Teststrecke Paul-Lincke-Ufer

Via BürgerInnen-Beteiligung zur Erprobung innovativer Technik

Rekapitulation

Nach dem Desaster am Corneliusufer, wo die Sohle des LWK − sich ungeachtet aller bodenkundlichen Expertise und Bodenaufschlüsse überraschenderweise als derart hart erwies, dass die Spundbohlen sich nicht mal einrammen, geschweige pressen ließen, und wenn auch Kräfte dabei aufgewendet wurden, dass sich die Stahlteile verbogen und angeblich sogar Risse in der umliegenden Wohnbebauung zeigten, sollte zunächst das sog. verrohrte Bohren die Lösung bringen, also in zwei Arbeitsgängen zuerst mit Bodenaustausch vorgebohrt und anschließend die Bohlen eingebracht werden.

Deshalb waren seinerzeit nicht nur die BürgervertreterInnen freudig überrascht, als sie im Rahmen eines Spundwandseminars an der TU Berlin u.a. von einem Verfahren des Verpressens mit integrierter Bohrhilfe, dem sog. Crush Piling, erfuhren, das in ein und demselben Arbeitsgang Vorbohren und zugleich Einpressen erlaubt und laut des Vertreters des europäischen Ablegers der japanischen Firma GIKEN auch bei härtestem Untergrund anwendbar sei.

Für die WSA-MitarbeiterInnen hingegen gab’s da angeblich kaum Neues, und die von ihnen und Vertretern der BAW vorgebrachten Sicherheitsbedenken, wonach die vorlaufende Bohrschnecke einen Grundbruch mit anschließendem Versagen der Uferböschung nach sich ziehen könnte, ließen sich auch mit Verweis darauf, dass die Deutsche Bahn mit ihren hohen Sicherheitsauflagen das Crush Piling sogar während laufendem Passagiertransport zuließ bzw. dieses Verfahren inmitten dichter Wohnbebauung eingesetzt wurde, keineswegs völlig ausräumen.

Eine Machbarkeitsstudie auf freiem Feld und unter Aufsicht der BAW forderte das WSA, die indessen nicht nur den BürgervertreterInnen eher als „GIKEN-Verhinderungsstudie“ vorkam. Plötzlich aber sollte sich diese Studie nurmehr mit der Baulogistik befassen: ob und wie sich also der not- und aufwendige Gerätepark angesichts der Schleusen und vielen Brücken zur jeweiligen Baustelle befördern ließe – was wiederum den unbedarften Laien eigentlich Aufgabe des Auftragnehmers dünkt −, wie auch immer: am Ende beauftragte das WSA die Firma Emch+Berger mit der Ausarbeitung eines Logistik-Konzepts für die damals noch sechs Haupt- und weitere vier Nebenbaustellen.

Die logistische Machbarkeit wurde denn auch tatsächlich nachgewiesen [wobei sich ja das Corneliusufer wegen Aufhebung der allzu beschränkten Ausschreibung für diese Saison bekanntlich erledigt hat und somit − zum besonderen Kummer nicht zuletzt von WSA-Sachbereichsleiterin 2, Gerrit Riemer, − die dortigen Kastanien auch die dritte Wachstumsperiode in Folge Korsett tragen müssen…].

Auch eine repräsentative Teststrecke für das Crush-Pile-Verfahren mit einer hohen Lagerungsdichte von Sand und Kies, wie sie am Paul-Linke-Ufer (in Höhe Boule-Platz) gegeben ist, beschloss das Mediationsforum, und mit Erstellung von Leistungsbeschreibung und -verzeichnis, Ausführungsplanung, den verschiedenen Beweissicherungen und vor allem der Qualitätssicherung sowie anschließender Evaluierung der 50 Meter Verspundung wurde (angeblich wegen personeller Engpässe im WSA) die Firma Obermeyer betraut. − Richtig ist, dass die BürgervertreterInnen angesichts des nur notdürftig kaschierten Bestrebens von Kräften innerhalb der WSV, den Einsatz des Crush Pilers und überhaupt der Firma GIKEN zu verhindern, auf einer externen und unabhängigen Evaluierung ihrer Geräte und Methoden am LWK bestanden.

