WSA verspricht Wiedergutmachung

Rechtfertigungen des ABZ Neukölln

PS Waschbär

WSA-Peilschiff "Waschbär"

Was die schlimmen und vor allem abermals nicht angekündigten, ja auch ohne Benehmensherstellung mit dem zuständigen Natur- und Grünflächenamt F’hain-Xberg durchgeführten Holzereien nicht nur am Paul-Lincke-, sondern auch am Carl-Herz-Ufer sowie nahe Statthaus Böcklerpark anlangt, so wurde der Vorgang erwartungsgemäß mit Eigenmächtigkeiten der beauftragten Kolonne des ABZ Neukölln erklärt. Laut ABZ-Leiter Jörg Augsten sei der Vorhandwerker bereits am 5.1. „planmäßig“ instruiert worden, zur Bauwerksinspektion und zum Einsatz des Peilschiffs „Waschbär“, das mittels sog. Rahmenpeilung ufernahen, die Sicherheit der Schifffahrt evtl. gefährdenden Sperrmüll aufspüren soll, die überhängende Vegetation zurückzuschneiden und sei dabei bedauerlicherweise weit über das zulässige Maß hinausgegangen. Sofort nach Bekanntwerden des Malheurs und Erhalt entsprechender Fotobeweise durch aufgebrachte AnwohnerInnen seien die Arbeiten definitiv am 12.2. eingestellt worden.

„Verantwortung gegenüber den Steuermitteln“?

Nun werde ein Gutachter zur Schadenserfassung beauftragt, und das WSA hat sich umgehend bereit erklärt, angemessene Kompensationsleistungen zu erbringen, sprich: nachzupflanzen. − In diesem Zusammenhang muss freilich erstaunen, dass für solch eindeutiges Amtsverschulden gleich wieder die SteuerzahlerInnen aufkommen müssen. Denn um erneut den Pflege- und Unterhaltungsplan zu bemühen: Es ist darin seit 2002 eindeutig geregelt, dass Vegetationsüberhang − und zwar nicht nur von Baum und Strauch, sondern z.B. auch von Knöterich, der ja vielerorts potthässlichen 70er-Jahre-Pfusch wohltuend kaschiert − aus Gründen des Natur- und Artenschutzes zu erhalten ist und bei den selbstverständlich unerlässlichen Peilungs- und Kontrollarbeiten lediglich zurückgebunden werden darf. Dass wir dies im Verlauf der letzten anderthalb Jahre so oft rezitieren mussten, dass es eher naturferne Forumsmitglieder schon nicht mehr ertragen können und uns fragen, an welche Instanz sie ihre Schmerzensgeldforderungen richten können, empfinden auch wir als überaus unbefriedigend.

Unverschämte Provokationen der Reeder

Doch wenn ausgerechnet Vertreter der Reederschaft, deren KundInnen ja nicht nur wegen der Bauwerke und Brücken, sondern nicht zum wenigsten auch wegen der malerischen, im innerstädtischen Bereich so unvermuteten Ufervegetation an den Schiffsfahrten teilnehmen, bei der Darstellung der Schäden wie die Schulbuben feixen und schließlich in künstlicher Empörung gar von „Pillepalle“ reden, wird dafür die unsere umso echter. Schließlich waren wir es, die seinerzeit so manchen erbitterten Bürger davon abhielten, die Dieselpötte von den Brücken herab mit Flaschen zu bewerfen. Und dann erzählen diese Unternehmer bei geeigneter Gelegenheit salbungsvoll von ihrer Teilnahme am Pilotprojekt Corporate Social Responsibility (CSR) in kleinen und mittelständischen Unternehmen, wovon nachher nie wieder was verlautet. Da muss sich doch der Verdacht aufdrängen, dass sich jemand angesichts der bereits beschlossenen dauerhaften Sanierung der 90 Meter Maybachufer mit dem abgerutschten Riedel-Anleger nunmehr meint, zurücklehnen zu können, und es nicht mehr länger nötig zu haben glaubt, in Richtung Baum- und UmweltschützerInnen Süßholz zu raspeln.

Strukturelle Probleme

Um wieder aufs WSA und die vom WSA Neukölln verursachten Schäden zurückzukommen: Dabei geht es natürlich weniger ums Verschulden einzelner als vielmehr, wie von der Amtsleitung ja auch schon wiederholt eingeräumt, um strukturelle Probleme. Einerseits gibt es nach der ökologischen Neuorientierung Ende des letzten Jahrhunderts bereits eine Menge ökologisch durchaus fortschrittlicher Erlasse [siehe auch unten], Handlungsanweisungen und Unterhaltungspläne, sind WSV und damit das WSA schon nach heutiger Gesetzeslage verpflichtet, die Unterhaltung und Sanierung von Bundeswasserstraßen ökologisch zu optimieren, wurden WSV und BAW z.B. schon vor Jahren aufgeklärt, dass die „Kür (notwendiger) Bestandteil des Pflichtteils [ist]“ (so etwa Dr. Michael Fiedler von der BfG in einem gemeinsamen Colloquium 2006) −, doch andererseits haben die WSA-Kolonnen in ihrer praktischen Arbeit vor Ort weder eine ausreichende fachliche Qualifikation für Pflegemaßnahmen noch überhaupt Kenntnis der einschlägigen Richtlinien, ja das WSA insgesamt kennt ungeachtet seiner Zuständigkeit für viele Hundert Kilometer Gewässerrandstreifen und enorme Freiflächen nicht einmal so etwas wie das Amt eines Umweltbeauftragten! Die Entwicklung neuer fachlicher Ansätze für ein ökosystemisches Herangehen ist überfällig, doch außer Ganzheitlichkeits-Phrasen ist von einer durchgreifenden Neuorientierung speziell beim WSA Berlin noch nicht allzu viel zu spüren, wenngleich die positiven Erfahrungen, die es mit dem ABZ Neukölln in jüngerer Zeit durchaus auch gegeben hat, hier nicht kleingeredet werden sollen! − Und Jörg Augsten stellte zumindest schon mal eine zeitnahe Infoveranstaltung für seine MitarbeiterInnen in Aussicht.

Qualifizierungsbedarfe

An dieser Stelle ein kleiner, sicher nicht neuer, doch auch nicht unwesentlicher Vorschlag zur Güte: Während z.B. die Einsatzkräfte vor Ort offenbar i.d.R. nur mündliche Anweisungen darüber bekommen, was wann wo zu tun sei, sollten schriftlich fixierte, detaillierte Aufgabenbeschreibungen die ökologischen Kriterien und Maßgaben des Unterhaltungsplans endlich konkretisieren und operationalisieren sowie nicht zuletzt eine entsprechende fachliche Fortbildung erfolgen. Eine einzige Infoveranstaltung reicht hier mit Sicherheit nicht hin.

Mit verhaltener Freude haben wir übrigens vernommen, dass, was die Kooperation mit engagierten BürgerInnen angeht, demnächst im Amt ein zweitägiger Workshop über Kommunikation veranstaltet werden soll, um das offenbar nach wie vor grassierende „Feindbild Bürgervertreter“ zurückzubauen und den in einer alten Denke befangenen BehördenvertreterInnen bewusst zu machen, dass sie tatsächlich von den BürgerInnen beauftragt, dass sie DienstleisterInnen sind.

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