„Erschließung“ verlangt Kompensation

BürgerInnen-Initiative Bäume für Kreuzberg

Verwaltung und BürgerInnen auf Kompromisssuche

Erheblichen Protest von Anwohner- und NutzerInnen hatte die „behutsame Erschließung und Anbindung“ des östlichen Görli mit seinem Feuchtbiotop an die Lohmühleninsel im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau West“ ausgelöst, was u.a. in diversen BürgerInnenanfragen, Protestmails und auch zwei Offenen Briefen kulminierte. Erwartungsgemäß beharrte die Verwaltung in Gestalt von Bürgermeister Schulz und seiner Baustadträtin Kalepky darauf, alles richtig gemacht, Anwohner- und NutzerInnen ausreichend beteiligt und doch nichts als eine ökologische Wiederaufwertung des zur Hundebadestelle verkommenen „Kreuzberger Sumpfs“ erstrebt zu haben, und ließen Spott und Wut, die solche Sprachregelungen hervorriefen, unbeeindruckt an sich abperlen.

Rückbau

Rückbau

So schien es jedenfalls. Schulz selbst bezeichnete die Maßnahmen indessen nur als ersten Schritt und forderte die BürgerInnen zu konstruktiven Vorschlägen auf, wie sich die einst naturnahste Fläche des Görli ökologisch wiederaufwerten ließe. − Dass jedoch hinter den Kulissen einige Zweifel an der Hauruck-Maßnahme, die bekanntlich auch BVV wie Bürgermeister überraschte, aufgekommen sein müssen, zeigt sich schon darin, dass eine der beiden unsinnigen LKW-breiten Toreinfahrten, nämlich die zur Görlitzer Straße hin, zurzeit wieder rückgebaut wird, so dass also nunmehr in nur wenigen Metern Entfernung zum vormals einzigen ein ebenso schmaler zweiter Eingang entsteht. − Es sind ja auch noch 40.000 Euro aus besagtem Fördertopf für den Bauabschnitt 3 übrig. Sehen wir also zu, dass sie im Gemeinwohl verausgabt werden. Die Baustadträtin gab die Richtung vor, als sie auf der Fachtagung zur Biodiversität „Flechten − Vögel − Fledermäuse“ vor internationalem Publikum u.a. die Maßnahmen Görlitzer Park als ein Modellprojekt unseres Bezirks für den Schutz der Artenvielfalt pries.

Der zweite Brief jedenfalls, worin die BI Bäume für Xberg konkrete Kompensationsvorschläge gemacht hat, die u.a. das Experiment der Teilabsperrung eines Uferbereichs mit angrenzender Fläche beinhaltete, um ausnahmsweise auch mal für nichtmenschliche Parknutzer einen Rückzugsraum zu schaffen, führte zu einer Abfolge von Treffen und Begehungen von gewählten und durch Engagement legitimierten BürgervertreterInnen und GrünamtsmitarbeiterInnen, auch unter Hinzuziehung des Naturschutzreferenten des BUND Berlin.

Hundebade

Hundebade

Unser Bürgermeister sieht den Hauptgrund für den angeblichen Niedergang dieses „abgehängten“ Parkteils, wie gesagt, im Hijacking durch disziplinlose HundehalterInnen, und entsprechend favorisierten seine MitarbeiterInnen anfangs eine Totaleinzäunung und dichte Umpflanzung des Teichs.

Wie dies auf entschiedene Ablehnung seitens der BürgervertreterInnen stoßen musste, so wies umgekehrt das Amt deren Vorschlag einer durch Totholzwälle und dornenbewehrte Hecken eingefriedeten Schutzzone zurück und wurden hierin kürzlich auch vom BUND-Experten unterstützt: Die ausgewählte Fläche entlang des südlichen Teichufers sei wegen seiner Verschattung durch den Hang, auf dem der Hauptweg verläuft, ökologisch kaum weiter optimierbar und floristisch wenig zu machen, während Kleiber, Blaumeisen und Eichhörnchen in den Bäumen sich vom Treiben darunter nicht irritieren lassen würden. Andererseits aber könne man Nutzungskonflikte nicht durch Absperrungen lösen, und zumal in Kreuzberg sei derlei naturschutzfachlich direkt kontraproduktiv, indem es zur bewussten Missachtung geradezu herausfordere.

