Abgeordneter ackert

Christian Ströbele pflanzt Birnbaum am Spreeufer

Unter Aufsicht

Unter Aufsicht

Als Zeichen für die Rückkehr zum Eigenanbau einheimischer Obstsorten für aktiven Klimaschutz, gegen den klimaschädlichen Import haltbar und dadurch geschmacks- und vitaminarm gemachter Früchte aus Chile oder Südafrika sowie für Öffentlichkeit und Offenhaltung eines 50 Meter breiten Spreeuferstreifens entgegen den Senats- und Investoreninteressen an einer Uferbetonierung hat der stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Hans-Christian Ströbele, unter vollem Körpereinsatz auf dem YAAM-Gelände nahe Stralauer Platz in Friedrichshain ein Birnbäumchen gepflanzt. Bezirksbürgermeister Franz Schulz beaufsichtigte die Arbeit.

Obstbaum-Pflanzung

Weitere Aktive

Andere Engagierte pflanzten Kirschbäume und weitere Obstsorten, ja sogar Wein.

Wollen wir hoffen, dass sie an einem märkischen Strand auch gedeihen. Dem Aushub wurde ein Drittel Pflanzerde beigemischt, auf dass der Sand „humös“ werde. Jetzt heißt es, ordentlich wässern, bis die Wurzeln das Grundwasser erreicht haben.

Ströbele ackert

Geschafft!

Ströbele beklagt das Verschwinden von Wirtschaftsgärten gerade auch im Stadtgebiet und die verbreitete Tendenz zu reinen Ziergärten, die oftmals mit zu viel exotischen Pflanzen und englischem Rasen ausstaffiert seien, was ökologisch auch für die hiesige Vogel- und Tierwelt fatale Effekte habe. „Hier kommt es tatsächlich auf eine Art Re-Kultivierung an“. − Das solle natürlich nicht heißen, dass er prinzipiell gegen Obst-Importe aus Übersee sei, zumal dann, wenn winters im Norden nichts wachse oder die regionale Ernte den Bedarf nicht decke. Doch auf Erdbeeren im Dezember, die auch nach einer Woche perfekt aussähen, aber nach wie vor nach sauren Äpfeln schmeckten, könne er auch abgesehen von CO2 und Energiebilanz sehr gut verzichten.

Obstbaum-Party (Der Film)

Mediaspree samt A100-Verlängerung versenken!

Carsten Joost von der BI Mediaspree Versenken, die diese Aktion unterstützte, schätzt derweil die Aussichten für ein Fortbestehen des YAAM an dieser Stelle durchaus günstig ein: der Bebauungsplan, der hier eine Freifläche vorsieht, sei inzwischen verlängert; selbst für die Bar 25 am Holzmarkt sei noch nicht aller Tage Abend und durch Grundstückstausch sowie einer geringfügigen räumlichen Verschiebung ein Kompromiss in Reichweite. Allmählich scheine Eigentümern wie Politikern doch noch zu dämmern, dass man diese kreativen und überaus beliebten Nutzungsformen nicht einfach kassieren könne.

Protestgrillen

Protestgrillen

Ebenso stehe es mit der geplanten Verlängerung der A100 gegen den erklärten Willen des Bezirks, juristische Klagen von potentiell Zwangsumgesiedelten und Naturschutzverbänden und den vielen Hunderten Einwänden von Betroffenen.

Neben der Linken beginne auch die SPD in dieser Frage zu schwanken, und deshalb gelte es, vor ihrem morgigen Landesparteitag (17.5.) in der Max-Taut-Aula auf dem Nöldnerplatz in Erprobung einer neuen Aktionsform mit einem Protestgrillen die Delegierten gewissermaßen in die richtige Richtung zu räuchern. − Und selbstverständlich wird auch Vegetarisches gegrillt.

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Alle, denen Mediaspree ebenso wie die A100-Verlängerung stinkt,
sind am Sonntag ab 15 Uhr, Nöldnerplatz herzlich eingeladen,
grillenderweise zurückzustinken!

