Umgang mit Baum und Strauch

WSA-Pflege macht lokal Fortschritte

In der letzten Mediationsforumssitzung (22.2.) ging es natürlich auch um Bäume, und zwar um die Herbeiführung eines Beschlusses über notwendige Baumpflegemaßnahmen an Oberschleuse und Flutgraben, die der Leiter des ABz Neukölln, Jörg Augsten, mit dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, bereits abgestimmt hatte. Dabei habe es keinen Dissens gegeben, sondern konstruktive Lösungen, insbesondere im Fall dreier geschädigter Bäume, die nun noch dahingehend untersucht werden sollen, wie viel von ihnen als ökologisch wertvolles Biotopholz stehen bleiben kann. „Die Qualität der Baumkontrolle durch das WSA hat sich im Bereich des Landwehrkanals deutlich verbessert“, lobt Barsig.

[Für den Bereich des BSK und des ABz Spandau können wir das, wie berichtet, leider noch nicht behaupten. Zu den von Kieler Straße bis Nordhafen kürzlich wenig fachgerecht durchgeführten Kappungen und Fällungen fand heute (26.2.) eine Begehung mit Dr. Barsig statt, der die nunmehr gestoppten Maßnahmen validieren soll. − Siehe auch hier.]

In diesem Zusammenhang möchten wir auch an die zugesagte Kompensation für die vor Jahresfrist am LWK-Ufer in Kreuzberg unabgestimmt erfolgten Strauchrodungen erinnern − und können sogleich bruchlos überleiten zu ebenfalls unabgestimmten, ähnlich naturzerstörerischen, schnell noch vor Anbruch von Frühling, Vegetations- und Brutperiode gestarteten „Pflegearbeiten“, die heuer, vielleicht in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem WSA, der Bezirk F’hain-Kreuzberg an gleicher Stelle durchführen lässt.

Fällungen und rabiater Strauchverschnitt − diesmal durch den Bezirk

Rodungen Paul-Lincke-Ufer

Unsachgemäßer Strauchschnitt und willkürliche Fällungen am Paul-Lincke-Ufer

Zwischen Manteuffel- und Ohlauer Straße bietet die Böschung das schon aus unseren Grünanlagen vertraute Bild von handbreit überm Boden und noch dazu unsachgemäß herunter geschnittenen bzw. gebrochenen Büschen und Sträuchern. Entlang der Ufermauer wurden reihenweise bereits armdicke Jungbäume gefällt.

Bei der gemeinsamen Kanalbereisung von WSA– und Bezirksamtsvertretern zur Abstimmung von Pflegemaßnahmen im Mai 2009 war jedenfalls auch von diesen hier nicht die Rede. Die Referentin der Xhainer Baustadträtin, gegenüber der wir am Donnerstag (25.2.) auf einen sofortigen Stopp dieses Treibens drangen, aber erklärte knapp, dass „die Bäume da nicht hin gehören.“

Auf der einen Seite erweist sich abermals der Widersinn der unterschiedlichen Routinen bei sog. kurzfristigen Maßnahmen, ob sie nun das WSA oder aber die fünf Anrainerbezirke durchführen, ja es könnte sich geradezu der Verdacht aufdrängen, dass der ABz Neukölln nunmehr die Drecksarbeit vom Bezirk verrichten lässt; auf der anderen Seite handelt es sich hier aus bezirklicher Perspektive um ein denkbar kurzsichtiges und kontraproduktives Vorgehen, insofern für den Fall, dass die Sanierung der Ufermauer dereinst wirklich Fällungen erforderlich macht, auf diese Weise schon mal die Verhandlungsmasse für Ausgleich und Ersatz ohne Not verringert wird, denn bis dahin wären die Bäume vielleicht schon unter die Bauschutzverordnung gefallen.

Verwaltungshandeln in seinem Lauf

Rodungen Paul-Lincke-Ufer

Unsachgemäßer Strauchschnitt

Und dass nach all den emotionalen Debatten im Mediationsforum, woran die Baustadträtin ja zuweilen teilgenommen hat, vor Ort nun auch von ihrer Behörde ein gleiches Vorgehen veranlasst wird, lenkt mal wieder Wasser auf die Mühlen derer, denen Mediation nur ein aufwendiges Verfahren zur Zermürbung des Bürgerwillens ist.

