Rammen unter Schwierigkeiten

Entgegen der Absprache kommt wieder das Technik-Fossil zum Einsatz

Spundwand Herkulesufer

Spundwand am Herkulesufer

Seit Montag (25.5.) wird nun am Herkulesufer in Mitte vis-à-vis des Bauhaus-Archivs gerammt, d.h. die temporären Spundwände zur wasserseitigen Sicherung der maroden Uferwand werden eingebracht, damit endlich die dortigen Kastanien  von den monströsen  Betonklötzen erlöst werden können. Deshalb ist der Landwehrkanal auch derzeit für die Fahrgastschifffahrt gesperrt, denn die Arbeiten durften, wie berichtet, erst in den Ferien des Museums durchgeführt werden, damit empfindliche Exponate vor den Erschütterungen vorsorglich in Sicherheit gebracht werden können.

Entgegen der Absprachen wird nun wieder der sog. Dieselbär eingesetzt, den wir schon am Tempelhofer Ufer bestaunen konnten. Beachtliche Lärm- und Dieselrußemissionen entführten die entsetzten ZuschauerInnen in (zumindest hierzulande) längst vergangen geglaubte Zeiten. Damit das sperrige Gerät nicht abermals die wertvollen Altbäume beschädige wie vorher geschehen, wurde auch noch der so voluminöse wie nutzlose Schallschutz-Kamin entfernt, doch es ging dennoch haarscharf an den eh schon zurückgeschnittenen Kastanienästen entlang. Das diesmal ausnahmsweise nichts passierte, ist sicher der Anwesenheit eines Vertreters der beauftragten Baumpflegefirma zu danken.

Dieselbär

Dieselbär unter Volldampf

Diese Geräte sollen übrigens nur noch fernab jeglicher Wohnbebauung eingesetzt werden, und die gibt’s, im Unterschied zum Tempelhofer-, am Herkulesufer glücklicherweise ja nicht. Der kleinere, emissionsärmere, wenn auch nicht unbedingt leisere Luftbär sei aber mit Rücksicht aufs Bauwerk nicht einsetzbar, weil er zu stärkeren Vibrationen führe, teilte die Baubevollmächtigte auf Anfrage mit. Dieser Aspekt wurde bislang noch nie ins Feld geführt.

Probleme mit drei Spundbohlen?

Gestern nun gab es bei der Einpressung von drei Spundbohlen nach Berichten von Augenzeugen wieder Schwierigkeiten, welche der Bauaufseher allerdings ausdrücklich dementiert: Es habe nicht an den Bodenverhältnissen gelegen, und es seien auch keine Schweißarbeiten an den Bohlenschlössern, sondern vielmehr am Bären notwendig geworden, was immer mal vorkomme. Der Zeitplan sei dennoch einzuhalten, will sagen: das Einbringen der Spundwand am Heruklesufer, wie geplant, am heutigen Mittwoch abzuschließen.

Am Vormittag konnte jedoch nur eine einzige Bohle mit Mühe auf Endtiefe gebracht werden; bei der Frage, wie’s um die anderen beiden bestellt ist, müssen wir uns auf die Beteuerung der Baubevollmächtigten verlassen, dass alle Bohlen eingepresst werden konnten. [Interessant noch, dass alle tieferen Stahlprofile (also jedes zweite in der sog. Staffelrammung) wohl auf Anweisung des Statikers noch 20 cm nachgerammt werden mussten.]

Anvanciertere Technik einsetzen!

Am Corneliusufer im Mitte mussten, wie berichtet, die Rammarbeiten wegen „unerwartet fester“ Bodenbeschaffenheit ja gänzlich abgebrochen werden, nachdem ans eigentlich geplante Einpressen gleich gar nicht mehr zu denken war. Die japanische Firma GIKEN, die vergangenen Montag im Arbeitskreis Sanierung in einem ersten Teil ihrer schon im TU-Spundwandseminar am 26.3. vorgestellten Präsentation neue technologische Verfahren, nämlich u.a. den sog. Crush Piler vorstellte, der zeitraubendes und lärmiges verrohrtes Bohren, wie es das WSA nun plant, überflüssig machen könnte, stößt auf die geballte Skepsis von WSA und BAW, wobei uns die Beweggründe nicht recht klar werden. − Näheres demnächst nach der GIKEN-Präsentation Teil II.

Auch die Abendschau berichtet

Heute [bzw. am Freitag] abend berichtet übrigens um 19:30 Uhr die rbb-Abendschau übers „Sorgenkind Landwehrkanal„. Dabei grub die Komplexität der Thematik schon dem Aufnahmeteam die Sorgenfalten in die Stirn…

Nachtrag vom 1.6.: Siehe jetzt auch den WSA-Newsletter vom 29.5. zum Thema…

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5 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    28. Mai, 2009 um 19:04

    Dass die Betonklötze überhaupt nötig waren wurde nie bewiesen. Eine von der BI schon vor zwei Jahren geforderte Einzelfallprüfung der Standsicherheit ist ja nie erfolgt. Die jetzige Verspundung ist grundsätzlich notwendig, um die maroden Ufermauern zu sanieren, das hat mit Baum“erlösung“ gar nichts zu tun. Da die Spundwände auch Teil einer dauerhaften Sanierung sein können wurde ihre Verpressung von der BI akzeptiert. Die Nutzung altertümlicher Methoden, die schon seit 1975 nicht mehr Stand der Technik sind zeigt allerdings einmal mehr das Generalproblem bundesdeutschen Verwaltungshandelns. Hier wird die Vergangenheit konserviert anstatt die Zukunft vorbereitet.

  2. Oliver Ginsberg said,

    30. Mai, 2009 um 20:50

    Dazu passt die heutige Pressemeldung, dass nun Opel mit viel Steuergeld konserviert wird, wo es ohnehin schon zu viele Autoproduktionskapazitäten, ja überhaupt Autos und Straßen gibt in diesem Land.

  3. jürgen julius irmer said,

    30. Mai, 2009 um 22:21

    …ich kann mich an auto-aufkleber aus den 80er-jahren erinnern:
    „mein auto fährt auch ohne wald!“.
    vermutlich ist das immer noch geistes kind bei tante merkel etc.
    als nächstes wird jeder fette porsche mit steuergeldern subventioniert.
    obendrein ist anscheinend eh` der staatshaushalt von (semi-)insolventen kapitalgesellschaften zum plündern freigegeben…
    was einem bleibt, ist, die sache nicht kommentar- und aktionslos über sich ergehen zu lassen…

  4. 31. Mai, 2009 um 13:35

    „als nächstes wird jeder fette porsche mit steuergeldern subventioniert.“

    Lieber Jürgen,

    jeder fette Porsche IST BEREITS mit Steuergeldern subventioniert, auf vielfältige Weise und praktisch seit Bestehen der Bundesrepublik.

  5. 31. Mai, 2009 um 22:54

    …du hast wohl recht; ich dachte bisher nur die straße und der fahrer sind steuer-irrelevant und die karre erst neuerdings, aber vielleicht sollte ich weniger großzügig rechnen…


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