Flaschenhals-Park statt Bahnbrache?

Vom 2. Werkstattgespräch „Stadtumbau Südkreuz“

Das Werkstattgespräch zur Gestaltung des „Parks auf dem Flaschenhals“, der Bahnbrache südlich des Gleisdreiecks und der Yorkbrücken zwischen Kreuzberg- und Bautzener Straße in Tempelhof-Schöneberg, das bereits vorvorigen Donnerstag (24.6.) im Goldenen Saal des Schöneberger Rathauses stattfand, erfreute sich (trotz Fußball) ansehnlichen Zulaufs, dazu einer externen Moderation – Frau Pütz von der planungsgruppe 4 – und kam im Unterschied zur Auftaktveranstaltung am 22.4. ohne das Arrangement Podium vs. Publikum aus. Frontal blieb es dennoch, die Stuhlreihen waren im Halbrund vor der Leinwand aufgestellt, und erst nach einer Weile gewahrte man die VertreterInnen von Bezirk und Senat, Planungsbüros und Politik im Auditorium.

2. Werkstattgespräch

2. Werkstattgespräch

Struktur und Tagesordnung bleiben unverändert

Angesichts der Komplexität des Vorhabens und im Interesse einer substantielleren Diskussion von BürgerInnen wie anwesenden Bezirksverordeten gemachte Vorschläge zur Konstituierung begleitender und öfter tagender Arbeitsgruppen wies der Amtsleiter Planung und Denkmalschutz des Bezirks, Siegmund Kroll, mit der Begründung zurück, dass dann die „selbsternannten“ Mitglieder dieser AG das Interessenspektrum nur noch unzureichend repräsentieren würden −, ein in letzter Zeit immer öfter auftauchendes Argument.

Die 46. Sitzung der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe zum Westpark, so berichtete eine Teilnehmerin und Vertreterin der Anwohnerinitiative Flaschenhals (AIF), habe u.a. doch auch diesen Fortschritt gebracht, dass in den Planungsentwurf nunmehr endlich eine Verbindung zwischen Bautzener Straße und Westpark über die Yorkbrücke Nr. 5 aufgenommen worden sei, doch auch ihr Vorschlag, deshalb das Gebiet jenseits der Fernbahntrasse − die sog. Bautzener Brache − nicht erst im Zusammenhang mit der Schöneberger Schleife zu diskutieren, sondern schon jetzt auf die Tagesordnung zu setzen, insofern es ein integraler Bestandteil der Grünanlage sei und als planfestgestelltes Bahngelände und Außenbereich gar nicht bebaut werden dürfe, wurde abgelehnt.

Gerade weil der Planungsgegenstand sehr komplex sei, so insistierte Moderatorin Pütz, habe man die unterschiedliche Schwerpunktsetzung vorgenommen, um die Themen in getrennten Veranstaltungen behandeln zu können.

Eingänge, Wege, Vegetation

Nach einführenden Worten vom Tempelhof-Schöneberger Baustadtrat, Bernd Krömer, stellte Eva Mühlbauer noch einmal in komprimierter Form den Entwurf des Atelier Loidl vor, denn etwa die Hälfte der Versammelten hatte die Auftaktveranstaltung versäumt. In diesen Entwurf fanden sich auch schon einige Anregungen aus dem ersten Werkstattgespräch eingearbeitet: z. B. die weniger gradlinige, nicht mehr abknickende, sondern sich jetzt besser den Bahntrassen anschmiegende Wegeführung sowie die Erweiterung der asphaltierten Radwege um die gewünschte „langsame“ Mulch-Spur zum Spazieren und Joggen.

Zu den drei Themenkomplexen Eingangssituation − Durchwegung − Vegetationskonzept machte Frau Mühlbauer alternative Vorschläge mit jeweiliger Vorgabe einiger Gründe pro & contra. Die Argumente aus dem Publikum wurden zwar auf Karten notiert und an eine Tafel gepinnt, waren aber so klein beschrieben, dass sie schon aus der ersten Reihe nicht zu lesen waren. Es war also für die BürgerInnen schwer kontrollierbar, ob und wie ihre Vorschläge aufgenommen wurden.

Eingänge

Flaschhals-Durchwegung

Flaschhals-Eingänge

Vorausgeschickt sei, dass an der breiten Stelle des „Flaschenhalses“, also an seinem nördlichen Rand, oberhalb der Böschung entlang der Yorkstraße und ungefähr vis-à-vis des [völlig kahlgeschlagenen] Eingangs zum Gleisdreieck-Park einst eine Fettgasanlage gestanden habe, weshalb auf einer Fläche von zweitausend Quadratmeter der Boden bis in eine Tiefe von 6,50 Meter kontaminiert sei und abgebaggert werden müsse, natürlich samt der inzwischen aufgewachsenen Ruderalvegetation, damit das Gelände öffentlich zugänglich gemacht werden könne.