Im Jahr der Artenvielfalt konstatieren wir also einmal mehr den durch nichts zu rechtfertigenden Verlust von Brut-, Nahrungs- und Rückzugsmöglichkeiten für Vogelwelt und Kleintierfauna, die Zerstörung von Kleinbiotopen und Habitaten, die Beeinträchtigung von Mikroklima, Aufenthaltsqualität und Naturästhetik sowie eine nunmehr zu gewärtigende weitere Zertramplung und Vermüllung der Böschung etc. und erinnern abermals an den 2002 in Kraft getretenen Pflege- und Unterhaltungsplan der BfG, der für den gesamten LWK und seine Ufer gilt −, doch was nützen ambitionierte ökologische Unterhaltungspläne, wenn keiner sie kennt, geschweige denn ernst nimmt und sich daran gebunden fühlt?

Rodungen Paul-Lincke-Ufer

Fällungen entlang der Ufermauer

Im Rahmen von Veranstaltungen zum Bürgerhaushalt 2011 in F’hain-Kreuzberg haben wir kürzlich den überfälligen Paradigmenwechsel hin zu einer naturnahen und fachgerechten Grünflächenpflege propagiert, die ja noch dazu Einsparpotentiale bei den notorisch knappen Pflegemitteln birgt, wodurch dann im Gegenzug bspw. für mehr Wässerung in Hitzeperioden und gründlichere Entmüllung der Anlagen gesorgt werden könnte. Von den BürgerInnen gab es großen Zuspruch, doch ohne dass die Politik, also die gewählten BezirksvertreterInnen, hier endlich für den erforderlichen Druck sorgen, wird sich auch in einem grün regierten Bezirk an der Misshandlung der Stadtnatur durch die Verwaltung bzw. die von ihr beauftragte unqualifizierte und unkontrollierte externe Pflege nichts ändern.

Advertisements

1 Kommentar

  1. Manuel Keucht said,

    8. März, 2010 um 12:03

    So sehr ich die Kritik an der herrschenden Grünflächenpflege auch teile, sollten wir aufpassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Insofern sollten wir bei der Begutachtung z.B. von natürlichem Aufwuchs sowohl die ursprüngliche Idee der Gestaltung der betreffenden Grünanlage, als auch die Weiterentwicklung der Nutzungsansprüche der Bevölkerung abwägen. Was grundsätzlich fehlt, ist doch jegliches Augenmaß der praktizierten „Pflege“ und „Umgestaltung“, weswegen sich hinterher auch der Eindruck eines Massakers aufdrängt. Nicht jeder Aufwuchs kann toleriert werden, sonst gibt es bald keinen freien Blick mehr ans Wasser – nicht jede Schneise muß freigeschnitten, nicht jeder Strauch nach 5 Jahren wieder „auf den Stock gesetzt“ werden. Von dieser undifferenzierten Praxis muß abgekommen werden und dabei sind jene, die die Grünflächen nutzen und sich für ihre Qualitäten interessieren und einsetzen (und das sind nicht wenige), mitgenommen und eingebunden werden. Grünflächen sind Teil des öffentlichen Raumes und daher gehen sie uns alle an. Die rudimentären Bürgerbeteiligungsprozesse, die sich auch unter grüner Verwaltung nicht geändert haben, werden weiterhin von den Verantwortlichen als Feigenblatt benutzt, um der Öffentlichkeit eine Beteiligung vorzugaukeln. Hier ist die „grüne“ Innovationsfähigkeit wirklich erschreckend unterentwickelt bis nicht vorhanden – eine Partei, die immer vertreten hat, dass Entscheidungen nicht zwangsläufig auf der parlamentarischen Ebene zu treffen sind, sondern, auch aus Gründen gelebter Demokratie, von den betroffenen Menschen selbst. Das aber passiert nicht von alleine, sondern dazu braucht es zuallererst Information, die bei den Betroffenen auch ankommt, die Schaffung von Foren zur Problembeschreibung und Entwicklung von Lösungsansätzen. Und nicht zuletzt müssen die Menschen die Gewissheit haben, dass ihr Engagement auch was bewirkt, und dasss sie nicht ständig gegen Windmühlen (nämlich die „grüne“ Verwaltung) ankämpfen müssen. Doch offensichtlich sind die „Grünen“ selbst in der hierzulande traditionell so weitverbreiteten Obrigkeitsstaatlichkeit gefangen und leben bisher eigentlich auch ganz gut damit.

    Zu hoffen wäre daher, dass sich immer mehr Menschen fragen, warum sich die „Grünen“ eigentlich immer noch so nennen und warum sie diese Partei überhaupt wählen sollen, wenn sie doch offenbar nach 30 Jahren schon so verbraucht ist, wie die SPD nach 120 Jahren.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s