Die Kaputtpflege geht weiter

BI Bäume für Kreuzberg

Sträucherrodung am Wassertorplatz und anderswo

Kaputtpflege am Wassertorplatz

Kaputtpflege am Wassertorplatz

Entsetzt stellten AnwohnerInnen am Dienstag (25. März) fest, dass mitten in der Brutperiode am Luisenstädtischen Grünzug von fachlich eher unbedarften Gartenamtsmitarbeitern ein derart radikaler „Verjüngungsschnitt“ an Büschen und Sträuchern sowie jungen Bäumen (selbstverständlich „wildem“ Aufwuchs) vorgenommen wurde, dass nun endlich der Blick ungehindert auf Straße und Hochbahn fallen kann, die Beschallung der für eine Weile Entspannung Suchenden nicht länger gedämpft wird und es vor allem für „Penner und Junkies“ kein Gestrüpp mehr gibt, hinter dem sie im Sommer ihre Notdurft verrichten oder Spritzen ablegen können, wie es ein zur Rede gestellter „Gärtner“ ausdrückte. − Vom Bethanien-Gelände (Adalbertstrasse/Engeldamm) wird ähnliches berichtet.

Übererfüllung der Verkehrssicherungspflicht

Jeder Busch, der es wagt, Zweige mit jungen Blättchen in den Weg zu strecken, kriegt sie gnadenlos gekappt, denn er könnte damit vorbei fahrende Radler peitschen, wie uns ein anderer „Gärtner“ die Verkehrssicherungspflicht erklärte, und er wies auch gleich auf eine schief stehende Pappel, die jederzeit umstürzen und einen Kinderwagen zermalmen könne. „Der Baumrevierleiter steht immer mit einem Fuß im Gefängnis!“ Wie oft haben wir diesen Spruch schon hören müssen! Wahrscheinlich hängt er als leitende Argumentationshilfe im Aufenthaltsraum der Gartenamts-Bediensteten an der Wand.

Krieg der natürlichen Dynamik!

Kaputtpflege

Kaputtpflege

Dass ein hohler Baum durchaus standsicher sein und vor allem für Höhlenbrüter, Fledermäuse und dergleichen einen hohen Wert besitze, dass es dergleichen in unseren sog. Wirtschaftswäldern kaum mehr gäbe und auch deshalb der Erhalt sogar von Tot- bzw. Biotopholz, sofern es nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, gerade in städtischen Parkanlagen eine kaum zu überschätzende Bedeutung für den Artenschutz habe, schienen dem wackeren Mann völlig abwegige Gedankengänge. „Da will ich aber nicht lesen, was dann in der Zeitung steht!“ schüttelte er nur den Kopf und gebrauchte weiter exzessiv seine Heckenschere.

Theorie und Praxis

Trotz aller tiefsinnigen Referate auf Fachkongressen und Colloquien über naturnahe Grünflächenpfleg, urbane Wildnis, Naturerfahrungsräume etc., einer jahrzehntelangen Überzeugungsarbeit der Naturschutzverbände, zahlloser Publikationen und Verlautbarungen und der Krokodilstränen übers Artensterben in allen Medien: In der behördlichen Grünflächenpflege will sich nichts ändern, und das liegt gewiss nicht nur am Problem der chronischen Mittelknappheit, denn das Zulassen natürlicher Dynamik ist ja gerade geeignet, die Kosten pflegender Eingriffe zu reduzieren. Nein, es fehlt schlicht am Willen auf Seiten der Verantwortlichen und selbstverständlich auch an ausreichend qualifizierten MitarbeiterInnen vor Ort.

Praktisches BürgerInnen-Engagement als Ausweg

Kaputtpflege

Gewährleistung der Kontrolle

Andererseits stellen die Bezirksämter engagierten BürgerInnen, die ihr Wohnumfeld verbessern wollen, Sachmittel zur Verfügung. Vielleicht ist dies tatsächlich der einzige Weg, ein Umsteuern einzuleiten, und die richtige Art von Outsourcing: dass nämlich die AnwohnerInnen – mit materieller Unterstützung aus dem durch ihre Steuern gebildeten Etat − die Pflege ihrer Grünanlagen selbst in die Hand nehmen.

Viel versprechend erscheint uns in diesem Zusammenhang der „Pankower Weg“ im Prenzlauer Berg, wo in einer Kooperation zwischen AUN, die BIs Bürgerverein Gleimviertel und B.I.R.D.S. und engagierten AnwohnerInnen im Rahmen eines gemeinsamen Pflanzprojekts in diesem Frühjahr ein Pilot zur Baumpflanzung gestartet werden soll, wobei das AUN die Bäume kauft, während die BürgerInnen die Vorarbeiten und das Pflanzen selber übernehmen. Das habe u.a. den Vorteil, dass bei knappen Mitteln mit kostengünstigem zivilem Engagement mehr Bäume gepflanzt werden können als im Fall einer kompletten Vergabe der Leistungen an Fremdfirmen, wie Mitglieder des dortigen, paritätisch besetzten „Baumgremiums“ erklären.

Eine kleine Gruppe Aktiver aus der BI Bäume für Kreuzberg will nun, wie schon im Herbst angekündigt,  selber Hand anlegen und dazu die entsprechenden Sachmittel beantragen. − Es werden noch MitstreiterInnen gesucht, und „vielleicht haben auch einige Eltern mit ihren Kindern Lust, mal, statt auf den Spielplatz zu gehen, Blumen usw. zu säen und dann wachsen zu sehen,“ fragt eine der Beteiligten, die selbst eine kleine Tochter hat.

Interessierte bitte melden unter
baeume.luisenstadt[at]googlemail.com

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1 Kommentar

  1. 29. März, 2009 um 19:20

    Ja, das passiert jetzt ständig und überall. Das Ziel: Berlin, die strauchfreie Stadt. Die Ursache: keine Ahnung. Irgendein Virus vielleicht, der bestimmte Hirnregionen befällt? Auf jeden Fall sollte wohl bald mal jemand den Verantwortlichen ihre wohlverdienten Zwangsjacken vorbeibringen. Oder sie mit BEIDEN Beinen ins Gefängnis stecken – wegen Vandalismus.


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