Ringen um die Primärsanierungsmethode

Die Lösungssondierungsgruppe hat getagt

Kurzer Blick auf den Stand des Baugeschehens

Während am Riedel-Anleger Maybachufer/Kottbusser Brücke die Firma Stump mittels Verpresslanzen die Betoninjektionen zur Ertüchtigung auch der nicht abgerutschten Uferwand fortsetzt und den Aufbau der übrigen erst dann wieder aufnehmen kann, wenn die mit Unterwasserbeton erstellte Sohle ausgehärtet ist, wird der Anleger im östlichen Bereich direkt an der Treppe vom Ausflugsverkehr schon wieder fleißig genutzt.

Der Abschluss der Crush-Piler-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer wurde durch Neueinsaat der Uferböschung komplettiert, und jetzt wartet alles auf die Auswertung der vielfältigen Testergebnisse, die bei der Firma Obermeyer zusammengeführt wurden. Und am Tempelhofer Ufer führte die Firma Mette auch im Abschnitt westlich des Fußgängerübergangs Möckernbrücke die wasserseitige Sicherung der Uferwand zu Ende. Die Bäume dort sind zwar längst von ihrer Balken-Anbindung befreit, doch im Unterschied zu einem Bericht andernorts konnten wegen Kapazitätsproblemen die letzten beiden Betonklötzer erst diesen Freitag (7.5.) abgeräumt werden. − Aus Sicherheitsgründen schließt das die Bauzäune leider nicht ein.

Jedenfalls hat es in Einhaltung des Zeitplans vor Ort einigen Baufortschritt gegeben, doch mit Blick auf die noch vor uns liegenden restlichen rund zehneinhalb Kilometer zu sanierender Ufer sind Entscheidungen darüber dringlich, welche primären Varianten oder Methoden auf längeren Abschnitten umgesetzt werden sollen, um die marode Uferbefestigung zunächst unter Wasser grundzusichern −, nicht nur, um endlich die mehrere Kilometer vermaledeiter Bauzäune loszuwerden, die nicht selten ihrerseits eine Gefahr darstellen (bspw. wieder wochenlang nahe Prinzenbad, wo es schon einmal einen schlimmen Unfall gegeben hat, in den Weg ragten), sondern generell, um weiteren Schädigungen der Uferbefestigung mit Gefahr neuer Havarien und sich womöglich anschließender Radikalmaßnahmen der Behörde vorzubeugen.

Statische und fließende Komponenten

Diese so genannte Primärsanierungsmethode unter Wasser, so führte die Bürgervertreterin und Architektin Ursula Kleimeier aus, ist der prägende, eher statische Teil, auf den dann die Sanierung des sichtbaren Bauwerks als die eher dynamische, fließende Komponente aufsetzen muss. Hierbei wünscht der Denkmalschutz bekanntlich einen weitestgehenden Erhalt der alten Bausubstanz, also eine In-situ-Sanierung bei möglichst geringen Eingriffen ins vorhandene Bauwerk, was natürlich auch dem Baumbestand zugute kommt. Die dabei anzuwendenden Methoden können im Laufe des zu veranschlagenden Zeitraums von drei oder mehr Jahren Bauzeit infolge weiterer Innovationen immer auch wieder variieren, so dass auch die Rede von einer „Endsanierungsvariante“ verfehlt ist.

Über den Beschluss einer Primärsanierungsmethode hinaus sollte deshalb auch endlich jenem schon über ein Jahr zurückliegenden Forumsbeschluss Rechnung getragen und an den jetzt wasserseitig gesicherten Strecken von verschiedenen, zu beauftragenden Firmen praktisch und experimentell erprobt werden, welche Verfahren sich zur Sanierung des „eigentlichen“ Denkmals: der schrägen Quaderwand oberhalb der Wasserlinie, unter den je verschiedenen örtlichen Gegebenheiten wie Mauerhöhe, Schädigungsgrad, unterschiedlich naher oder ganz fehlender Baumbestand etc. am besten eignen. − Unter Verweis auf die verbesserten personellen Kapazitäten machten die AmtsvertreterInnen hier auch entsprechende Zusagen.

Um aber zunächst den im Wortsinn fundamentalen Teil des Vorhabens zur Entscheidungsreife zu bringen, sind zwischenzeitlich auch die Mitglieder der AG Lösungssondierung in zumindest Teilerfüllung eines umfänglichen Prüfauftrags fleißig gewesen, nämlich die vorliegenden Sanierungsvarianten − von Plass 1,5,6 und 9 über Kleimeier 1 & 1a bis zu den an Maybachufer und Teststrecke Paul-Lincke-Ufer schon umgesetzten Varianten − anhand des komplexen Kriterienkatalogs des Mediationsverfahrens „Zukunft LWK“ zu bewerten.