Zwei Vorschläge für einen behindertengerechten Zugang von der Yorckstraße aus hat Loidl erarbeitet: 1) eine langgezogene Rampe mit Zwischenpodesten und nur einer Kehre, die das Gelände zur Straße hin großzügig erschließt und in einer spiegelbildlichen „Geste“ die Gleichrangigkeit der einander gegenüberliegenden Parkanlagen sinnfällig macht; und 2) eine mit mehreren Kehren den Niveauunterschied in einem Zick-Zack-Verlauf auf relativ engem Raum überbrückende Rampe.

Eingangsvariante Yorkstraße 01

Eingangsvariante Yorkstraße 01

Vorteile seien bei Variante 1 die höhere Nutzerfreundlichkeit der nur durch einen einzigen Richtungswechsel unterbrochenen Gradlinigkeit, die deshalb vor allem Radlern die geschätzte Möglichkeit gebe, vor Auf- bzw. Abfahrt das Ziel schon in den Blick zu nehmen, aber auch Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen eine angenehmere Benutzung erlaube. − Schließlich gäbe es Einblick in den Park von der Straße her und Ausblick auf ebendiese aus Richtung Park.

Hauptnachteil von 1 aber sei der tiefere Eingriff in Gelände und Vegetationsbestand des Parks infolge Abflachens der Böschung, Baumfällungen, Rodung des dortigen Fliedergebüschs etc.

Genau hier liegt aber der Vorteil von Variante 2, dass nämlich der Eingangsbereich noch außerhalb des eigentlichen Parks mit seiner wertvollen Ruderalvegetation verbleibt und für die Anlage der Rampe das ohnehin kontaminierte und zu beräumende Gelände der ehemaligen Fettgasanlage zur Verfügung steht, mithin der Eingriff in Natur und Landschaft viel geringer ausfällt.

Der Hauptnachteil von 2 sei die geringere Nutzungsfreundlichkeit der Rampe, ihre häufigen Kehren und Richtungswechsel.

Für und Wider

Eingangsvariante 02

Eingangsvariante 02

Während sich ältere Menschen und ein anwesender Behindertenvertreter unter Betonung der genannten Vorzüge spontan für Variante 1 aussprachen, gaben andere zu bedenken, dass es durchaus keiner Spiegelbildlichkeit beider Eingänge bedürfe, die entsprechende „Geste“ vielmehr völlig verfehlt sei, indem es sich beim Westpark [zumindest nach den Vorstellungen der PlanerInnen] und de facto auch beim Ostpark um den „nutzbaren Aktivitäts- und Freizeitpark“ handele, wogegen beim Flaschenhalspark doch gerade eine naturnahe Gestaltung erstrebt werde − und es sich dabei um den einzig verbliebenen Überrest der ausgedehnten Bahnbrache mit ihrem einzigartigen Charakter und immensen Artenreichtum handelt, müssen wir gleich ergänzen. − Zu bedenken seien auch die erheblichen Lärm- und Abgasemissionen der vielbefahrenen Yorkstraße, die das Entfernen der Baum- und Vegetationsbarriere, großräumige Abflachen der hohen Böschung und Herstellen von Sichtbeziehungen höchst zweifelhaft erscheinen ließen.

Ein Vertreter der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck (AGG) berichtete von der Ruine eines Lokschuppens bzw. den pittoresk überwucherten „Speichen“ einer Drehscheibe, die Touristen bei dorthin unternommenen Stadtführungen regelmäßig sehr beeindrucke und ein Erlebnis besonderer Qualität verschaffe, indem sie inmitten eines Stadtwalds unversehens des Umstands innewerden, sich auf den Überresten eines einst riesigen Bahnhofs zu befinden.

Die These eines Vertreters der Fahrradlobby (ADFC), wegen der vielen Kurven und der Unmöglichkeit, den Ein- bzw. Ausgang schnell zu befahren, könne viele Radler veranlassen, doch wieder mit dem Pkw zum Park zu fahren, wurde als völlig abwegig und absurd zurückgewiesen: Gerade in einem naturnahen Park sei schnelles Hindurchrasen denkbar unangebracht und im Gegenteil zumutbar, ja wünschenswert, das RadlerInnen hier auch mal absteigen und ihr Gefährt schieben! Das durch möglichst gradlinige Rampen- und Wegeführung ermunterte Schnellfahren hingegen gefährde Fußgänger- und RollstuhlfahrerInnen sowie Familien mit kleinen Kindern. − Außerdem gibt es eine Radwegverbindung zum Ostpark über die Yorkbrücke Nr. 10.