Knüppelzaun

Um einen Teil des Teichs geplanter Knüppelzaun

Wenn aber die zum Schutz von Wasservögeln geplante Einzäunung durch verschieden hohe Pflanzungen kaschiert werde, derweil ein anderer Teil des Teichs für Mensch und Hund zugänglich bleibe und es dazu eine Separierung im Wasser selbst mittels einer lebenden Barriere aus Schilf, Röhricht und Seggen gebe, sei dies hingegen anders zu beurteilen. So könnten bspw. zwei Drittel des Teichs nach Osten und zum Landwehrkanal hin umfriedet werden, der westliche Teil mit zwei Liegewiesen aber weiterhin offen und zugänglich bleiben.

Begehung

Begehung

Auch detaillierte Vorschläge zur Aufwertung der Bepflanzung des Areals machte der Naturschutz-Profi, hat doch die ehemals dichte und vogelreiche Vegetation erst durch die Bauarbeiten mit Verbreiterung und Pflasterung der Wege, Verbreiterung der viel zu steilen Treppe und durch das anschließende energische Walten der Grünamtskräfte arg gelitten. Wie berichtet, wurden rücksichtslos Habitate der strauchtreuen Nachtigallen, von denen es in diesem Bereich fünf Brutpaare gegeben hat, kurz vor ihrer Brutperiode die übliche Handbreit überm Boden gekappt und fast der gesamte Unterwuchs entlang der östlichen Mauer gerodet, wo es einst in der warmen Jahreszeit ganz besonders viele Singvögel zu beobachten und zu belauschen gab.

Immerhin haben sich Amt und BürgervertreterInnen aufeinander zu zu bewegen versucht, und ob ein tragfähiger Kompromiss dabei herausgekommen ist, welcher der BVV zur Beschlussfassung vorgelegt werden kann, wird sich in der nächsten

Sitzung des Umweltausschusses am 18. Mai um 18:30 h
im ehem. Rathaus Kreuzberg, Yorkstr. 4-11, Raum 1053

erweisen müssen.

Hain-Bänderschnecke

Hain-Bänderschnecke

Alle Interessierten sind ganz herzlich zur Teilnahme eingeladen! Außerdem soll es auch noch um das „Wäldchen“ im Gleisdreieck-Ostpark gehen, dessen Unterschutzstellung der Bezirk bekanntlich betreibt, das in seiner Gänze unzerteilt erhalten werden muss und allenfalls durch zwei Pfade „erschlossen“ werden darf, sowie um die Loidl’sche Beplanung des Geländes des einstigen Potsdamer Güterbahnhofs für den Westpark. Mit ihrem überhöhten Anteil an Sport, Event, der an der Luftbild-Ästhetik orientierten Führung überbreiter, versiegelter Wege und der militärisch formierten Anpflanzung von Ziergehölzen darf sie in der vorliegenden Form keinesfalls Wirklichkeit werden!

Die Bevölkerung hat sich mehrheitlich für eine naturnahe, am Bestand orientierte Parkgestaltung und gegen einen Aktivitäts- oder sterilen, aber metropolitanen Repräsentationspark ausgesprochen. Das auf den Nägeln brennende Anliegen der Bewahrung der (Stadt-)Natur mit ihrer spontan und eigendynamisch entstandenen und für den urbanen Raum in Berlin noch immer hervorragenden Artenvielfalt ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dies sollte endlich auch die Stadtentwicklungspolitik und insbesondere die Freiraumgestaltung mit Planung und Pflege von Parks und Grünanlagen reflektieren.

Naturerfahrungsraum auf dem POG-Gelände

Naturerfahrungsraum auf dem POG-Gelände

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