Bezirksamt lässt weiter sägen

[Update vom 22.8.: Fort ist der grüne Baldachin! Die Bäume Am Rudolfplatz stehen rigoros und brachial auf kurzärmlig amputiert; die lichte Höhe wurde auf unendlich freigeholzt, doch wenigstens ein Torso des alten Ahorn Nr. 9 durfte, anders als es die Fällliste vorsah (→ Fällung wegen  „Pilzbefall, Standsicherheitsgefährdung“), stehen bleiben. − Müssen wir jetzt in allen Straßen um die „grünen Markisen“ bangen, die doch, mal abgesehen von allem andern, für einen Temperaturunterschied von bis zu zehn Grad Celsius sorgen? (Wer dies nicht glaubt, biege bei sommerlicher Mittagshitze bspw., per Fahrrad oder pedes von der Warschauer Straße kommend, in die Oppelner ein oder setzte nur den Weg in die Köpenicker fort… − Aber es soll ja heute eh der letzte Sommertag gewesen sein: mithin brauchen wir vorerst keine Schattenkühle mehr −, und im nächsten Sommer, wenn erst Wahlkampf tobt, helfen die Parteien sicher mit schön bedruckten Plasteschirmen aus.]

Rudolfplatz nachher 01

Rudolfplatz nachher

Zum Vergrößern Fotos bitte anklicken!

Rudolfplatz nachher 02

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Rudolfplatz nachher 05

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Rudolfplatz nachher 06

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Ahorn-Torso Nr. 9 mitte

Ahorn-Torso Nr. 9 (mitte)

Bäume beschmutzen Autos

Am Rudolfplatz 01

Am Rudolfplatz

So wie es ist, kann es am Rudolfplatz in Friedrichshain unmöglich bleiben. Das sind unhaltbare Zustände! Wie unsere Fotos zeigen, hängen dort vor allem Ahornbäume ihre Kronen, die bekanntlich Laub, Zweige und klebrige Früchte, also schlicht Schmutz abwerfen, undiszipliniert tief über Parkbuchten und mehr oder minder edle, auf jeden Fall teure Karossen. Wir können uns wahrscheinlich nicht annähernd vorstellen, welchem Bombardement von Beschwerden seitens der FahrzeughalterInnen sich das Bezirksamt deswegen schon ausgesetzt sah oder die Unzumutbarkeit des damit verbundenen Stresses ermessen.

Am Rudolfplatz 02

Am Rudolfplatz

Längst hat das Grünflächenamt deshalb beschlossen, hier Abhilfe zu schaffen, und endlich ist es soweit: Morgen um sieben, wie die Hinweistafeln auf etlichen Halteverbotsschildern entlang der Südseite des Platzes  verkünden, wird hier die Welt wieder in ihre autogerechte Ordnung gebracht. Steht wenigstens zu hoffen, dass nicht wieder die Mitarbeiter einer Entrümpelungsfima die Kettensägen führen, wenn mitten im Spätsommer und nach wie vor in der Vegetationsperiode den Bäumen die Kronen eingekürzt, die Starkäste gekappt und die für die Photosynthese unerlässlichen Blätter genommen werden. Ganz klar: die Bedürfnisse von Sachen wie Bäume kümmern nur eine Minderheit, aber − ums zum soundsovielten Male zu repetieren: diese Bäume leisten für die AnwohnerInnen gratis einen vielfältigen Umweltservice, filtern mit ihrem Laub den Feinstaub aus der Luft , befeuchten und kühlen sie, binden Kohlenstoff und atmen Sauerstoff aus, dämpfen den Verkehrslärm auf dem Kopfsteinpflaster, sorgen für Gezwitscher und beruhigen das Auge; von den Diensten für Vogel- und Kleintierwelt wollen wir gar nicht erst anfangen.

Fällkandidat Ahorn Nr. 9

Fällkandidat Ahorn Nr. 9

Einer der Ahornbäume, und zwar jener mit der Nr. 9, steht sogar auf der Fällliste, vielleicht weil sein knorriger Stamm über eine unsichtbare Linie hinaus geneigt ist, denn Schadsymptome wie „Pilzbefall und gefährdete Standsicherheit“ können wir nicht entdecken, was freilich nichts besagen will, aber eindeutig sind sie und damit umstandslos als Fällbegründung herhalten können sie nicht.

