Spundbohlen-Stückeln aus Baumschutz-Gründen nun doch wieder möglich!

BaumschützerInnen-Info vom 16.12.08

Arbeitskreis Kurzfristige Maßnahmen tagte mit Amtsleiter im Gläsernen Büro

Weil der Termin des „kurzfristig“ einberufenen Arbeitskreises Kurzfristige Maßnahmen just auf den Tag  der WSA-Weihnachtsfeier fiel (11.12.), war im weitläufigen Dienstgebäude am Platz der Luftbrücke für unsere Dringlichkeitssitzung nur mit knapper Not noch das Gläserne Büro zu ergattern, aber angesichts jener, die vorweihnachtliche Stimmung im Amt etwas eintrübenden Korruptionsvorwürfe gegen die frühere Leitung, worüber Daniel Boese in der Zitty unlängst ausführlich berichtete, setzte der Tagungsort und sein Anlass doch auch gleich ein symbolisches Zeichen für den immer wieder beteuerten Change unter der neuen Amtsführung.

Wie berichtet, hatte man vor Ort auf der Baustelle am Tempelhofer Ufer eine Drittelung der Spundbohlen aus Gründen mangelnder Stabilität plötzlich für ausgeschlossen erklärt und sich im Übrigen auch nicht übermäßig kooperativ gezeigt. Leider waren die betreffenden MitarbeiterInnen nun zum AK-Termin nicht abkömmlich, und der Chef, auf der Baustelle natürlich nicht dabei, musste mal wieder den Kopf hinhalten. Zum Intro bekräftigte Michael Scholz eine Wendung aus unserm Blog, wonach es dem WSA nach wie vor um den „bestmöglichen Schutz eines jeden Baumes“ gehe. Die Befragung der MitarbeiterInnen habe tatsächlich gewisse „Diffusitäten“ ergeben, das müsse abgestellt werden, liege aber einfach an der mangelnden Erfahrung mit solchen „Filigranbauvorhaben“, welche der Baumschutz hier erfordere.

Hängeweide

Hängeweide am Tempelhofer Ufer

Es sei richtig, dass die insgesamt acht benötigten Startbohlen, da sie nicht verankert würden, auch nicht geteilt werden sollten, was eben jeweils einen 24 Meter hohen Arbeitsraum erzwingt. Die gute Nachricht sei, dass die normalen Bohlen auch über eine längere Distanz hinweg halbiert werden könnten. Dritteln sei ebenfalls möglich und auch durchaus schon gemacht worden, doch allenfalls bei maximal drei Bohlen nebeneinander; es scheide jedoch dann aus, wenn sich im Boden neben märkischem Sand auch verfestigte Linsen von Mergel o. ä. befänden, die durchstoßen werden müssen. Dafür seien 4-m-Stücke zu kurz. Kämen also dicht überhängende Krone und Linse zusammen, hätten wir einen Fall von Murphy’s Law. Günstig sei aber, dass auf Grund des Kleimeier-Vorschlags, die temporären Bohlen in eine dauerhafte Lösung zu integrieren, ohnehin 25-cm-Profile mit höherer Stabilität verwendet würden.

Rosskastanie Corneliusufer

Rosskastanie am Corneliusufer

Allgemeines Prinzip sei und bleibe, mit dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, möglichst alle Probleme sofort in situ zu erörtern. Dieser wiederum gab beim Thema Startbohlen für die jetzt zu verspundende 370-m-Strecke schon mal Entwarnung und erklärte, dass 5 von 6 dieser Bohlen bereits erfolgreich gesetzt worden seien und wohl auch die letzte ohne größere Baumschädigung eingebracht werden könne. Problematisch werde es bei fortschreitender Spundung jedoch (abgesehen von der Rosskastanie Nr. 82 am Herkulesufer in Mitte) insbesondere für die beiden älteren der vier Linden (Nr. 28 und 25) am Tempelhofer Ufer (Abschnitt 6) in Kreuzberg, worauf schon seit langem hingewiesen worden sei, sowie für die Hängeweide in Abschnitt 3 (Tempelhofer Ufer 35-38/gegenüber der Shell Tankstelle). Nach jetzigem Kenntnisstand drohe den Linden bei Anwendung der Standardmethode Totalschaden. Präzise Messungen müssten zeigen, ob eine Drittelung überhaupt Sinn macht. Ferner sei zu ermitteln, wie viele ungeteilte Bohlen auf drei aufeinander folgende gedrittelte verpresst werden müssen. Die Bauplanungsphase dauere hier jedenfalls noch bis Mitte Januar, erst dann wissen wir Genaueres. Nach dem 15.1. und vor der 14. Forumssitzung am 26.1.09 sollen die Mitglieder des AK Kurzfristige Maßnahmen auf ihrer 5. Sitzung informiert werden.

Baumschützerinnen

Baumschützerinnen in Aktion am 23. Juni 2007

Zwischen dem Maximum an Baumschutz und dem Maximum des technisch Möglichen bleibt laut Scholz immer ein unaufgelöstes Δ. Auf die Frage, was geschehe, wenn sich nun herausstelle, dass mit dieser Methode bei den weiteren Maßnahmen hundert oder mehr Bäume gefährdet würden, mithin eine erhebliche Veränderung des Landschaftsbilds zu gewärtigen sei, aber kein Plan B vorliege, bestätigte Scholz nun seinerseits die Notwendigkeit, nach weiteren Ingenieurbüros mit neuen Varianten zu suchen. Zunächst gehe es aber nur um die Beseitigung der „Korsettierung“ der Bäume, doch eine Kartierung aller ufernahen und überhängenden Bäume sei bereits beauftragt.

Politische Bäume

Politische Bäume am Tempelhofer Ufer

Der Amtsleiter referierte noch mal die drei typischen Elemente des Schadensbilds − Unterspülung/Auskolkung; Auswaschen der Ziegelflachschicht; landseitige Versackungen hinter der Mauer −, was zur Spundwand keine Alternative  zuließe. Die Kolkungen reihten sich wie auf einer Perlenschnur, die Konsistenz der Ufermauer erinnere an Streuselkuchen. − Ansonsten aber wäre evtl. denkbar, die Spundwand bei überhängenden Kronen zur Fahrrinne hin zu verschwenken und dort dann langfristig Einspurigkeit vorzuschreiben. [Diese müsse aber schon deshalb mit Zweispurigkeit alternieren, da sie − wie die Erfahrung zeige − ein Einschlafen der Schiffsführer verhindern helfe.] − Die weitere Diskussion wurde an die Arbeitskreise Sanierung und Nachhaltige Schifffahrt delegiert.

Zum Schadensereignis am Riedel-Anleger Lützow- und nicht Corneliusufer, wie vom WSA fälschlich gemeldet: Die Randbedingungen sind wie immer die gleichen, ein Anleger eben, und hier müsse die Reederei für die Instandsetzung aufkommen, wie ja auch schon im Fall der Sicherungsmaßnahmen am Anleger Kottbusser Brücke geschehen.

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