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Obstbäume für Berlin

Pflanzaktion am Yaam

WikiWoodsAm Freitag, 15. Mai, ab 16 Uhr werden auf dem YAAM-Gelände am Spreeufer in Friedrichshain (Stralauer Platz) mit Unterstützung von Xhains Bürgermeister Franz Schulz und MdB Christian Ströbele öffentlichkeitswirksam Obstbäume gepflanzt. Anschließend gibt’s Party unterm Motto Dance Around the Fruit Tree − nee − Obstbaum. Die auch von den MediaSpree-VersenkerInnen unterstützte Aktion steht an dieser Stelle natürlich auch im Kontext der Verteidigung des Xhainer Grüns gegen die Betonpolitik des Senats und die Investorenmeute, die bekanntlich auch mit den Spreeufer-Strandbars aufräumen will. Für die Bar 25 ist bekanntlich am 1. September endgültig Schicht.

Organisiert von WikiWoods

Organisiert hat diese Pflanzaktion die Berliner Inititative WikiWoods, die sich, alarmiert vom IPCC-Report vom November 2007, seitdem weltweit vor allem für die Wiederaufforstung naturnaher Wälder engagiert, um die Folgen der heraufziehenden Klimakatastrophe abzumildern. Eine Web-Plattform im Wiki-System dient dabei der Vernetzung von Aktiven, Fachleuten und Sponsoren und bietet potentiell jeder(m) die Möglichkeit, vor Ort gegen den Klimawandel aktiv zu werden. − Bisher haben auf diese Weise etwa 260 Ehrenamtliche immerhin schon knapp 14.000 Bäume gepflanzt.

Ob nun allerdings Obstbäume am Spreeufer gedeihen können, wenn, kaum dass sommers erste Früchte reifen, Strandbar-Gäste in die Kronen steigen, bleibt abzuwarten. Zudem werden Obstbäume, mit Ausnahme der Walnuss, von der Berliner Baumschutzverordnung auch nicht geschützt. − Das soll nun beileibe keine Miesmacherei sein, kommt halt auf den Versuch an.

Dass aber angesichts der durch Bankenskandale, Bankenbeschirmung und Milliarden-Steuerausfällen dreifach leeren öffentlichen Kassen einer engagierten Zivilgesellschaft gar nichts anderes übrig bleibt, als (neben anderen öffentlichen Aufgaben) auch die Pflege, Entwicklung und Verteidigung ihrer Grünflächen & Parkanlagen in die eigenen Hände zu nehmen, ist wohl unstrittig. In unserm Nachbarbezirk machen es die dortigen BIs wie der Bürgerverein Gleimviertel und B.I.R.D.S. auf ihrem Pankower Weg schon seit zwei Jahren vor.

In eigener Sache

Jahreshauptversammlung 2009
der Bäume am Landwehrkanal e.V.

Zum Rechenschaftsbericht

Auf der Jahreshauptversammlung unseres Vereins am vergangenen Montag (11.5.) ließ der Rechenschaftsbericht des Vorstands eine ansehnliche Reihe von Erfolgen Revue passieren, die über den endlos zähen Verhandlungen im Mediationsverfahren zur „Zukunft des LWK“ allzu leicht vergessen werden. Und da war einiges mehr als nur die Ausrichtung des Großen LWK-Tages am 13. September letzten Jahres mit Paddelparade, Podiumsdiskussion und Party, der aber sicher als ein Highlight unserer Aktivitäten gelten darf.

Auch heuer ist übrigens vom Aktionsbündnis „LWK für Alle!“ wieder eine solche Parade geplant, nämlich am 11. Juli, diesmal aber als Demonstration, um den Kanal symbolisch in Besitz zu nehmen.

Die PolitikerInnen erinnern!

Um es noch mal kurz in Erinnerung zu rufen: Die damalige Podiumsdiskussion mit Umweltsanatorin Katrin Lompscher, MdB Christian Ströbele, Xhains Bürgermeister Franz Schulz, dem Ex-Juso Chef und Xhainer SPD-Bundestagskandidaten, Björn Böhning, WSD-Chef Thomas Menzel und BUND-Geschäftsführer Tilman Heuser kreiste um den mittlerweile bei manchen geradezu zum Unwort avancierten „Masterplan“, also eine (um das abgegriffene „ganzheitlich“ zu schonen) systemische Planung der Sanierung, die ökologische, soziale, stadt- und verkehrsplanerische sowie ökonomische Zielstellungen ausbalanciert integriert und neben der Pflege unserer Stadtnatur auch die des Baudenkmals nicht versäumt. Ausnahmslos alle DiskutantInnen befürworteten diese Art der Planung als alternativlos und zeitgemäß –, doch obwohl damals noch kein Wahlkampf herrschte, haben sich diese Einlassungen bis dato weitestgehend als symbolpolitische erwiesen.

