Fällorgien auf dem Gleisdreieck

Wo Brache war,  soll Park werden!

Zentralfläche

Zentrale Landebahn

Mit Bestürzung mussten wir erfahren, dass auf dem Gelände des Gleisdreiecks − jener berlinweit einzigartigen Brachlandschaft − die senatseigene Firma Grün Berlin derzeit entgegen allen anderslautenden Beteuerungen Fakten schafft und munter Bäume fällen lässt, obwohl den ParkgenossenschaflerInnen noch auf einer sog. Infoveranstaltung Ende November nur von vier Pappeln erzählt wurde, die, weil zu hoch, allzu leicht umkippen könnten, und deshalb aus Gründen der − na, sag schon − Verkehrssicherungspflicht prophylaktisch fallen müssten.

Naturerfahrung?

Naturerfahrungsraum?

Auf der Fläche soll bekanntlich gemäß dem nur knapp siegreichen Entwurf des Ateliers Loidl ein Park entstehen , doch es war mit den sich seit langen Jahren für den Erhalt engagierenden BürgerInnen vereinbart, dass der so genannte Wildwuchs, der sich in seltenem Artenreichtum die nutzungsfreien Jahrzehnte hindurch hatte entfalten können, in das Konzept zu integrieren sei. Schließlich soll − zumindest in der Theorie − der Paradigmenwechsel in der urbanen Grünflächenpflege ja auch in der Verwaltung angekommen sein: Dass nämlich nicht nur aus Gründen des Artensterbens, sondern auch aus solchen der Umweltbildung und der Naturerfahrungsqualität besonders für junge Menschen unbedingt mehr Wildnis in der Stadt zu tolerieren sei. − Doch auf dem Gleisdreick wird davon mehr und mehr unter den Ketten der Bagger buchstäblich platt gemacht.

Gerodete Rampe

Gerodete Rampe voller Robinienstubben

Inzwischen, so heißt es auf der Website der AG Gleisdreieck und in ihrem Newsletter, seien fast vierzig Bäume − keineswegs nur Pappeln, sondern auch Ahorne und Robinien − Opfer der Motorsäge geworden. Wir haben uns heute (9.12.) mit eigenen Augen davon überzeugen und auch Bernd Joosten vom Atelier Loidl sowie eine Mitarbeiterin von Grün Berlin dazu befragen können. Diese hat entschieden bestritten, dass es bei der Veranstaltung am 29.11. um Desinformation gegangen, sondern vielmehr anlässlich der Ortsbegehung über die beabsichtigten und nun teilweise bereits erfolgten Fällungen umfassend informiert worden sei. Dem ausführlichen Baumgutachten der Fa. Flechner zufolge fielen von den 145 zu rodenden Bäumen lediglich 43 unter die Baumschutzverordnung [d. h. 80 cm Stammumfang in 1,20 m Höhe] und davon wiederum seien nur ganze 8 als „gesund“ bewertet worden, vom Rest aber viele bereits abgestorben.

Kahlschlag mit schwerem Gerät

Tabula rasa mit schwerem Gerät

Auf den Hinweis, dass auch kranke Bäume erhaltenswert und namentlich tote Bäume eine bedeutende ökologische Funktion erfüllen, meinte Joosten: „Klar kann man die liegen lassen für die Würmer“ und führte aus, dass man vor der Entscheidung stehe, entweder die Bäume zu erhalten oder die einstige Rampe als „Geschichtsspur“. Beides zusammen gehe nicht, denn dann würde das Bauwerk nur weiter verfallen. Auf den Einwand, dass doch nichts gegen eine überwachsene Ruine spreche, die möglichst weitgehende Integration des Spontanaufwuchses in die Parkanlage aber vereinbart worden sei, entgegnete der Planer, erstens geschehe dies im Falle der eingezäunten [Rest-]Bereiche und sodann müsse er bei der Parkgestaltung den ganz verschiedenen Nutzungsinteressen der Bevölkerung Rechnung tragen. Vor allem aber obliege dem Grundstückseigner die Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht. Sprach’s und eilte in die Sitzung der „Projektbegleitenden Arbeitsgruppe“, an der wir aus terminlichen Gründen leider nicht teilnehmen konnten, auf deren Ergebnisse wir aber sehr gespannt sind… [Siehe auch hier den Beschluss der Initiativen-Plattform.]

Kahlschlag02

Kahlschlag

Nur noch soviel: Es ist wahrlich hohe Zeit und im wohlverstandenen Allgemeininteresse, von der rigiden Auslegung der Verkehrssicherungspflicht, wonach jeder Baum und jede Dornenhecke im Grunde eine Gefahr darstellt, abzurücken, wie es z. B. auch der Mitarbeiter des Natur- und Grünflächenamts Spandau, Klaus Koziolek, unlängst auf dem Berliner Baumforum unter dem Beifall der TagungsteilnehmerInnen anmahnte. (Siehe ebd. auch den erhellenden Beitrag von Georg Möller zur immensen Relevanz von Biotopholz für den Erhalt der Biodiversität!)

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