Reichenberger Silberlinde wird nun doch gefällt

Bäume am Landwehrkanal spenden Ersatzbaum

Fällkandidatin

Fällkandidatin, AnwohnerInnen

Eine traurige Nachricht ist zu vermelden: Der entschlossene und hartnäckige Einsatz der AnwohnerInnen-Inititative um Brita Bredel für den Erhalt der Silberlinde Nr. 144, Reichenberger/Ecke Ratiborstraße in Kreuzberg, war letztlich vergeblich: Am Donnerstag, 28. Mai [und nicht Freitag, wie zunächst ausgeschildert!], wird der stattliche Straßenbaum doch noch gefällt. Den Winter über ist ein Sekundärschaden entstanden, nämlich ein Längsriss, der den ganzen Stamm hinunter verläuft sowie ein davon abzweigender Querriss um den Stamm herum, wodurch laut Baumsachverständigem Frank Rinn die Verkehrssicherheit des Baums nicht mehr gewährleistet ist und etwa bei Sturm ein Torsionsbruch befürchtet werden muss. − Und das Amt ist an diesem Finale wohl nicht ganz unschuldig.

Eiszapfen

Eiszapfenbildung letzten Winter

Frau Bredel hatte im vergangenen Herbst nach starken Regenfällen den Austritt von Wasser am Stamm der Linde beobachtet und daraufhin sogleich den Sachverständigen als auch das Grünflächenamt schriftlich und mit Fotos informiert. Frank Rinn aus Heidelberg, der bei einer schalltomographischen Untersuchung der Linde im Frühjahr ’08 keine akuten Gefahren ausmachen konnte, hatte damals nicht mal eine Kroneneinkürzung, sondern lediglich eine Sicherungsverseilung empfohlen und dem Baum ansonsten eine gute Vitalität und Lebenserwartung bescheinigt.

Kein Ruhmesblatt fürs Friedrichshain-Kreuzberger Grünflächenamt!

Eiszapfen 02

Eiszapfen

Damit hatte Rinn dem Gutachten der Firma Kusche & Partner, womit das Amt die von AnwohnerInnen und Mitgliedern der BaL im Herbst ’07 nur knapp verhinderte Fällung des Baums begründete, diametral widersprochen und das Gegengutachten des von den BürgerInnen selber beauftragten Sachverständigen Michael Barsig bestätigt. − Vergangenen Herbst also alarmiert, tippte Rinn ferndiagnostisch auf einen Riss oder Spalt am Kronenansatz als Eintrittsstelle des Regenwassers, der dringend verschlossen werden müsste, und teilte dies auch seinem Auftraggeber, dem Bezirksamt, mit. Mehrfach forderte daraufhin auch Frau Bredel die Zuständigen auf, entsprechend tätig zu werden.

Der Längsriss

Der Längsriss

Mitarbeiter einer vom Amt beauftragten Baumpflegefirma, welche auch die empfohlene Kronenverseilung vornahmen, konnten indessen trotz „genauer Prüfung“ keinerlei Öffnung finden, und auch Amtsvertreter, die später vorbeischauten, ohne freilich die AnwohnerInnen vorher darüber zu informieren, wollen nichts entdeckt haben, doch hatten sie bei ihrer Suche leider keine Leiter dabei. Wie auch immer: oben drang das Regenwasser in den Stamm, weiter unten trat es wieder aus; der letzte Winter war bekanntlich hart, so dass zuweilen sogar ein ansehnlicher Eiskatarakt den Lindenstamm zierte und der Frost ihn schließlich aufsprengte.

Riss im Zwiesel

Von der Leiter aus unübersehbar: Wassereintrittsstelle im Zwiesel

Als Frank Rinn den Baum Mitte April dieses Jahres nun einer weiteren Schallmessung unterzog, entdeckte er, neben Längs- und Querriss, von der Leiter aus binnen einer Minute in einem Zwiesel den bewussten Spalt. Das Tomogramm aber zeigte, dass die durch einen Pilz verursachte Zersetzung inzwischen weit ins Stammholz vorgedrungen, ja sogar schon an mehreren Stellen nach außen getreten ist. Deshalb kann der Gutachter für die Standsicherheit dieses Baumes nicht mehr garantieren.