Lokal handeln nicht nur in Xberg

Von Senatens verlautet, wie hier bereits wiederholt kritisch paraphrasiert: Wenn nicht der Bund zuständig ist, dann sind’s eben die Bezirke, keinesfalls aber das Land: der Senat könne da allenfalls moderieren. Franz Schulz war auch sogleich bereit, die Feder zu führen, doch die restlichen vier Anrainerbezirke mochten nicht folgen und ließen durch ihre Grünamts-MitarbeiterInnen umgehend abwinken, so dass „die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung keine Basis für ein weiteres gemeinsames Vorgehen“ mehr sieht. Also soll es nun eine Gesamtplanung LWK-Sanierung nur für Kreuzberg geben – so als bräuchte es einen durchgehenden Ufer-Radwanderweg nur hier; als könne ein aquatischer und terrestrischer Biotopverbund an der Bezirksgrenze enden; als beträfe die ökologische Aufwertung dieses elf Kilometer langen innerstädtischen Wasserwegs und (vielfach nur potentiellen) Grünzugs nicht die anderen Bezirke gleichermaßen. Ein solches Projekt muss aber ihre materiellen wie personellen Ressourcen weit übersteigen, hat andererseits aber gesamtstädtische Bedeutung und fällt mithin in die Zuständigkeit von SenStadt.

Druck tut not!

Damit droht die auch von den VertreterInnen der WSD favorisierte Zweigleisigkeit der Planung dringlicher, wasserbaulich-technischer, und mittel- bis langfristiger Maßnahmen stillschweigend ad acta gelegt zu werden. Dass die Kooperation von Bundes- und Landesbehörden und zumal des WSA mit SenStadt, SenGUV, geschweige den Bezirken reich an Friktionen und von gegenseitigem Misstrauen, von Arroganz und Renitenz geprägt ist, ist kein Geheimnis, doch angesichts einer Erlasslage, die auch die WSV des Bundes zu aktiven ökologischen Maßnahmen bei der Wasserstraßenunterhaltung verpflichtet, des galoppierenden Klimawandels und der Notwendigkeit, mit „grünen Investitionen“ aus der ökologisch-ökonomischen Krise zu steuern, ist das BMVBS aufgerufen, wenn es denn nicht nur verbal, sondern real an nachhaltiger Stadtentwicklung, Förderung emissionsarmer Mobilität und gelingender BürgerInnenbeteiligung an solchen Planungsprozessen interessiert ist, hier durchaus noch mal nachdrücklich auf die Landesbehörden einzuwirken.

Neuer BaL-Vorstand gewählt

Zurück zur Hauptversammlung: Der Vereinsvorstand wurde (bei einer Gegenstimme) entlastet, durch Satzungsänderung von sieben auf fünf Mitglieder verschlankt, und nach erfolgter Neuwahl reicht nun seine Altersstruktur von Anfang 20 (Ina Liebing) bis Mitte 50 (Achim Appel). Bernd Heitmann und Michael Neuhaus wurden im Amt bestätigt und ferner kam Web-Redakteurin Birgit Dorbert noch hinzu. Die Wahl des geschäftsführenden Vorstands, die Verteilung der Ämter und Aufgaben etc.pp. erfolgt nächste Woche, und erst dann wird auch die Website entsprechend aktualisiert.

Kreative Aktionen

Nun müssen wir angesichts des ungeachtet allen Mühens sehr durchwachsenen momentanen Stands des Mediationsverfahrens zur „Zukunft des Landwehrkanals“ unsere Forderungen nach realer und nicht nur symbolischer Nachhaltigkeit der Sanierung, möglichst mit kreativen, bunten Aktionen flankiert, wieder verstärkt in die Öffentlichkeit transportieren, denn es ist nun mal so, dass, wenn grad keine Fällungen anstehen, die Menschen die Bäume für gerettet und die Angelegenheit damit für erledigt halten. Die Tatsache, dass größere Baum- und Vegetationsschäden immer nur dadurch verhindert bzw. begrenzt werden können, dass wir uns quasi als Bauaufsicht betätigen, hat für die offiziellen Medien keinen Nachrichtenwert. Die Mühen der Ebene liefern nur sehr bedingt Stoffe für dramatisierende Bearbeitung oder gar einen Scoop.

