Auf den letzten Drücker

Schleppende Vorbereitungen zur Sanierung des havarierten Riedel-Anlegers

Variante bereits im November ’08 beschlossen

Die Sanierung des vor nunmehr zwei Jahren abgerutschten Riedel-Anlegers an der Kottbusser Brücke bzw. jenes auf 90 Meter aufgerundeten Abschnitts am Maybachufer gemäß der im vergangenen Herbst vom Mediationsforum in seiner 12. Sitzung beschlossenen Variante soll im Juli öffentlich ausgeschrieben werden. Die derzeit am LWK tätige Wasserbaufirma Mette müsste ein Anschluss-Auftrag vollends überfordern, hat sie doch von den 370 Metern wasserseitig temporär zu sicherndes Ufer bislang gerade mal 120 geschafft. Während der Bauhaus-Schließzeit ab Mitte Mai werden am Herkulesufer in Mitte die Rammarbeiten vorbereitet und vom 25. bis 29.5. durchgeführt, und nach Ende der Schifffahrtssaison im Herbst wird Mette mit den Abschnitten am Tempelhofer-, vor allem aber am unerwartet harten Corneliusufer gut zu tun haben.

Angesichts der Stadien und Fristen, die bei einer öffentlichen Ausschreibung zu durchlaufen/einzuhalten sind (und deren Darlegung im einzelnen hier den Rahmen sprengen würde) sowie der Tatsache, dass die so genannten Verdingungsunterlagen eine vollständige und genaue Beschreibung der zu erbringenden Leistungen enthalten müssen inklusive Daten über die durch Bodensondierung und Baugrundaufschluss zu ermittelnden verschiedenen Lagerungsdichten und „Rammbarkeiten“, was bekanntlich eine vorherige Kampfmittelsondierung und ggf. -räumung erfordert −, bislang aber weder eine abgeprüfte statische Berechnung, geschweige ein Konzept zur Sanierung der Ufermauer oberhalb der Wasserlinie vorliegt, muss die Gelassenheit verwundern, mit der Amtsleiter Scholz erst kürzlich den 1. November als Baubeginn bekräftigt hat.

Bevor das Planungskonzept beschlossen wird, sollen schließlich etwaige Modifizierungsvorschläge seitens der betroffenen Behörden (SenGUV, LDA etc.) und Nutzer (eben nicht nur der Reeder, sondern auch der Bürger- und AnwohnervertreterInnen) eingehen können , und dann sind da noch etliche Genehmigungen von BAW bis BVG, Senat und Bezirk einzuholen. Statt alles dessen aber ist ein halbes Jahr ins Land gegangen und offenbar eher noch gar nichts geschehen.

Laut WSAGrobablaufplan sollten die vorbereitenden Arbeiten inklusive Kampfmittel- und Baugrundsondierung bereits abgeschlossen sein, können nicht „parallel laufen“ und wir also nur hoffen, dass die mehr oder minder im Geheimen wirkende Projektgruppe Landwehrkanal − von manchen deswegen schon Projektgruppe Erlkönig [s.u.] tituliert − emsig mit der Entwurfsaufstellung befasst ist, denn Ende Mai soll diese ja schon abschließend geprüft werden.

Zu den Behörden, mit denen eine frühzeitige Abstimmung erfolgen soll, gehört, wie erwähnt, auch SenGUV, von deren Vertreter, Matthias Rehfeld-Klein, berichtet wurde, er sehe Möglichkeiten für ökologische Maßnahmen auch in diesem 90m-Abschnitt − „…aber nur unter Wasser!“ wie Frau Kayser von der Obersten Denkmalbehörde sich beeilte klarzustellen −, doch Konkretes weiß eben niemand.

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Projektgruppe „Erlkönig“

Dosierte Transparenz

Unbehagen bei den BürgervertreterInnen erregt vor allem das klandestine Treiben der Projektgruppe LWK unter Leitung des − laut Scholz − Oberbaurats und − laut „privater“ [inzwischen leider abgeschalteter] Website − Hobby-Ruderers, Jens Wutschke.

