Pflanzen, Kappen und Fällen

Ein Lindchen für die Reichenberger

Pflanzung

Pflanzung Reichenberger/Ratiborstraße

Wahrlich, es bedurfte schon außergewöhnlicher Geduld, Ausdauer und unbeirrbarer Hartnäckigkeit, vieler Anrufe, Mails und mancher persönlichen Vor- und Rücksprache, bis es letzten Dienstag (1.12.) dann schließlich doch noch so weit war: Mitarbeiter einer GaLaBau-Firma pflanzten im Auftrag des Xhainer Grünflächenamts für die aus umstrittenen Gründen schließlich doch noch gefällte Silberlinde an der Reichenberger/ Ecke Ratiborstraße einen Setzling derselben Baumart.

Erst war von einem Vertrag die Rede, doch dann wurde auf die Beteiligung der BaL ausdrücklich kein Wert gelegt. [Siehe auch unsere Berichte hier und hier.]

Lindchen

Silberlindchen, noch ungeschützt

Hatte Amtsleiter Hilmar Schädel (zumindest nach einer Aussage von Baustadträtin Kalepky im BVV-Umweltausschuss) einen „zwei- bis drei Nummern größeren Setzling als üblich“ in Aussicht gestellt, eben weil er wohl nach allem gegenüber der AnwohnerInnen-Initiative um Brita Bredel eine gewisse Bringschuld sah und es ja andererseits das Angebot der BaL gab, dann in die Bresche zu springen, wenn der Bezirk tatsächlich nicht bereit sei, mit Rücksicht auf die offenkundigen amtsseitigen Versäumnisse und aufreizenden Schlampereien im Vorfeld die verloren gegangene ökologische Wertigkeit und Lebensqualität wenigstens ansatzweise zu kompensieren, so erwies sich der schließlich angelieferte Stämmling trotz gegenteiliger Beteuerungen eines Grünamtsvertreters vor Ort als nicht größer denn bspw. jene unlängst in der Dresdener Straße gepflanzten. Doch da es sich um Pflanzgut der renommierten Firma Lorberg handelte (und nicht irgendeines „Holländers“ wie sonst) und GaLaBau die übliche zweijährige Anwachsgarantie übernimmt, zeigten sich die BürgerInnen dennoch sehr erleichtert und zufrieden − ungeachtet der Zartheit des Bäumchens (31 cm StU bei kaum vier Meter Höhe) und trotz des entgegen schriftlicher Vereinbarungen nur minimalen Bodenausstauschs (die alten Wurzeln sowie Medientrassen wären davor). Sie legten auch sogleich selber Hand an und wässerten den Jungbaum, nachdem sich die GaLaBauer eilig von hinnen gemacht hatten mit dem Versprechen, einen dreibeinigen Bock mit Hundepinkelschutz „nächste Woche“ aufzustellen.

Wieder ein gerettet geglaubter Straßenbaum gefallen

Fällung Linde 40

Fällung der Linde 40

Zugleich aber verschafft die Xhainer Grünpflege dem ehernen Gesetz vom Stirb und Werde nicht nur dergestalt Geltung, dass allenthalben eben noch prächtige Straßenbaumkronen z. B. in der Görlitzer Str. mit der fadenscheinigen Begründung, es gehe um Totholzbeseitigung, Erfüllung der Verkerssicherungspflicht und Bewahren der GrünamtsmitarbeiterInnen vorm Einfahren, massiv und ohne Rücksicht auf Kronenhabitus und große Starkastwunden übel zusammengestutzt wurden − nein, einen regelrechten Schock versetzte uns die Fällung jener anderen Linde in der Reichenberger Str. 40, der es vor einem Dreivierteljahr schon einmal auf Grundlage eines fachlich höchst fragwürdigen Pauschalgutachtens von Kusche & Partner an den Stamm gehen sollte.

BürgerInnen und Mitglieder der BaL stellten sich damals dem Fällkommando entgegen, Lothar Frank vom Grünflächenamt hatte sich sofort einsichtig gezeigt, die Fäller weggeschickt, und das Bezirksamt betraute den Baumsachverständigen Dr. Barsig mit einem Gegengutachten, das zum Ergebnis kam, es liege erstens keine akute Gefahr vor und zweitens sei der Baum (trotz des Porling-Befalls in der Wunde eines wenig fachgerecht abgetrennten Starkastes) durch eine moderate Kroneneinkürzung zur Windlastreduzierung durchaus noch für lange Jahre standsicher. In drei bis vier Jahren solle er dann noch einmal überprüft werden. Das ist nun freilich nicht mehr nötig: Gestern wurde die Linde mit jener ursprünglichen 08/15-Begründung („Pilz/Standsicherheit“) abgeholzt, die auch bei einigen weiteren, längst verschwundenen Altbäumen in derselben Straße bemüht wurde. [Siehe auch hier und hier.]