Unterstützung hochwillkommen!

Gleichwohl ist es ein Stück weit – womöglich Ausdruck eines schon habituell gewordenen mediativen Tunnelblicks – für unsereins schwer nachvollziehbar, weshalb sich die Bereitschaft der vielen, sich für ihr Lebensumfeld leidenschaftlich engagierenden Menschen, die es glücklicherweise in unserer Stadt und namentlich auch in den betroffenen Bezirken gibt, sich mit uns für ein städtebauliches Modellprojekt LWK einzusetzen, das als Teil eines sowohl konjunkturfördernden als auch aufs beschleunigt herannahende ökologische Desaster antwortenden Vorhabens, eher in Grenzen hält. Sicher gibt es immer Wichtigeres als den LWK, doch wir sollten nicht den einen Hotspot naturverträglicher Naherholung, die eine Klimatisierungsschleuse, den einen innerstädtischen Wander- und Ausbreitungskorridor für immer seltener werdende Tier- und Pflanzenarten gegen andere derartige, naturschutzfachlich womöglich wertvollere Hotspots wie z.B. das Gleisdreick-Gelände, den Biesenhorster Sand, das Tempelhofer Feld usw. ausspielen.

Werdet Mitglied bei den Bäumen am Landwehrkanal!

Und so weit es unsere zeitlichen und personellen Kapazitäten irgend zulassen, wollen wir auch weiterhin die Kooperation mit Initiativen, die in den und für die genannten Flächen aktiv sind, nach Kräften unterstützen, die Vernetzung intensivieren und verdichten, propagandistische Schützenhilfe leisten und unsere Aktivitäten koordinieren, auf dass – auch jenseits unseres Kiez‘ – unsere Stadt eine grüne Metropole bleibt und aus der Großen Krise nach Möglichkeit lebenswerter und attraktiver hervorgeht für die Bevölkerung, die BesucherInnen und eine vielleicht wieder wachsende Vielfalt nichtmenschlichen Lebens.

Zum Spenden oder Förder-Mitglied werden hier lang…

Ein kleiner Lehrpfad zur Lebensader Landwehrkanal

Schautafeln am Einsteinufer, wo die Bäume fielen

BANA-Tafel

BANA-Tafel

TeilnehmerInnen des BANA-Studiums an der TU Berlin mit den Schwerpunktbereichen „Umwelt“ und „Stadt der Kommunikation“ haben bereits im Sommersemester ’08 das Spannungsfeld Landwehrkanal zwischen stadtökologischen Belangen und touristischer Verwertung analysiert und sowohl historische als auch hydrologische und floristisch-faunistische Untersuchungen zur Bedeutung des LWK als Lebensader im urbanen Raum durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit den BWB werden einige Früchte dieser Studien voraussichtlich ab Juni auf Schautafeln [rechts ein Beispiel] der interessierten Öffentlichkeit präsentiert und mit Genehmigung des Bezirksamts Charlottenburg entlang des Einsteinufers aufgestellt − dort, wo das WSA vor nunmehr knapp zwei Jahren, nämlich im Juni ’07, überflüssigerweise 13 hohe Uferbäume fällen ließ.

Gewaltfrei am 1. Mai auf dem Mariannenplatz

Gespräch mit Bezirksbürgermeister Franz Schulz übers Kreuzberger Grün

Thomaskirche

Thomaskirche Mariannenplatz

Am 1. Mai in Kreuzberg − nach Maydayparade, aber vor Revolutionsdemo und etwas abseits des MyFest-Gedränges – nahmen wir auf dem Mariannenplatzfest der Grünen und Linken die Gelegenheit wahr, uns ein paar Takte mit Xhains Bürgermeister Franz Schulz zu unterhalten, der sich dort, unterm frugalen Baldachin trotz frühsommerlicher Temperaturen im dunklen Sakko stehend, traditionell für BürgerInnen-Gespräche bereithält. − Und dazu herrscht ja auch noch Wahlkampf.

