Denkmalpflegerisches Gutachten vs. Umweltverträglichkeitsstudie

Fortschreibung des Denkmalgutachtens angelaufen

Die Teilnahme der Autoren des Großen Denkmalpflegerischen Gutachtens von 1990, Geyer und Bappert, an der 20. Forumssitzung signalisierte, dass dessen Aktualisierung und Fortschreibung mit ca. einem Jahr Verspätung doch noch auf den Weg gebracht werden konnte. Und richtig: Die entscheidende Hürde wurde dadurch genommen, dass das WSA jetzt nicht nur für die Digitalisierung aufkommt, sondern vier Fünftel der Gesamtkosten übernehmen will, wofür sich Klaus Lingenauber gleich zweimal bedankte und dies auch fürs Protokoll noch mal unterstrich. Das LDA übernimmt die Geländer-Kartierung und − bei dieser Gelegenheit hoffentlich − auch die der überflüssigen, weil zweck- und nutzlosen, den Gesamteindruck aber oftmals erheblich störenden Aufbauten und Installationen.

Lingenauber bekräftigte sogleich seine Forderung, als Pendant zum Baumsachverständigen auch einen Denkmalarchitekten zu beauftragen, der, mit der Baustelle Maybachufer beginnend, die Aufgabe hätte, die Bilanz erhaltener Original-Mauerquader und die Beschaffung von Ersatzmaterial zu kontrollieren. − Ein solcher Denkmalarchitekt sollte u.E. ebenfalls das Vertrauen der BürgervertreterInnen genießen.

Als BürgervertreterInnen an die immer noch ausstehende Kartierung überhängender Baumkronen erinnerten, die eine Vorstellung darüber verschaffen soll, wie oft das am Tempelhofer Ufer mit großem Erfolg angewandte Verfahren einer baumfreundlichen Verspundung auf der zu sanierenden Gesamtstrecke zum Einsatz kommen müsse, mahnte Professor Geyer, es bei der Baumkartierung, die ja auch im Zuge der UVS durchgeführt werden müsse, nicht zu „Parallelarbeiten“ kommen zu lassen. UVS und Denkmalgutachten müssten sich bei Erstellung des LPB „verschränken“.

Zwei Paar Schuhe

Dagegen sind wir nach wie vor der Auffassung, dass es bei der floristischen und faunistischen Kartierung entlang der Kanalufer zur Bestandserfassung im Zuge der UVS um wesentlich anderes, partiell diametral Gegenläufiges geht als etwa bei der Kartierung denkmalkompatiblen Altbaumbestands oder der Identifizierung geeigneter Stellen für dito Nachpflanzungen. Das dringliche Bestreben, den LWK und seine Grünzüge im Rahmen des Biotopverbunds als Ausbreitungs- und Wanderkorridor für seltene Tier- und Pflanzenarten im Stadtgebiet wasser- wie landseitig aufzuwerten, folgt evidentermaßen gänzlich anderen und sicher nicht selten konfligierenden Zielstellungen als ein denkmalpflegerischer Ansatz, dem allenfalls der Alleebaumbestand als grünes Ornament wertvoll und alle sonstige Uferbegleitvegetation als Beeinträchtigung des Baudenkmals gilt, sei es durch Verstellen der freien Sicht auf seine steinerne Kontur; durch Untergraben seiner Stabilität infolge ungezügelten Wurzelwachstum, oder sei es gar als Brutstätte und Hort von „Schädlingen“ (Lingenauber).

M.a.W.: beim Erstellen eines LPB werden ökologische und denkmalpflegerische Gesichtspunkte vielfach unversöhnlich aufeinanderprallen (wie es seinerzeit etwa das radikale Ignorieren des von der BfG entwickelten naturnahen Pflege- und Unterhaltungsplans von 2001 seitens der Denkmalbehörde schlagend gezeigt hat), und die Kompromissfindung wird nicht einfach sein −, aber dass die denkmalpflegerische Optik schon bei der Kartierung lebendiger Natur entlang des LWK in Anschlag gebracht wird, ist tunlichst auszuschließen!

Auch das Landschaftsbild wird für die Denkmalschützer, abgesehen vom Bauwerk, nur durch (angepflanzte) Altbäume konstituiert, nicht aber z. B. durch die bei Einheimischen wie Gästen so bewunderten wie geliebten, tausendfach fotografierten überhängenden Trauerweiden, Linden und Kastanien und schon gar nicht durch überwuchernde Büsche, Kletterpflanzen, Flechten und Moose natürlich gestalteten (und nicht selten ästhetisch veredelten) Mauern. − Gerade überhängende Vegetation aber, so haben wir erst kürzlich gelernt, ist auch für die Fauna im Wasser von hoher ökologischer Bedeutung, beschattet den Kanal und wirkt in Hitzeperioden der Aufheizung des Wassers und damit Sauerstoffknappheit und Fischsterben entgegen. − Auf der anderen Seite führt eine Rodung des Unterwuchses, wie vielfach zu beobachten, zur Vermüllung der Böschungen wie des Kanals.

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