Der geplante barrierefreie Zugang vom „Stadtbalkon“ an der Kreuzbergstraße, so Frau Mühlbauer weiter, sei nur behindertenfreundlich, nicht behindertengerecht, da die Rampe, um nicht gar so viel Gelände zu beanspruchen, statt sechs Prozent Gefälle fünfzehn aufweise. Die Einrichtung eines Aufzugs sei vor allem wegen des Unterhaltungs- und Wartungsaufwand zu kostspielig, ebenso der vorgeschlagene Bau einer Brücke von dieser Stelle über die Fernbahn hinweg bis zur Bautzener/Großgörschenstraße.

Als dritter Eingang soll von der Monumentenbrücke herab eine einfach gewendete Rampe zuzüglich einer Treppe führen. Die Frage, ob es auch auf die Dudenstraße hinauf Rampen geben werde, wurde mit dem Hinweis, dass es sich beim dafür nötigen Gelände um Privatgrund handele, verneint. Im Übrigen habe der Bezirk Tempelhof-Schöneberg für das Gebiet südlich der Monumentenbrücke den B-Plan 7-1 aufgestellt, der seit dem 26.6. bis zum 9.7.10 im Rathaus Schöneberg (Raum 3046) ausliege.

Wegeführung

Flaschhals-Durchwegung

Flaschhals-Durchwegung

Die Wege − Yorkpromenade entlang der Yorkstraße (3,50 m + 3,90 m), der überregionale beleuchtete Radwanderweg Berlin − Leipzig (3,90 m Asphalt + 1,50 m wassergebunden); die Wege an der östlichen Waldkante und entlang des Museumsgleises (ebenfalls je 3,90 m) sowie der Pfad durch den Stadtwald (1,40 m breit), wurden als zu zahlreich und (ausgenommen der Waldpfad) zu breit kritisiert. Sie sollten auf max. drei Meter beschränkt und mit Ausnahme des Radfernwegs auch nicht asphaltiert werden. Eine wassergebundene Decke sei ausreichend. Der 3,90 Meter breite Asphaltweg entlang der Waldkante wurde als ganz verzichtbar erachtet, und der Weg entlang der Böschungskante über der Yorkstraße solle keinesfalls gradlinig geführt und dafür Bäume gefällt werden, sondern sich mäandernd der Vegetation und den örtlichen Gegebenheiten anpassen.

Vegetation

Biotoptypen

Biotoptypen

Als Haupttypen wurden unterschieden

  • die offenen, blütenreichen Trockenrasenflächen und Ruderalfluren
  • der Stadtwald und
  • die arten- und strukturreichen lückigen Vorwälder.

Baumbilanz

Die immer wieder gestellte Frage nach der Baumbilanz wurde endlich beantwortet und auf Nachfrage zunächst klargestellt, dass die roten und z.T. mit Zahlenangaben versehenen Markierungen an zahlreichen Bäumen, z. B. auch in unmittelbarer Nähe des Bussardhorsts, nicht von Loidl stammen würden. − Wie viele Bäume es überhaupt auf dem Gelände gebe, sei sehr schwer festzustellen, mussten die verwunderten BürgerInnen hören, aber die Zahl von 131 übermaßigen (d.h. hier 0,60 cm Stammumfang in 1,20 m Höhe), die aus den verschiedensten Gründen gefällt werden sollen, war doch für nicht wenige ein Schock.

So stellte Frau Mühlenbauer denn auch mehrmals klar, dass die 42 Bäume, die im nordöstlichen Teil des Geländes gefällt werden sollen, um das dortige ökologisch wertvollere Trockenrasenbiotop offen zu halten bzw. weiter zu öffnen, noch einmal näher untersucht und in erhaltenswert und -unwert selektiert werden sollen, so dass vielleicht einzelne ältere Bäume doch stehen bleiben dürften. − Da wollte auch Amtsleiter Kroll wissen, warum sich die Herstellung von Offenflächen nicht auf den weniger baumbestandenen südlichen Teil des Geländes konzentriere.