Bäume am Landwehrkanal spenden Ersatz

Silberlinde 144

Silberlinde Nr. 144

Die AnwohnerInnen haben privates Geld investiert, das Bezirksamt, das sich mit dem ersten Gegengutachten nicht zufrieden geben mochte, darauf noch weit mehr öffentliches −, und nun muss der inzwischen wieder prächtig belaubte hohe Baum, dem mensch auf den ersten Blick kaum etwas ansieht, nach anderthalbjährigem Hin und Her schließlich doch noch fallen. Verständlicherweise sind die AnwohnerInnen darüber sehr betrübt und über die unterlassene Hilfe höchst ungehalten.

Da für das Bezirksamt, das dank der Prioritätensetzung im Bürgerhaushalt zwar in die Lage versetzt wurde, auch Neupflanzungen vorzunehmen, gleichwohl nur ein schmächtiger Setzling in Frage kommt, der aber an dieser frequentierten Ecke wohl nur geringe Anwachschancen hätte, haben sich die BaL entschlossen, eine bereits etwas größer gewachsene Silberlinde zu spenden bzw. die Mehrkosten zu tragen. Und über die TU Berlin erhält der Jungbaum eins jener stabilen Schutzgitter aus Metall, die für die Neupflanzungen im Gleimviertel nicht mehr gebraucht werden.

Vielleicht gelingt − dem Beispiel des „Pankower Wegs“ in unserem Nachbarbezirk folgend − durch solche Aktionen auch der Start eines „Xhainer Wegs“ der Baumspenden und -pflanzungen seitens engagierter BürgerInnen, die sich für den Erhalt unseres (Straßen-)Baumbestands verantwortlich fühlen und selber aktiv werden wollen. Die von BürgerInnen schon vielerorts in unserm Bezirk bepflanzten, sorgsam gepflegten und − zum Schutz vor Stoßstangen wie dem Missbrauch als Hundetoilette − umfriedeten Baumscheiben machen da Hoffnung.

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26 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    22. Mai, 2009 um 12:53

    Die Ko-Finanzierung von Straßenbäumen durch den Verein ist politisch bedenklich. Hier wird dem Rückzug der öffentlichen Hand aus der öffentlichen Grünpflege Vorschub geleistet.

    Zudem ist das auch nicht mit den satzungsmäßigen Zwecken des Vereins vereinbar, die folgendermaßen lauten:

    a) darauf hinzuwirken, dass die Sanierung des Landwehrkanals so behutsam durchgeführt wird, dass Belange von Umwelt-, Natur- und Artenschutz sowie der Erholungsnutzung so weit wie möglich berücksichtigt werden,
    b) die Bürger/innen über den Prozess der Sanierung zu informieren und sie im Rahmen politischer Bildung für die Beteiligung an Entscheidungen zu motivieren
    c) zu erreichen, dass unter Beteiligung aller Betroffenen ein Nutzungskonzept für den Landwehrkanal und seine Umgebung entwickelt wird, welches die unterschiedlichen Nutzungsinteressen von Anwohner/innen, Besucher/innen und Gewerbetreibenden in einer ökologisch nachhaltigen Weise miteinander in Einklang zu bringen strebt.

    Dafür sind Menschen Mitglied geworden und dafür hat der Verein Spenden erhalten. Der Einsatz der Mittel für Baumpatenschaften stellt deshalb eine missbräuchliche Verwendung von Mitteln dar.

    • BaL said,

      22. Mai, 2009 um 14:01

      Wir haben in dieser Frage natürlich vorstandsintern einen Konsens erzielt, auch dahingehend, in einem solchen Fall unsere Vereinssatzung nicht derart eng auszulegen. Und zur „Umgebung des Landwehrkanals“ gehört(e) für uns bekanntlich schon der Luisenstädtische Grünzug.

      Auch wollen wir den Bezirk mit unserer Spende keineswegs aus seiner Verantwortung für Baum- und Grünflächenpflege entlassen, sondern vielmehr als gemeinnütziger Verein für Baum- und Stadtnaturschutz angesichts von (bewusster?) Amtsuntätigkeit ein zivilgesellschaftliches Zeichen dafür setzen, nicht nur zu reden, zu klagen und pathetisch zu fordern, sondern durchaus auch in der Sache selber aktiv zu werden.

  2. Baumfee said,

    22. Mai, 2009 um 16:50

    Wie kann man nur, noch dazu bei so einem Trauerspiel, etwas gegen eine Baumspende haben?