Vergangenen Montag (7.12.) berichteten nun Mitarbeiter von Obermeyer der AG Teststrecke innerhalb des AK Sanierung, wie sie sich die fachliche Begleitung und Überwachung der ab Ende Januar beginnenden und ca. zwei Wochen in Anspruch nehmenden Maßnahme vorstellen; wie das von ihnen entwickelte Beweis- und Qualitätssicherungskonzept umgesetzt werden soll etc.

Erst altbekannt, dann brandneu?

Die BürgervertreterInnen waren erstaunt zu hören, dass der erhöhte Aufwand auch damit begründet wird, dass das Crush-Pile-Verfahren noch völlig neu und unerprobt sei und deshalb seine Erprobung auch ein bisschen in Richtung Forschung gehe −, wo es doch bspw. auf der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde oder mitten in der dänischen Stadt Aalborg bereits erfolgreich angewendet worden ist (wie nicht nur aus GIKENs Referenzen hervorgeht, sondern sich mit ein wenig Googeln auch im Web finden lässt [und nicht zuletzt im Landwehrkanal-Blog!]) „In unserer Region unerprobt“, wurde denn auch sogleich eingeschränkt, und das verwundert natürlich nicht angesichts des regelrechten Boykotts von Seiten der örtliche Bauindustrie und Teilen des WSA

Zumindest das Verpressen von Doppel-Z-Bohlen sei aber völlig neu, wurde beharrt −, doch auch hier möchten wir widersprechen und der Einfachheit halber auf unsern Blog verweisen: Entlang der Bahnstrecke bei Bad Langensalza wurde – ebenfalls bei laufendem Bahnbetrieb! − bereits ein Doppel-Z-Crush-Piler eingesetzt.

Transparente Auswertung und nachvollziehbare Handlungsempfehlung

Beim Thema Evaluierung, Auswertung und Vergleich mit den, bei schon abgeschlossenen Abschnitten eingesetzten, konventionellen Verfahren bekräftigte die Leiterin der AG LWK, Annette Ernst, dass hier keinesfalls Äpfeln mit Birnen verglichen würden und etwa der Mehraufwand, der namentlich im Abschnitt 6 (Tempelhofer Ufer) infolge der überhängenden Lindenkronen getrieben worden ist, in den Abgleich einflösse [welcher sich im Übrigen entgegen der Unkenrufe der Betonfraktion ohnehin in vergleichsweise engen Grenzen gehalten hat, jedoch im Hinblick auf den Baumschutz ein modellbildender, wegweisenderErfolg war!] Vielmehr böte sich ein Vergleich mit der Instandsetzung des Riedel-Anlegers Maybachufer an. Der Kostenanteil, welcher der Spezifik einer Baustelle geschuldet sei − hier z. B. der relativ hohe der Baustelleneinrichtung − werde dabei selbstverständlich herausgerechnet.

Vor allem aber sollen die ermittelten Messwerte und Datenreihen völlig offengelegt werden und transparent sein, damit Vergleich, Auswertung und vor allem die resultierenden Handlungsempfehlungen jederzeit nachvollziehbar seien, und die Verdingungsunterlagen so aufgestellt werden, dass sie bestmöglich für Neubeauftragungen verwendbar sind.

Fehlende Vergleichsdaten

Gerne hätten wir auch die Schadstoffemissionen des Crush Pilers mit denen des Schnellschlag- oder gar des musealen Dieselbären verglichen, also die Kohlenmonoxid- und –dioxid-, die Stickoxid- und Feinstaubwerte, doch entgegen der wiederholten Forderungen von BürgerInnenseite sind Messungen bei den letztgenannten Baumaschinen unterblieben, so dass es leider keine Vergleichsdaten gibt. Auf den Vergleich der Erschütterungsmessungen und Lärmemissionen dürfen wir gleichwohl gespannt sein.

Die dokumentierten Besonderheiten der Teststrecke, was z. B. den im Rahmen der Kampfmittelräumung außergewöhnlich hohen Anteil von Trümmerschutt und Zivilschrott anlangt, sollten im Hinblick auf eine fruchtbare Kooperation detailliert kommuniziert und nicht etwa abgewartet werden, wie der Auftragnehmer, in diesem Fall GIKEN, damit klarkomme. Der Geist der Mediation, gemeinsam zu guten Lösungen zu gelangen, sollte auch hier bis auf die Baustelle reichen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s