Bezirksamtsvertreter verletzt eklatant Vereinbarungen des Mediationsforums!

Unangekündigte massive Kronenrückschnitte beeinträchtigen Kanaluferbild in Mitte

Vitale Papppelkronen

Vorher: Vitale Papppelkronen

Entgegen der Vorschrift wurden die Warnschilder „Baumarbeiten“ nicht drei Tage vorher, sondern erst am Vortag aufgestellt: Dann kreischten Dienstag und Mittwoch (7./8.7.) am Kanalufer Höhe Müller-Breslau-Straße gegenüber der Schleuseninsel im Bezirk Mitte die Kettensägen. Ohne das Mediationsforum bzw. den Arbeitskreis „Kurzfristige Maßnahmen“, dem er auch noch selber angehört, zu informieren, geschweige diese brachiale Maßnahme irgendwie zu begründen, veranlasste der Baumrevierleiter des Bezirks, Wolfgang Leder, massive, bis zu vierzigprozentige, uniforme Kronenreduzierungen an insgesamt elf hohen Graupappeln, ökologisch wertvollen und bis dahin völlig vitalen Altbäumen mit nur geringem Totholzanteil, die nun, inmitten der Vegetationsperiode, mit ihrem brutal verkrüppelten Habitus ein jämmerliches Bild abgeben. − Ein weiteres trauriges Beispiel für die Kaputtpflege, womit der Berliner Baumbestand langsam, aber sicher reduziert wird.

Deformierte Graupappel 01

Nachher: Amputiert und ausgelichtet

Gesunden Bäumen zahllose Wunden zugefügt

Zahllose Starkastwunden erhöhen − zumal bei den momentanen klimatischen Bedingungen und gerade bei Pappeln − das Risiko von bakteriellen Infektionen und Pilzbefall mit der Entstehung von Faulstellen und damit den zukünftigen Pflegebedarf, was dann wiederum als Fällbegründung bemüht werden wird. (Genau in dieser Richtung hat sich übrigens Wolfgang Leder in der 15. Forumssitzung geäußert, als es allgemein ums Thema Kronenrückschnitte bei Pappeln ging.)

Deformierte Graupappel 02

Verkrüppelte Graupappel

Nur in ganzen zwei Fällen hätte der von BI/Verein BaL beauftragte Baumsachverständige, Dr. Barsig, auf Grund der Neigung der betreffenden Bäume einen moderaten Entlastungsschnitt gleichfalls befürwortet, doch unsinnigerweise wurde genau bei diesen Bäumen auch noch der als Gegengewicht ausgebildete Kronenteil abgesägt. [Korrektur: Wie aus Barsigs Gutachten ersichtlich, wurden nicht bei den von ihm befürworteten Rückschnitten die entgegen gewachsenen Kronenteile entfernt, sondern vielmehr bei gesunden Pappeln!] − Bei allen anderen Bäumen ist eine mangelnde Standsicherheit oder gar Verkehrssicherheit in keiner Weise erkennbar. Auch während der spektakulären Orkane in den vergangenen Jahren kam es weder zu Starkastbrüchen oder gar Sachbeschädigungen, geschweige Personenschäden.

WSA nicht ins Benehmen gesetzt

Die Graupappeln sind in den Pflege- und Unterhaltungsplan Landwehrkanal als prägend für das Landschaftsbild aufgenommen, so dass das WSA zumindest ins Benehmen hätte gesetzt werden müssen, doch im Amt weiß niemand etwas. Bei einer gemeinsamen Bereisung des Kanals zur Gehölzkontrolle und der einvernehmlichen Vereinbarung notwendiger Schnitt- und Fällmaßnahmen mit WSA– und BezirksamtsvertreterInnen, an der am 20. Mai d. J. auch Leder teilnahm, fragte der im Auftrag der BaL beteiligte Baumsachverständige nach den gelben Markierungen an besagten Pappeln, die auf geplante Arbeiten hindeuteten. Jörg Augsten vom WSA-Außenbezirk Neukölln wusste nichts darüber, Wolfgang Leder aber schwieg und verließ das Schiff noch vor Erreichen des Müller-Breslau-Ufers an der Unterschleuse. Er schwieg auch während der sechsstündigen Mediationsforumssitzung am vergangenen Montag (6.7.).