  3. Oliver Ginsberg said,

    23. Mai, 2009 um 12:08

    Niemand hat grundsätzlich etwas gegen Baumspenden. Die Frage vom Baumpatenschaften steht hier auch gar nicht zur Diskussion. Die finanzielle Entlastung des Bezirks bei der Pflanzung von Straßenbäumen ist nicht satzungsgemäß. Der Verein mag die Nachbarn zu Spenden aufrufen. Eigene Mittel darf er dafür keineswegs verwenden. Es ist mir im Übrigen auch schleierhaft, warum engagierte Bürger für die Versäumnisse der Verwaltung auch noch zusätzlich in die Tasche greifen sollten.

    Man mag auch die Beseitigung von Hundekot und Glasscherben in Kreuzberg für sinnvoll halten usw. Das hat aber nichts mit der Frage zu tun für welche Zwecke der Vorstand eines Vereins die Mittel des Vereins einsetzen darf.

    • BaL said,

      23. Mai, 2009 um 13:25

      Wie gesagt, können wir unserer Vereinssatzung in keiner Weise entnehmen, dass eine Baumspende eine missbräuchliche Mittelverwendung darstellt, wenn sie ein öffentlichkeitswirksames Zeichen setzen und, wie im vorliegenden Fall, den entstandenen Schaden in einem Umfang begrenzen soll, wie es vom Bezirk ungeachtet aller Appelle nicht zu erwarten ist. – Und damit möchten wir, mit Verlaub, diese unerquickliche Missbrauchsdebatte schließen.

  4. 23. Mai, 2009 um 13:39

    Ich halte den Einwand von Oliver Ginsberg „hier wird dem Rückzug der öffentlichen Hand aus der öffentlichen Grünpflege Vorschub geleistet“ für sehr berechtigt. Ich habe mehrfach gehört, daß auch in Schöneberg gefällte Straßenbäume nicht mehr ersetzt wurden und Anwohnern, die sich darüber beschwerten, eine Neupflanzung gegen Bezahlung angeboten wurde. Geht man auf dieses „Angebot“ ein, hat man zwar etwas für Umwelt, Straßenbild, Lebensqualität etc. getan, aber gleichzeitig hat man den Behörden signalisiert, daß man erpreßbar ist und daß ihre m. E. widerlichen und unverschämten Versuche, die Bürger für alles noch einmal separat zur Kasse zu bitten und für nichts mehr selbst Verantwortung zu übernehmen, Erfolg haben.

    • BaL said,

      23. Mai, 2009 um 14:32

      Wir wollen die öffentliche Hand keineswegs aus ihrer Verantwortung für die Grünflächenpflege entlassen (wobei vielleicht noch mal daran erinnert werden sollte, dass die Baumbilanz in Xhain, als neben Mitte einzigem Berliner Bezirk, wenigstens ausgeglichen ist). Wie im Beitrag angedeutet, gibt es die bezirkliche Bereitschaft zu einer Standard-Neupflanzung. Sie wäre jedoch nicht geeignet, den (fahrlässig herbeigeführten) Schaden auch nur annähernd zu kompensieren. Den Zuständigen Fahrlässigkeit nachzuweisen, dürfte freilich eine Weile in Anspruch nehmen und sich schließlich doch als verlorene Liebesmüh erweisen…

      Deshalb haben sich die BaL also entschlossen (nachdem die AnwohnerInnen schon für ein Gegengutachten aufgekommen sind und sich wirklich überdurchschnittlich engagiert haben), eine bereits größer gewachsene Linde zu spenden bzw. die Kostendifferenz zu tragen, auch um in diesen krisengeschüttelten Zeiten mit einer solchen Aktion die öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik der Berliner Stadtbäume wach zu halten, nicht zuletzt aber, um andere Akteure zu Baumspenden und ähnlichen Aktionen zu motivieren.

      Das Beispiel der Schöneberger Erpressung, in anderem Kontext sicherlich triftig, geht hier völlig an der Sache vorbei.

  5. xonra said,

    24. Mai, 2009 um 9:42

    Na jetzt schlägts aber 25 , ein (Ersatz)Baum ist kein Ersatz. Oder wie war das, mit den vom Verein Bäume am Landwehrkanal geforderten Ersatzpflanzungen für je einen ausgewachsenen Baum?
    Wer die Pflanzung stiftet soll nach Wunsch des Bezirksamt auch die Pflege für 5 Jahre bezahlen. Nun könnt ihr diese Forderung für die Zukunft streichen.

