Döblin-Platz: BürgerInnen-Beteiligung revisited

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Kritik an Durchführung der Partizipation zurückgewiesen

Bürgermeister Franz Schulz

Bürgermeister Franz Schulz moderiert

Die inzwischen dritte, von Bürgermeister Franz Schulz persönlich geleitete BürgerInnen-Versammlung zur Umgestaltung des Alfred-Döblin-Platzes befasste sich am letzten Freitag (19.6.) rund drei Stunden lang intensiv mit dem „nach den Bürgerwünschen“ modifizierten Planentwurf des Büros Blanc, Scheidel und Kollegen.

Nicht wenige der Anwesenden waren freilich nach wie vor der Meinung, dass sich genau dieser Entwurf (insbesondere wegen seiner multifunktionalen Granitquader als markantestem Element) verglichen mit den beiden Konkurrenz-Entwürfen von Lützow7 und Office Poly der geringsten Zustimmung von Seiten der Bevölkerung erfreut habe und, etwa im anlässlich der Ausstellung der drei Gestaltungskonzepte ausliegenden Gästebuch, vom weit überwiegenden Teil der Meinungsbekundungen abgelehnt worden sei.

3. BürgerInnen-Versammlung zum Alfred-Döblin-Platz

3. BürgerInnen-Versammlung zur Umgestaltung des Döblin-Platzes

Auch Alfred Döblins Sohn Stephan bevorzuge keineswegs den umstrittenen Blanc-Scheidel-Entwurf, wie es im Protokoll der entscheidenden Jury-Sitzung heiße, und die Vorsitzende der Internationalen Döblin-Gesellschaft, Gabriele Sanders, beurteile ihn als in jeder Hinsicht zu hinterfragen. Der Regisseur Dirk Szuszies (Resist) verlas seinen von zahlreichen Menschen unterzeichneten Offenen Brief an die Jury, der vorab auch an die Fraktionen und Ausschussmitglieder der BVV versandt worden war.

Das Entscheidungsgremium, das aus Angehörigen der beteiligten Verwaltungsebenen, einer Landschaftsarchitektin, die den Vorsitz führte, und einem Vertreter der Kirchengemeinde als der Hauptanliegerin, jedoch aus keinem/r BürgervertreterIn bestand, habe sich über das mehrheitliche Votum der BürgerInnen einfach hinweggesetzt und sei damit Gefahr gelaufen, das ganze Verfahren der BürgerInnenbeteiligung zur Farce werden lassen. [Vgl. auch hier.]

MitarbeiterInnen Verwaltung, Stattbau, Blanc & Seidel

MitarbeiterInnen von Verwaltung, Stattbau und Blanc, Scheidel & Kollegen

BürgerInnen-Voten durchaus berücksichtigt?

Dem widersprachen sowohl anwesende BürgerInnen, Jury-Mitglieder als auch der Bürgermeister selbst. Mit Verweis auf den Aushang einer aus dem Französischen übersetzten Mail, rief Dr. Schulz zunächst dazu auf, Stephan Döblin nicht zu instrumentalisieren: dieser habe lediglich darum ersucht, das Zitat aus dem Werk seines Vaters aussuchen zu dürfen, womit auf dem nach ihm benannten Platz an sein Schaffen erinnert werden soll. − Stephan Döblins angeblich eindeutige Bevorzugung des Sieger-Entwurfs („Gedenkcharakter und Würde“) lässt sich damit jedenfalls nicht mehr stützen; allenfalls kann, insofern er ja als einziger ein Werk-Zitat vorsieht, eine Präferenz indirekt erschlossen werden. − Sodann sei auf der zweiten BürgerInnen-Versammlung am 28.4. den AnwohnerInnen durchaus die Möglichkeit gegeben worden, eine/n VertreterIn ins Entscheidungsgremium zu entsenden, doch habe sich leider niemand dazu bereitgefunden. − Dass es ein solches Angebot gegeben habe, bestreiten nun wiederum verschiedene TeilnehmerInnen jener zweiten Veranstaltung ausdrücklich! − Auch sei die Vergabe der 400.000 Euro aus dem Senatsförderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz allein an den Erhalt der Lesbarkeit der Dresdener Straße, aber an keine weiteren Auflagen geknüpft.

Inhaltlich begründeten die anwesenden Jury-Mitglieder, grob zusammengefasst, ihre Entscheidung damit, dass die beiden anderen Entwürfe hinsichtlich Gestaltung und Bepflanzung entweder zu teuer, zu pflegeintensiv und, weil vorwiegend dekorativ-barock, wenig nutzungsfreundlich (Lützow7) oder in ihrer Umfriedung der Dreiecksfläche durch eine Hecke zu unflexibel-abschottend sowie − mit der Alternative Pflaster oder Rasen − räumlich zu unstrukturiert, unruhig und offen seien und letztlich beliebig blieben (Office Regina Poly mit studio LOV). [Siehe auch die drei Gestaltungsentwürfe sowie das Protokoll der entscheidenden Jury-Sitzung vom 19. Mai.]

Vorwärts zur 4. BürgerInnen-Versammlung!

In dieser Beurteilung wurde, so müssen wir nachträglich feststellen, den BürgerInnen-Wünschen nach einem „grünen Kleinod“ einerseits, einem nachbarschaftlich kommunikationsfördernden Aufenthaltsort andererseits zumindest Rechnung zu tragen versucht. Es soll kein Baum gefällt, die dort stehende Eibe nicht ausgeastet und Nist- und Nährgehölz für die Vögel ausdrücklich erhalten bzw. nachgepflanzt werden. − Bleiben die Granitquader als buchstäbliche Steine des Anstoßes, die zwar haltbarer und pflegeleichter als Bänke sein mögen, deren von Blanc und Scheidel vorgeschlagene ergonomische Modifizierung (Holzauflage; nach Sonnenstand schwenkbare Rückenlehnen bei einzelnen; Ausfräsung für Beinfreiheit nach rückwärts) viele jedoch noch nicht überzeugen konnten.

Letztgenanntes Büro wurde also zu weiteren Modifizierung aufgefordert, wobei u.a. Vorschläge kamen, die Luckauer Str. zur Spielstraße zu machen, zu begrünen und damit dem Platz zuzuschlagen, auch wenn dadurch Parkplätze wegfielen („Bäume statt Stellplätze!“), die Y-förmige Durchwegung der Dreiecksfläche zu entsiegeln, um noch weiteres Grün zu erhalten, sowie auch außerhalb ihrer noch Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Der Wegweiser auf die diversen Stadtschlösser wurde weiterhin kritisch gesehen, ein in die Straße eingelassenes Döblin-Zitat positiv gesehen, neben dem Erhalt der „Lesbarkeit der Dresdener Straße“ als der ältesten Straße Kreuzbergs aber auch ein deutlicher Hinweis auf Verlauf von Mauer und Todesstreifen angemahnt.

Angesichts der mannigfachen Kritikpunkte nicht zuletzt an der Art der Durchführung der BürgerInnen-Beteiligung wird es demnächst noch eine vierte Versammlung geben, in welcher der weiter modifizierte Planungsentwurf vorgestellt und diskutiert werden soll. Ob, wie geplant, bereits am 31. Juli eine überarbeitete BPU bei Senatens eingereicht werden kann, scheint allerdings fraglich.

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