Stadtnatur als Angstraum

Grünflächenpflege als Kriminalitätsprävention

Unsere Galerie von Fotos [zum Vergrößern anklicken!] entlang der Grimmstraße in Kreuzberg (Graefekiez) dokumentiert nur ein weiteres Fallbeispiel für die, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, stadtweit und alle Jahre wieder − sei’s während der winterlichen Fällperiode, sei’s in der Brut- und Vegetationszeit − zu beobachtende sog. Grünflächenpflege: fachlich fragwürdig und unsachgemäß, naturfern bis -feindlich, ökologisch wertvolle Stadtnatur immer wieder massiv schädigend, Bemühungen um Klima- und Artenschutz, aber auch um die umweltpädagogisch bedeutsame wohnungsnahe Naturerfahrung [siehe aber den Geräte-Spielplatz!*)] konterkarierend;

dafür aber, vermöge dieses radikalen Auslichtens und Kurzhaltens der Vegetation, der akribischen Rodung allen Spontanaufwuchses und Vereitelung jeglicher natürlichen Verjüngung, in unseren Parks und Grünanlagen Angsträume und -löcher beseitigend, Transparenz schaffend, soziale Kontrolle und Überwachung gewährleistend und damit in Zeiten allgegenwärtiger Bedrohung wenigstens ein Gefühl von Sicherheit vermittelnd.

Die Pflegekosten werden durch solches Tun übrigens nicht reduziert, die chronisch knappen Mittel keineswegs geschont, denn solch martialisches Durchgreifen ist per se nicht billig; akribisches Beseitigen von Laub, Krautschicht und Unterwuchs kostet, willkürliche Aufastungen oder radikale Kronenrückschnitte produzieren immer neue Pflegefälle unter unsern Stadtbäumen: mittel- und langfristig käme hier fachkundige naturnahe Pflege günstiger −, aber darum geht es doch gar nicht.

Die (gefühlte) Sicherheit im öffentlichen Raum ist zum Nulltarif nun mal nicht zu haben! − Und wer natürliche Natur will, die/der fahre eben raus ins Schutzgebiet [das freilich nicht zu wertvollen Altbaumbestand aufweisen darf: siehe hier und beachte auch den Kommentar…]


*) Kinder und Jugendliche wollen und sollten spontane Erfahrungen machen. Wie Geräte-Spielplätze, so erscheint ihnen gepflegte Natur eher langweilig. Eine reglementierte Natur hat gegenüber den hektischen Reizen der medialen Welt kaum eine Chance. Statt die Natur gegen den Erlebnisdrang junger Menschen abzuschotten und Naturkontakte nur mit umwelterzieherischer Absicht zuzulassen, sollte im Gegenteil zukünftig mehr Raum für spontane Erfahrungen gegeben werden, faktisch ebenso wie ideologisch. (nach Dr. Rainer Brämer, Natursoziologe, in Jungendreport Natur 2006)

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3 Kommentare

  1. Klara Klimaschutz said,

    7. März, 2010 um 23:12

    Was ist nur mit den „Grünen“ los?

    Würde man den Worten u.a. der „grünen“ PolitikerInnen Glauben schenken, so stapeln sich hinter jedem Baum und jedem Busch Dealer, Drogenabhängige und Vergewaltiger. Diesem angeblich allerdringlichsten Hauptproblem unserer Zeit Herr zu werden, danach trachten unsere PolitikerInnen zu unser aller Wohl. Um die Übeltäter unter Kontrolle zu halten, die sich angeblich permanent im mickrigen Stadtgrün zusammmen rotten, wo sie massenhaft nach unschuldigen Opfern Ausschau halten, wenden die Politikerinnen allerdings eine mehr als eigenartige „Problemlösungsstrategie“ an:

    Sie lassen ökologisch wertvolle, CO2 – reduzierende Bäume gnadenlos fällen und sie lassen Büsche roden, die wichtige Brutplätze für z.T. vorm Aussterben bedrohte Vögel sind. Die Devise lautet: Sichtachsen braucht das Land, damit das Böse (= Dealer, Drogenabhängige & Vergewaltiger) gesehen werden kann und es dadurch keine Chance mehr hat. Offenbar handelt es sich hier um eine Art archaisches „magisches Denken“.

    Die Vorgehensweise ist erstaunlich absurd: Erst wird ein Problem extrem unrealistisch groß aufgebauscht und dann wird noch ein völlig sinnloser „Lösungsansatz“ gewählt. D a s muß den Profis erstmal einer nachmachen!

