Klimawandel, Wassermangel und Schifffahrt

Kürzlich berichtete die Presse über das Memorandum des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) vom 12.10.09, wonach ungeachtet des gefühlten feuchten Sommers und Herbstes zu geringe Niederschlagsmengen in Seen, Teichen und Flüssen wie Elbe, Oder, Havel und Spree abermals zu dramatischen Wassertiefständen geführt und die Schifffahrt teilweise zum Erliegen gebracht hat. Die Fischerei hat herbe Umsatzeinbußen zu verzeichnen, die Elbeschifffahrt ihr Transportaufkommen schon deutlich reduziert, aber viel schlimmer noch: Feuchtgebiete wie der Spreewald drohen trocken zu fallen, und wie auch schon in den vergangenen Jahren trockneten Flussläufe teilweise völlig aus, wodurch ganze Tierpopulationen verschwanden: „Allein 2006 sind in der Krummen Spree mehrere Millionen Muscheln verendet, das merkt man an der Wasserqualität. Denn es sind unsere billigsten Kläranlagen“, erklärte der Präsident des LUA Brandenburg, Matthias Freude, gegenüber dem Tagesspiegel. Und laut Potsdamer Neueste Nachrichten sind „die Klima-Szenarien der vergangenen Jahre […] nach Erkenntnis der Forscher bereits Realität geworden.“

In diesem Zusammenhang erinnern wir uns des vergeblichen Bemühens zu Beginn des Mediationsverfahrens, zum Thema „Klimawandel und Kanalsanierung“ einen Referenten des PIK zu gewinnen, doch auch von der TU Berlin, wo Wissenschaftler die PIK-Szenarien auf den Berlin-Brandenburger Raum „heruntergebrochen“ haben, zeigte sich niemand bereit, das Mediationsforum zu unterrichten. Schließlich kam Dr. Finke von der BfG und berichtete über „die Entwicklung des Spreezuflusses nach Berlin und den Landwehrkanal vor dem Hintergrund des Bergbaus und des Klimawandels“ und warnte vor allem vor dem hohen Unsicherheitsfaktor und der Fehleranfälligkeit jenes „Herunterbrechens“ des Globalen und Regionalen aufs Lokale. Zudem seien Wasserstand und Abflussverteilung im LWK weitgehend anthropogen bestimmt, mit Mühlendamm- und Klein-Machnow-Schleuse als den Hauptstellschrauben, und der Zufluss nach Berlin sei bis 2050 mehr von der Entwicklung des Braunkohletagebaus als von der des Klimas beeinflusst. Prognosen seien beim GLOWA-Elbe-Projekt auch gar nicht so entscheidend als vielmehr die von der Forschung entwickelten Bausteine, die Toolbox, welche die verschiedenen Stakeholder ab 2010 für ihre jeweiligen Entscheidungsfindungen nutzen sollten.

Derweil hatten, wie berichtet, SenStadt und SenGUV schon längst das PIK und andere beauftragt, Studien über die Auswirkungen des „Klimawandels auf die Kulturlandschaft Berlins“ und Handlungsanweisungen für die „Anpassung an den Klimawandel in der Metropolenregion Berlin“ zu erstellen. In dem im Sommer dieses Jahres vorgelegten Bericht heißt es dann auch resümierend: „In Diskussionen mit der EU- und Bundesebene sollte Berlin insbesondere auf eine Neuausrichtung von Natura 2000 und anderen Schutzgebietskulissen hinwirken. Der anhand einzelner Arten abgeleitete Schutz innerhalb kleiner und mitunter fragmentierter Schutzgebiete muss verstärkt auf die Ziele des Artikels 10 bezogen, d.h. die Verbundräume müssen gestärkt werden. Die funktionalen Beziehungen in Schutzarealen müssen stärker betont werden, und diese Areale sind besser zu vernetzen bzw. auch zu vergrößern, um Wanderung von Arten zu unterstützen. Entsprechend müssten die Biotopverbundplanungen weiterentwickelt werden und sich Leitbilder und Zieldefinitionen des Naturschutzes ändern. Landschaftsplanung und das Landschaftsprogramm sowie darauf beruhende Pläne und Programme müssten angesichts des Klimawandels neu justiert werden.“

Soweit die Wissenschaftler und ihre Theorien. Die Politik hat bekanntlich ganz andere Sorgen, sieht sich von Haushaltszwängen eingeklemmt, von chronisch leeren Kassen umzingelt und muss, abgesehen vom Zinsenzahlen und Schuldentilgen, das geborgte Geld weitestgehend dafür verwenden, Berlin nachzuverdichten und zu versiegeln, um es als Investitionsstandort aufzumotzen.

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