Noch kein Aus für Pilotprojekt!

BaumschützerInnen-Info vom 01.02.09

Nur temporäre „Kleimeier-Variante“ nicht empfehlenswert

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die Machbarkeitsprüfung von GuD die „Kleimeier-Variante I“ nur als eine alternative temporäre Sicherungsmaßnahme im Bereich der betongesicherten Bäume zum Gegenstand hatte, nicht aber die Beantwortung der Frage, ob „Kleimeier I“ oder „II“ als dauerhafte Sanierungslösungen geeignet seien. Von verschiedenen Seiten wurde deshalb eine Fortführung des Pilotprojekts am Corneliusufer oder auch an mehreren Stellen zugleich befürwortet, gerade weil der Zustand der Uferbefestigung so alarmierend und im Falle einer neuerlichen Havarie womöglich zahlreich Baumbestand bedroht sei. (Ja, es wurde sogar allen Ernstes die grundstürzende Erkenntnis geäußert, dass es mehr als eine Sanierungsvariante geben bzw. die eine Variante unterschiedlich angepasst werden müsse. − Mensch fasst es nicht…)

Baumschutz jederzeit im Fokus behalten!

Vor allem aber ist dann endlich zu klären, wie sich die Umsetzung der „Kleimeier-Varianten“ auf ufernahen Baumbestand und Wasserqualität auswirkt, insbesondere in puncto Grundwasserabsenkung, Betoninjektionen und Schaumzement, wobei Frau Kleimeier betont, dass bei ihrer Variante II das Wasser zwischen Spund- und Uferwand verbleibe [sich also die Frage nach dem Wie der eigentlichen Sanierung erneut stellt] und sie deshalb zugleich optimal baumschonend und für die vorgeschlagenen ökologischen Parallelwerke prädestiniert sei, andererseits natürlich eine Reduzierung der Fahrrinnenbreite bedeute. − Gar nicht zu überschätzen aber seien beim Experimentieren mit einem solchen Pilotprojekt die praktischen Erfahrungen, die man nur auf diese Weise mit den Gegebenheiten vor Ort machen und fürs weitere Vorgehen nutzen könne.

Der Behauptung, nach erfolgter Versorgung mit elastischerer „Korsettierung“ könnten die gesicherten Bäume noch für Jahre damit leben, widersprach der Baumsachverständige Barsig mit Nachdruck: Dies sei allenfalls bei den schon vorgeschädigten Kastanien an Cornelius- und Herkulesufer für eine weitere Vegetationsperiode vertretbar, da die Bäume durch die bereits 2007 prophylaktisch erfolgte Kroneneinkürzung geringere Windlasten erzeugten, doch bei großkronigen Bäumen wie den Linden am Tempelhofer Ufer bedeute jedes Sturmereignis Bruchgefahr oberhalb des „Korsetts“. − Desgleichen problematisierte Barsig mit Blick auf die dargestellte Ermittlung der Standsicherheit der Uferbefestigung erneut die umstandslose Einrechnung pauschal angenommener Baumlasten, da sich die eigentlichen Schadstellen bekanntlich in der Wasserwechselzone und unterhalb des Grundwasserspiegels befänden. Hier sei ein standardisierter Kennwert einfach nicht operational. – Zwischen ihm und der Firma GuD wurde vereinbart, zur weiteren Klärung dieser Frage in Kontakt zu bleiben.

Divide et impera!

Tjark Hildebrandt von der WSD sieht nunmehr zwei große Sicherheitsrisiken: Zum Problem der vielerorts fehlenden Ziegelflachschicht zwischen Quadermauerwerk und Magerbetonwand sei nun noch das Fehlen von Beton in ebendieser getreten −, und er bedankte sich ausdrücklich bei Ursula KIeimeier, ja zeigte sich hocherfreut, dass „die BI zumindest in Teilen“ endlich die Brisanz der Lage erkannt habe. Damit das Pilotprojekt am Corneliusufer oder vielleicht auch anderswo weiterverfolgt werden könne, sprach er sich mal wieder für ein mehrgleisiges Vorgehen aus, denn die anderen vom WSA als prioritär taxierten Passagen müssen laut Leiterin Sachbereich II, Gerrit Riemer, vordringlich ebenfalls temporär gesichert werden.

Schon völlig losgelöst, bleibt sie doch stehen

Die VertreterInnen der Denkmalpflege jedenfalls nahmen den Befund, wonach der Magerbetonkörper unterhalb des Quadermauerwerks insgesamt nur aus porösem Schutt bestehe, äußerst skeptisch auf; auch die Reederschaft, die unter diesen Umständen für die kommende Saison im worst case sogar einen Totalausfall befürchten muss, blieb bemerkenswert gelassen. Die anderen „Teile der BI“ beschleicht bei der Anmutung einer freischwebenden Uferwand derweil das ungute Gefühl, dass hier mit allen Mitteln Zeit- und Handlungsdruck erzeugt werden soll.

Suche nach Gesamtkonzept führt unterschiedliche Interessen in verschiedene Richtungen

Amtsleiter Scholz, der ja spätestens seit Herbst um all diese Dinge weiß, erklärte, man müsse nun ein Konzept für das weitere Vorgehen entwickeln und stellte schon mal ein auf sieben Jahre ausgelegtes Drei-Säulen-Modell vor, bestehend aus Bauwerksinspektion, Materialuntersuchungen (z. B. Kernbohrungen) und statischen Nachberechnungen, dazu eine Unterscheidung von drei Uferwandhöhen (hoch, mittel, niedrig) und vier Schadensklassen: Er als Verantwortlicher müsse sich schließlich überlegen, wie eine evtl. notwendige dauerhafte Sperrung des Kanals für Wochen oder Monate kausal herzuleiten und zu rechtfertigen sei. Interessant auch die Aussage, dass, selbst wenn das Amt nur gemäß den eigenen Interessen quasi durchsanieren könnte, das Vorhaben nicht vor 2017 abzuschließen sei.

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