    • BaL said,

      24. Mai, 2009 um 14:41

      Ach, Xonra,

      wir zweifeln, ob Du unseren – zugegebenermaßen wieder allzu länglich geratenen – Artikel überhaupt gelesen hast. Ist schon richtig, dass mensch, um die ökologische Funktion auch nur eines ausgewachsenen Laubbaums wie der in Rede stehenden Silberlinde jetzt und sofort zu kompensieren, paar hundert Setzlinge pflanzen müsste -, aber diese Rechnung soll ja nur den Wert eines Altbaums illustrieren.

      Und als das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) vor zwei Jahren gesunde Altbäume zur „Gefahrenabwehr“ unnötigerweise fällen ließ, erklärte es sich „aus Kulanz“ bereit, im Verhältnis 5:1 nachzupflanzen, denn nicht mal bei für Unterhaltungsmaßnahmen notwendigen Fällungen besteht (leider) eine gesetzliche Verpflichtung zur Ersatzpflanzung. – Ebenso liegen die Dinge, wenn ein Straßenbaum nicht mehr verkehrssicher ist.

      Das Xhainer Grünamt hat sich nun aber, wie gesagt, zu einer Ersatzpflanzung bereiterklärt und der Verein BaL eine „Aufstockung“ deswegen angeboten, damit einerseits der entstandene Schaden möglichst zeitnah begrenzt, andererseits aber die öffentliche Aufmerksamkeit auf das hervorragende BürgerInnen-Engagement gelenkt werde sowie auf die Notwendigkeit zivilgesellschaftlicher Initiative angesichts notorischer Amtsuntätigkeit, die jahrein & -aus wortreich zu beklagen und zu geißeln, keinen Setzling schneller wachsen lässt.

      Unser Verein wird natürlich auch keine Patenschaften übernehmen und schon gar keine fünfjährigen Pflegekosten und braucht dies vor allem hier auch gar nicht, denn die Mitglieder der AnwohnerInnen-Inititative haben ihrer Silberlinde alle erdenkliche Pflege angedeihen lassen, bis sie das Amt im entscheidenden Moment einmal mehr im Stich ließ. Es gibt auch nicht den Funken eines berechtigten Zweifels, dass die BürgerInnen den „Ersatz“, den der Verein aufzuwerten sich entschlossen hat, nicht mindestens ebenso sorgsam pflegen werden.

      Wichtig scheint uns an dieser Stelle noch der Hinweis, dass es mit den Berliner Straßenbäumen unausweichlich nur weiter abwärts gehen kann, wenn wir mit Verweis auf unsere Steuergelder hier alle Verantwortlichkeit ans Amt delegieren, denn aus dieser Richtung gibt’s bekanntermaßen und nach derzeitiger Kassenlage erst recht nur (reaktiven) Dienst nach Vorschrift. Straßenbäume sind nun mal nicht systemrelevant, und so dürften ihrer noch einige, sommers bspw. ungegossen und mit als Parkplatz und Stellfläche missbrauchter Baumscheibe, (im Wortsinn) vor die Hunde gehen, bis hier die längst überfällige Wende erwartet werden darf.

  6. Harun said,

    24. Mai, 2009 um 16:34

    Wenn der Verein hier einspringt, wirbt er für die gemeinsame Sache.
    Man kann ja darüber reden, ob man durch Selbsttätigkeit die Behördenfaulheit befördert. Aber doch nicht in diesem Stänkerton.

  7. 24. Mai, 2009 um 17:42

    Wie man/frau es auch macht, es ist offenbar immer verkehrt.

    Zitat:
    „…ein zivilgesellschaftliches Zeichen dafür setzen, nicht nur zu reden, zu klagen und pathetisch zu fordern, sondern durchaus auch in der Sache selber aktiv zu werden.“

    Das kann ich so auf jedenfall unterstützen. Es ist durchaus sinnvoll auch mal etwas „für“ zu tun und nicht nur „gegen“. Mal davon abgesehen ist das nun kein Hindernis weitere Forderungen zu stellen, im Gegenteil:

    Wenn der Verein einen Baum stiftet um zu zeigen, dass es auch anders geht, dann liegt es noch viel mehr in der Hand des Bezirks sich auch um dessen Pflege zu kümmern. Schließlich sollte/wollte „der“ Bezirk doch für seine „Bürger“ da sein, oder?