Doch auch der südöstliche Vorwald, soll, um seinen Strukturreichtum zu erhalten, ausgelichtet werden. Andere Bäume sollen der Wegeführung weichen, oder werden, weil sie zu dicht dran stehen, zu Gefahrenbäumen oder sind mit Bahnruinen verwachsen, die aus Verkehrsicherungsgründen abgerissen werden müssten. − Alles in allem eine inakzeptable Argumentation und reichlich Anlass, alarmiert zu sein.

Fällungen zur ökologischen Aufwertung

Fälliste Flaschenhals

Fälliste Flaschenhals

Die Vertreterin der Obersten Naturschutzbehörde, Annette Mangold-Zatti, erklärte, die noch vor zehn Jahren in solchem Maß artenreiche Brache, dass ihre Unterschutzstellung möglich gewesen wäre, hätte durch Sukzession, also den Aufwuchs konkurrenzstarker Vegetation inklusive verschattender Bäume, inzwischen viel von ihrer Biodiversität eingebüßt und die Wertigkeit, die ein Landschaftsschutzgebiet auszeichne, verloren. Durch Schaffung offener Trockenrasen sei diese Entwicklung aber vielleicht wieder umkehrbar. − Dazu ist natürlich ein detailliertes Pflegekonzept erforderlich und sind die nötigen Finanzmittel auch dauerhaft zu gewährleisten −, aber wenn die erfahrene Grün Berlin GmbH die Parkunterhaltung in die Hand nehme, so Frau Mühlenbauer, sei das, was auf dem Gelände des Nordbahnhofs so überzeugend gelinge, sicher auch auf dem Flaschenhals möglich.

Ein noch recht aktuelles ökologisches Gutachten zu diesem Gebiet datiert von 2007. Der anwesende Bezirksverordnete der Grünen, Ralf Kühne, verlangte Einblicknahme und monierte, dass es nicht längst vorgelegt worden sei. Ob das im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung bei der ersten öffentlichen Auslegung der Entwurfsplanung schon der Fall war, konnte nicht geklärt werden, doch da es die Expertise auch digital gebe, sei ihre zeitnahe Veröffentlichung auf der Website des Bezirks ja unproblematisch. [Eine Woche später können wir das Gutachten freilich noch immer nicht finden.]

Kreative Zerstörung?

Wenn wir bedenken, dass vor anderthalb Jahren solche Flächen auf dem Gelände des Anhalter Güterbahnhofs (Ostpark) bis auf wenige Reste in großem Stil abgebaggert wurden und auch auf dem Areal des ehem. Potsdamer Güterbahnhofs (Westpark) größtenteils dem gleichen Schicksal entgegengehen −, und nun auf Kosten ökologisch doch in ganz anderem Sinne wertvollen (Alt-) Baumbestands (Klima!) entsprechende Biotoptypen künstlich neu geschaffen werden sollen, glaubt man sich endgültig in Absurdistan.

Offenbar vermögen die LandschaftsarchitektInnen des Atelier Loidl nicht mal bei der Gestaltung eines naturnahen Parks vom natürlichen Bestand auszugehen, müssen gerade dort, wo Wald oder Vorwald steht, Offenflächen schaffen und eigendynamisch entstandene Ruderalvegetation in erhaltenswert und -unwert klassifizieren.

Den Charakter erhalten!

Die Bahnbrache auf dem Flaschenhals weist neben der nach wie vor hohen Artenvielfalt ein einzigartiges Flair auf, das BesucherInnen sofort in Bann schlägt. Ist es denn in Zeiten von Klimakrise, galoppierendem Artenschwund und wachsender Naturferne besonders unserer städtischen Jugend einfach nicht möglich, in der hochverdichteten City wenigstens letzte Reste an wilder „Natur der vierten Art“ (der Landesnaturschutzbeauftragte Kowarik) zu schützen und zu erhalten?! „Sie ist optimal an ihren jeweiligen Standort angepasst und besonders vielfältig. Sie ist die typischste Erscheinungsform natürlicher Lebensräume in der Stadt. In ihrer Bedeutung für die Stadtlandschaft ist die Natur der vierten Art den Menschen noch stärker bewusst zu machen.“ (ebd.)

Können die so mühsam wie malerisch von der Natur zurück eroberten Relikte unserer Stadt- und Technikgeschichte heutigem Behördenblick einzig unter versicherungstechnischem Aspekt erscheinen? Muss man tatsächlich Ruinen abtragen, weil sie Ruinen, also baufällig sind, und darf man die Bäume, die in jahrzehntelangem Prozess und faszinierenden Gestaltungen mit ihnen verwachsen sind, in Minuten absägen? Auch wenn das Bezirksamt dieses Werkstattgespräch unters Motto „Flaschenhalspark statt Bahnbrache“ stellte: Sollte es nicht darum gehen, den Charakter dieses Areals so weit wie möglich zu bewahren?