Ein Prüfauftrag für alle

Varianten

Die Varianten

Um diese diffizile Aufgabe zu operationalisieren, hatte das Mediationsteam einige Vorarbeit geleistet und für jede der acht Varianten eine eigene Blanko-Ausfertigung des Kriterienkatalogs zum Ausfüllen bereitgestellt, doch einerseits erwies sich der Zeitraum von Mitte März bis (nach Verlängerung) 4. Mai für viele trotzdem als zu knapp, und so kamen Rückläufe denn auch vorwiegend nur von einigen (ehrenamtlich arbeitenden) BürgervertreterInnen.

Andererseits musste sich auch ein gewisser Unmut einstellen, denn während die Plass’schen Varianten zumindest eine Gesamtsanierung der Uferbefestigung skizzieren, beschäftigen sich die anderen überwiegend nur mit einem Teil, wenn auch dem primären des Vorhabens. Es drohten deshalb Äpfel mit Birnen verglichen zu werden bzw. wesentliche Themenkomplexe des Kriterienkatalogs: Mensch (Freizeit, Erholung, soziale Begegnung), Natur (-erleben), Artenvielfalt, Ökologie… werden auf dieser Stufe gar nicht zureichend eingeholt. Was der Katalog an ganzheitlichen Perspektiven und Fragestellungen zu umfassen versucht und sich erst auf der Ebene begleitender und zu integrierender Planungen − Stichworte: kreuzungsfrei-durchgängiger Uferradwanderweg, ökologische Aufwertung zu Wasser und zu Lande mit dem Ziel der Biotopvernetzung etc. − zureichend bewerten lässt, erscheint auf dieser, selbstredend unabdingbar notwendigen Planungsstufe als überkomplex und bloß fakultative „Kür“ mit der Gefahr, dass der mit so viel Aufwand erstellte Katalog gleich wieder ein Stück weit überflüssig erscheint.

WSA kennt nur zwei Kriterien?

Nach Auskunft der Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, hingegen hat sich ihre Gruppe zwar intensiv mit dem Prüfauftrag auseinandergesetzt, doch da für WSD/WSA vor allem Standsicherheit und Kostenfrage im Vordergrund stünden, sei der vorliegende Datenbestand noch unzureichend, weshalb man zunächst einmal „das Handtuch geworfen“ habe, welche Formulierung die WSA-Vertreterin später aber relativierte.

Angesichts der diversen statischen Prüfungen, die in der Vergangenheit von der Firma GuD u.a. zu speziellen Varianten durchgeführt wurden, sowie der Tatsache, das inzwischen auch für die jeweilige Kostenschätzung durchaus Erfahrungswerte vorlägen, stieß diese Auskunft bei den BürgervertreterInnen auf Befremden. Die Vertreterin des WSD wurde hier aber nicht müde zu betonen, dass bislang nur die globale Standsicherheit, d.h. der „große Gleitkreis“, bei den verschiedenen Varianten nachgewiesen worden sei, nicht aber die lokale („kleiner Gleitkreis“), der immer nur unter Einbeziehung der örtlichen Gegebenheiten wie z. B. der Verkehrslast u.ä. geführt werden kann.

Einige der Plass’schen Varianten, die gleich eine ganze Reihe zentraler Kriterien der unterschiedlichen Interessengruppen nicht erfüllen, wurden schon Mitte März einvernehmlich ausgeschieden, und in der Sitzung der Lösungsgruppe am vergangenen Mittwoch (5. Mai) konnte nicht zuletzt dank der Vorarbeiten von BürgervertreterInnen weitere aussortiert werden −, alles freilich unterm Vorbehalt, dass auch das Forum zustimmt.

Von Varianten zu Methoden und Bausteinen

Varinatenprüfung

Varinatenprüfung

Mit dem Ausscheiden machten es sich die anwesenden VertreterInnen von WSA/WSD, Denkmalschutz und BürgerInnen wahrlich nicht leicht (von Senat, Bezirksämtern, Naturschutzverbänden und Reederschaft war niemand gekommen), denn fast jede der vorliegenden Varianten enthält zumindest Elemente, die sich unter bestimmten Gegebenheiten in Kombination einsetzen lassen bzw. könne punktuell (auf bis zu zehn, zwanzig Metern) auch auf komplette Varianten zurückgegriffen werden, die für längere Strecken völlig ungeeignet sind. Deshalb fand auch der Vorschlag breite Zustimmung, eine Art Baukasten mit verschiedenen Bausteinen zusammenzustellen, um in der Praxis flexible Anpassungen an unterschiedlichste Randbedingungen zu gewährleisten, sowie künftig nicht mehr von Sanierungsvarianten, sondern -methoden zu sprechen.