    Und: Mit der Stiftung eines Baumes sind die offziellen Stellen noch lange nicht von der Forderung befreit, für ausreichend Ersatzpflanzungen zu sorgen!

  8. Oliver Ginsberg said,

    26. Mai, 2009 um 17:42

    der verein ist keine privatperson, die sich nach gutdünken überlegen kann, was sie heute mal gutes für die welt oder die stadt berlin tun kann. der verein hat eine klare aufgabenstellung, die in der satzung festgehalten ist. der verein hat genau dafür mittel eingeworben und mitgliedsbeiträge kassiert. da kann er nicht einfach die mittel für etwas anderes ausgeben, nur weil es vielleicht sympathisch ist sich für mehr straßenbäume in berlin einzusetzen.

  9. Seemonster said,

    26. Mai, 2009 um 18:24

    Ich finds in Ordnung und hatte deswegen auch der Aktion zugestimmt.
    Sich daran jetzt hoch zu schaukeln, find ich nicht okay.

  10. xonra said,

    26. Mai, 2009 um 18:43

    Heute früh am 26.05.09 wurde am Paul Linke Ufer 8a ein Baum gefällt. Niemand wusste warum. Ein Anwohner wusste, dass der Baum angeblich durch einen Autobrand beschädigt wurde. Leider war das angegebene Telefon des Vereins BaL nicht besetzt. Vielleicht war ja heute Mediationsforum.

    • BaL said,

      26. Mai, 2009 um 19:45

      [Beantwortung nach nochmaliger Ortsbegehung präzisiert:] Bereits gestern wurde der in Rede stehende Baum gefällt, und tatsächlich tagte am gestrigen Montag (25.5.) nicht nur das Mediationsforum zur „Zukunft des Landwehrkanals“, sondern auch der „Arbeitskreis Sanierung“, insgesamt von 15:30 bis ca. 22:00 Uhr. [Berichte in Kürze!]

      Die Kastanie fiel aber schon um die Mittagszeit, so dass Vereinsmitglieder – von AnwohnerInnen leider zu spät alarmiert -, sich zwar noch an Ort und Stelle begeben, doch dort nichts mehr ausrichten, sondern nur telefonisch die Zuständigen im Grünflächenamt um eine Stellungnahme/Erklärung ersuchen konnten. Auf der Online-Fällliste des Bezirks http://tinyurl.com/oe79jr findet sich nämlich keinerlei Hinweis auf eine Rosskastanie Nr.15 am Paul-Lincke-Ufer.

      Ein Vertreter des Grünflächenamts F’hain-Xberg teilte mit, dass es sich um einen abgestorbenen Baum gehandelt habe, der versehentlich noch nicht in die Fällliste aufgenommen worden sei, und schickte uns um 15:45 Uhr folgende Mail:

      „[…] eine Firma erhielt Anfang Mai den Auftrag zur Baumpflege am Paul-Lincke-Ufer. Nachdem festgestellt wurde, dass zwei beauftragte Bäume keine Pflege mehr bräuchten, weil sie zwischenzeitlich abgestorben seien, bat ich den Firmenleiter am 18.5. mit dem Fällen solange zu warten, bis ich die Bäume ins Internet gestellt hätte.
      Die Zusammenstellung konnte ich aber erst heute erledigen und auch weitergeben. Und just am heutigen Tag rief der vor Ort tätige Vorarbeiter eine Mitarbeiterin an und schilderte die Situation, die offensichtlich daraufhin die Fällung veranlasste.
      Ich kann Ihnen versichern, dass das keine beabsichtigte Fällung war, ohne die Bürger vorher zu informieren […]“

      Die große Kastanie war dicht belaubt, hatte Früchte entwickelt und der Stubben deutet auf keine Standunsicherheit, sondern weist nur einen Rindenschaden auf, der Anwohnern zufolge von einem Pkw-Brand herrührt, welcher sich allerdings schon vor ca. einem Jahr ereignet haben soll. – Die Fällliste ist derweil noch immer nicht aktualisiert, aber nicht nur deshalb gilt es, im Grünamt nachzuhaken.

