„Parkfreimachung“ läuft!

Marginalisierte BürgerInnen-Beteiligung und geschleifte Stadtnatur

Der sonntägliche rbb-Abendschau-Beitrag (8.3.) über die gerade mit Volldampf laufende Planierung der Natur auf dem Gleisdreieck-Gelände, die auf „dieser Brache wirklich ungehindert wuchern konnte“, wie der Moderator schaudernd vermerkt, bevor er aufatmet „aber nun rücken die Bagger an!“ − war wieder ein schönes Stück Hofberichterstattung.

Dass die sich seit vielen Jahren engagierenden BürgerInnen ausgebremst, in die Planung nicht eingebunden, ohne Mitspracherecht in einer Randrolle nur beigeordnet und, wenn überhaupt, allenfalls informiert fühlen, wie BI-Sprecher Norbert Rheinländer mit Bitterkeit zwei Sätze lang monieren durfte, mochte ein businesslike gewandeter Jüngling von der senatseigenen Grün Berlin GmbH nicht gelten lassen: Der Planungsprozess, in dem man sich da engagieren wolle, sei doch nur ein kleiner Zeitausschnitt, der jetzt auch abgeschlossen werde −, aber dann gebe es doch die Möglichkeit, langfristig dabei zu sein, etwa Patenschaften für Parkbereiche zu übernehmen − um dann dort auch für die nötige Pflege und Instandhaltung gefälligst selbst zu sorgen, möchten wir fortfahren…

Nein, das werde „kein geleckter, kein repräsentativer Park, sondern einer, der sich aus den Nutzungserfordernissen, aus dem, was die Bürger hier wollen und brauchen, definiert“, klappern die Worthülsen. Es gebe deshalb Bereiche für Ruhe und Erholung, dann eine große, intensiv bespielbare Fläche sowie „im flankierenden Bereich um den Park ein Optionsband“, wo „Intitiativen und Vereine ihre Nutzungskonzepte integrieren könnten.“

Die Metaphorik verrät schon alles: In der Peripherie möge man bitteschön seine Ideen austoben. Vom Erhalt der selten artenreichen urbanen Wildnis im Zentrum und der einzigartigen Naturerfahrungsräume, die sie geboten hätte, ist längst keine Rede mehr, und das peinliche Label vom Central Park offenbart nur die ganze Provinzialität, die es weltstädtisch kaschieren soll. Da trifft’s Vivicos Motto vom „Wohnen am Park“ weit besser, und auch Genossenschaften und Baugruppen arrivierter Linksalternativer, denen es doch gerade um ökologische Nachhaltigkeit geht, stehen in den Startlöchern [siehe z.B. hier].

In Kürze, um noch mal drauf hinzuweisen, geht’s nun dem Wäldchen an den Kragen, denn wie schließt der Bericht so schön: „In den kommenden Monaten wird das Gelände noch freigeräumt, ab Sommer neu angelegt, und Ende 2010 soll er eröffnet werden: der Central Park Berlins mitten in der Stadt…“ − Für die so dringliche Intervention der Naturschutzverbände aber wird’s allmählich zu spät.

Parkfreiräumung

Parkfreiräumung auf dem Gleisdreieck

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3 Kommentare

  1. 10. März, 2009 um 14:50

    Diese Beschreibung des Abendschau-Beitrags und des Grün-Berlin-Vertreters trifft (leider) voll ins Schwarze!

  2. hugoz said,

    11. März, 2009 um 9:52

    Es ist schon ein wenig peinlich, wie sich die Anwohner diesem Desaster auf dem Gleisdreieck gegenüber verhalten.
    Typisch Berlin: Meckern, meckern, meckern – und nix dagegen machen.

  3. 11. März, 2009 um 14:41

    Typisch Berlin ist vor allem, daß manche immer kritisieren mit meckern verwechseln.


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