    Werden demnächst eigentlich auch alle Häuser abgerissen, da in deren Hausfluren, Kellern und Wohnungen Vergewaltigungen stattfinden könnten? Hinter jeder Tür könnte ja so einer auf ein Opfer warten! Jeder Raum in jedem Haus ist doch so gesehen quasi ein Angstraum!

    Fühlen Sie sich durch dieses Argumentationsniveau auch fatal an das der Zeitung mit den großen Buchstaben erinnert? Blicken wir den Tatsachen ins Auge: Es ist so. – Für so blöd halten u.a. die „Grünen“ ihre zukünftigen Ex – WählerInnen inzwischen!

    Klimaschutz? Egal! Ökologie? Egal! Nachhaltigkeit? Egal! Lebensraum für aussterbende Tierarten in der Stadt? Egal! Was kümmert sie ihr eigenes permanentes Gerede?!

    Der angebliche Angstraum muß weg! Und überall, wo es noch grün ist, ist u.a. in den Augen der „Grünen“ offenbar ein Angstraum. Was ist bloß mit den „Grünen“ los, dass ausgerechnet sie sich vor jedem Baum und Strauch zu fürchten scheinen bzw. vor dem, was dahinter sein könnte? Die „Grünen“ haben offensichtlich eine schwere Grünphobie!

    Das wäre wirklich zum Lachen, wenn diese seit Jahren stattfindende konsequente Zerstörung der wertvollen Rest – Natur, unter der wir alle zu leiden haben, nicht so traurig wäre. Und so unwiederbringlich.

    Vielleicht sollte Günter Wallraff in der Sache mal undercover recherchieren. Womöglich geht es um ein riesiges Geschäft, das mit dem gefällten Holz gemacht wird? Irgendetwas ganz anderes steckt jedenfalls hinter diesem unsinnigen „Angstraum“ – Gerede. Und sei es nur, dass es darum geht, auf lange Sicht Gelder für die Baum- und Grünpflege einzusparen (weil es künftig kaum mehr Bäume und Grün geben wird). Es geht vielleicht darum, auf Teufel komm ´raus Fördergelder für sinnlose teure Baumaßnahmen auszugeben und beim Bauen stehen Bäume, Büsche und Unterholz oft im Weg.
    Herr Wallraff, übernehmen Sie!

    • Manuel Keucht said,

      8. März, 2010 um 11:10

      Die Gründe für diese zerstörende Grünflächenumgestaltung und -pflege sind sicherlich sehr vielschichtig.
      Natürlich fehlt es an Mitteln, um eine wirklich qualifizierte Pflege zu beauftragen. Es fehlt aber auch an der Motivation und teilweise wohl auch Qualifikation der Amtsmitarbeiter_innen, die Einhaltung der Pflegepläne nach Auftragsvergabe an die ausführenden Firmen zu überwachen und zu kontrollieren. Und es fehlt der herrschenden Bezirkspolitik die politische Einsicht in die auch ökologische Wertigkeit von Grünanlagen. Und im Bezirk Kreuzberg haben wir nun über Jahre erfahren, dass dies unter der Regierung der sog. „Grünen“ keinesfalls anders ist, wie viele von uns sicherlich gedacht haben.
      Wie schlimm es in diesem Punkt in dieser etablierten Partei offenbar bestellt ist, zeigt schon eine Bemerkung eines ihrer Umweltausschussmitglieder am Rande der letzten Sitzung, als es um die Verabschiedung des sog. „Laubantrages“ ging: „Was sollen wir denn machen?“ nörgelte er verzweifelt, als es um die Kritik der praktizierten Grünflächenpflege ging, und nachdem wir seit 3 Jahren unter großem Aufwand versuchen, gerade die „Grünen“ Abgeordneten für dieses Thema zu sensibilisieren.
      Was ihr machen sollt? Ihr sollt etwas tun gegen diese Art der Naturzerstörung! Ihr stellt in diesem Bezirk die Baustadträtin (und das tut ihr seit ca. 20 Jahren), habt aber keinerlei Einfluß auf deren Politik?

