Senatseigene Grün Berlin GmbH verstößt gegen Berliner Baumschutzverordnung, Naturschutzrecht, Public Corporate Governance Codices sowie die Ziele der Lokalen Agenda 21!

Sieben Gründe, warum die „Parkfreiräumung“ am Gleisdreick sofort gestoppt werden muss

  1. Gleise 2005

    Malerisch überwucherte Gleise (2005)

    Die BürgerInnen wurden nach freimütigem Einbekenntnis eines Sprechers der senatseigenen Grün Berlin GmbH an der jetzt umgesetzten Planung so gut wie nicht beteiligt, ihre Konzepte werden ausdrücklich an den Rand gedrängt. [vgl. z.B. unsern Beitrag zur Abendschau vom 8.3.09]

  2. Vom Ziel eines nennenswerten Erhalts der Brachlandschaft ist entgegen allen früheren Versicherungen gar keine Rede mehr, und damit wird gegen eine wesentliche Auflage an die Beiträger zum Planungswettbewerb „Park auf dem Gleisdreieck“ nachträglich und in erheblichem Maß verstoßen.
  3. Millionenbeträge für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (A&E) auf Grund der Eingriffe am Potsdamer Platz werden für neuerliche Eingriffe in noch weit wertvollere Natur, ja für Flächenversiegelung und dgl. missbraucht, was einen Verstoß gegen die sog. Eingriffsregelung nach §§ 18 und 19 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sowie §§ 1a und 35 des Baugesetzbuches (BauGB) darstellt!
  4. VertreterInnen der Unteren Naturschutzbehörde F’hain-Kreuzbergs äußerten sich voller Unverständnis, ja empört über die Art und Weise, wie hier durch umfassende Rodungen in Nacht- und Nebelaktionen vollendete Tatsachen geschaffen und vorhergehende sog. Informationsveranstaltungen kaltschnäuzig konterkariert wurden. MitarbeiterInnen des Kreuzberger Grünflächenamts, die nicht genannt werden wollen, zeigten sich von den massiven Fällaktionen völlig überrascht.
  5. Die Anlage einer standardisierten multifunktionalen Freizeit-Arena widerspricht eklatant dem, was als Paradigmenwechsel in der Grünflächenpflege in Richtung Erhaltung von „Wildnis im urbanen Raum“ überfällig ist, und zwar im Interesse nicht nur des so immens wichtigen Artenschutzes und der Eigenwerthaltigkeit der Zeugnisse einer natürlichen Dynamik, die sich ein halbes Jahrhundert lang als Kollateralnutzen der Teilung entwickeln konnte, sondern nicht zuletzt auch im Interesse von Naturerleben, Naturerfahrung und einer nachhaltigen Erhöhung von Lebensqualität im Rahmen naturnaher und zugleich naturverträglicher Freizeitnutzung.
  6. Stunde der Gartenvögel 2007

    rbb begleitet NABU-"Stunde der Gartenvögel" 2007 auf dem Gleisdreieck-Gelände (Im Hintergrund das "Wäldchen")

  7. Die Berliner Naturschutzverbände wie der NABU hatten aus Gründen des Artenschutzes, belegt durch entsprechende Kartierungen*, wiederholt den Erhalt wesentlicher Teile der Brachlandschaft gefordert und z.B. gut besuchte Mitmach-Aktionen wie die „Stunde der Gartenvögel“ − eine zeitgemäße Interaktion mit Stadtnatur −, auf dem Gelände durchgeführt, kritisieren aber nun öffentlich, dass es sich um keine naturnahe Planung mehr handelt.**
  8. Stunde der Gartenvögel 2007

    Nachwuchs-Ornithologin

  9. Wie kann eine avancierte, bürgernahe und naturverträgliche Denkmalpflege zulassen, dass die einzigartige und oft gerühmte ästhetische Wirkung der technischen und baulichen Relikte inmitten eines vielgestaltigen Prozesses von Rückeroberung, Wiedergewinnung und -besiedlung durch die Natur in ihren mannigfachen Sukzessionsformen nunmehr einer am allenfalls grünen Tisch entworfenen rechtwinklig-öden Baukasten-Architektur geopfert wird?!

Deshalb fordern wir

  • Die weitere Naturzerstörung z. B. durch Erschließung des sog. Wäldchens, ist unverzüglich zu stoppen!
  • Die entstandenen Schäden müssen quantifiziert und kompensiert werden!
  • Die Verstöße gegen geltende Gesetze und Kodizes sind schnellstmöglich zu ermitteln und zu ahnden!
Stunde der Gartenvögel 2007

Wir wollen wilde Stadtnatur!


* 2006 wurden z. B. 33 Vogelarten, darunter 30 Brutvogelarten bestimmt − mit dem, auf den Roten Listen als vom Aussterben bedroht geführten Brachpieper als „Highlight“. Das faunistische Gutachten hat die Abt. Stadtentwicklung und Umweltschutz im BA Friedrichshain-Kreuzberg in Obhut.

** Wie sieht es aus Sicht des NABU nun mit der Einhaltung der Bedingungen aus, unter denen die ja vom Gesetz her zu beteiligenden Naturschutzverbände der Planung gemäß Loidl-Entwurf zustimmten?

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3 Kommentare

  1. hugoz said,

    17. März, 2009 um 18:14

    Der Verfasserin/dem Verfasser dieses Artikels vielen Dank für die ausführliche und die Situation treffende Beschreibung!
    Wahrscheinlich werden ihn auch einige verantwortliche Leute bei SenStadt zur Kenntnis nehmen, aber getreu dem Motto „Was kümmert es eine deutsche Eiche …“ schlicht ignorieren.
    Wär’s anders, würde es mich wundern.

  2. meineSeelebrennt said,

    18. März, 2009 um 20:48

    Vielen Dank an Euch alle für diesen wichtigen und wertvollen Beitrag zum Erhalt unser aller Lebensgrundlage; gerade in dieser Stadt. Aber voraussichtlich interessiert das mal wieder keinen der Verantwortlichen unserer Stadt, denn es geht ja nur um etwas Grün. Wen interessiert schon eine amtlich tolerierte Zerstörung unserer Hauptstadt? Wie schön könnte doch unsere Stadt sein, mit etwas mehr Herz und Verantwortungsbewustsein im Hirn unserer Verwalter dieser Stadt. Wie hieß es doch seinerzeit:“ Schaut auf diese Stadt!“ Wie aktuell doch dieser Aufruf in neuem Kontext, wenn unsere Lebensfeinde unter uns weilen und nicht in fernen Ländern wohnen. Aber vielleicht gab’s auch wieder mal reichlich volles Händeschütteln, damit eben keiner was merkt. Wen da nicht die Politikverdrossenheit packt, der hat wohl ein wirklich dickes Fell oder schon jedes Gespür und seine Seele verloren.
    „Gustav“ trifft es auf den Punkt: „Verlass diese Stadt“ (http://www.youtube.com/watch?v=3h8OeHCWRgY)

    Schade, einfach schade………

  3. Oliver Ginsberg said,

    18. März, 2009 um 22:04

    Heul doch!


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