Zur Überraschung der BürgervertreterInnen präsentierte Dipl.Ing. Marcel Heier eine mit seinem Kollegen, dem Bautechniker Björn Röske (beide Mitglieder der AG LWK), entwickelte Variante, wenn auch zögerlich und widerstrebend, denn sie sei als Kind der stark mit Injektionen arbeitenden Maybachufer-Variante noch im Baby-Stadium und längst nicht zu Ende entwickelt. Daran, dass diese (von AG-Leiterin Annette Ernst flugs mit dem Codenamen „Heideschen“ bedachte) Variante nicht gleich in Bausch und Bogen verworfen wurde, wie es einer früheren der weiland Projektgruppe LWK geschah, sondern, wenn auch anfangs sehr kontrovers, intensiv diskutiert und auseinander genommen wurde, ließ sich schon indirekt schließen, dass „Heideröschen“ durchaus auf ernsthaftes Interesse stößt. Die Fachfrau unter den BürgervertreterInnen, Dipl.-Ing. Ursula Kleimeier, qualifizierte sie denn auch als hochinteressant und plädierte für eine Aufnahme in die Primärsanierungsmethoden-„Familie“, die mit vorgesetzter Spundwand arbeiten, als da wären Kleimeier 1 und 1a, die Teststrecken-Variante sowie eben „Heideröschen“.

Haushaltsordnung vs. Geist der Mediation

Dass sich die VertreterInnen von WSD und WSA überaus schwer tun, Plass’sche Varianten, und wenn sie auch vitale Interessen beteiligter Stakeholder krass verletzen wie, um mal ein Beispiel anzuführen, Nr. 6, die (in der ihrerseits heftig umstritten Deutung des WSA) eine Verwandlung der sichtbaren Uferwand in ein Bodendenkmal, also ihr Verbuddeln vorsieht, um sie rund zwei Meter Richtung Fahrrinne nachzubauen, sprich: zu imitieren, was erwartungsgemäß auf den entschiedenen Widerspruch des Co-Autoren des GgG zum LWK von 1990, Theseus Bappert, stieß (der den verhinderten Klaus Lingenauber und damit das LDA vertrat), und natürlich auch für die BürgervertreterInnen, selbst wenn die Bäume gesichert wären, nur schwer zu kommunizieren sein dürfte, entstünden doch zwangsläufig Kanten und Knicke, wo die ursprüngliche Uferwand wieder zum Vorschein kommt −, dies hartnäckige Beharren der BehördenvertreterInnen blieb den Übrigen auch dann noch schleierhaft, als haushaltsrechtliche Auflagen und Zwänge ins Feld geführt wurden, wonach alle nachweislich standsicheren Varianten in der weiteren Prüfung zu belassen seien. − Der Kompromiss lautet nun dahingehend, dass die genannte Variante noch eine Ehrenrunde durchs Forum nimmt und erst dann als nicht konsensfähig endgültig ausscheidet, wobei freilich wiederholt werden muss, dass auch bei allen andern die letzte Entscheidung erst im Forum fällt. − Auch die Variante Plass 9,  eine Rückkehr zu Lenné unter Wasser (Bappert), die sich für breite Kanalabschnitte eignet, bleibt im Rennen wie es überhaupt für Einzelfalllösungen prinzipiell die Möglichkeit geben soll, auch ausgeschiedene Varianten erneut zu diskutieren, wenn wir mal von Plass 11 absehen, die eine Zuschüttung vorschlägt…

Nun dürfen wir auf die Diskussion in der 22. Forumssitzung am 17. Mai gespannt sein, auch weil dann der Göttinger Professor Weihs und sein Doktorand die Ergebnisse der noninvasiven georadiologischen Sondierung von Wurzelverläufen ausgewählter Bäume vom vergangenen Sommer vorstellen wollen. Am 18. und 19.05. werden die beiden Wissenschaftler ihre Arbeit noch am Corneliusufer fortsetzen. „Diese Untersuchungen sollen die Untersuchungen 2009 ergänzen (im Gegensatz zu 2009 jetzt hohes Ufer, d.h. großer Grundwasserabstand)“, informiert Frau Dr. Ernst und hofft, „dass die Untersuchungen u.a. auch zeigen können, dass eine junge Kastanie am Corneliusufer weit landeinwärts verwurzelt ist, so dass sie beim etwaigen Versagen der Mauer als verhältnismäßig leichter Baum von den eigenen Wurzeln festgehalten werden kann und von ihr keine Gefahr für ein vorbeifahrendes Schiff ausgeht. Sollte dieser Nachweis gelingen, könnten deren beide Betonklotzanbindungen zeitnah entfernt werden.“

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