      So ist es auch kein Wunder, dass der bereits oben angesprochene Laubantrag, in dem es darum geht, in ausgewiesenen Teilbereichen der bezirklichen Grünanlagen das alljährlich anfallende Laub nicht mehr zu entfernen, nicht von den „Grünen“ sondern von der „Die Linke“ eingebracht worden war. Wirklich erstaunlich aber ist gewesen, dass dieser an sich völlig harmlose Antrag durch Enthaltung ausgerechnet der „Grünen“ zunächst einmal abgelehnt wurde, weil die „Linke“ gegen die reaktionären Kräfte von SPDCDUFDP nicht alleine anstinken konnte. Dieser nachträglich eingeräumte „Blackout“ würde Helmut Kohl in der Tat alle Ehre bereiten und stellt den Tatendrang der „Grünen“ exemplarisch unter Beweis!

      Die im „Laubantrag“ beschriebenen Maßnahmen wären ein bescheidener Anfang und würden relativ kurzfristig die betroffenen Bereiche ökologisch aufwerten und dazu noch ein wenig der knappen Pflegemittel einsparen helfen, die dann bspw. für eine qualifizierte Strauchpflege eingesetzt werden könnten.
      Aber die „Grünen“ sind nicht nur nicht an einer wirklichen GrünPFLEGE interessiert, sondern füllen auch die ersten Reihen der Kampffront „Angstraum Natur“. Jüngstes Beispiel Mariannenplatz: Dort wurden in den vergangenen 2 Wochen die den Platz einrahmenden und angrenzenden Strauchreihen von ca. 2,50 m Höhe auf nur noch ca. 30 cm zurückgeprügelt. Ich wette, niemand aus der Verwaltung hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, dass hier Brutreviere verloren gehen, die von den Vögeln in einigen wenigen Wochen aufgesucht werden. Der Grund für diese Maßnahme nach Aussage eines mit der Ausführung Beauftragten: Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass das Personal der Pförtnerloge des direkt angrenzenden Haupthauses Bethanien den Mariannenplatz visuell kontrollieren kann, um den dort imaginierten Kleindealern ihren Rückzugsraum zu nehmen. Tatsächlich weiß aber nun wirklich jedes Kind dieser Stadt, dass die wirklich harte Dealerszene ein paar Straßenkreuzungen weiter am Kottbusser Tor ihren Geschäften nachgeht. Möglicherweise ist diese ganze Aktion also als Präventionsmaßnahme zu betrachten, wenn im großen Kehraus zur Herstellung der endlich zu realisierenden Innenstadtqualität der bundesdeutschen Hauptstadt die letzten Dreckecken Kreuzbergs ausgebürstet werden sollen. Nach dem Motto: Hier werden sie nicht landen können! Und dafür sind die „Grünen“ doch gerne bereit, unsere Grünflächen zu schleifen.

      Um zu unterstreichen, dass viele Bewohner und Bewohnerinnen dieses Bezirkes mit dieser antigrünen Politik nicht einverstanden sind, sollten möglichst viele sich an die Verantwortlichen wenden (es wäre schön, wenn als Beleg eine Kopie an
      baeume.luisenstadt@googlemail.com
      geschickt werden würde):

      Herr Hilmar Schädel
      Fachbereich Naturschutz und Grünflächen
      Yorckstr. 4-11
      10965 Berlin
      Telefon: 90298-8024
      Fax: 90298-8033
      E-Mail: natur@ba-fk.verwalt-berlin.de

      Frau Jutta Kalepky
      Baustadträtin Friedrichshain-Kreuzberg
      Yorckstr. 4-11
      10965 Berlin
      Telefon: (030) 90298-3260
      Telefax: (030) 90298-2512
      E-Mail: ursula.meyer@ba-fk.verwalt-berlin.de

      Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – BVV Friedrichshain-Kreuzberg
      Vorsitz: Antje Kapek / Daniel Wesener
      Yorckstraße 4 -11
      10965 Berlin
      E-Mail: fraktion-frieke@gruene-berlin.de

  2. Annette said,

    15. März, 2010 um 0:19

    Also mag ja sein, dass es an Geld und Zeit liegt, dass Grünpflege nicht naturnah ausgeführt werden kann. Aber in dem Fall hier sieht es doch ganz danach aus, als ob die Pflege die gemacht worden ist gar nicht notwendig war – oder? Warum dürfen auf dem Eckchen vor dem Spielplatz (meine Tochter wäre übrigens traumatisiert, wenn es neben ihrem Spielplatz so aussehen würde,..) keine kleinen Bäume wachsen und Büsche groß werden? Wieso muss denn dort „gepflegt“ werden? Ist doch keine Liegewiese. Die Fremdfirmen sollen Müll sammeln und mehr nicht, so sehe ich das. Und die Grünflächenamtsmitarbeiter sollen andere Sachen machen als so etwas!!


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