Senatsfest zur Eröffnung des Landschaftsbaus

Trauerfeier fürs Gleisdreieck

Umweltbildung

Umweltbildung für Bürgermeister Schulz

Zur offiziellen Eröffnung der Landschaftsbauarbeiten auf dem Gleisdreieck lud der Senat vergangenen Sonnabend (19.9.) zum „Bürgerfest“ in die ehemalige Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs. Ab elf sollten Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer sowie die Bürgermeister von F’hain-Kreuz- und Schöneberg-Tempelhof Grußworte an die Feierlustigen richten −, doch sei’s, dass die BürgerInnen sich dies samstags um diese Zeit und/oder bei solch bombigem Wetter oder auch aus dem gegebenen Anlass nicht reintun mochten: die Reden, die ohnehin keine neuen oder gar überraschenden Textbausteine zu enthalten versprachen, blieben mangels ZuhörerInnen ungehalten. Die Senatorin, beizeiten vorgewarnt, war gar nicht erst erschienen.

Baumblatt-Raten

Beim Baumblätter-Bestimmen

So drehten denn die Menschen aus den Bezirksverwaltungen, MitarbeiterInnen von Grün Berlin und Atelier Loidl, Stadt- und LandschaftsplanerInnen eine Ehrenrunde zwischen den Ständen von POG, Möckernkiez, AG Gleisdreieck, BUND u. a., lächelten nachsichtig über die ihnen unterwegs aufgedrängte Verlautbarung der AGG, die angesichts von Naturvernichtung und Scheitern der BürgerInnen-Beteiligung ganz im Gegenteil viel eher Anlass zu einer Trauerfeier sieht, und retirierten alsbald ins verdiente Wochenende. Zahlreiche BesucherInnen allerdings zeigten sich empört, dass einmal mehr A&E-Mittel gesetzwidrig zur Versiegelung missbraucht würden, was strenggenommen seinerseits Ausgleich und Ersatz verlange, und einige rieten zur Klage.

Self-Storage

Eine Vertreterin der AIF Bautzener Straße sammelte eifrig Unterschriften gegen das Vorhaben der Bezirks, ihnen als Preis für Zugänge zum Park den Blick auf denselben durch ein 20 m hohes, (mit Zufahrten) 85 m langes Monstrum gestapelter „Schließfächer“ − Self-Storage geheißen − zu verstellen, das die Firma Pickens auf dem der bahneigenen Vivico gehörenden Brachfläche entlang der Bautzener aufführen will und was sonst eigentlich nur nahe Autobahnen oder in Industriegebieten fernab jeder Wohnbebauung zu finden ist. [Siehe auch hier.]

Lichtung im Wäldchen

Lichtung im Wäldchen

Auf improvisierter Bühne mühte sich derweil eine Combo redlich, die nach Mittag allmählich doch noch eintrudelnden Gäste mit metropolitanischem Swing mitzureißen, derweil das Atelier Loidl einige Führungen zur Erläuterung von Konzept und bisheriger Umsetzung der „Grünen Pause“ anbot.

In diesem Zusammenhang verblüffte, dass bspw. die Projektleiterin des NER, Dr. Heimann, beim Streitpunkt Naturvernichtung einerseits auf die großflächigen Entsiegelungen verwies, die es doch auch gegeben habe, andererseits aber durchaus konzedierte, dass große Teile der Sukzessions- und Ruderalvegetation dieser letzten großen Berliner Stadtbrache mitsamt ihres eigentümlichen Charakters dran glauben mussten, auch wenn dessen Erhalt auf der Wunschliste vieler AnwohnerInnen ganz oben gestanden habe. Aber erstens „kommt doch alles wieder“, wie man auf der „Großen Weite“ sehe, wo die Berliner Rasenmischung so gar nicht gedeihen will; und dann sei’s hier doch primär um Verteidigung einer nicht tolerierbaren „privilegierten Nutzung“ gegangen (und mit ebendiesem Argument wurden ja auch die allermeisten Projekte verschiedener Initiativen beerdigt).

Enteignung

Zäunchen im Wäldchen

Schutzzäunchen im Wäldchen

Andererseits aber bediente sich Loidl-Vertreter Lipp, wie eine AGG-Teilnehmerin berichtet, während seiner Führungen übers Gelände ungeniert des Vokabulars der Bürgervertreter- und NaturschützerInnen, pries den hohen ökologischen Wert der so genannten Vegetationsinseln mit ihren Wildgräsern und -kräutern, die doch erhalten würden (ohne die Hunderte gerodeter Bäume und Büsche und die großflächigen Versiegelungen z. B. der „Möckernpromende“ auch nur zu erwähnen) sowie das unbedingt schützenswerte Wäldchen mit seinen für Bodenbrüter so wichtigen Wiesenlichtungen, weswegen sogar ein Zaun errichtet worden sei.

Verdrehung

Hoher Zaun ums Technik-Museumsgelände

Schutzzaun ums Technik-Museumsgelände

Schwindlig können diese Verdrehungen machen: der hohe bezirkseigene Zaun ums bezirkseigene Wäldchen wurde, wie berichtet, unangekündigt und unabgesprochen inmitten der Brutzeit niedergelegt und die Brut von Fitis und Zilpzalp von Hunden umgehend erledigt. Anschließend wurde zwanzig Meter weiter innen ein achtzig Zentimeter hohes Zäunchen aufgestellt, das Mensch und größerem Hund kein Hindernis bietet, während der Zaun in alter Höhe nur noch das Areal abschirmt, das dem Technikmuseum übereignet wurde. − Die südwestliche Ecke des Wäldchens wurde aus unerfindlichen Gründen durch eine breite Schneise abgetrennt. Vom sog. Sportgleis, das aus Lärmschutzgründen an den äußersten Rand verlegt worden sei (!), habe man Substrat mit wertvollen Sämereien der ursprünglichen Vegetation aufbewahrt, um sie später − wo denn bloß? − wieder auszubringen…

abgetrennte Ecke

Abgetrennter Südwest-Zipfel des Wäldchens

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