Mariannenplatz

Große Bühne

Da bekanntlich hinter Finanz- und Wirtschaftskrise und von diesen fast verdeckt eine noch ungleich bedrohlichere, nämlich die ökologische mit irreversiblen Schäden dräut, sprachen wir nicht über Kapitalismus als Krise und das Grundeinkommen für alle, sondern zunächst über das Wäldchen auf dem Gleisdreieck, den naturschutzfachlich wertvollsten Teil dieser einzigartigen und inzwischen, wie berichtet, von der senatseigenen Grün Berlin GmbH schon weitgehend plattgewalzten Brache.

Investitionen in die grüne Infrastruktur!

Imbiss

Deutsch-türkischer Imbiss

Die BVV habe den Antrag der grünen Fraktionsvorsitzenden, Antje Kapek, ans Bezirksamt, sich bei Senatens für die Unterschutzstellung dieser Fläche als LSG einzusetzen, an die Ausschüsse für Umwelt und Stadtplanung rückverwiesen − „und da schmort er nun“; aber Franz Schulz ist dennoch zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht wird und zeigte sich nun überaus befremdet, dass der Zaun ums Wäldchen bereits vor Ostern niedergelegt worden ist und dadurch vor allem die Hundeschaft freie Bahn erhalten hat, das Geschäft der Bodenbrüter zumindest für diese Saison abrupt zu beenden. Auf die Frage, wer den Zaun denn umgelegt habe und vor allem warum, konnten wir nur wiedergeben, was wir von Vertretern der AG Gleisdreieck erfuhren: dass nämlich Beschäftigte der Senatsfirma hier ohne Vorankündigung tätig geworden seien und aus Kostenersparnis diesen stabilen Zaun zum Schutz des anzulegenden Naturerfahrungsraums einsetzen wollten. − Verschiedene von uns befragte GrünamtsmitarbeiterInnen wussten indessen von gar nichts.

„Das ist unser Wäldchen!“

Mariannenplatz

Mariannenplatz

Der Bürgermeister zeigte sich, soweit dies sein stoisch-gelassenes Naturell zuließ, ziemlich entrüstet − „das Wäldchen gehört uns, wir haben Pflege investiert, um die wertvollen Trockenrasen-Biotope vor Sukzession freizuhalten, und der Zaun gehört uns ebenso!“ Schulz stimmte der Forderung zu, dass der Zaun umgehend wieder am ursprünglichen Ort aufzustellen und am Ziel festzuhalten sei, ungeachtet des zu erwartenden „Drucks heterogener Nutzergruppen“ (so der Senats-Naturschutzbeauftragte, Prof. Kowarik) hier eine Art Kernzone vor ungehindertem Zutritt zu bewahren und allenfalls geführten Erkundungen zu öffnen, so dass der Bevölkerung auch auf diese Weise deutlich werde, dass sie hier eine ökologische Kostbarkeit in ihrer Nachbarschaft hätte; und die dürfe auch keinesfalls von gleich drei versiegelten Wegen durchschnitten und „erschlossen“ werden.

Oranienstraße

In der Oranienstraße

Schulz bekräftigte auch noch mal die Entwarnung für die interkulturelle Kleingartenkolonie POG mit ihren 50 Parzellen auf dem westlichen Teil des Geländes, die nun definitiv nicht einem Fußballstadion für den ebenfalls multiethnischen Fußballverein Türkyiemspor geopfert würden. Mit Körtings Offerte stehe dem Verein ja nun das Jahnstadion offen sowie nach wie vor die Trainingsfläche in Lichtenberg. Darüber hinaus teilt Schulz jetzt auch die weiteren Einwände, wonach sich das Gelände wegen seines Zuschnitts für zwei Fußballplätze schlecht eigne und diese noch dazu mit der Führung des sog. Generalszugs, also jener schon von Lenné und Hobrecht geplanten Ost-West-Verbindung, kollidiert wären. − Nun aber käme es darauf an, in der von ihm, Schulz, eingesetzten und geleiteten Arbeitsgruppe mit POG die Modalitäten zu verhandeln, um den Bebauungsplan so zu ändern, dass die Kolonie auf diesem Areal erst einmal Rechtssicherheit erhält und auch Bestandsschutz genießt und nicht durch irgendwelche künftigen Bauvorhaben verdrängt werden kann.