  11. siggi said,

    26. Mai, 2009 um 21:33

    „Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
    von vielen Blättern eines.
    Das eine Blatt, man merkt es kaum,
    denn eines ist ja keines.
    Doch dieses eine Blatt war ein Teil von unserem Leben,
    drum wird dies eine Blatt allein
    uns immer wieder fehlen.“

  12. hans-joachim mertens said,

    27. Mai, 2009 um 11:11

    liebe trauergaeste,
    heute mahnwache fuer unsere silberlinde, um 18h reichenbergerstr. ecke ratiborstr. baum nr 144

  13. Oliver Ginsberg said,

    27. Mai, 2009 um 12:36

    das ist eben das trauerspiel mit dem verein: dass er sich so sehr an die mediation klammert, dass er weder in der lage ist bei baumfällungen erfolgreich zu intervenieren, noch die energie hat eine enkeltaugliche perspektive für die sanierung des landwehrkanals wenigstens öffentlichkeitswirksam einzufordern. der verein hängt an der selbtsgewählten bärenkette und weil er sich nicht bewegt, merkt er nicht mal, dass er angekettet ist.

    • Dr. D. Focke said,

      28. Mai, 2009 um 21:13

      Werter Herr Ginsberg,

      entschuldigen Sie, aber Sie scheinen von Mediation keine Ahnung zu haben: in einer Mediation hat jede/r die gleichen Rechte, und es ist, meiner Meinung nach, die einzige Möglichkeit eine „enkeltaugliche perspektive für die sanierung des landwehrkanals“, wie Sie es nennen, einzufordern.

      Die sehr schönen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie z. B. eine Paddelparade machen sicherlich allen Beteiligten Spaß, bringen aber für die Zukunft des Landwehrkanals rein gar nichts.

      Ich bin im vorgerückten Alter und habe mehrere BIs und Vereine gegründet (nicht nur in Berlin) und kann Ihnen aus Erfahrung versichern, dass Unterschriftensammlungen, Postkarten- und Email-Aktionen kaum einen Effekt haben.

      Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die sich der Herausforderung einer Mediation, all den mühseligen und langwierigen Prozessen und Verhandlungen, stellen. Die Ausdauer, eine Mediation dauert immer lange, haben nur wenige. Und da ich dieses überaus anspruchsvolle Blog von Anfang an verfolge, sehe ich nicht nur Fortschritte sondern auch, dass sich immer noch, nach dieser langen Zeit, viele beteiligen.

      Zum Schluss noch ein gut gemeinter Rat: beschränken Sie sich doch auf eine sachliche Diskussion und lassen Sie die Polemik weg, ist einfach sympathischer. Ich kann auch aus den Auszügen, die Sie aus der Satzung des Vereins zitieren, nichts finden, was einer Baumspende widerspräche.

      Freundliche Grüße
      D. Focke

      • Oliver Ginsberg said,

        30. Mai, 2009 um 20:40

        Hallo D. Focke,

        vielen Dank für Ihren Kommentar. Schön zu sehen, dass der Diskurs noch weitere Kreise zieht und dass sich auch Außenstehende einbringen. Das zeigt, dass die argumentative Auseinandersetzung nicht ganz vergeblich ist

        Was das Verständnis für Mediationsprozesse anbelangt: Ich habe ein Jahr lang an der Mediation teilgenommen und dabei als Selbstständiger erhebliche Einkommenseinbußen in Kauf genommen. Ich kenne das Verfahren also aus erster Hand und weiß auch von was ich spreche:

        Diese Mediation schließt strukturell und systematisch Menschen aus, die nicht über erhebliche Eigenmittel verfügen, eine gut bezahlte Festanstellung haben, Beamte oder arbeits- bzw erwerbslos sind.

        Das gleiche Recht, das Sie postulieren ist eine akademische Wunschvorstellung, hat aber mit dem real existierenden Prozess nichts zu tun. Polemisch ist nicht die Feststellung, dass diese Mediation schon strukturell in die Sackgasse führt, sondern die Behauptung, dass dies der einzige Weg zu Lösung sei.

        Sie negieren damit nämlich nicht nur die Realität einer völlig einseitigen/willkürlichen Zusammensetzung des Mediationsforums und des Übergewichts an Behördenvertreter/innen negiert, sondern auch die konkrete Gestaltung unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit – fleißige Blogleser natürlich ausgenommen.

