Georadar und Widerstandstomograph am Landwehrkanal

Umsetzung eines umkämpften Forumsbeschlusses

Prof. Weihs mit Radar-Scanner

Göttinger Professor Weihs mit Radar-Scanner

Auf zwei, unter alleiniger Einbeziehung der BAW bereits im Winter ausgewählten Versuchsflächen baumbestandener und zu sichernder Böschungsbereiche am LWK, nämlich am Einsteinufer in Charlottenburg und am Carl-Herz-Ufer nahe Zossener Brücke in Kreuzberg, wurden gemäß eines Beschlusses des Mediationsforums Bodensondierungen mit unterschiedlichen geophysikalischen Methoden durchgeführt, um Hohlräume im Boden, aber auch noninvasiv und zerstörungsfrei die Wurzelverläufe ufernaher Bäume zu detektieren.

Jener Forumsbeschluss vom Frühjahr 09 war seinerzeit nicht zuletzt deshalb heiß umkämpft, weil für die BI solche Untersuchungen vor allem der spezifischen Risikobewertung der von der BAW pauschal als „umsturzgefährdet“ klassifizierten Uferbäume dienen sollten, während es der BAW und dem damaligen WSA-Vertreter Biewald (jetzt WNA) primär um die Sondierung von Hohlräumen unterhalb und unmittelbar hinter der maroden Uferwand zu tun war, hinsichtlich der Bäume aber keine Veranlassung einer neuerlichen Gefährdungseinschätzung gesehen wurde.

Wiebes GeoRail™ und Göttinger Forscher-Crew im Einsatz

elektrische Widerstandsmessung

Elektrische Widerstandsmessung

Bereits im Juli hatte die Fa. GBM Wiebe, sonst vorwiegend in der Trassenerkundung beim Gleisbau tätig, mit einer Art „Radar-Schlitten“, dem 14kanaligen, mit 900MHz-Antenne bestückten GeoRail™ die Flächen georadiologisch gescannt. Anschließend nahm sich Professor Weihs von der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst mit Doktoranden seines Forschungsprojekts „Städtischer Wurzelraum“ dieselben Flächen vor. Schon 2007 waren BI-VertreterInnen auf Weihs innovative Verfahren aufmerksam geworden und hatten ihn kontaktiert. Die Gewässerrandstreifen des LWK sind nach seiner Auffassung für die Bearbeitung des Themas wegen der Verbindung von Natur- und Stadtraum geradezu ideal geeignet. Konkret geht es bei diesem Projekt der Baumdiagnostik um die „zerstörungsfreie Diagnose von Fäulen und anderen Holzveränderungen in stehenden Bäumen mittels ‚elektrischer Widerstandstomografie'“. In einer ersten Phase wurden die Versuchsflächen mit einem unterschiedlichen Verfahren ebenfalls georadiologisch untersucht.

Suboptimale Ablaufplanung

Prof. Weihs, Mitarbeiter

Prof. Weihs, Mitarbeiter

Die Ablaufplanung des Einsatzes zweier verschiedener Firmen an denselben Untersuchungsflächen war seitens des WSA alles andere als optimal. Zum einen wurden sie vor Ort unabgesprochen radikal vergrößert, zum anderen wurde den Wissenschaftlern bei Arbeiten nahe der Ufermauer das Anlegen von Schwimmwesten zur Auflage gemacht. Obwohl es im Amt nach Auskunft seines Leiters einen ganzen Pool solcher Westen gibt, konnten die WSA-MitarbeiterInne leider keine zur Verfügung stellen. (Die BürgervertreterInnen kennen diese Art der Kooperation aus eigener Erfahrung.) Die Göttinger jedenfalls zeigten sich einigermaßen verwundert und hätten angesichts der gerade zahlreich vorüber treibenden Fischskadaver bei einem Uferversagen und Sturz ins Wasser eher befürchtet, an Botulismus zu sterben denn zu ertrinken. − Auf dem Foto halten sich die Göttinger allerdings ohne Schwimmwesten in der Gefahrenzone auf.

Ergebnisse im September

Volumendarstellung von Hohlräumen

Volumendarstellung von Hohlräumen ©GBM

Vorab lässt sich sagen, dass beide Verfahren die Lage von Hohlräumen direkt hinter der Ufermauer und auch in größerer Tiefe selbst für den Laien gut sichtbar abbilden können und sich zumindest oberflächennähere Wurzelverläufe sehr gut verfolgen lassen. Eine Verifizierung durch Aufgrabung des Wurzelbereichs einzelner Bäume gelang. (Anschließend wurde das freigelegte Wurzelwerk selbstverständlich wieder sorgsam zugeschüttet.) Die Vorstellung der jeweiligen Untersuchungsergebnisse setzt freilich eine genaue Auswertung des Datenmaterials voraus und soll im September im Arbeitkreis Sanierung erfolgen und danach auch dem Mediationsforum vorgestellt werden.

Der Einsatz des GeoRails™ war für die BürgervertreterInnen leider nicht zu beobachten und immer schon fertig und vorbei. Zudem gab es auch noch zusätzliche Messungen am Herkulesufer nahe Bauhausarchiv. Aber die GBM Wiebe hatte gleich eine Freie Journalistin mitgebracht, die darüber berichten soll oder will. Nähere Einzelheiten finden sich auch in Evelyn Bodenmeiers neuestem WSA-Newsletter.

TU-Bodenkunde bleibt fern

BI-VertreterInnen hatten zurzeit der schwierigen Beschlussfassung über die Beauftragung dieser Untersuchungen darauf gedrungen, dass die TU-Bodenkundler um Professor Wessolek, Fachgebietsleiter Standortkunde und Bodenschutz, die die Eignung georadiologischer Untersuchungen wegen der spezifischen Beschaffenheit der LWK-Böschungen (Schuttauffüllung, Metallschrott und dgl.) sehr kritisch beurteilen, in interdisziplinärem Herangehen mit alternativen Methoden die georadiologisch gewonnenen Daten validieren sollten. − TU-Wissenschaftler und Mitarbeiter der Meßzelle e.V. hatten ja vorher und ebenfalls am Einsteinufer Wurzelaufgrabungen an gefällten Bäumen vorgenommen und ihre Ergebnisse dem Forum präsentiert. − Auf Betreiben der BI hatte das Mediationsteam Professor Wessolek eingeladen, dem Forum alternative Verfahren vorzustellen, damit klar werde, ob sie einen „qualitativen Mehrwert“ über jene der Fa. Wiebe und der Göttinger Wissenschafter hinaus versprächen, denn davon machte das WSA eine Beauftragung auch der TU abhängig, doch leider waren die TU-Bodenkundler darauf nicht eingegangen. Auch jetzt kam es zu keiner Kontaktaufnahme zwischen den Wissenschaftlern der beiden Universitäten, so dass die gebotene Interdisziplinarität, für die wir uns immer stark zu machen pflegen, im konkreten Fall leider nicht zustande kam.

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