Immer früher zu wenig Sauerstoff im Kanal

Es riecht nach Kloake, die Fische ringen nach Luft, ihre Brut ist mickrig

Immer früher im Jahr wird im Landwehrkanal ein Besorgnis erregend niedriger Sauerstoffgehalt festgestellt. TeilnehmerInnen des Projekts „Wasser in Berlin“ im Studiengang BANA an der TU, die regelmäßig Messungen zur Wasserqualität vornehmen [siehe auch hier], haben schon bei ihrer ersten diesjährigen Messung gestern (18.5.) am Salzufer in Charlottenburg den sehr niedrigen O2-Wert von nur 2,59 ppm (= 2,59 mg/Liter) ermittelt (das sind nur 29 Prozent des Sättigungsgrads, dessen Normalwert bei 80 Prozent liegt). Zum gleichen Zeitpunkt lagen die Werte der Spree in Moabit noch bei 5,95 mg/l (= 65 Prozent des Normalwerts).

Fischbrut im LWK

Fischbrut im Landwehrkanal

Bei Werten unter 30 Prozent spricht man von einem „hypoxischen Milieu“, das nicht nur kurzfristig zu einem Fischsterben und zum Ersticken anderer Gewässerbewohner führen, sondern auch langfristig ihre Vermehrung gefährden kann, indem ihr Hormonspiegel sinkt und die Brut nur noch deutlich verkümmerte Geschlechtsorgane aufweist.

Die Gründe für den immer früher zu niedrigen Sauerstoffgehalt im Landwehrkanal liegen sicherlich in der Kombination von steigenden Temperaturen, zu geringen Zuschusswassermengen aus der Spree und vielleicht auch den nächtlichen Dauerregen, wodurch vermehrt organisches Material in den Kanal gespült wurde, dessen Zersetzung dann dem Wasser den Sauerstoff entzieht.

Ein Übriges tut natürlich die unausrottbare Unsitte vieler Zeitgenossen, die zu jeder Jahreszeit glauben, Enten und Schwäne mit ihren Weißbrot- und Ekmek-Abfällen überschütten zu müssen und dies dann auch noch mit Tierliebe sowie damit begründen, ihren Kindern auf diese Weise ein Naturerlebnis verschaffen zu wollen. − Jahrzehntelange Aufklärungsarbeit z. B. durch die Naturschutzverbände will hier einfach nichts fruchten…

Kurz- und mittelfristige Gegenmaßnahmen

Natürlich handelt es sich hier nur um eine punktuelle Messung, der weitere folgen müssen. Wenn aber auch die kontinuierlichen  Messungen von SenGUV gleiche Resultate zeigen, ist zur Schadensbegrenzung schon bald wieder der Einsatz des Belüftungsschiffs zu veranlassen.

Mittelfristige Abhilfe aber schüfe, wie von Fachleuten, Umweltschutzverbänden und den BaL schon länger gefordert, u.a. die Anpflanzung von Röhricht in anzulegenden Flachwasserzonen, wo und in welcher Form auch immer!

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1 Kommentar

  1. Anuschka Guttzeit said,

    25. Mai, 2009 um 16:50

    Der zu geringe Sauerstoffgehalt im Kanalwasser wird sicher bald wieder zum alljährlichen Fischsterben führen. Dies zeigt wie wichtig die Forderung ist, im Rahmen eines Modellprojekts „Ökologische Sanierung Berliner Landwehrkanal“ ein innovatives Wassermanagement- und Wasserreinigungssystem zu etablieren. Als Folge der Klimaerwärmung gibt es immer öfter Starkregen, wodurch die Kloake aus der übervollen Kanalisation regelmäßig in den Landwehrkanal fließt. Dies verringert letztlich den Sauerstoffgehalt im Wasser. Das Belüftungsschiff bekämpft immer nur das akute Symptom. Es muß aber an den Ursachen angesetzt werden.


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