Andernfalls wird man sich auch damit auseinanderzusetzen haben, was langjährige Besucher des Geländes so formulieren: „Macht Ihr unsern Park kaputt, machen wir Euren Park kaputt…“

Zeitplan

Was die Zeitschiene angehe, so müssten vorerst nur für die Anlage der Radwege möglichst schnell GA-Mittel [Mittel für Gemeinschaftsaufgaben aus dem Europäischen Fonds zur regionalen Entwicklung] beantragt werden. Alles andere könne später folgen, da die Gelder aus dem Förderprogramm Stadtumbau West noch bis 2013 abgerufen werden können. Frau Mangold-Zatti allerdings sprach mit Rücksicht auf die Altlastenbeseitigung von einer „Doppelung der Handlungsnotwendigkeiten“. Die Trassenführung, so Amtsleiter Kroll, habe er ohnehin als unstrittig wahrgenommen. Nur im Hinblick auf die Eingangssituation an der Yorkstraße sei noch eine Entscheidung herbeizuführen, so dass die Planung bis August/September fertiggestellt werden und 2011 ihre Umsetzung beginnen könne.

Offene Fragen und grundsätzliche Kritik

Da aus den genannten Gründen keine Arbeitsgruppe gebildet wurde, das nächste Werkstattgespräch am 23.9. sich um die Schöneberger Schleife drehen wird und vorher auch keine weitere Sitzung mehr geplant ist, fühlten sich zahlreiche Beteiligte überfahren, nannten solches Vorgehen unseriös und die Art und Weise des Wegmoderierens wichtiger offener Fragen katastrophal:

In welchem Rahmen und nach welchen Kriterien wird nun die Entscheidung zwischen beiden Eingangsoptionen getroffen? Wieso werden die Werkstatt-TeilnehmerInnen nicht daran beteiligt? Sind weitere Alternativen denkbar? Wann und wie erfahren die nicht eigentlich mehr Beteiligten davon und vor allem: Wird die gefundene Lösung erneut zur Diskussion gestellt und ein Konsens gesucht, auf dass wenigstens der Anschein von Beteiligung gewahrt wird?

Immerhin wurde noch ein weiterer Gesprächstermin nach der Sommerpause erwogen und eine rechtzeitige Ankündigung sowie eine Beschleunigung der Protokollveröffentlichung in Aussicht gestellt, die im Fall der Auftaktveranstaltung ja immerhin knapp zwei Monate auf sich warten ließ. Inhaltlich gab es glücklicherweise nichts daran auszusetzen, im Gegenteil; diskutiert und beschlossen, wie es zumal in einem Beteiligungsprozess nicht ganz unwichtiger Usus ist, wurde es nämlich nicht.

[Update 23.09.10: Siehe die offizielle Dokumentation. − Update 30.11.11: Siehe die überarbeitete Präsentation (Stand 18.11.2010)]

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1 Kommentar

  1. MB said,

    4. Juli, 2010 um 7:33

    Die Behauptung der Senatsverwaltung, dass die Artendiversität im Flaschenhals bereits deutlich dezimiert sei, entbehrt jeder Grundlage. Eine kürzliche Exkursion des BANA-Projektseminars Grünanlagen in Berlin der TU Berlin ergab im Gegenteil eine hohe Artenvielfalt an Gehölzen und Gräsern. Für die Offenhaltung des nordöstlichen Halbtrockenrasens genügt es , wenn 4-5 Bäume gefällt würden. Im südlichen Bereich findet sich auf einer vor Jahren für die Baustofflagerung genutzten Fläche ein neuer Trockenrasen, der geschützt werden sollte. Außerdem ist hier im Zuge der Planung die spätere Nutzung durch die Bevölkerung zu antizipieren, was von den Planern des Büros Loidl bzw. der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung offensichtlich nicht gemacht wird. Allein die massive Wegeführung wird zwangsläufig zu einer Degradation des Geländes führen. Aus naturschutzfachlicher Sicht sollten höchstens 1-2 Wege durch den Flaschenhals führen. Eigentlich sollte der gesamte Bereich unter Naturschutz gestellt werden, insbesondere weil auf dem Nachbargelände des Gleisdreiecks die städtische Natur der vierten Art rücksichtslos beseitigt worden ist, oder wie beim Westpark geplant, demnächst durch Planierungsarbeiten zunichte gemacht wird.


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