Fragwürdige Zugexperimente an 200jähriger Eiche vertagt

Aufgeschoben ist noch nicht aufgehoben

Eiche Nr.30

Eiche Nr.30

Wie schon aus der Vorabmeldung in einem Kommentar ersichtlich: die Zugprüfung blieb der Eiche 30 in der Fichtestr. 13 heute erspart! Etliche AnwohnerInnen, BaumschützerInnen mehrerer Initiativen und Vereine wie BaL, BfK, Fichtebunker und BUND sowie freischaffende Baumexperten, die solchen Zugversuchen zwar kritisch gegenüber stehen, aber wenn sie nun schon mal durchgeführt würden, ihnen aus fachlichem Interesse beiwohnen wollten, waren zusammengekommen − an die 30 Menschen und erfuhren, ganz überwiegend sehr erleichtert, vom Aufschub des fragwürdigen Experiments.

Widersprüchliches aus dem Amt

Das Grünflächenamt hatte mitgeteilt, vor der Durchführung des nun um eine Woche verschobenen, also auf den 21.12 terminierten Zugversuchs wolle man erst noch eine weitere Stellungnahme der Gutachterin, Frau Dr. Schmidt, abwarten. Angesichts der angekündigten frostigen Witterung und der damit zunehmenden Spröde des Holzes müsste dann das Experiment übrigens erst recht in eine Katastrophe münden.

Schuppiger Porling

Schwefelporling

Mit Erstaunen hörten wir von einem Anwohner, der am Vortag mit der Baumgutachterin telefoniert hatte, dass, ungeachtet der inzwischen verschwundenen Hinweisschilder auf Baumpflegearbeiten am 14./15.12., Frau Dr. Schmidt sich ohnehin den 21.12. notiert hätte, von einer verlangten zusätzlichen Stellungnahme aber jedenfalls nichts zu wissen schien.

Pikant auch die Info, dass der Fällauftrag schon vor drei Monaten erteilt worden sei und die ausführende Firma, kurz bevor sie ans Werk ging, sicherheitshalber noch einmal im Amt nachfragte und erst bei dieser Gelegenheit von der Verschiebung der Maßnahme erfuhr. Welch ein Glück!

Torso

Eichen-Torso vis-à-vis

Ferner berichteten AnwohnerInnen, die im Übrigen ihre Eiche nicht aus den Augen lassen werden, dass sie vom Baumsachverständige Philipp Funk aus Frankfurt schon einmal, nämlich 2005, gerettet worden sei. Angesichts des Pilzbefalls − und zwar wieder der Schuppige Porling (ein nicht-aggressiver Weißfäule-Erreger), sichtbar in einer, durch Verstrebungen „gesicherten“ Stammhöhlung − riet der Gutachter schon seinerzeit zu einer moderaten Kroneneinkürzung und zur regelmäßigen Entfernung des Totholzes. Beides sei jedoch vier Jahre lang unterblieben. Und abgesehen von den Zugversuchen, rieten die anwesenden Baumsachverständigen auch von der Entfernung der eisernen Kronenverstrebungen ab, welche baumchirurgischen Methoden zwar überholt seien, aber die Stabilität der Krone, nun da sich daran gewöhnt habe, gefährden würden.

[Korrektur (17.12.): Es handelt sich im Stamm der Eiche (siehe obiges Bild) mitnichten um den Schuppigen, sondern tatsächlich um den aggressiven Schwefelporling, einen Braunfäule-Erreger − wir bitten um Nachsicht für unseren kapitalen Irrtum! Doch auch Schwefelporlingsbefall muss noch nicht heißen, dass der Baum schon nicht mehr stand- und verkehrsicher ist. Bevor es zu weiteren Untersuchungen kommt, sollten erst einmal die Messkurven der angeblich schon durchgeführten Bohrwiderstandsmessungen vorgelegt sowie das vorliegende Schalltomogramm gründlicher ausgewertet werden. Dies müsste zu einer Beurteilung ausreichen, zu der jedoch Zugversuche nach Meinung der meisten befragten Experten nichts beitragen können − und, wie gesagt, bei den derzeitigen Frosttemperaturen schon gar nicht! Am Rande der gestrigen BVV hat Baustadträtin Kalepky zugesagt, gemeinsam mit Amtsleiter Schädel die für den 21.12. geplante Durchführung dieser Versuche  noch einmal zu überdenken.]

Die Eiche wird bewacht!

Ungeachtet der frostigen Temperaturen blieb eine große Gruppe Menschen noch eine ganze Weile unter dem mächtigen Baum versammelt, ein Anwohner reichte heißen Çay Indian Style und zum Abschied spendete das 200jährige gemeinsam umarmte Naturdenkmal seinen BeschützerInnen noch gehörig Kraft fürs beharrliche Durchhalten, damit nicht am Ende, wenn überhaupt, nur ein solch bedauernswerter Torso von ihm bleibe wie im Fall der Eiche schräg gegenüber.

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