Der ist uns vor allem durch seinen bizarren Einfall einer spundwandfreien, uferbaumfeindlichen Kanalsanierung mit jahrelanger Trockenlegung noch in lebhafter Erinnerung. Da dieses dem WSA-Leiter direkt unterstellte Einsatzkommando bei seinem Projektmanagement am Maybachufer immer auch noch das Pilotprojekt entlang des 370m-Abschnitts mit den gesicherten Bäumen „im Rucksack“ hat, wären wir, sofern es denn welche gibt, schon sehr an Zwischenergebnissen interessiert, um evtl. noch korrigierend eingreifen zu können, falls sich die schwerbepackte Truppe abermals im Gestrüpp der Kriterien, Rand- und Rahmenbedingungen zu verheddern droht und dann auf ähnliche „Befreiungsschläge“ verfällt.

Doch mehr als die nämlichen nichtssagenden Sprechblasen über Zusammensetzung, Zuständigkeit und Kompetenz ist den Verantwortlichen trotz beharrlichem Nachhaken nicht zu entlocken. − Die Vereinbarungen zur Transparenz werden also relativ ungeniert weiterhin missachtet.

Von einem lernenden System

Projekt und Struktur

Ein schönes Beispiel selbstreferentiell-hermetischen Verwaltungssprechs lieferte im Verlauf der 6. Sitzung des AK Sanierung am vergangenen Mittwoch (29.4.09) der sonst eher schweigsame Mitarbeiter der WSD Ost, Jan Hädicke. Aufgefordert, über die Ergebnisse des internen WSV-Workshops zu Projektmanagement und Kommunikation zu berichten, war von ihm nur zu erfahren, dass die Optimierung der Projektstrukturen behandelt wurde, um im Hinblick aufs Projektmanagement zu einer Neuaufstellung innerhalb der WSV zu gelangen. Die Arbeitsabläufe sollen effektiviert sowie zentrale bzw. jeweils passende Anlaufstellen eingerichtet werden, um eine Verbesserung der Ressourcenverteilung zu erreichen.

Der zunächst fürs Monatsende geplante Abschlussbericht sei sogar früher fertig und WSD-Chef Menzel bereits unterbreitet worden; nun bleibe allerdings abzuwarten, ob dieser die vorgeschlagenen Strukturänderungen absegne, was wiederum von der Möglichkeit, sie den bestehenden Verwaltungsstrukturen einzupassen, abhänge. Konkreteres konnten die BürgerverteterInnen ungeachtet ihrer offenkundigen Ungeduld nicht in Erfahrung bringen.

Neue Projektaufstellung zur Optimierung der Ressourcenverteilung

Man möge doch bitte, so Hädecke fast schon pikiert, die Tatsache nicht unterschätzen, dass die WSV damit auf dem Weg sei, die Strukturen der Projektaufstellung im WSA zu ändern − bzw. allererst welche zu schaffen, wurde daraufhin sogleich gespottet. Nach fachkundiger Meinung sollten diese Aufgaben inklusive Controlling, Evaluierung, Qualitätsmanagement und nicht zuletzt Qualitätstransparenz besser an ein unabhängiges externes Büro vergeben als WSA-intern durchgeführt werden.

Und wir möchten in diesem Zusammenhang auch noch mal an die besondere Dringlichkeit erinnern, mit der die Planstelle eines mit wirklichen Kompetenzen ausgestatteten Umweltbeauftragten geschaffen werden sollte, um Kriterien nicht nur der Umweltverträglichkeit, sondern − entsprechend den gewandelten rechtlichen Rahmenbedingungen − auch der ökologischen Optimierung und Nachhaltigkeit mindestens gleichrangig mit jenen der Wirtschaftlichkeit oder Verkehrssicherheit in der Planung jeder Unterhaltungs- oder Ausbaumaßnahme zu verankern.

Innovation und Beharren

WSA weiß alles besser

Demgegenüber scheint jedoch unsere Bundesbehörde nach wie vor ganz andere Prioritäten zu setzen. Nehmen wir z.B. das Thema technische Innovation: Wie berichtet, wurden anlässlich eines TU-Seminars zu neuen Entwicklungen in Sachen Spundwand-Technologie Verfahren vorgestellt, welche die daran teilnehmenden BürgervertreterInnen geradezu in Euphorie versetzten und sozusagen einen Lichtblick am Ende des Kanals sehen ließen, sei es, was die Eignung für sehr harte Böden betrifft und der Wohnbevölkerung den Lärm des Rammens erspart, sei es, dass auch bei hoher Lagerungsdichte Bohren und Pressen in einem Arbeitsgang möglich sind und dadurch gegenüber dem verrohrten Bohren viel Zeit gewonnen werden kann.

