form ein derartiges modellhaftes Vorgehen auf Dauer gestellt und kontinuierlich noch optimiert werden kann, insofern auch ehrenamtliches zivilgesellschaftliches Engagement eine sehr knappe Ressource ist und zugleich sein notwendiges Betätigungsfeld proportional zum wachsenden Minimalismus gemeinwohlorientierten behördlichen Handelns sich nur immer weiter ausdehnt, derweil umgekehrt Formalisierung und Institutionalisierung große Ambitionen mit hochgesteckten Zielen erfahrungsgemäß  im Nu ersticken und zunichte machen.

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2 Kommentare

  1. Rahel said,

    1. September, 2010 um 9:30

    Vielen Dank für eure immer so schön süffisanten und dabei sehr informationsreichen Artikel und für eure jahrelange Arbeit und Ausdauer sowieso! Wenn wir euch nicht hätten!! Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

  2. Rahel said,

    1. September, 2010 um 9:37

    Noch ein Wort zur „Blauen Welle“ am Görlitzer Ufer: als die Bauarbeiten im Gange warn, hab ich meinen Augen nicht getraut: da standen zwei große alte Bäume (waren es Weiden, ich weiß nicht mehr genau) mit zur Hälfte ausgegrabenen Wurzelballen, von denen ich naiverweise dachte, die würde man wieder eingraben nach den Bauarbeiten – wenn ich mich auch wunderte, wie das die Bäume wohl verkraften würden und warum da so unsensibel vorgegangen wird. Drumherum gabs vier lächerlich staksig wirkende Birken, und ich fragte mich, wo die eigentlich noch hin sollten neben den Weiden? Tja, jetzt hat man den Weiden empörenderweise den Garaus gemacht, was ich in meiner Gutgläubigkeit nie für möglich gehalten hätte! Das ist echt ne Sauerei, dass da nicht was geplant werden kann, das die Weiden leben lässt. Unglaublich!!


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