Verteidigung unserer Linden!

Der Modellfall

Bei den 2007 geretteten und dann wegen angeblicher Umsturzgefahr an mönströse Betonklötzer, die sog. Brockelmänner, angedockten Linden am Tempelhofer Ufer soll’s demnächst zur Sache gehen. Sie stehen im Bauabschnitt 6, wo die Fa. Mette Wasserbau im letzten Winter nur die Startbohlen eingebracht hat und ab 2. November die Verspundung vollenden soll. Doch wie mensch schon mit bloßem Auge erkennt und sowohl Laser-Messungen des WSA als auch wesentlich aussagekräftigere manuelle der Baumpflegefirma GvL in Zusammenarbeit mit Dr. Barsig [siehe hier] gezeigt haben, würde nicht nur das Einpressen/-rammen zwölf Meter langer Spundbohlen und vor allem ihr Einschwenken mit einem 22 Meter hohem Kran, sondern auch ihre Halbierung wegen der auch dann noch nötigen Arbeitshöhe von acht Metern erhebliche Kroneneingriffe erfordern, die nicht nur den Habitus dieses landschaftsprägenden Ensembles empfindlich beeinträchtigen müssten, sondern − da Silberlinden weit weniger schnittverträglich sind als bspw. Weiden − angesichts zahlreich nötiger Starkastschnitte die Gefahr des Einwanderns von Fäule bis ins Stammholz mit sich bringen und in absehbarer Zeit zum Verlust der Bäume führen, für deren Erhalt schon einiges Engagement und auch finanzielle Mittel aufgewendet worden sind, mögen die letzten nun sachlich gerechtfertigt gewesen sein oder doch eher der öffentlichen Diskreditierung des ersten gedient haben.

Standard-Verfahren werden dem „bestmöglichen Schutz jedes einzelnen Baums“ nicht gerecht!

Jedenfalls zeigten die Messungen und die entsprechenden Farbmarkierungen der potentiellen Schnittstellen an den Starkästen [siehe das Barsig-Gutachten], dass eine Drittelung der Bohlen mit einer Arbeitshöhe von allenfalls sechs Metern unter der Maßgabe des bestmöglichen Baumschutzes noch vertretbar wäre. Während eine Drittelung zunächst für technisch machbar, dann wieder nicht und zuletzt wieder doch bezeichnet wurde [siehe z. B.  hier und hier], heißt es nun erneut, es gehe aus statischen Gründen wegen der zu geringen Einbindungstiefe der 4m-Teile keinesfalls, da diese dann die schwere selbstschreitende Presse nicht tragen könnten. Dass dies ja auch gar nicht nötig sei, sondern erst das nächste Teilstück aufgeständert, verschweißt und anschließend das Ganze tiefer eingepresst und daraufhin mit dem dritten Teilstück der ganze Vorgang nochmals wiederholt werde, bevor sich die die Presse „draufsetzt“, wurde wegen des aufwendigen Gerätewechsels zwischen Presse und Ramme als zu aufwendig verworfen. Amtsleiter Scholz aber hatte seinerzeit erklärt, auch eine Drittelung von Spundbohlen sei durchaus schon gemacht worden und wegen der Stärke der Profile (AZ 25), damit sie nach der Kleimeier-Variante auch für eine dauerhafte Lösung taugten, gebe es auch keine statischen Probleme… Vor allem aber sprach der Chef von einer „Filigranbauweise“, während es jetzt offenbar wieder in Richtung Standard- und 08/15-Methoden gehen soll.

Besser noch ein Jahr Korsettierung als Verkrüppelung für immer!

Deshalb schlagen die BürgervertreterInnen nun vor, entweder auf die seinerzeit von Amtsleiter Scholz gleichfalls als machbar bezeichnete Option einer Verschwenkung der Spundwandtrasse um ca. einen Meter in Richtung Fahrrinne zurückzukommen, denn dies würde längere Bohlen ermöglichen und gleichzeitig die Astschnitte auf ein Minimum reduzieren. Die neuerliche Munitionssondierung würde allenfalls einige Tage beanspruchen, also keine große Zeitverzögerung bedeuten. − Sollte diese Alternative wegen der Verengung der Fahrrinne jedoch am Widerstand der Reeder scheitern, plädieren wir für einen Baustopp an dieser Stelle unter Beibehaltung der angeblich notwendigen landseitigen Sicherung, also der Brockelmänner, bis innovative technische Geräte herangeführt (z. B. Gikens Gyro Piler, der mit vier Metern Arbeitshöhe auskommt) und innovative, flexible Arbeitskonzepte entwickelt wurden, die überhängende Baumkronen, die es bekanntlich noch in sehr großer Zahl und mit noch weit geringerer Schnittverträglichkeit (z. B. Rosskastanien) entlang des Kanals gibt, bis zu einer gewissen Mindesthöhe schont.

Abschnitt 6 hat Pilotcharakter

Mithin muss in dieser Perspektive der Umgang mit den vier Linden Modellfall und Pilotprojekt sein, denn der Kronenüberhang, der weite Strecken der Kanalufer säumt, ist ja nicht nur wegen des ästhetischen Reizes des Landschaftsbilds und weil er essentieller Teil des Denkmals ist, in hohem Maße erhaltenswert, sondern auch wegen seiner eminenten ökologischen Funktion, und zwar nicht nur als Lebensraum für Vögel und Kronenfauna, sondern für die Temperatur des Kanalwassers, insofern sie durch die Verschattung während sommerlicher Hitzeperioden erheblich niedriger gehalten wird, dadurch den Sauerstoffmangel begrenzt, der durch die Zersetzung von über die Mischwasserkanalisation eingeschwemmten organischen Materials immer wieder verursacht wird − mit dem beklagenswerten Fischsterben im Gefolge, zu dem es andernfalls noch in weit höherem Maße käme.

Ein Ortstermin bei den Linden wurde anberaumt, doch da er aus unserer Sicht keine entscheidend neuen Erkenntnisse bringen wird, haben wir übers Mediationsteam dem WSA und den anderen Forumsmitgliedern vorsorglich eine entsprechende Stellungnahme zugehen lassen gemäß unserem Credo, die Sanierungstechnik an den Uferbaumbestand anzupassen und nicht umgekehrt.

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