BürgerInnen, schützt Eure Bäume!

Zugegeben: die Maßnahme ging aus der Online-Fällliste hervor, die allerdings allein für den Ortsteil Kreuzberg über 180 Bäume lang ist, selbstredend keinerlei Fälldaten aufweist und anderseits auch Bäume, die plötzlich gefällt werden, mitunter erst gar nicht nennt. Mitglieder der BaL nehmen nun nach Möglichkeit Baum für Baum in Augenschein, informieren die AnwohnerInnen und empfehlen ihnen, wenn ihnen etwas am Erhalt des Baums vor ihrer Tür liegt und die Diagnose nicht nachvollziehbar ist, im Amt nachzuhaken. (fon 90298-8014)

Verschwendung von Steuermitteln

Verkrüppelte Linde Seestraße

Auch im Bezirk Mitte: Verkrüppelte Linde, Seestraße

Doch dass für ein sorgfältiges schalltomographisches Gutachten knappes Steuergeld verausgabt wird, dann aber die angeratene zwanzigprozentige Kroneneinkürzung zur Verringerung der Windlast unterbleibt; auch der Pilzfruchtkörper, der sommers aus besagter Wunde hervor wuchs und nicht nur diesen, sondern auch benachbarte Bäume gefährdet, erst nach mehrmaliger Aufforderung entfernt und nun einfach kurzer Prozess gemacht wird, ohne den Baumsachverständigen oder die BaL, mit denen man − wie überhaupt mit für ihre Bäume und ihr Stadtgrün engagierten BürgerInnen − doch vorgeblich kooperieren möchte, zu informieren, kann nur als von vornherein intendiert und als Desavouierung von BürgerInnen-Engagement und bewusster Affront aufgefasst werden − und angesichts der bei jeder Gelegenheit wortreich beklagten Pflegemittelknappheit als Hirnriss!

Vorweihnachtliche Baumpflege-Origen

Linde Görlitzer Str.

Verkrüppelte Linde, Görlitzer Str.

Im Görlitzer Park z. B. soll es etliche Fällungen gesunder Bäume geben, nur weil sie neuen Wegen und Sichtachsen im Wege stehen; in der Skalitzer eine große Platane fallen, nur weil sie nicht preußisch aufrecht, sondern schräg steht (als zeugten nicht gerade solche Wuchsformen von den viel bewunderten biomechanischen Fähigkeiten der Bäume, auf die mittlerweile ein ganzer Forschungszweig aufsetzt) usw.

Derlei Holzerei an Straßen, in Grünflächen und Gärten ab November aber hat Tradition: Vormals hatten die Bauern, da die Feldarbeit ruhte, erst dann Zeit fürs Holzmachen; heuer jedoch scheint es im öffentlichen Raum vor allem darum zu gehen, allgegenwärtigen Autolack vor Kratzern und die öffentlichen Kassen vor anschließenden Regressforderungen zu beschützen, auch wenn gerade solche „Baumpflege“ durch Schaffung einer Vielzahl von Wunden und infolge der Ausbildung schwacher, bruchgefährdeter Seitentriebe immer neue Eingriffe notwendig macht, bis schließlich (aus angeblicher Kostenersparnis) wieder die Radikalkur fällig ist.

Ein bloßer Vergleich der Fällliste F’hain-Kreuzbergs mit jener der Neupflanzungen entlarvt jedenfalls die Rede von der positiven Baumbilanz des Bezirks, deren sich ansonsten nur noch der Bezirk Mitte rühmt, als puren PR-Gag.

Görlitzer Str. in Arbeit

Frisch ans Werk: Bäume entlang der Görlitzer Straße in Arbeit

Hier noch die Fällliste für unsern Nachbarbezirk Schöneberg-Tempelhof.

Advertisements

1 Kommentar

  1. peterswurst said,

    8. Dezember, 2009 um 23:35

    „Hitler ist an der Erderwärmung schuld! Die Klimakonferenz-Religion und ihr Schwachsinn“

    http://freidemzen.wordpress.com/2009/12/08/hitler-ist-an-der-erderwarmung-schuld-die-klimakonferenz-religion-und-ihr-schwachsinn/

    Die Erderwärmung ist für alle Beteiligten eine tolle Sache – die Geschichte wird ausgeschlachtet wie ein zu blutig geratener Massenmord – und alle wollen dabei sein!

    Kritik ist hier nicht erlaubt – wie im besten totalitären Staate – und wo sind die anderen Szenarien – tot geschrieben!

    Weltuntergangsgaudi für alle!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s