WSA-Leiter rechtfertigt Kappungen und Fällungen

Abstimmung mit BfG, Bundesforsten, Bezirksamt Mitte und Baumsachverständigen

Bäume seien krank, nicht standortgerecht, würden im Frühling aber wieder grün

WSA-Chef Michael Scholz kam am gestrigen Dienstag eigens in die Sitzung der AG Gutachten und Planwerke, die sich mit der Durchführung von UVS und LPB befasste [Bericht folgt], um zu den Vorwürfen der BürgervertreterInnen gegenüber den umfangreichen Kappungs- und Fällmaßnahmen entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals Stellung zu nehmen. Die BürgervertreterInnen hatten mit sich gerungen, diese Sitzung wegen der Vorfälle und weil sie sich einmal mehr auf den Arm genommen fühlten − drinnen wird verhandelt und draußen derweil gefällt − demonstrativ zu boykottieren, doch sie beschränkten sich, weil andererseits die inhaltliche Füllung der vom WSA angebotenen UVS sehr wichtig und auch eine große Chance ist, aufs Überreichen einer Protestnote. (Der spätere Verlauf der Sitzung sollte diese Entscheidung rechtfertigen.) − Amtsleiter Scholz hingegen berichtete, er habe die Arbeiten am späten Rosenmontagnachmittag  zwar stoppen, doch gleich nach in Augenscheinnahme mit dem Leiter des Außenbezirks, Matthias Moneke, am folgenden Tag wiederaufnehmen und zu Ende führen lassen, da sie bereits „zu 99 Prozent abgeschlossen“ gewesen wären. (Die Beschneidung zweier Weiden würde auf die nächste Fällsaison verschoben und nur noch Totholz aus einer Robinie entfernt.)

Alle Schnittmaßnahmen seien vorschriftsmäßig und nach Recht und Gesetz durchgeführt worden, ihre Notwendigkeit durch externe Gutachten belegt, die u.a. sogar vom Baumsachverständigen Dr. Barsig erstellt und auch von Mitarbeitern der Berliner Forsten befürwortet worden seien. Alle entsprechenden Unterlagen würden selbstverständlich zugänglich gemacht. Danach hätten bruchgefährdete Äste der Uferbäume über den Uferwanderweg sowie die Wasserfläche des Kanals geragt und so die Verkehrssicherheit beeinträchtigt; die Bäume seien krank und in verschiedenen Stadien geschädigt gewesen; ihre Beschneidung wirke natürlich jetzt im Winter besonders auf den interessierten Laien sehr grausig, da gäbe es nichts zu beschönigen: aber im Frühjahr wachse doch alles wieder nach und werde grün…

Im Übrigen seien die Pflegemaßnahmen Teil einer in Abstimmung mit der BfG entwickelten dreistufigen Unterhaltungsmaßnahme, die als zweiten Schritt die Neupflanzung standortgerechter Arten und in einem dritten innerhalb der nächsten zehn Jahre die gänzliche Herausnahme der Altbäume vorsehe. − Gerüchte, dass die Kooperation des ABz Spandau mit dem Spandauer Bezirksamt suboptimal sei, wären alt und überholt.

SenStadt-Vertreterin Mangold-Zatti, die erfreulicherweise mal wieder den Weg in eine AG des Mediationsverfahrens gefunden hatte, schaltete sich ein und bestätigte, dass Baumpflegemaßnahmen gerade im Winter doch immer schlimm aussähen und wünschte sich ansonsten, im Zuge der Entwicklungsplanung bzw. Erstellung einer Bauleitplanung des Senats für den Bereich von Heide- bis Perleberger Straße, was Art und Weise der nun angesprochenen Neupflanzungen betreffe, eingebunden zu werden.

NABU: Nicht fachgerechte Baumarbeiten überall in der Stadt

Demgegenüber bestätigte NABU-Vertreterin Kielhorn, dass von den Behörden oft Baumpflegefirmen beauftragt würden, die zwar gewisse fachliche Befähigungsnachweise und Referenzen vorlegen würden, aber in den betreffenden Ausschreibung meist nur deshalb das kostengünstigste Angebot abgeben könnten, weil sie die Arbeit vor Ort von unzureichend geschultem Personal ausführen ließen. Dies sei ein überall in der Stadt zu beobachtender Missstand, und hier käme es darauf an, die Arbeit der Baumpflege-Firmen, wie vorgeschrieben, auch tatsächlich während der Ausführung zu kontrollieren bzw. sie ggf. endlich auch mal in Regress zu nehmen. − Dem stimmte denn auch Frau Mangold-Zatti bei.

Maßnahmen am BSK sollen baumsachverständig evaluiert werden

Dr. Barsig stellte indessen klar, dass er 2009 am BSK nur für die Begutachtung eines Einzelbaums beauftragt gewesen sei und erledigt habe. Dieser Baum hätte sich als vital erwiesen und stünde auch noch. Die Nachbargehölze, Erlen, hätten einen ebensolchen Eindruck gemacht, seien durchaus von standortgerechter Art, doch inzwischen massiv zurückgeschnitten bzw. gefällt worden. Von der BfG sei die Erstellung eines Unterhaltungsplans für den BSK angekündigt, und da sei es doch ratsam, diesen zunächst abzuwarten bzw. mit dem angesprochenen B-Plan zu verzahnen, anstatt jetzt schon mal mit einem umfassenden Gehölzumbau zu beginnen.

Amtsleiter Scholz stellte die Beauftragung Dr. Barsigs zur Validierung der umstrittenen Maßnahme in Aussicht, bevor er die AG-Sitzung verließ.

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