Kein Wasser fürs Stadtgrün

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Nichthandeln der Grünflächenämter birgt auch Sicherheitsrisiko

Unsere Glosse auf die vorauseilende Politik der versteppten Erde und die faktische Umwandlung des Xhainer Grünflächenamts in ein Gelbflächenamt wurde offenbar nicht als solche aufgefasst, sondern im Gegenteil sehr ernst genommen und als Bestätigung verstanden: Bis heute (9. Juli) haben z. B. im Görlitzer Park weder der inzwischen restlos verdorrte Rasen, dem eh nichts mehr helfen kann, noch auch Baum und Strauch einen Tropfen Wasser gesehen, ausgenommen dort, wohin etwa die Leute vom Kinderbauernhof es schaffen, morgens oder abends einige Eimer zu schleppen.

Der überwiegende Teil von Büschen und Bäumen macht jedoch bereits einen arg gestressten Eindruck, und wird, wenn er nicht gleich verdorrt und abstirbt, jedenfalls erhebliche Trockenschäden davontragen. Die Fällfirmen, die in unserm Bezirk ja ohnehin auch in der Vegetations- und Brutperiode munter fällen dürfen, da eine nur auf den Winter beschränkte Saisonarbeit in dieser Branche Arbeitsplätze gefährden würde − das wurde uns ernsthaft als Begründung für eine „Sommerfällsaison“ genannt! −, diese Firmen werden bald wieder an frische Aufträge kommen. [Die aktuelle Liste mit Datum 7.7., die uns dankenswerterweise vorab gemailt wurde, weist nur noch elf ausstehende Fällungen aus: Nach nochmaliger Baumkontrolle wurden offensichtlich drei frühere Fällkandidaten als noch erhaltenswert eingestuft − immerhin. Dennoch möchten wir alle baumfreundlichen AnwohnerInnen dringend aufrufen, sich selber ein Bild davon zu machen, ob ihr gelisteter Straßenbaum tatsächlich eine unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellt, denn nur dann ist seine ausnahmsweise Fällung zu dieser Jahreszeit erlaubt.]

Unökologisches Berliner Wasserversorgungskonzept

Natürlich ist das Argument stichhaltig, dass − mal abgesehen von den hohen Kosten, die uns die (Teil-)Privatisierung der Wasserbetriebe eingebracht hat [Actionsvideo] − die Wässerung der innerstädtischen Grünanlagen mit Trinkwasser, und im erforderlichen großen Umfang, die wenigen verbliebenen Feuchtgebiete und Moore im Umland weiter gefährden würde, in deren Einzugsbereich die BWB ihre wegen rückläufigen Wasserverbrauchs reduzierte Zahl von Wasserwerken mit erhöhter Förderleistung betreibt: Für den Erhalt dieser überaus wertvollen, weil artenreichsten Biotope ist auch der niedrigere, bei diesen Temperaturen jedoch stark ansteigende Trinkwasserverbrauch bereits zu hoch, und es ließe sich in keiner Weise verantworten, zum Erhalt innerstädtischer Grünanlagen die als FFH-Gebiete unter Naturschutz stehenden und schon jetzt stark geschädigten Moore im Grunewald oder Spandauer Forst weiter trockenfallen zu lassen. Hier bedarf es endlich eines von den Naturschutzverbänden schon lange geforderten Grundwasserbewirtschaftungsplans anstelle des wenig ökologischen Wasserversorgungskonzepts des Senats.

Die Straßenbäume, zu deren Wässerung außer dem FB Naturschutz und Grünflächen auch NABU und BUND die BürgerInnen aufrufen, werden diese gleichwohl nur mit Trinkwasser gießen können, doch − um zum verdurstenden Görli zurückzukehren − es wurden für teuer Geld Tiefbrunnen angelegt, und da es sich um den Einzugsbereich der Spree handelt, ist hier eine Entnahme unbedenklich. Natürlich hätte rechtzeitig und in ausreichendem Maße während der Nacht- und frühen Morgenstunden gewässert werden müssen, um die jetzige Situation zu verhindern. Obwohl nach Auskunft des Fachbereichsleiters hierfür eine Fremdbeauftragung erfolgt ist, wurde der Auftrag dann aus welchen Gründen auch immer und bis zum heutigen Tag nicht ausgelöst.