Franz Schulz beklagt die Kaputtpflege

Feuerwehrbrunnen

Feuerwehrbrunnen

Mit unserer vehementen Kritik an der allenthalben zu beklagenden „Grünflächenpflege“ mit der Kettensäge, den inmitten von Vegetations- und Brutperiode vorgenommenen sog. Verjüngungsschnitten eine Handbreit überm Boden u.dgl.m. rannten wir beim Bürgermeister offene Türen ein. Er teilt sie vollumfänglich und steuerte eigene Beobachtungen bei, zum Beispiel ausgerechnet im östlichen, naturnäher gestalteten Teil des Görli, doch all die HundehalterInnen, die diesen schönsten Teil des Parks als ihr Auslaufgebiet reklamieren, davon zu überzeugen, ihre Lieblinge anzuleinen oder wenigstens am Aufscheuchen der im Schilfgürtel des Teichufers brütenden Wasservögel zu hindern, sei eine Sisyphos-Arbeit, vor der das Ordnungsamt schon kapituliert habe.

Ähnlich muss es um die Aufgabe bestellt sein, den Paradigmenwechsel in der Grünflächenpflege, der sich in theoretischen Verlautbarungen ja längst abzeichnet, bei den MitarbeiterInnen vor Ort auch praktisch werden zu lassen. — Als Stefan Ziller von der Grünen-Fraktion unlängst im Abgeordnetenhaus eine Anfrage zu Art, Anzahl und Dauer von entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen stellte, wurde ihm seitens Staatssekretärin Krautzberger nicht eine einzige inhaltliche Antwort zuteil. Diese Dinge lägen in der Zuständigkeit der Bezirke, und eine diesbezügliche Recherche würde den Rahmen einer Kleinen Anfrage sprengen.

Der Klimawandel als Herausforderung für Stadtplanung und BürgerInnen-Beteiligung

Im Luisenstädtischen Grünzug

Im Luisenstädtischen Grünzug

Wir können also nur hoffen, dass angesichts sich häufender Wetterextreme und Hitzeperioden einerseits die Verantwortlichen die stadtplanerische Notwendigkeit der verstärkten Anlage, Pflege und Entwicklung Schatten und Feuchtigkeit spendender Alleen und Grünzüge erkennen, um das Kleinklima zu verbessern und kühlere Schattenzonen für jede(n) in max. zehn Minuten fußläufig erreichbar zu machen; und dass sich andererseits mehr und mehr BürgerInnen, vor allem auch die jüngeren, für ihr Grün unmittelbar verantwortlich fühlen. In Trockenzeiten beginnt das mit dem täglichen Eimer Wasser für den Straßenbaum vor der Haustür, und dabei geht’s ja nicht etwa um spleenige Obsessionen wie Stadtnatur- und Artenschutz, sondern schlicht und ergreifend um unser aller Gesundheit und Lebensqualität.

Los geht's

Und los geht's!

Als frierende Streetfighter nächtens auf einer traditionell dafür genutzten Görli-Wiese ein großes Feuer entfachten, verzichtete die Staatsgewalt auf Löschversuche und eine Schlacht im Park − freilich wohl weniger um dessen als um die eigene Unversehrtheit besorgt.

Auf den letzten Drücker

Schleppende Vorbereitungen zur Sanierung des havarierten Riedel-Anlegers

Variante bereits im November ’08 beschlossen

Die Sanierung des vor nunmehr zwei Jahren abgerutschten Riedel-Anlegers an der Kottbusser Brücke bzw. jenes auf 90 Meter aufgerundeten Abschnitts am Maybachufer gemäß der im vergangenen Herbst vom Mediationsforum in seiner 12. Sitzung beschlossenen Variante soll im Juli öffentlich ausgeschrieben werden. Die derzeit am LWK tätige Wasserbaufirma Mette müsste ein Anschluss-Auftrag vollends überfordern, hat sie doch von den 370 Metern wasserseitig temporär zu sicherndes Ufer bislang gerade mal 120 geschafft. Während der Bauhaus-Schließzeit ab Mitte Mai werden am Herkulesufer in Mitte die Rammarbeiten vorbereitet und vom 25. bis 29.5. durchgeführt, und nach Ende der Schifffahrtssaison im Herbst wird Mette mit den Abschnitten am Tempelhofer-, vor allem aber am unerwartet harten Corneliusufer gut zu tun haben.

