Ein Jahr Rettung der Walde-Pappeln

Happy Anniversary!

Heute feiert die Rettung der 11 Pappeln an der Waldemarbrücke ihren Jahrestag! Am 3. März 2008 stellten sich engagierte KreuzbergerInnen beherzt und entschlossen dem vom Bezirk geschickten Fälltrupp in den Weg und vereitelten die fadenscheinig begründete Fällung der hochgewachsenen Baumgruppe. Die Bäume seien nicht standsicher, wurde mit Hinweis auf ein windiges Gutachten behauptet, standen aber in Wahrheit lediglich einer Planung im Wege, nämlich der angeblich denkmalgerechten Rekonstruktion des „ehemaligen Luisenstädtischen Kanals“ (eLK) sozusagen unterhalb unseres real existierenden Luisenstädtischen Grünzugs.

Diese bürgerferne, stadtnatur- und nutzungsfeindliche und in ihrer Berufung auf den namhaften einstigen Parkgestalter Erwin Barth vollkommen verquere Planung wurde bereits in der folgenden BürgerInnenversammlung (21.4.08) von der überwältigenden Mehrheit empört und nachdrücklich verworfen. Der grün regierte Bezirk erkannte frühzeitig, dass ein Durchmarsch nur gegen die Wand führen würde und eröffnete den versäumten Partizipationsprozess.

Der zog sich fast ein Jahr hin, durchquerte manche Talsohle, bis die an echte BürgerInnenbeteilgung weder gewöhnten noch in diesem Betracht lernwilligen bzw. -fähigen ProtagonistInnen der „Denkmal-Fraktion“, und zwar der Bürgerverein Luisenstadt und das Landesdenkmalamt (LDA), ausgestiegen waren, und versuchten, auf anderem Wege an ihr Ziel zu gelangen, nämlich den „Geist der Luisenstadt“ (Pfarrer Duntze), welcher in der mit echter BürgerInnenbeteilgung in den 1980er Jahren geschaffenen gegenwärtigen Gestaltung quasi wie in der Flasche gefangen sitzen soll, durch deren brachiales Zerschlagen, sprich: den weitgehenden Kahlschlag des „Wildwuchses“, Freilegen von „Sichtachsen“, Tieferlegen des Weges und Aufführen zahlreicher Mäuerchen zu befreien.

Und, schwer zu glauben, nur für ein derart anachronistisches Verständnis von Denkmalpflege standen aus dem Senatsprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ Gelder zur Verfügung, da die Mittelfreigabe vom Plazet des LDA abhängt (wobei die immer wieder kolportierte Summe von zweieinhalb Millionen auch nach Aussage von Bürgermeister Schulz rein fikitiv ist: Tatsächlich ging es um insgesamt 600.000 Euro für den Abschnitt A von Waldemarbrücke bis Oranienplatz. Der Auffassung, dass man angesichts viel dringenderen Sanierungsbedarfs, wie z.B. denkmalgeschützte Schulgebäude und Sportstätten und sei’s nun in F’hain-Kreuzberg oder in Nachbarbezirken, nicht Steuermittel für eine von der Bevölkerungsmehrheit abgelehnte Planung in den Sand setzen, gar in Zeiten der Klimakatastrophe für Baum- und Strauchrodungen verpulvern dürfe, nur um sie „nicht verfallen“ zu lassen − dieser Auffassung schlossen sich die Fraktionen von B’90/Die Grünen und schließlich auch Die Linke an. Die von der BI entwickelte, den Quartiersräten und auch vom SPD-Kreisverband (nicht aber von der Fraktion!)  unterstützte „BürgerInnen-Variante Erhalt“ erhielt in der entscheidenden BVV-Abstimmung kurz vor Weihnachten eine satte Mehrheit.

Und was den zugegebenermaßen durch mangelnde Pflege stellenweise etwas heruntergekommenen Grünzug angeht, bemerkt Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel aus unserm Nachbarbezirk Pankow in einem Kommentar zu obigem Beitrag (siehe Nr.8) sehr richtig: „Pflege kann mit sehr viel ziviler Tatkraft und kleinem Geld enorm viel bewirken…“ − Für die vor der Tür stehende Saison haben wir uns in dieser Richtung auch tatsächlich schon was vorgenommen.

Allerdings sind wir keineswegs so blauäugig zu glauben, dass die „Denkmal-Fraktion“ ihre Pläne mit dieser Schlappe schon aufgegeben hätte, müssen vielmehr befürchten, dass sie mit Senatens im Rücken in näherer Zukunft zur nächsten Attacke bläst und SenStadt wie im Falle Mediaspree und der Fläche an der Schillingbrücke die „zu grüne“ Planung dem Bezirk einfach aus der Hand nimmt − BürgerInnenwille hin oder her. Jedoch seien die Herr- und Damenschaften versichert: Die Bäume für Kreuzberg werden so schnell nicht umfallen!

Und an dieser Stelle noch ein dringlicher Aufruf: Wer am Erhalt der einzigartigen Berliner Stadtnatur und insbesondere den auf dem Gleisdreieck-Gelände Kettensäge und Planierraupe noch nicht zum Opfer gefallenen Resten einer (bis vor kurzem) außergewöhnlich artenreichen Brachlandschaft interessiert ist, die/der möge sich heute (Mittwoch, 4.3.) ab 13:00 Uhr vor der „Grünen Villa“ einfinden (einem vom Zugang Möckern- oder Hornstraße leicht erreichbaren grünen Container), um dort Flagge zu zeigen und dem Treiben der senatseigenen sog. GrünBerlin GmbH und der Rasenplaner des Atelier Loidl öffentlichkeitswirksam entgegenzutreten, denn der rbb will über diesen Skandal von Stadtnaturvernichtung in Zeiten galoppierenden Artensterbens berichten. Siehe auch hier und mehr auf der Website der AG Gleisdreieck.

Vivico-Hohn

Vivico-Hohn (anklicken!)

Aufgang Yorkstraße

Einst baumgesäumter Aufgang Yorkstraße

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1 Kommentar

  1. BaL said,

    4. April, 2009 um 23:49

    Und wie’s hier vorher (z.B. noch 2005) mal aussah und auch anderswo auf dem Gelände, ist hier zu sehen…


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