Fahrgastschifffahrt goes green?

Über den Umweltkurs der Berliner Großreedereien

Ein still verschiedener Arbeitskreis

Wasserkreuzer MS Brasil

Wasserkreuzer MS Brasil(!) auf dem Kanal

Den Arbeitskreis Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ gibt es schon lange nicht mehr, und wir können eigentlich gar nicht genau angeben, unter welchen Umständen er sich auflöste. Das Interesse, weshalb die BürgervertreterInnen seinerzeit daran teilnahmen, besteht jedoch fort, zumal ihm die − bislang nicht evaluierten oder auch nur resümierten − Ergebnisse jener drei, vier AK-Sitzungen nicht sonderlich Rechnung trugen.

BI/Verein Bäume am Landwehrkanal geht es nämlich nach wie vor um eine Anpassung des Fahrgastschiffsverkehrs an gegenwärtige und noch mehr künftige Erfordernisse, an Klima- und Gesundheitsschutz sowie an die Gegebenheiten des bekanntlich unter Denkmalschutz stehenden LWK (Frequenz, Dimension und Antriebsart des von einigen wenigen Anbietern monopolisierten professionellen Ausflugsverkehrs war es eben nicht zum wenigsten geschuldet, dass es 2007 zu jenen Schadensereignissen kam, die das WSA daraufhin reflexhaft mit Kahlschlag des Uferbaumbestands beantworten wollte) und eben nicht umgekehrt: um die Anpassung des Kanals an eine schon länger überholte Dieselschifffahrt mit Hilfe einer viele Millionen Euro schweren Sanierung, die auch deshalb sowohl ökologisch wie ökonomisch nachhaltig zu sein hat.

Laufzeitbegrenzung

Dieselstinker

Dieselzigarre auf der Spree

Allen Forderungen, über alternative emissionsarme bzw. -freie Antriebe wenigstens ernsthaft nachzudenken und darüber mit den Stakeholdern substantiiert zu diskutieren, blockte die Reederschaft, wie damals öfter berichtet, mit anschwellender Bockigkeit ab, da erst einmal ihre Bestandsflotte abgeschrieben sein müsse, während die BaL hier für Laufzeitbegrenzung bzw. Umrüstung plädieren, widersetzte sich sogar, auch nur an von Bund oder Land geförderten, also von der Allgemeinheit finanzierten, für die Unternehmen jedoch weitgehend kostenlosen Testprogrammen von Rußfilteranlagen teilzunehmen – zunächst jedenfalls.

Schließlich besann sich die Stern und Kreis GmbH doch noch eines Besseren und beteiligte sich am Senatsprogramm, während sich die Reederei Riedel, wie berichtet, am Pilotprojekt Corporate Social Responsibility (CSR) teilnahm. – Über die Testergebnisse der ansonsten in italienischen Bussen eingesetzten Filter wurde offiziell bislang noch nichts vermeldet, doch die Mitgliedschaft Riedels an einem internationalen Netzwerk von Unternehmen, die sich in ihrem Profitstreben zugleich in ethischer Verantwortlichkeit für Good Business Citizenship, also für die sozialen und ökologischen Belange der Stakeholder einsetzen, sei inzwischen erfolgreich − beendet, berichtete Geschäftsführer Freise, als es unlängst um die Gestaltung bzw. Genehmigung seines barrierefreien Terminals Kottbusser Brücke ging und wir in diesem Kontext auf das CSR-Engagement seines traditionsreichen Unternehmens anspielten: Die Drucklegung der Ergebnisse, so Lutz Freise, sei in naher Zukunft zu erwarten.

Da in der betreffenden Sitzung off topic, hakten wir nicht weiter nach, was es wohl mit dieser Beendigung von CSR-Teilnahme auf sich haben könnte: Ist das ethical branding schon gesichert?

Stern und Kreis im NABU

Stern+Kreis-Annonce im NABU-Magazin

Stern+Kreis-Annonce im NABU-Magazin

Umso mehr erfreut uns daher eine Annonce in der Printausgabe der Mitgliederzeitschrift des NABU, Naturschutz heute, in der sich „Stern und Kreis auf Umweltkurs“ behauptet, zwar u.a. mit Jagden renommiert, zu denen sich das Unternehmen, wie oben ausgeführt, tragen ließ, doch z. B. auch mit der „Erkundung alternativer Antriebskonzepte, zusammen mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)“. Auch die „Ausrüstung der Linienstationen mit Landstromanschlüssen, damit die Dieselaggregate der Schiffe während der Liegezeit abschaltbar sind“ ist sehr zu begrüßen (wenn nicht gerade Vattenfall den Strom liefert), weil bei dauerhafter Bewölkung bspw. auch für Schiffe mit Solarantrieb erforderlich. Und Lutz Freise kann sich durchaus vorstellen, mittelfristig auch in dieser Richtung ein Pilotprojekt zu wagen.

Wie auch immer: noch mehr als wir auf das erwähnte Druckerzeugnis gespannt sind, möchten wir unsere Großverdiener unter den Fahrgastschiffern auf diese Aussagen festlegen, auf dass sie nicht bloße PR bleiben und auch noch einen anerkannten Naturschutzverband zum Green Washing instrumentalisieren.

<a title=“Dieselstinker auf der Spree“ href=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2008/07/stinker_gr.jpg&#8220; target=“_blank“><img class=“size-full wp-image-770″ title=“stinker“ src=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2008/07/stinker.jpg&#8220; alt=“Dieselstinker“ width=“250″ height=“180″ /></a>

Dieselstinker auf der Spree

[Update 6.10.10: Heute nahm sich auch die Berliner taz des Themas an…]

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2 Kommentare

  1. xonra said,

    7. August, 2010 um 20:49

    Den allseits geübten Ignoranten, mit ihren rasenden Dieselstinkern, ist es tatsächlich gelungen, nach dem Landwehrkanal, nun auch noch die Spreeufer zu beschädigen.Von den verqualmten Lungen der Berliner ganz zu schweigen.
    Der Arbeitskreis „Nachhaltige Schifffahrt“ wurde seitens der Akteure aufgelöst. „Schwätzen tun wir dann doch lieber mit freundlichen und aufgeschlossenen Zeitgenossen.
    Übrigens liebe Mediationssüchtige, Fotos die Euch überlassen wurden, dürft Ihr gerne nutzen, aber nur bei Nennung der Autorenschaft.

    • BaL said,

      7. August, 2010 um 21:29

      …einfach ma ruffklicken 🙂 !


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