Erfolgreiche Aktion in praktischem (Kastanien-) Baumschutz

Auch im Frühling wegen der Miniermotte Kastanienlaub sammeln!

Vorher

Vorher (am Planufer)

Die Kastanienlaub-Sammelaktion am Landwehrkanal, zu der wir vergangene Woche für die Tage vom 17. bis 19.3. aufgerufen hatten, war dank des großen Einsatzes der Beteiligten ein voller Erfolg! Vor Jahren ins Leben gerufen hat diese besondere Art von Frühjahrsputz Jörg Burkhardt, der sie zusammen mit einer Anwohnerin und unter Mitwirkung des Revierleiters vom Kreuzhainer Grünflächenamt auch heuer wieder organisierte. Die Kooperation zwischen Amt und BürgerInnen klappte hervorragend!

Insgesamt ein rundes Dutzend BaumfreundInnen harkten, rechten, kehrten und karrten entlang von Plan- und Carl-Herz-Ufer in Kreuzberg sage & schreibe mehr als 300 Säcke liegen gebliebenes vorjähriges Laub zusammen, und manche(r) Baumfreund(in) schuftete dabei trotz steifer Brise nahezu Vollzeit von 9 bis 15:30 Uhr!

Allen Beteiligten nochmals unsern herzlichsten Dank!

Das viele Laub war natürlich nicht nur von den Rosskastanien gefallen, und prinzipiell sollte Laub ja keineswegs dem natürlichen Stoffkreislauf entzogen werden, doch selbstredend ist sowas wie Laubtrennung noch nicht erfunden. Also wurde alles zusammen (und auch einiges an Müll) mit hoffentlich Legionen von Exemplaren des eigentlichen Auslösers und Ziels dieses Einsatzes: den an den Kastanienblättern haftenden (oder abgefallen dazwischen liegenden) Puppen der Miniermotte, in die vom Gartenamt bereitgestellten, wieder verwendbaren Plastik-Säcke gefüllt.

Exkurs zur Miniermotte (Cameraria ohridella)

Wenn demnächst die Knospen der weißblühenden Rosskastanien aufspringen und Blüten und frische Blättchen geschoben werden, schieben sich wenig später auch die Miniermotten-Weibchen aus ihrer Hülle, worin sie sechs Monate überwintert haben, fliegen nach dem Trocknen ihrer Flügel hinauf in die Kronen und heften jeweils ca. zwanzig Eier aufs junge Blattwerk. Die nach ungefähr drei Wochen schlüpfenden Larven fressen sich ins Blatt und „minieren“ es mit ihren Fraßgängen, die sie im Durchlaufen von fünf Stadien (vom „Saftschlürfer“ bis zum „Gewebefresser“ [siehe z.B. hier und hier]) immer mehr erweitern, bevor sie sich einspinnen und nach einer Ruhephase den Puppen wieder flugfähige, schon bald geschlechtsreife Falter entschlüpfen. Auf diese Weise lösen in einer Saison drei Motten-Generationen einander ab.

Wirkung auf die weißblühende Rosskastanie

Bereits im Frühsommer aber zeigen sich zunächst, welken Blütenblättern gleich, auf einigen wenigen, dann auf immer mehr Blättern braune Flecke, die sich allmählich ausdehnen; schließlich verbräunen immer zahlreichere Blätter vollständig, schrumpfen ein, krümmen sich und fallen ab. Schon im August bieten so die noch wenige Wochen zuvor imposanten, herrlich anzuschauenden Kronen der Rosskastanien einen kranken, jämmerlich-trostlosen Anblick, der so gar nichts mit dem Indian Summer zu tun hat, den Anne Gesthuysen so liebt…

Zugegeben: noch keine Kastanie ist am Miniermottenbefall zugrunde gegangen, aber die ohnehin durch vielerlei Schadeinflüsse gestressten Bäume werden anfälliger gegenüber anderen Baumparasiten und -krankheiten, in ihrem Wachstum gehemmt und ihre Lebenserwartung vermindert.

[Hier gilt allerdings noch festzuhalten, dass nicht jede vorzeitige Blattbräune der Kastanien aufs Konto der Miniermotte geht, sondern in den sich häufenden sommerlichen Hitze- und Trockenperioden der Blattwurf auch eine Notlösung der Bäume sein kann, die Verdunstungsoberfläche ihrer Kronen zu verringern. Um ihnen dies zu ersparen, gibt’s dann ein weniger anstrengendes Mittel als Laubharken: einfach an heißen Sommertagen dem Straßenbaum vor der Haustür regelmäßig abends einen Eimer Wasser spendieren! − Aber bis dahin ist’s ja noch ein Weilchen…]

Kein Verlass auf die BSR

Säcke säumen das Carl-Herz-Ufer

Säcke säumen das Carl-Herz-Ufer

Das etwa hundert Säcke füllende Laub, das entlang des Carl-Herz-Ufers gesammelt wurde, lag hinterm Zaun und damit auf einer in die Zuständigkeit des Bezirksamts fallenden Grünfläche. Der Abtransport dieser Säcke durch Gartenamtsmitarbeiter klappte denn auch problemlos.

Am Planufer wurde das Laub hingegen auf Straßenland bzw. sog. Begleitgrün zusammengeharkt, für welchen Bereich die BSR zuständig ist. Die aber kann mit Säcken nichts anfangen, sondern Laub nur aufsaugen, so dass es von den Subbotniks zunächst in Säcken an die verabredete, vom BA abgesperrte Stelle gekarrt und dort wieder ausgeschüttet werden musste.

