Variantenvergleich im Hinblick auf Baumerhalt

BWB wollen Landwehrkanal sauberer machen

Erweiterung des Regenüberlaufkanals Lausitzer Straße und des Auslaufbauwerks am Paul-Lincke-Ufer

Wie schon wiederholt berichtet [siehe hier und hier], planen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zur Reduzierung der sog. Entlastungsfälle bei Starkregenereignissen, sprich: des Einleitens ungeklärten Mischwassers in den LWK, von derzeit ca. 35 auf ca. 10 im Jahr durch eine Erhöhung der Kapazität der Mischwasserkanalisation. Dadurch soll im Jahresmittel die Mischwassereinleitung immerhin um 80 Prozent reduziert werden. Damit mehr Mischwasser1 zurück gehalten und, statt direkt ins Gewässer zu fließen, zur Kläranlage geleitet werden kann, wird in den Regenüberlaufbauwerken die Schwelle [funktionell der Öffnung in Waschbecken oder Badewanne vergleichbar] erhöht und verlängert, so dass im Ernstfall das Mischwasser erst bei erheblich größeren Mengen übertritt und den kurzen Weg nimmt. Um es dann aufzunehmen, müssen aber nicht nur größere Rohre mit 1,80 Meter Durchmesser die alten DIN 800er (Ø 0,80 Meter) ersetzen, sondern auch die Auslaufbauwerke am Kanalufer verbreitert werden, um den Druck des austretenden Wassers mit Rücksicht auf die Schifffahrt soweit zu verringern, dass seine Fließgeschwindigkeit 0,3m/sec nicht überschreitet.

Wie viele Bäume werden fallen?

Zum Austausch der Rohre wird die halbe Straßenbreite beansprucht, was schon das ganze letzte Jahr hindurch ab Ecke Reichenberger entlang der Lausitzer Straße  in Kreuzberg zu beobachten war. Anlässlich der 21. Forumssitzung präsentierten nun die BWB-Mitarbeiter Kai Joswig und Wieland Flegel drei mögliche Varianten der Trassenführung im Bereich des Paul-Lincke-Ufers, denn dort trifft sie unweigerlich auf die doppelreihige Uferallee. Um das Vorhaben im Hinblick auf den Baumbestand einzuschätzen, hatten die BWB den Landschaftsarchitekten Wolfgang Klette beauftragt.

BWB-Variante 1

BWB-Variante 1 mit den drei Fällkandidatinnen

Direkt über dem unterhalb der Wasserlinie zu errichtenden, sich selbst tragenden, also nicht mit der Uferbefestigung verbundenen Auslaufbauwerk steht eine hohe, großkronige, sehr vitale und landschaftsprägende Linde, die jedoch bei Variante 1 [Folien 4 + 5] unter gar keinen Umständen zu halten sein werde. Und da auch die über hundertjährige, gusseiserne Abwasserdruckrohrleitung (ADL), welche den -Kanal kreuzt, weil unter ihr geschachtet wird, aus Sicherheitsgründen erneuert werden muss, werden bei dieser Variante, die den geraden Weg zum Ufer nimmt, in der straßennahen Baumreihe höchstwahrscheinlich zwei weitere Linden fällig, da im Zuge der Bauarbeiten erhebliche Wurzelbeschädigungen wohl nicht zu vermeiden seien. Von diesen Linden sei aber zumindest eine schon von eingeschränkter Vitalität, der Verlust der anderen aber umso schmerzlicher.

Landschaftsprägende Linde Nr. 55

Landschaftsprägende Linde Nr. 55

Angesichts des Verlusts von drei Altbäumen schien sich zunächst eine Verschwenkung der Trasse entlang der Treppe zwischen Straße und Ufer anzubieten, doch die nähere Prüfung ergab, dass bei Variante 2 [Folie 6+7] durch eines der auf Grund zweifacher Richtungsänderung anzulegenden beiden weiteren unterirdischen Bauwerke noch ein vierter Baum, der allerdings eine gegabelte Krone aufweist, bei Variante 3 [Folie 8+9] mit nur einer Richtungsänderung sogar fünf Bäume geopfert werden müssten, darunter jeweils ein bzw. zwei landschaftsprägende(r). Da die erste Variante gegenüber den beiden anderen zugleich auch die um 80 bzw. 90.000 Euro kostengünstigere sei, fällt mithin die Wahl nicht schwer, und Baustadträtin Kalepky war dankbar, dass eine Bürgervertreterin diese sogleich vorwegnahm. − Nach der einhelligen Willensbekundung des Forums werden die BWB die Planung nur für Variante 1 weiter konkretisieren.

Linde Nr. 54

Fällkandidatin: Linde Nr. 54

Allerdings soll der Baumsachverständige, der das Vertrauen der BürgervertreterInnen genießt, das Ganze noch einmal gegenchecken, auch im Hinblick auf die Festlegung der adäquaten Kompensation und die Beurteilung der Erhaltungschancen für die Bäume in der straßennahen Baumreihe.


1 Dies ist ein terminus technicus und ausdrücklich nicht mit „Schmutzwasser“ zu verwechseln, insofern es im Verhältnis 1 : 7 mit Regenwasser gemischt werde. −  Von Berliner Straßenland abfließendes Regenwasser, da versetzt mit Reifenabrieb, Hundekot u.dgl.m., als Schmutzwasser zu bezeichnen, wird deshalb gleichwohl aus fachlichen Gründen abgelehnt.

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