Angesichts der Stadien und Fristen, die bei einer öffentlichen Ausschreibung zu durchlaufen/einzuhalten sind (und deren Darlegung im einzelnen hier den Rahmen sprengen würde) sowie der Tatsache, dass die so genannten Verdingungsunterlagen eine vollständige und genaue Beschreibung der zu erbringenden Leistungen enthalten müssen inklusive Daten über die durch Bodensondierung und Baugrundaufschluss zu ermittelnden verschiedenen Lagerungsdichten und „Rammbarkeiten“, was bekanntlich eine vorherige Kampfmittelsondierung und ggf. -räumung erfordert −, bislang aber weder eine abgeprüfte statische Berechnung, geschweige ein Konzept zur Sanierung der Ufermauer oberhalb der Wasserlinie vorliegt, muss die Gelassenheit verwundern, mit der Amtsleiter Scholz erst kürzlich den 1. November als Baubeginn bekräftigt hat.

Bevor das Planungskonzept beschlossen wird, sollen schließlich etwaige Modifizierungsvorschläge seitens der betroffenen Behörden (SenGUV, LDA etc.) und Nutzer (eben nicht nur der Reeder, sondern auch der Bürger- und AnwohnervertreterInnen) eingehen können , und dann sind da noch etliche Genehmigungen von BAW bis BVG, Senat und Bezirk einzuholen. Statt alles dessen aber ist ein halbes Jahr ins Land gegangen und offenbar eher noch gar nichts geschehen.

Laut WSAGrobablaufplan sollten die vorbereitenden Arbeiten inklusive Kampfmittel- und Baugrundsondierung bereits abgeschlossen sein, können nicht „parallel laufen“ und wir also nur hoffen, dass die mehr oder minder im Geheimen wirkende Projektgruppe Landwehrkanal − von manchen deswegen schon Projektgruppe Erlkönig [s.u.] tituliert − emsig mit der Entwurfsaufstellung befasst ist, denn Ende Mai soll diese ja schon abschließend geprüft werden.

Zu den Behörden, mit denen eine frühzeitige Abstimmung erfolgen soll, gehört, wie erwähnt, auch SenGUV, von deren Vertreter, Matthias Rehfeld-Klein, berichtet wurde, er sehe Möglichkeiten für ökologische Maßnahmen auch in diesem 90m-Abschnitt − „…aber nur unter Wasser!“ wie Frau Kayser von der Obersten Denkmalbehörde sich beeilte klarzustellen −, doch Konkretes weiß eben niemand.

Projektgruppe „Erlkönig“

Dosierte Transparenz

Unbehagen bei den BürgervertreterInnen erregt vor allem das klandestine Treiben der Projektgruppe LWK unter Leitung des − laut Scholz − Oberbaurats und − laut „privater“ [inzwischen leider abgeschalteter] Website − Hobby-Ruderers, Jens Wutschke.

Der ist uns vor allem durch seinen bizarren Einfall einer spundwandfreien, uferbaumfeindlichen Kanalsanierung mit jahrelanger Trockenlegung noch in lebhafter Erinnerung. Da dieses dem WSA-Leiter direkt unterstellte Einsatzkommando bei seinem Projektmanagement am Maybachufer immer auch noch das Pilotprojekt entlang des 370m-Abschnitts mit den gesicherten Bäumen „im Rucksack“ hat, wären wir, sofern es denn welche gibt, schon sehr an Zwischenergebnissen interessiert, um evtl. noch korrigierend eingreifen zu können, falls sich die schwerbepackte Truppe abermals im Gestrüpp der Kriterien, Rand- und Rahmenbedingungen zu verheddern droht und dann auf ähnliche „Befreiungsschläge“ verfällt.

Doch mehr als die nämlichen nichtssagenden Sprechblasen über Zusammensetzung, Zuständigkeit und Kompetenz ist den Verantwortlichen trotz beharrlichem Nachhaken nicht zu entlocken. − Die Vereinbarungen zur Transparenz werden also relativ ungeniert weiterhin missachtet.

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