Riedel-Anleger-Zollhaus

Frühjahrsputz für Riedel

Die rechtschaffen müden BaumfreundInnen mochten es indessen kaum fassen, als sie zum verabredeten Termin von der BSR schlicht und ergreifend versetzt wurden. Nun türmten sich da in (eigens abgesperrten) Parkbuchten die Laubhaufen, vom BSR-Sauger keine Spur, und ein auffrischender Wind schickte sich an, alle Arbeit wieder zunichte zu machen. Die ehrenamtlich bis zur Erschöpfung tätigen BürgerInnen sahen sich also genötigt, das kontaminierte Gut in halbwegs windgeschützte Ecken umzulagern, und dort will es die BSR „noch vor Ostern“ abholen. Hoffentlich ist das Laub durch den Regen schwer genug geworden, dass es die Böen nicht wieder verteilen können… − So sieht sich freiwilliges BürgerInnen-Engagement wieder einmal wenig geschätzt, wobei allerdings nochmals betont sei, dass dies nicht etwa dem Grünflächenamt, sondern dem Organisationstalent des  zuständigen Revierleiters der BSR zu danken ist!

Auch am Fraenkelufer sollte ja Kastanienlaub gesammelt werden, doch dort wurden die BaumschützerInnen freudig überrascht, indem sie bereits alles geradezu besenrein vorfanden. Und sie wurden mit einer Nachbarschaftsinintiative u.a. aus den „Baller-Häusern“ bekannt, die bereits in vorbildlicher Weise tätig geworden war.

André und Renate

Beim Einsacken am Planufer

Für alle, die noch etwas für unsere weißblühende Rosskastanie tun wollen: In Kreuzberg scheint die Sache mit dem Kastanienlaub im Griff, aber in anderen Bezirken ist es noch nicht zu spät, in dieser Weise tätig zu werden. Aber bitte [nach Möglichkeit, s.o.] nur Kastanienlaub! Alles andere Laub sollte unbedingt als Biomasse im Naturkreislauf verbleiben und wenn es vom Rasen muss, unter Hecken und auf Baumscheiben geharkt werden, wo es einer Vielzahl von Kleinsäugern, -tieren und Pflanzen Unterschlupf, Schutz und Nährstoffe bietet.

Und Kampf den Laubsaugern, die unter hohen Lärm- und Schadstoffemissionen all das bis hin zu ganzen Igeln alle Frühjahre wieder zerschreddern!

Nachtrag vom Karsamstag ’09

Danksagung des Fachbereichs

Zum Vergrößern anklicken!

Mit dieser schönen und zugleich baumfreundlichen, nämlich papierlosen Urkunde hat sich vor einigen Tagen schon der Fachbereich Naturschutz und Grünflächen des Kreuzhainer Bezirksamts bei allen TeilnehmerInnen an der diesjährigen Kastanienlaub-Sammelaktion fürs vorbildliche Engagement bedankt.

Unsere Rosskastanien stehen derweil unmittelbar vorm Erblühen − erste Kerzen werden vielleicht schon zu Ostern entzündet −, und so bleibt uns nur, den Bäumen üppige Blätterpracht bis tief in den Herbst hinein zu wünschen, viele Früchte und so wenig Motten wie nur möglich!

Und am besten wär’s, die nächste Aktion würde, wie Jörg Burkhardt in seinem Kommentar schreibt, auch gleich schon im Herbst erfolgen, sozusagen als Nachlese im Anschluss an die Kastanienlaub-Beseitigung von Grünflächenamt bzw. Stadtreinigung.

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2 Kommentare

  1. Jörg Burkhardt said,

    30. März, 2009 um 18:46

    vielen Dank für den wieder mal sehr informativen und umfassenden Artikel !

    Mit den Zuständigkeiten und dem Zaun ist was durcheinandergeraten, aber das halte ich nicht für so wesentlich und deswegen schreibe ich nicht.

    Mich stört die Verbindung Kastanienlaub sammeln = Frühjahrsputz. In diesem Zusammenhang habe ich das keineswegs gestartet. Ein verbildendes Strassenblatt hatte unsere jetzige Kastanienhilfe in deren „Berlin wird sauber Freiwilligen Frühlingsputzaktion“ hinein vergewaltigt, so dass aus der Naturschützerin eine Frau Saubermann gedreht werden sollte – so geht das nicht! Durch die Bank habe ich Kastanienbaumschützende erlebt und keine Putzwütige!

    Als allg. Einsicht ist sicherlich allen Beteiligten klar geworden, dass das Kastanienlaub im Herbst zu sammeln viel leichter ist und sehr viel effizienter und dieses Laubsammeln im Frühjahr vor dem Austrieb nichts als eine Notlösung ist. Wie Du schreibst sind ganz viele Puppen aus den Laubblättern gefallen und so wurde es erforderlich, auch die oberste Erdschicht einzusammeln. Und das machte die Säcke zusätzlich schwer und zur Schufterei.

    Übrigens ist der Fakt sehr bemerkenswert, dass die allermeisten Aktiven aus dem Kreis der Internet Vernetzten kamen. Ein dickes, fettes Kompliment und ganz herzlichen Dank!

  2. waltraud said,

    6. April, 2009 um 14:52

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Aktion. Hier ist zu spüren, der Mensch ist sich seiner Verantwortung der Umwelt gegenüber bewußt und handelt.

    Denn wir Berliner wollen doch alle nicht unsere herrlichen Kastanienbäume und Kastanienallen, die uns zudem an heißen Sommertagen erfrischenden Schatten spenden, verlieren.

    Und die Kinder, die seit Generationen voller Staunen Kastanien sammeln und anschließend begeistert mit geschickten Händchen die Kastanien in kleine Objekte verwandeln, das soll doch weiterhin möglich sein und nicht nur durch Erzählungen nachempfunden werden.

    Diese Aktion hilft.


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