Die ebenfalls teilnehmenden WSA-VertreterInnen reagierten demgegenüber skeptisch bis ablehnend. Zunächst sperrten sie sich dagegen, dass die japanische Firma Giken, die übrigens die selbstschreitende Presse (sc. den Crush Piler) erfunden hat, ihre diversen Weiterentwicklungen wie das GRB-(= Giken-Reaction-Base)System im Mediationsforum oder Arbeitskreis selbst vorstelle; als nächstes hieß es, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen müssten dann auch die Firmen Thyssen und/oder Still Worker Gelegenheit geboten werden, ihre Geräte zu bewerben; und schließlich bemühte sich Tassilo Henniger, technischer Sachbearbeiter des SB 2, mit einer eigenen Präsentation im AK Sanierung nachzuweisen, dass Gikens Equipment die besonderen Anforderungen von BAW und WSA nicht erfüllen könne, weswegen z.B. am Corneliusufer das umständliche verrohrte Bohren mit vorheriger Konstruktion eines geeigneten Trägergeräts alternativlos sei.

Die Firma Mette sei beauftragt, hierfür ein Konzept zu entwickeln, während das WSA in diesem Sommer einen eigenen Feldversuch plane, um mit Unterstützung der BAW zu erproben, welche technisch weiterentwickelten Verspundungsverfahren von Giken und Still Worker unter den besonderen Gegebenheiten am Kanal tauglich seien. − Hier wäre ebenfalls zu erwägen, ob mit der Auswertung dieses Versuchs nicht ein unabhängiges Büro betraut werden sollte.

Arbeitskreis besteht auf Informationen aus erster Hand!

Nachdem sich jedoch verschiedene TeilnehmerInnen erneut und nachdrücklich dafür einsetzten, über die möglichen Verfahren aus erster Hand und nicht in WSA-Interpretation und -Filterung zu erfahren, schwenkte schließlich auch das Mediationsteam um, das bis dahin bis zu einem gewissen Grad die Reserviertheit des WSA zu teilen schien, und es wurde beschlossen, den Geschäftsführer von Giken Europe, Dr. Al-Arja, der sich dazu ja schon bereit erklärt hatte, einzuladen, noch vor der nächsten Forumssitzung allen Interessierten die verschiedenen Systeme zu präsentieren und zu demonstrieren, ob sie den Parametern des WSA gewachsen sind.

Nicht mehr, sondern weniger Bauzäune!

Weniger enge Auslegung der Verkehrssicherungspflicht

Was die angeblich neuen Schäden an der Kanalmauer von Kreuzberg bis Charlottenburg betrifft, so lässt der Bericht des Leiters des Außenbereichs Neukölln, Jörg Augsten, die Deutung zu, dass neu auch mit neu entdeckt übersetzt werden kann. Die Schadensmeldungen aber seien sehr ernst zu nehmen, keineswegs Alarmismus, und man möge doch die Verantwortung seines Amtes für die Verkehrssicherheit bedenken.

Zu diesem Thema wusste Amtsleiter Scholz jedoch mal was Erfreuliches beizusteuern, indem er einräumte, bei der Aufstellung der von der Öffentlichkeit gerade jetzt schlecht gelittenen und immer wieder zahlreich missachteten 2,5 km Bauzaun sei das WSA streckenweise wohl übervorsichtig zu Werke gegangen, z.B. an der Baerwaldbrücke, wo es hinter den Zaun des Bezirksamts noch einen weiteren stellen ließ. Im Übrigen habe er auf einer kürzlichen juristischen Fachtagung zum Thema in Goslar den Eindruck gewonnen, dass sich hier eine modifizierte Auslegung durchsetze.

Die Bauzäune werden also nicht − wie noch jüngst z.B. am Planufer nahe Admiralbrücke wegen der (den AnwohnerInnen schon lange bekannten) Mauerschäden nahe der Wasserlinie angedroht − auch noch vermehrt, sondern reduziert!

Leider läuft das Mediationsverfahren nach wie vor nicht so, als dass wir dies zugleich symbolisch nehmen könnten.