Gefahr im Verzug

Sofort vor Ort bei Weiden-Kappung

Silberweide am Salzufer

Verkehrsgefährdende Silberweide am Salzufer, Charlottenburg

Wieder kam es vorgestern (27.10.) zu einem sog. Sofort-Vorort-Termin: Am naturnah gepflegten Salzufer in Charlottenburg, genauer am km 0,3, zweihundert Meter vor der Dove-Brücke, hatten die Baumkontrolleure des WSA-Außenbezirks Neukölln bei einer ohnehin schon sehr schräg Richtung Kanal ragenden, 18 Meter hohen, dreistämmigen Silberweide die akute Vergrößerung eines Risses im 2,2 Meter Umfang aufweisenden Stamm festgestellt. Besonders bei Sturm hätte die Hebelwirkung der ja noch belaubten Stämmlinge den endgültigen Bruch herbeiführen können − mit der Möglichkeit, dass Teile der Weide in den Kanal stürzen und vorbeifahrende Schiffe treffen. Also Gefahr im Verzug! Die für solche Fälle vom Arbeitskreis „Kurzfristige Maßnahmen“ am 3.1.08 ausgehandelte und später vom Mediationsforum beschlossene Routine lief ab: Montag Abend um 19:45 Uhr benachrichtigte die Leiterin der Arbeitsgruppe LWK, Frau Dr. Ernst, per Mail die Mitglieder des genannten Arbeitskreises über den Schadensfall und die beabsichtigte Fällung der Uferweide, wenn nicht bis Dienstag, 12:00 Uhr ein Mitglied sein Veto einlege. Sei dies der Fall, werde für 14:00 Uhr ein Ortstermin unter Hinzuziehung des vom Forum eingesetzten Baumsachverständigen anberaumt. Im Fall, dass Dr. Barsig (wie eben jetzt) verhindert ist, vertritt ihn der Baumsachverständige, Dipl.Biol. Michael Hirschmann, von der Meßzelle an der TU Berlin. − Da sich der Baum in WSA-„Besitz“ befindet, waren die Charlottenburger BezirksvertreterInnen nicht gefragt.

Größtmöglicher Substanzerhalt

Stammriss

Stammriss

Wie bei einem solchen Baum zu erwarten, legten mehrere BI-Mitglieder fristgerecht ihr Veto ein und bestanden auf vorheriger Inaugenscheinnahme und sachverständiger Prüfung der fachlichen Notwendigkeit der Maßnahme. Bei einer gemeinsamen Kanal-Bereisung von Dr. Barsig und Jörg Augsten, Leiter des ABZ Neukölln, im Frühjahr war der Baum überdies nicht thematisiert worden, so dass BI-Mitglieder zunächst einmal die plötzliche akute Gefahrensituation anzweifelten −, doch Michael Hirschmann bestätigte die Diagnose der WSA-Baumprüfer, dass es, auch wenn es zu der starken Neigung des Baums nicht erst gestern gekommen sei, der Stammriss sich aktuell stark verbreitert habe und in der Tat eine Gefährdung des Schiffsverkehrs vorliege. Amtsleiter Michael Scholz, selber vor Ort, betonte das Interesse des WSA, im Einklang mit dem Pflege- und Unterhaltungsplan der BfG, der, woran auch der Baumsachverständige noch einmal erinnerte, die Wichtigkeit des Erhalts von Biotopholz hervorhebt, „so viel wie möglich von der Substanz der Weide zu erhalten“, und so wurde schließlich Konsens darüber erzielt, die Stämmling in jeweils fünf bis sechs Metern Höhe zu kappen. Insbesondere Weiden treiben bekanntlich sehr gut wieder aus, so dass in einigen Jahren die relativ große Vegetationslücke wieder geschlossen sein dürfte.

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Und die Sache hat auch noch ihr Gutes, indem eine junge Ulme − eine Baumart, die wir nicht allzu häufig im Stadtgebiet antreffen −, vorher von den Weiden-Stämmlingen regelrecht umklammert und gebeugt, sich nun freier entwickeln kann.

WSA-Mitarbeiter haben übrigens in diesem Jahr an einer Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen zur Baumkontrolle und -pflege teilgenommen, über die Jörg Augsten auf der nächsten Forumssitzung berichten wird.

gekappt

gekappt

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1 Kommentar

  1. Anuschka Guttzeit said,

    29. Oktober, 2009 um 18:33

    Dies ist eine lang erwartete positive Nachricht:
    „WSA-Mitarbeiter haben übrigens in diesem Jahr an einer Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen zur Baumkontrolle und -pflege teilgenommen“.

    Hoffentlich zeigt diese Weiterbildung beim Wasserschifffahrtsamt (WSA) künftig in der Praxis Wirkung. In Zeiten der Klimakatastrophe, in denen sich u.a. die Städte immer mehr aufheizen werden, kann sich eine so wichtige, große Bundesbehörde wie das WSA nicht länger allein auf den gesetzlichen Auftrag der Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffverkehrs konzentrieren.

    Dies wäre sowohl im Interesse des Stadtklimas (Erhalt der Kaltluftschneise Grünzug Landwehrkanal) als auch im Sinne der Massen von Menschen, die das wichtige Naherholungsgebiet Landwehrkanal regelmäßig nutzen. Es ist sehr zu wünschen, dass das WSA im Rahmen einer von den Bürgerinnen und Bürgern geforderten nachhaltigen, ökologischen Sanierung in Sachen Baumerhalt nun endlich konsequent an einem Strang mit der engagierten Bürgerinitiative „Bäume am Landwehrkanal“ zieht.
    Die Bürgerinitiative vertritt seit 2007 in Deutschlands derzeit größten Umwelt-Mediationsverfahren, in dem die Gestaltung der Kanalsanierung verhandelt wird, die Interessen von mindestens 26.000 BürgerInnen und Bürgern. So viele haben sich per Unterschrift für den Erhalt der Bäume am Landwehrkanal ausgesprochen.
    Leider ist bisher nichts von dem, was dort verhandelt wurde, rechtsverbindlich. Man fragt sich, warum das WSA nicht längst einen Vertrag mit den MediationsverfahrensteilnehmerInnen über die Gestaltung der Sanierung abgeschlossen hat.


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