        Zum Zweiten: Die Ziele mit denen die Bürgerinitiative sich ursprünglich auf den Mediationsprozess eingelassen hat und die auch in der o.g. Satzung festgehalten sind, sind im Rahmen des Mediationsprozesses nicht zu erreichen und das hat niemand deutlicher formuliert, als die Mediationsleitung selber in einem Protokoll vom vergangenen Jahr, das ich Ihnen gerne auf Wunsch zukommen lasse (Es wurde deshalb die Einrichtung eines weiteren Verfahrens vorgeschlagen)

        Auch ich war in den vergangenen 30 Jahren in vielen Bürgerinitiativen und Vereinen tätig. Über die Wahl einzelner MIttel will ich an dieser Stelle keine Diskussion anzetteln – es ist in der Regel immer eine gute Mischung an unterschiedlichen Aktionsformen und eine gewisse Beharrlichkeit, die zum Erfolg führt. Das berechenbare und einseitige Einlassen auf vorgegebene Verhandlungsrituale (konkrete Erfolge gab es ja seit einem Jahr schon nicht mehr) ist allerdings selten erfolgversprechend, zumal wesentliche Entscheidungsträger gar nicht am Tisch sitzen.

        Meine Erfahrung ist, dass niemals die Anbiederung an behördliche Gepflogenheiten und eindimensionale Wirtschaftsinteressen (die in der Regel rückwärtsgewandt und nicht zukunftsorientiert sind) etwas in Bewegung gebracht haben sondern allenfalls die Fähigkeit öffentliche Meinung zu mobilisieren. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, wenn Sie mir konkrete Beispiele nennen.

        Im Übrigen geht es aber gar nicht so sehr um die Frage der Aktionsformen – da bin ich, wie gesagt, ganz offen für Anregungen von anderen Aktiven mit langjähriger Erfahrung – sondern um die Frage einer klaren Zielstellung des Vereins. Auch ein Sammlung für misshandelte Tiere widerspricht nicht grundsätzlich den Zielen des Vereins. Das heißt aber nicht, dass der Verein solche Sammlungen auch durchführen sollte. Wer alle Probleme der Welt lösen will wird letztendlich keines lösen.

  14. Seemonster said,

    27. Mai, 2009 um 16:58

    „wenigstens öffentlichkeitswirksam einzufordern“

    Diesbezüglich hat sich der Vorstand beim letzten Treffen übrigens schon Gedanken gemacht.

  15. Brita Bredel said,

    30. Mai, 2009 um 20:17

    Ich möchte mich als Anwohnerin auch noch einmal an dieser Diskussion beteiligen.

    Ich habe mich sehr sehr gefreut, als ich gehört habe, dass der Verein BaL uns eine neue möglichst große Linde spenden möchte und sehr herzlichen Dank auch dafür, denn es ist ein Funken Hoffnung in dieser absolut trostlosen Situation; vor allem das Gefühl nicht so hilflos zu sein, weil man Mitstreiter hat. Und die Unterstützung der BaL während all der Monate war enorm hilfreich.
    Aber ich stimme den Kritikern dieser Spende auch zu, dass dies kein Ersatz für einen 80-jährigen Baum ist, der darüber hinaus auch noch so wunderschön gewachsen war und dieser Ecke ihr Gesicht verlieh.
    Nur wenn man fordert entsprechend viele Bäume als Ersatz zu pflanzen, dann trägt ja auch wieder die Allgemeinheit die Kosten in Form von Steuergeldern.
    Und das ist für mich das Unerträglichste an dieser Situation, dass die Verantwortlichen, hier im besonderen Lothar Frank, wahrscheinlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.
    Ich würde die Diskussion hier gern in die Richtung lenken, wie man konkret gegen die Unfähigkeit bzw. Ignoranz der Verantwortlichen agieren kann.
    Und welche rechtlichen Möglichkeiten uns bleiben in diesem Fall und für die Zukunft, denn es geht ja immer so weiter.

    Wir haben in unserem 1 1/2 jährigen Kampf um die Linde sehr viel Interesse in der Straße gespürt und viele Anwohner sind jetzt völlig entsetzt über den trostlosen Anblick. Ich bin sicher, dass die Spende eines neuen Baumes eine große Resonanz auch für die Arbeit der BaL mit sich bringen wird.
    Um die Pflege des neuen Baumes muss sich niemand Gedanken machen, denn dazu habe ich mich längst bereit erklärt.
    Es versteht sich, dass wir unseren neuen Baum hüten werden wie einen Schatz.

    Ich wünsche mir, dass unsere Geschichte vielleicht noch mehr Menschen motiviert sich zu wehren und das nötige Misstrauen gegen die Verantwortlichen entwickelt, dann hätten wir vielleicht doch nicht ganz verloren.