Deformierte Graupappel 04

Deformierte Graupappel-Kronen © Barsig

Vergebliche Proteste

Von einem Mitarbeiter der Meßzelle e.V. gestern alarmiert, protestierten wir per Mail an den Leiter des Grünflächenamts Mitte, Hans-Gottfried Walter, nachdrücklich gegen dieses unabgesprochene Vorgehen sowie die Verletzung einer Kern-Vereinbarung des Mediationsverfahrens und verlangten einen sofortigen Stopp der Arbeiten. In seiner lapidaren Antwort sprach der Baumrevierleiter nur von einer Pappel und erklärte, der Bezirk Mitte habe dem WSA-Pflege- und Unterhaltungsplan niemals zugestimmt und sich im Übrigen lediglich verpflichtet, Fällungen anzukündigen, aber keine Schnittmaßnahmen. Belege für die erste Aussage wurden auch auf Nachfrage hin nicht beigebracht, und die zweite ist nicht nur schlicht falsch sondern einfach widersinnig: Während das WSA bei unabgesprochenen rigorosen Strauchschnittmaßnahmen am Kanalufer sich angesichts der geharnischten Kritik der AnwohnerInnen für seine MitarbeiterInnen entschuldigt und sich zur Kompensation verpflichtet; während bspw. Neukölln und F’hain-Kreuzberg über alle geplanten Baumarbeiten im Uferbereich mit wochenlangem Vorlauf informiert und das WSA Kanalbefahrungen organisiert, um sich über notwendige Maßnahmen konsensuell abzustimmen, darf der Revierleiter von Mitte mit „seinen Bäumen“ tun und lassen, was er will?! Und es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Wolfgang Leder unmissverständlich deutlich macht, was er von Mediation und Partizipation hält, doch diesmal hat er nach unserer Auffassung den Bogen überspannt.

Mediationsresistenter Revierleiter

Wir können also unseren scharfen Protest gegen diesen neuerlichen Bruch einer essentiellen Vereinbarung des Mediationsverfahrens − diesmal von Seiten eines beteiligten Bezirks − nur noch einmal bekräftigen, fordern aber zugleich das Bezirksamt Mitte auf, Wolfgang Leder von der weiteren Teilnahme am Mediationsverfahren zur Zukunft des LWK zu entbinden und durch einen Kollegen abzulösen, der dem Sinn von Mediation und der Relevanz von BürgerInnen-Beteiligung aufgeschlossener gegenübersteht.

Eine im Auftrag von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal verfasste detaillierte fachliche Stellungnahme Dr. Barsigs zu den Kronenrückschnitten entlang der Müller-Breslau-Straße findet sich hier.

[Nachtrag: In der Mail-Antwort des Fachbereichsleiters Grünunterhaltung, Hans-Gottfried Walter, die uns drei Stunden nach Veröffentlichung dieses Postings erreichte, heißt es wörtlich: „Wir werden auch in Zukunft Baumarbeiten, bei denen wir an die gesetzlichen Bestimmungen gebunden sind, nicht ankündigen. Mein Fachbereich wird sich auch zukünftig nicht an Pflegepläne gebunden fühlen, die Dritte ohne Einbindung meines Fachbereichs erstellt haben.“ − Wir werden diese Problematik fundametal divergierender Sichtweisen und einer offenbar festgefahrenen Situation nicht auf dem Wege weiteren Mail-Austauschs bearbeiten, geschweige lösen können, sondern müssen sie einerseits politisch über die BVV Mitte und ihren Umweltausschuss angehen, andererseits innerhalb des Mediationsverfahrens und des dafür geschaffenen Arbeitskreises „Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen“. Hier nur noch soviel: Der Übertragung der Regelungen über den Umgang mit ufernahem Baumbestand, der in der Zuständigkeit des WSA liegt, auf jenen in der Zuständigkeit der Anrainer-Bezirke haben diese seinerzeit ausnahmslos zugestimmt.]

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1 Kommentar

  1. xonra said,

    9. Juli, 2009 um 21:27

    Oh liebe BaL, andere Meinungen sind Euch nicht wichtig, das ist mir schon lange klar.


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