Allerdings wäre es schon eine arge Provokation, wenn „Kronenschnittarbeiten“ angekündigt werden, ganz nebenbei aber gleich noch der wohl älteste Baum in der Reihe gefällt würde. Womöglich kam auch dieser Baum versehentlich auf die Fällliste, doch vor unliebsamen Überraschungen sind wir hier ja leider nie gefeit. Und die faunistische Begutachtung bleibt mit Sicherheit wieder den Schnittern überlassen.

Fällkandidat Ahorn Nr. 9

Fällkandidat Ahorn Nr. 9

Wir wurden leider, von der Situation im Volkspark Friedrichshain und anderswo ziemlich absorbiert − auch in Nachbar-Bezirken wie Tempelhof-Schöneberg wird zurzeit ja massiv geholzt und nicht nur an den Platanen am Platz der Luftbrücke und nahe Ex-Flugplatz, sondern bis hinunter zum Südkreuz sei man „seit ca. einer Woche wieder hochaktiv im Beseitigen von Vegetation“, wie eine Anwohnerin berichtet  −, wir wurden also mal wieder zu spät aufmerksam, so dass wir im Xhainer Grünamt gar nicht mehr nachfragen bzw. mit Vorlauf berichten konnten, doch die AnwohnerInnen müssten die Schilder ja schon  paar Tage gesehen haben, wenn sie denn vorschriftsgemäß drei im Voraus aufgestellt worden sind.

Mit einiger Beklommenheit harren wir also dem Anblick, den diese Baumreihe mit ihrem jetzt noch baldachin-dichten Blätterdach nach der Beschneidung bietet…

Am Rudolfplatz 03

Am Rudolfplatz

2 Kommentare

  1. Peli said,

    31. August, 2010 um 23:16

    Bei diesen Bäumen, sofern es sich um Eschenahörner handelt, besteht
    aufgrund der Mehrfachkrümmungen – Unglücksbalken – Bruchgefahr.
    Die Mischung Eschenahorn und Mehrfachkrümmung ist baumstatisch
    höchst brisant.
    „Baldachinartig“-brandgefährlich. Wer hier romantische Gefühle ob des
    weiten Überhangs hegt, handelt grob fahrlässig. Ein kräftiger Rückschnitt ist tatsächlich notwendig.
    Wenn man rund 15 Jahre früher rechtzeitig geschnitten hätte, wären jetzt
    keine solch massiven Eingriffe erforderlich. Aber dies ist eben nicht der
    Fall.
    Aufrund der aus dem Bild bereits ersichtlichen Situation sind sie jetzt
    tatsächlich aus Gründen der Verkehrssicherheit dringend geboten.

    Liebe Grüße Peli

    • BaL said,

      1. September, 2010 um 2:29

      Hier geht’s weniger um Romantik als 1. um kleinklimatisch relevanten Schattenwurf: Den hätte ein moderaterer Rückschnitt weniger reduziert -, aber bei den Pflegekräften reicht halt oft der Sägeschein als Qualifikation aus; 2. hätte man vielleicht nicht schon vor 15 Jahren, aber im Winter und aus Natur- und Artenschutzgründen nicht in der Vegetationsperiode dermaßen rabiat einzukürzen brauchen und 3. ist es unserm laienhaften Unverstand zu danken, dass der alte Ahorn Nr. 9, an dem sich, wie erwähnt, weder Pilzbefall noch Standunsicherheit feststellen ließen, wenngleich ebenfalls rabiat amputiert, so doch stehen bleiben durfte. Hoffen wir, dass er die großflächigen Schnittwunden vor dem Pilzbefall zu heilen vermag und die Kappung nicht die erste Rate der Fällung gewesen ist.

      Und was die „brandgefährlichen Baldachine“ angeht, so steht zu hoffen, dass diese Ansicht nicht Schule macht, denn – wie ebenfalls erwähnt – gibt es noch eine ganze Reihe grün überdachter, bei Hitze gefühlte zehn Grad kühlere Straßen im Bezirk; solche natürliche Klimatisierung wird halt für die Aufenthaltsqualität der AnwohnerInnen, der Fußgänger- und RadlerInnen immer wichtiger und muss von Baumpflege gefördert werden.

      Baumfreundliche Grüße zurück!


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