  16. Oliver Ginsberg said,

    30. Mai, 2009 um 21:14

    Liebe Brita,

    wir haben euren Einsatz über die ganze Zeit verfolgt, geschätzt und so weit wie möglich unterstützt und es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn so ein Baumspendenangebot kommt.

    Ich würde mir wünschen, dass ihr dennoch auf die Spende verzichtet und den Bezirk in die Pflicht nehmt, weil sich nämlich sonst der Eindruck entwickeln und das Gerücht verbreiten könnte, es gäbe hier einen Verein, der gerne immer dann mit Spenden einspringt, wenn der Bezirk versagt und dem ist einfach nicht so.

    Die Mittel werden dringend benötigt, um die weitere öffentliche Diskussion um die Zukunft des Landwehrkanals, seine Sanierung und die Gestaltung seiner Ufer voranzubringen.

    Ich hoffe du verzeihst mir, dass ich deshalb öffentlich gegen diese Spende auftrete, auch wenn ich euren Einsatz sehr schätze und selbst ebenfalls schon als Baumbesetzer im Einsatz war, um selbige vor Fällung zu bewahren.

    Nachbarliche Grüße aus der Admiralstraße

    • Brita Bredel said,

      30. Mai, 2009 um 21:48

      Sehr geehrter Herr Ginsberg!

      Ich verzeihe Ihnen natürlich Ihre Kritik an der Spende, es ist Ihr gutes Recht auf eine eigene Position und ich glaube nicht an eine einzige Wahrheit.
      Wir werden aber auf die Spende trotzdem nicht verzichten, da es sehr unhöflich ist ein so großzügiges Geschenk abzulehnen.
      Und es zeigt sich mal wieder, dass man es nicht allen recht machen kann.
      Ich bin ganz Ihrer Meinung den Bezirk in die Pflicht zu nehmen und würde mir wünschen von Ihnen konkretere und für uns umsetzbare Ideen und Vorschläge zu erhalten.

      Nachbarliche Grüße aus der Reichenberger Straße

      • Oliver Ginsberg said,

        1. Juni, 2009 um 22:12

        Liebe Britta Bredel,

        unter in die Pflicht nehmen meine ich: Mit Hinweis auf die soeben in der Dresdner Straße gepflanzten großen Linden – einen ebensolchen kräftigen Baum auch für die Reichenberger Straße zu fordern und über das Ergebnis die Öffentlichkeit in den Reichenberger Straße zu informieren. Schließlich wird ja dieses Jahr jede Menge gewählt – da lässt sich wirksam öffentlicher Meinungsdruck herstellen. Aber sicherlich haben die Menschen in der Reichenberger Straße genug Fantasie und Ideen für die Art, wie sich einer solchen Forderung Nachdruck verleihen lässt…

        Gerne unterstützen wir das, indem wir Informationen aus der Reichenberger auch bei unseren sonntäglichen Brückentreffen weitergeben.

        http://unserkanal.blogspot.com/

  17. xonra said,

    31. Mai, 2009 um 19:18

    Noch einmal von wegen Mediation und „gleiche Rechte“. Die Verwaltungen machen ihre Arbeit am LWK seit 19 Jahren nicht. Die Hoffnung, dass sich dies durch das peinliche Verfahren, was hier oft als Mediation bezeichnet wird, ändert, ist zwar berechtigt, aber sicher kein Ersatz für nachhaltige Politik auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene. Dass dort ehrenamtliche Beisitzer in den nächsten 10 Jahren dabei sitzen dürfen, hat nichts mit Gleichheit oder Bürgerbeteiligung zu tun. Diese Beisitzer werden zu billigen Dokumentaristen und zum Teil sogar zu Mittätern.
    Die Amtsdiener betreiben weiter und mit hohen Gehältern ausgestattet Bürgerverarschung auf höchstem Niveau. Dazu gibt es dann auch ab und zu ein professionelles Medienecho.
    Zuerst darf man als Bürger wählen, dann Steuern zahlen und am Ende muß man in stundenlangen Mediationssitzungen zusehen und -hören, wie die Verwaltungen ohne politisch markierte Zielsetzungen Steuergelder für Klötze und Spundwände verbraten, ohne dass es jemals eine ernstzunehmende öffentliche Diskussion über das Gesamtprojekt und seine Risiken und Chancen für die Stadt Berlin gegeben hat.


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