Ineffeziente Fremdbeauftragung

Das heißt, eine Anwohnerin beobachtete kürzlich eine Firma, die mit wenig geeigneten Vorrichtungen zum Rasensprengen hantierte und sprach die Mitarbeiter an, ob sie nicht wenigstens die Bäume im Görli wässern könnten, doch erhielt zur Antwort, dazu habe man keinen Auftrag; sie sollten nur die Wiesen sprengen. Dafür ist es freilich längst zu spät und ihre Gerätschaften waren dafür auch gar nicht geeignet. − Die Auftragsvergabe unseres Bezirksamts macht immer wieder staunen.

Was der Angelegenheit aber noch zusätzliche Brisanz verleiht, ist die Tatsache, dass inmitten austrocknender Vegetation das Grillen unvermindert − und mit Ferienbeginn sicher in noch wachsendem Ausmaß − weitergeht, so dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis noch glimmend entsorgte Grillasche mitten in Kreuzberg einen Steppenbrand entfacht. Das gibt sicher schöne Bilder und Schlagzeilen fürs Sommerloch!

Und noch einige Fotos zur fachlichen Qualität von Baum- und Strauchschnitt. Ist schon seine Notwendigkeit nicht einzusehen, erfolgt er bei der trockenen Hitze zudem noch völlig  unzeitig, da die Pflanzen über die vielen frischen, oft nicht fachgerecht geführten Schnitte jetzt zusätzlichen Feuchtigkeitsverlust erleiden.

[Zum Vergrößern anklicken!]

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2 Kommentare

  1. jürgen julius irmer said,

    9. Juli, 2010 um 22:57

    …ich zitiere aus der „berliner zeitung“ vom 9.7.10:
    aus dem artikel „grüne eröffnen den wahlkampf“ (in friedrichshain-kreuzberg)
    „…so soll jeder fünfte pkw-parkplatz auf bezirksstraßen zum fahrradparkplatz werden,jeweils mit baum oder beet versehen,als grüne lunge en miniature…“
    „grün“ en minature war ja schon mal staatspolitik !
    man bleibt sich da treu.
    ansonsten vertrocknet eben alles vor sich hin.

  2. Susanne said,

    12. Juli, 2010 um 20:21

    Ich habe heute mit der Berliner Zeitung telefoniert und jeweils an die Abendschau und das Inforadio folgenden Text verschickt. Mal sehen ob sie reagieren.

    Sehr geehrtes Abendschauteam,
    ich schreibe im Namen vieler Anwohner des Görlitzer Parks und anderer Grünanlagen in unserer Nähe. Trotz der großen Hitzewelle hält es das Grünflächenamt Kreuzberg nicht für nötig, die zur Steppenlandschaft verkommenen Grünanlagen überhaupt bzw. ausreichend zu wässern. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind Bäume und Büsche für das Stadtklima besonders wichtig – viele von ihnen werden dank fehlender Bewässerung diesen Sommer nicht überleben. Darüber hinaus möchte ich auf den Umstand aufmerksam machen, das trotz extremer Trockenheit in den Parks munter weiter gegrillt wird, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis noch glimmend in die Botanik entsorgte Grillasche mitten in Kreuzberg einen Steppenbrand entfacht.
    Während also in Brandenburg die höchste Waldbrandstufe, mit allen damit verbundenen Sicherheitsauflagen, gilt, spielt man mitten in der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Feuer.

    Wir wären Ihnen wirklich dankbar, wenn sie sich dieses Themas annehmen würden.

    Mit freundlichen Grüßen


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