Teststrecke Corneliusstraße wird es nicht geben

Letzte Betonwürfel dürfen länger liegen

Wettbewerbsfreiheit sticht alle andern Werte und Güter aus!

Wir erinnern uns: Als angesichts eines aus dem Hut gezauberten WSA-Vorschlags, die nach wie vor korsettierten, an die letzten verbliebenen Brockelmannschen Betonwürfel gepflockten Kastanien entlang der Corneliusstraße in Mitte durch eine umständliche Modifizierung der Anbindung irgendwie auch noch über die dritte Vegetations- und Wachstumsperiode zu kriegen, platzte dem Bezirksvertreter in jener denkwürdigen vorweihnachtlichen Sitzung der Kragen: Unter diesen Umständen forderte nun auch das Bezirksamt Mitte endlich ein Gutachten über Sinn und Unsinn der monströsen Klötzer und − stürzte die AmtsvertreterInnen sichtlich in Verwirrung.

In dieser Situation wurde die Idee einer Bürgervertreterin, im Anschluss an die erfolgreiche Absolvierung der 50m-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer einfach GIKENs Crush Piler plus Mettes Gerätschaften ans Corneliusufer umzusetzen, um auf dem dortigen, insgesamt 120 Meter langen Abschnitt die letzten Winter abgebrochene Verspundung wiederaufzunehmen und noch in dieser Sperrsaison zu Ende zu bringen, allseits als Befreiungsschlag begrüßt.1)

Inzwischen ist Weihnachten lange vorbei, und nun heißt es von Seiten des WSA, dass eine Verlängerung der Teststrecke und Vergabe an GIKEN (und die Mette-Wasserbauer) mit den verwaltungs- und vergaberechtlichen Vorschriften nicht in Einlang zu bringen sei. Das Bauvorhaben müsse − nach der am 16.10.09 wegen intransparenter Preiskalkulation der angefragten fünf lokalen Baufirmen wieder aufgehobenen beschränkten Ausschreibung − nunmehr deutschlandweit ausgeschrieben werden.

Schnelle Lösung fürs Corneliusufer wäre nicht vorschriftenkonform

Dabei hatte für die Umsetzung der beschriebenen „charmanten Lösung“ (so die Leiterin AG LWK, Frau Dr. Ernst) alles denkbar gut ausgesehen: sowohl die geräte- als auch die haushaltstechnischen Kapazitäten waren vorhanden; sogar die Möglichkeit, die Verspundung noch innerhalb der bis zum 30. April verlängerten Sperrfrist zu bewältigen, schien gegeben; der Lenkungsausschuss der AG LWK inklusive WSD-Chef Menzel für die Idee gewonnen, wenn sie VOB-konform hergeleitet werden könne −, doch da jene fünf ortsansässigen Baufirmen mittlerweile Gelegenheit gehabt hätten, sich bei einem Bauvorhaben des WNA-Magdeburg in Genthin übers Arbeiten mit dem Crush Piler und seine Kosten umfassend kundig zu machen, wären bei einer neuerlichen Ausschreibung nunmehr günstigere Angebote zu erwarten, weshalb sich nach VOB eine freihändige Vergabe auch unterm Label „Teststrecke“ verbiete. Deren Umdefinierung und Verlängerung sei ausgeschlossen, weil nur eine kleinere Leistung der größeren angeschlossen werden könne und nicht umgekehrt.

Bezirksamt Mitte eingeknickt

Ein für die BürgervertreterInnen ernüchternder Bescheid! Angesichts dessen, dass GIKEN für die Stahlarbeiten als einzige Firma über das notwendige Equipment, eben den Crush Piler, verfügt, also so oder so einbezogen werden muss, wird ein an sich unhaltbarer Zustand sowohl für die AnwohnerInnen, welche die von ihnen selbst finanzierte Promenade noch einen dritten Sommer nicht nutzen können, als auch für den wertvollen Altbaumbestand, dessen Lebenserwartung beträchtlich reduziert werden dürfte, auf Grund der neuerdings höchst skrupulösen wettbewerbsrechtlichen Auslegungen und Rücksichtnahmen verlängert und damit u. E. ohne angemessene Güterabwägung ein von Anbeginn überflüssiger, Stadtnatur schädigender, landschafts- und denkmalästhetischer Schandfleck konserviert. − Warum der Bezirk Mitte, der 2007 nur unter Vorbehalt und damit der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden könne, einer „vorübergehenden landseitigen Baumsicherung“ zugestimmt hatte, sich nun mit einer Lockerung der Stamm-Manschetten in der Zeit der stärksten Wachstumszunahme sowie der vagen WSA-Zusage, die Promenade nicht weiter verkommen zu lassen, zufrieden gibt und namentlich seine Forderung nach einer den Sinn dieser Installation überhaupt überprüfenden Untersuchung  fallen lässt, bleibt der/m einfachen BürgerIn unerfindlich.

Lobbying hinter den Kulissen schlägt BürgerInnen-Beteiligung

Wie angekündigt, hatte das WSA die Reederschaft am vergangenen Montag (8. März) zum Arbeitstreffen „Schifffahrt am Landwehrkanal“ gebeten, doch nicht nur die Fahrgastschiffer groß und klein, sondern auch die von ihnen offenbar alarmierten Sport- und Ruderbootverbände hatten ihre Vertreter entsandt, wohl um der kategorischen Absage an jede weitere Verlängerung der Sperrzeit über den 30. April hinaus, ganz gleich wie begründet, den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Sollte dieser Forderung nicht entsprochen werden, wurde sogar mit Kampfmaßnahmen bis hin zu Wasserstraßen-Blockaden gedroht. Alle die Schifffahrt einschränkenden Sanierungsmaßnahmen (die in ihrem Umfang ja nicht zum wenigsten der exzessiven kommerzielle Nutzung des LWK geschuldet sind), dürften allein in der winterlichen Sperrzeit durchgeführt werden, auch wenn der Winter nach Aussage von WSA-Vertretern nach jüngsten Erfahrungen, aber auch generell nicht eben die günstigste Zeit für solche Wasserbauarbeiten ist. Dann müsse während der Schifffahrtssaison eben nachts gearbeitet werden und das Ruhebedürfnis der AnwohnerInnen zurückstehen. Schließlich habe man bereits durch die Kanalsperrung 2007 erhebliche wirtschaftliche Verluste erlitten.

Öffentliche Aussagen der Reeder, worauf wir schon wiederholt hingewiesen haben, stehen solchen Behauptungen entgegen −, aber wie dem auch sei: es wäre mithin am besten, wenn die nächsten Winter ausfielen…


1) Die Fahrgastschiffer hatten an dieser Sitzung allerdings nicht teilgenommen, selbstredend auch keine Zeit für Protokoll-Lektüre und sperrten sich, wie berichtet, gegen alles, was sie ab Mai nichts verdienen lässt…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s