Berlin büßt stetig Bäume ein

Nur Mitte und Kreuzhain mit positiver Baumbilanz

Geschlachtete Traubenkirsche

Geschlachtete Traubenkirsche im Gleimviertel

Der BUND, der schon seit Jahren die Kampagne „Bäume für Berlin“ führt *, hat sich mal wieder über die Berliner Baum-Bilanz gebeugt, schwarze Zahlen aber nur in den Bezirken Mitte und Kreuzhain entdecken können. Weil in Mitte viel sogenanntes hauptstädtisches Grün wächst und deshalb auch relativ mehr Mittel für dessen Pflege fließen, dort z.B. auch das WSA die am LWK gefällten Bäume im Verhältnis 1 : 5 ersetzen ließ und nicht zuletzt ein engagierter Baumfreund das Baumrevier leitet, erklärt all dies vielleicht den untypisch positiven Trend, denn von besonderen AnwohnerInnen-Aktivitäten ist eigentlich weniger bekannt.

In Pankow, neben Spandau der Bezirk mit der schlechtesten Baumbilanz, dessen Bürgermeister, Matthias Köhne (SPD),  nach einigen unmotivierten Umstürzen im Herbst 2007 dem örtlichen Traubenkirschen-Bestand, wie wir uns noch gut erinnern, regelrecht den Krieg erklärte, wurden nach heftigen BürgerInnen-Protesten und einem veritablen Gutachterstreit schließlich ein paritätisch besetztes „Baumgremium“ konstituiert, eine „Baumleitplanung“ konzipiert und dergestalt ein sog. Pankower Weg beschritten. Letztlich wurde nur jede dritte Traubenkirsche gefällt (insgesamt 304), dafür aber mit (notabene nur auf Grund der öffentlichen Proteste gewährten) Sondermitteln des Senats 109 Bäume vom AUN sowie 22 von den BürgerInnen in Eigenregie neu gepflanzt. Weitere 126 Nachpflanzungen sind von Amts wegen noch in diesem Jahr geplant. − Die positive Bilanz, welche der Bürgerverein zu Jahresbeginn fürs Gleimviertel aufmachte, lässt sich also nicht ohne weiteres auf den Gesamtbezirk umlegen.

Entscheidender Faktor BürgerInnen-Beteiligung

Linden-Stubben

Linden-Stubben Maybachufer

Wieder anders natürlich in Kreuzberg, wo es ohne das breite zivilgesellschaftliche Engagement nicht nur am LWK, sondern auch im Luisenstädtischen Grünzug sowie z.B. entlang von Straßen wie der Reichenberger oder Kohlfurther mit Sicherheit bedeutend kahler aussähe. − Auf dem Gleisdreieck-Gelände, wo für die Schaffung eines sog. Central Park erstmal weitgehend Tabula rasa gemacht wurde und noch immer wird, werden hingegen die BürgervertreterInnen der AG Gleisdreick und der Parkgenossenschaft, die sich seit vielen vielen Jahren für die Schaffung eines Parks aus dem Bestand heraus einsetzen, offenbar vom Senat und seiner Grün Berlin GmbH nunmehr systematisch ausmanövriert. (Und den VertreterInnen der Unteren Naturschutzbehörde scheint’s dabei kaum besser zu ergehen.) Ein „multifunktionales Nutzungsmodell“ erlaube nur einige „Vegetationsinseln“ abseits der „Sichtachsen“, heißt es, fordere pflegeleichten Rasen statt Langgraswiesen und versiegelte schnurgerade, aus Sicherheitsgründen schön bunt markierte Wege…

Damit erweist sich als A & O einer Verbesserung des Baumschutzes in der Stadt beharrliches, ausdauerndes zivilgesellschaftliches Engagement als vorerst einziges Mittel in diesen Zeiten, da Finanz- und Wirtschaftskrise die keinesfalls minder existentielle ökologische in den Hintergrund drängen. − Doch wenn das PIK für 2050 in der Hauptstadt einen Anstieg der Durchschnittstemperatur um satte 2,5° C prognostiziert, brauchen wir neben einem radikalen Umsteuern in der Stadtplanungs- und Verkehrspolitik nicht zuletzt auch eine entschlossene Verteidigung und sachkundige Pflege unseres Altbaumbestands, dazu aufgestockte Budgets für eine rekommunalisierte Grünflächenunterhaltung und -entwicklung sowie Investitionen in die fachliche Weiterbildung der Grünamts-MitarbeiterInnen (bzw. darf nicht alle praktische Arbeit vor Ort Billigfirmen oder Ein-Euro-Jobbern überlassen bleiben).

Sachmittel beantragen!

Interessierte BürgerInnen aber sollten sich von den unvermeidlichen bürokratischen Auflagen nicht abschrecken lassen und bspw. Baumpatenschaften übernehmen, Baumscheiben gestalten, sie in Trockenperioden täglich gießen, gegen Anfahrschäden durch einparkende Autos wie gegen Duftmarken setzende Hunde mit Bügeln und/oder Gittern bewehren und für die Verbesserung ihres Wohnumfelds die vom Bezirk ja eigens zur Verfügung gestellten Sachmittel  beantragen! [siehe hier und das entsprechende Formular hier] − Nur so können wir Berlin als Metropole mit grüner Strahlkraft bewahren und entwickeln!


* Warum der „Alleskönner“ Baum so wichtig ist, belegt eine Broschüre mit zehn Gründen, nämlich als 1. Klimaschützer, 2. Staubfilter, 3. Lärmschlucker,
4. Schattenspender, 5. Luftbefeuchter, 6. Artenschützer, 7. Bodenschützer,
8. Wasserspeicher, 9. Stadtbild-Gestalter und 10. als Wohlfühlspender… 8)

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1 Kommentar

  1. 19. Februar, 2011 um 11:02

    Es entsteht immer eine Lücke, die auch bei Bepflanzung jahrelang den Anblick aufmarschierter Besen bietet.In Erfurt, Braunschweig, Dresden, am Celler Schloß, Bahnhof-Stuttgart, in Plauen, im Vogtland, und auch auf Usedom, siehe http://www.kunsthof-usedom.de, hat die Diskussion immer das gleiche Schema, auf der einen Seite die Argumente der sogenannten Fachleute, auf der andere Seite die Bewohner, die einfach nur darauf bestehen, diese Anblick nicht ertragen zu müssen.


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