„Nordumfahrung“ – in Tempo 100 durch geschützte Natur?

Planfeststellungsverfahren zum Straßenneubau zwischen Spandau und Falkensee

Wie der Berliner Senat unbeirrbar an der A100-Verlängerung, so halten die Brandenburger Verkehrsstrategen trotz einer Fülle wohlbegründeten Einwände an einem Planungsfossil, der sog. Nordumfahrung Falkensee fest, einer ca. zehn Kilometer langen „Umgehungsstraße“, welche nach realitätsfernen Prognosen die innerstädtische Landesstraßen entlasten soll, aber nach Auffassung der Bürgerinitiative Schönes Falkensee und ihres Verkehrsexperten im Gegenteil mehr Verkehr generieren und ihn auf insgesamt acht Straßen ansteigen lassen wird.

Zerstörung eines „geschützten“ Naturraums und beliebten Naherholungsgebiets

Vor allem aber soll die L20n genannte Trasse ein aus Spandauer Forst und Falkenseer Kuhlake bestehendes Naturschutzgebiet zerschneiden, ungeachtet der sattsam bekannten negativen ökologischen Auswirkungen insbesondere für die Fauna, für die Lebensqualität von AnwohnerInnen und Erholungssuchenden und nicht zuletzt der Tatsache, dass es sich hierbei um ein sog. FFH-Gebiet handelt, also ein Naturraum mit zum Teil selten gewordenen Biotoptypen, der nach den Maßgaben der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Teil eines europaweit zusammenhängenden Netzes von Schutzgebieten sein soll (Biotopverbund → Natura 2000).

Dem Vorwurf, gegen die Richtlinie zu verstoßen, suchten die Behörden mit dem äußerst originellen Einfall zu begegnen, flugs zwei FFH-Gebiete auszuweisen, unbekümmert darum, den Sinn und die grundlegende Zielvorstellung dieser Richtlinie damit ins Absurde zu verkehren. Denn gerade die Zerschneidung noch halbwegs intakter naturnaher Flächen durch Straßen und Bahntrassen zerstört in unvermindertem Tempo weiter den Lebensraum bedrohter Arten und ist eine Hauptursache ihres Verschwindens.

Konkret sollen für die Umgehungsstraße 10 Hektar Boden versiegelt werden, darunter anderthalb Hektar Wald, und allein 240 Altbäume fallen, die geschützten Teufelsbruchwiesen, die Reiherwiesen und die ganze, nach der Beseitigung der vorigen Zerschneidung durch Todesstreifen und Stacheldraht gerade erst aufwendig renaturierten Landschaft um den Falkenhagener See sollen nun restlos zerstört werden.

Bis zum 23. September Einwände erheben!

Inzwischen wurde nach zehnjähriger Planung das Planfeststellungsverfahren eröffnet, und erwartungsgemäß bestehen, nach der Vielzahl der Einwände schon im letzten Jahr, die Planungsunterlagen zur Hälfte aus solchen zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Sie liegen nun ab dem 10. August für einen Monat (bis 9.9.09) auch in Spandau öffentlich aus und zwar im

Spandauer Rathaus
Naturschutz-, Grünflächen- und Umweltamt
Zimmer 1103
13597 Carl-Schurz-Straße 8
Mo bis Do von 9 bis 16 und Fr 9 bis 14 Uhr

Die Frist für Einwendungen dauert bis zum 23.9. −, sicher kein Zufall, dass diese öffentliche Auslegung in die Haupturlaubszeit fällt. Die von der BISF vorgelegte, von den Spezialisten für Umwelt-, Naturschutz- und Verfahrensrecht Karsten Sommer und Peter Kremer erarbeiteten, mit 13 naturschutzfachlichen Gutachten untermauerten Einwendung umfasst 300 Seiten, doch ist es auch effektiv und wichtig, bis zum 23.9. nun noch möglichst zahlreiche individuell formulierte Einwendungen einzureichen.

Einladung zu Wochenend-Spaziergängen

Leider kommt unser Hinweis auf heute, Samstag (1.8.), 8 Uhr, allzu spät: Da hatte nämlich Reinickendorferin Regina Henke, die hier leidenschaftlich gerne wandert,  alle, die sich selbst einen Eindruck von der bedrohten Vielgestalt, Schönheit und Ruhe der Landschaft verschaffen möchten, herzlich zu einem Spaziergang eingeladen, denn, so Regina: „Man muss das erleben, dieser Wald ist (noch) so still! Ich könnte mir vorstellen, wenn das funktioniert, während der Frist jede Woche so einen Spaziergang zu machen. Es wäre auch toll, wenn z. B. Vogelkundige dazu kämen“.

Wir werden darüber informieren, ob es nächsten Samstag wieder einen gemeinsamen Gang gibt, aber mensch kann die Tour natürlich auch auf eigene Faust unternehmen. − Eine einfühlsame Beschreibung findet sich hier.

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