Öffentlichkeitsarbeit 2.0

Kommunikation mit Pilotcharakter

In der wärmeren Jahreszeit haben VertreterInnen von BI/Verein BaL auf der Kottbusser Brücke Infoflyer verteilt und Interessierten u. a. auch zu erklären versucht, was es mit der Teststrecke am Paul-Linke-Ufer, der Erprobung neuer Baumaschinen und dem Pilotcharakter der letztlich durch BürgerInnen-Initiative auf den Weg gebrachten Maßnahme auf sich hat. Natürlich haben wir immer auch virtuell, eben hier im Blog und via Newsletter, verschiedentlich detailliert über diesen „Piloten“ berichtet.

Wenn BürgerInnen-Beteiligung ernstgenommen werden soll, muss jetzt, wo es um das Testen von Lösungen geht, deren Erprobung im Kreis des Mediationsforums schon vor längerem beschlossen wurde, die interessierte Öffentlichkeit nicht nur möglichst breit informiert werden, sondern auch niedrigschwellige Angebote fürs Feedback erhalten. Auf diese wiederum müssen wir immer wieder hinweisen, sei es nun auf die Kommentarfunktion in unserm Landwehrkanal-Blog, das Gästebuch des WSA oder ein noch einzurichtendes Forum auf der Domain des Mediationsverfahrens.

Da nun das konkrete Projekt auf den ersten Blick sehr techniklastig und dazu noch kleinteilig wirkt, viele der GesprächspartnerInnen dagegen z. B. über die Notwendigkeit der Verspundung überhaupt diskutieren möchten oder über andere eher „globale“ Aspekte, und es andererseits ja auch uns, die wir uns für die Verspundung ausgesprochen haben, dabei vor allem um ein Verfahren gehen muss, das − neben der größtmöglichen Lärm-, Erschütterungs- und Emissionsarmut − insbesondere dort, wo es ufernahen Baumbestand gibt, denselben so wenig wie nur möglich tangiert, ist es schon eine besondere Herausforderung, umweltverträgliche und baumfreundliche Technik anhand des 35 Tonnen schweren Crush Pilers zu demonstrieren, der nur mit einem hohen Kran auf die Startbohle gehievt werden kann, weshalb wir an einem bestimmten Punkt jeweils den Bogen zu GIKENs Gyro Piler zu schlagen gezwungen sind, der zu den genannten Vorteilen des Crush Pilers und dem wichtigen weiteren, in nur einem Durchgang, also zügig sehr harte Böden zu verspunden, noch den einer ungleich geringeren Arbeitshöhe aufweist, also unter überhängenden Baumkronen arbeiten kann, wie es kürzlich am Tempelhofer Ufer der Silent Piler vermochte, der allerdings an harten Böden scheitert.

BürgerInnen-Beteiligung kann nur dialogisch gelingen!

Die Kommunikation mit der interessierten Öffentlichkeit und den unmittelbar Betroffenen müsste hier also ebenfalls Pilotcharakter haben, über das übliche „Frontale“ (Bauinfotafel, Pressemitteilungen, Wurfsendungen u.dgl.m.) hinausgehen und dabei nicht nur die Zweikanaligkeit der Neuen Medien nutzen, sondern auch in der „realen Welt“ neue Wege erkunden. − Von BürgerInnenseite kam in diesem Zusammenhang bspw. der Vorschlag, dass, wenn Ende Januar 2010 das Crush Piling beginnt (und es die Witterung erlaubt!), abwechselnd vor Ort zu bestimmten Zeiten ein BI-/Vereins- und zugleich Mediationsforumsmitglied (wobei die letztgenannte Mitgliedschaft hier wohl entscheidend ist) über das aktuelle Baugeschehen informiert, Fragen soweit möglich beantwortet, die verschiedenen Alternativen des Feedback erläutert, vor allem aber den Inhalt der Dialoge, genauer: die geäußerten Interessen und Wünsche der Menschen, ihre Kritik, Hinweise und Anregungen aufnimmt und ins Mediationsverfahren zurückspiegelt, damit dann quasi in umgekehrter Richtung das Vorgehen modifiziert werden kann. [Um Faktoren wie Zufälligkeit oder Willkür des Erinnerten und verkürzendes Interpretieren zu begrenzen, wäre − nach Einholung des Einverständnisses − vielleicht auch an eine elektronische Aufzeichnung der Gespräche zu denken, die man bei entsprechender Gelegenheit auch als aktivierende Befragung führen könnte.]

Vereinbart wurde zu Beginn des nunmehr schon über zwei Jahre andauernden Verfahrens zur „Zukunft des LWK“ die regelmäßige Durchführung öffentlicher Veranstaltungen nach dem Muster jener Ouvertüre im Umspannwerk vom 29.09.07. Die BaL hatten am „Großen Tag des LWK“ (13.09.08) neben einer Paddelparade und einem musikalischen Event eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen der beteiligten Verwaltungsebenen, der Parteien und des Umweltschutzverbands BUND veranstaltet, aber seither hat es nur noch eine weitere Paddelparade,organisiert von Nicht-Mediationsmitgliedern, aber keine öffentliche Diskussionsveranstaltung mehr gegeben. Das Forum war überwiegend der Auffassung, noch nichts Substantielles erreicht zu haben, was präsentiert werden könne −, als ginge es nicht auch − mal ganz abgesehen von der Triftigkeit dieser Einschätzung − darum zu erfahren, wie die interessierte Öffentlichkeit vor dem Hintergrund der und im zeitlichen Abstand zu den dramatischen Ereignissen vom Sommer 07 das Mediationsverfahren inzwischen wahrnimmt und beurteilt und ob sie vor allem die verschiedenen Ansprüche an eine gelingende LWK-Sanierung darin hinreichend repräsentiert sieht.

Breitere Partizipation

Wenn nun die Teststrecke verspundet sein wird, die Uferbäume von den Betonwürfeln befreit sind [ausgenommen, wie gesagt, das Corneliusufer] und auch der havarierte Riedel-Anleger an der Kottbusser Brücke instand gesetzt worden ist, gibt es angesichts des Erreichten, aber auch des noch immer nicht wirklich in Angriff genommenen, allen Anlass zu einer öffentlichen Veranstaltung, die allerdings aus dem Mediationsforum heraus organisiert und „bespielt“ werden muss. Sonst verstärkt sich die schon bestehende Gefahr, dass das Verfahren die öffentlich Aufmerksamkeit verliert, sich zunehmend in Richtung Elfenbeinturm verselbständigt, gegenüber öffentlichem Einspruch und noch nicht artikulierten Interessen und Ansprüchen immunisiert, kurz: die Bodenhaftung verliert und dadurch seinen eigentlichen Zweck schließlich verfehlt: die BürgerInnen an der Planung ihres Wohnumfelds und an der Gestaltung einer ökologisch nachhaltigen, sozialverträglichen Stadtentwicklung umfassend zu beteiligen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s