BaumschützerInnen-Info vom 10.11.08

Gibt es weitere realistische Sanierungsvarianten und wenn ja, welche?

Unter der Perspektive des Anforderungsprofils „schnell, dauerhaft und ohne <abbr title=“Planfeststellungsverfahren“>PFV</abbr>“ gibt es nach Einschätzung des WSA neben der Variante 1 (= Plass IV) keine anderen sinnvollen Möglichkeiten. Es trifft zu, dass jene bereits vor anderthalb Jahren von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) vorgeschlagen wurde, jedoch auch von den Plass-Ingenieuren (wie auch ihre anderen zehn Varianten, insofern sie nur in erster Annäherung den Bereich des Möglichen abbilden sollten) noch nicht statisch durchgerechnet worden seien. Nun aber sei ein weiterer Ingenieur, der für den in Rede stehenden Abschnitt eine statisch definierte Lösung zu entwickeln beauftragt wurde, unabhängig von den genannten Vorarbeiten wunderbarerweise zum gleichen Ergebnis gekommen.

Im Hinblick auf die an alle AK-Mitglieder gerichteten Fragen − Welches Präjudiz wird befürchtet bei einer jetzigen Entscheidung über eine 1:1-Sanierung des betreffenden Abschnitts am Maybachufer? Welche Belange/Interessen könnten so möglicherweise vorwegnehmend nicht berücksichtigt werden? − geben wir zu bedenken, dass die peinliche Vermeidung eines PFV nicht von vornherein das Spektrum denkbarer Lösungen einengen oder gar zu Denkverboten führen darf! Die BI ist nach wie vor der Meinung, dass durchaus auch im Fall dieses 90m-„Punkts“ idealiter von einer Bedarfsermittlung und der Entwicklung eines Nutzungskonzepts im Rahmen eines sozioökonomischen und stadtökologischen Gutachtens ausgegangen und auch im Zuge des beabsichtigten Interessenbekundungsverfahrens nach weiteren innovativen Techniken geforscht werden müsste. − Andererseits verschließt sie sich auch nicht den o. g. Argumenten, warum an dieser prioritären Stelle nur zwei längst auf dem Tisch liegende Verfahren − neben Plass IV auch [nach einer Anregung Frau Kleimeiers, s.u.] noch modifiziert Plass I − einer vertieften Prüfung unterzogen werden sollen, unterstützt also die Formulierung einer entsprechenden Beschlussvorlage für die Mediationsforumssitzung am 17.11. durch den AK Sanierung!

Wider das Drauflos-Flicken!

Doch verlangt sie im Gegenzug Garantien, dass nicht binnen kurzem an anderer Stelle, mit welchen Argumenten auch immer, eine besondere Dringlichkeit behauptet und abschnittsweise zu schnellen Dauerlösungen gedrängt wird, was ja nicht zuletzt auch nach Auffassung der Autoren des Großen Denkmalgutachtens von 1990 zu Stück- und Flickwerk führen muss, indem die Planung vom Detail ausgeht und dort verharrt, anstatt vom Detail aus- und über die Analyse des komplexen multifunktionalen Systems zum technischen Element zurückzugehen.

Wir brauchen dies nicht immer wieder mit dem Label Masterplan zu etikettieren, aber das Bekenntnis zu ganzheitlichen, nachhaltigen Lösungen von SenStadt, WSA, WSD und BMVBS läuft zusehends Gefahr, sich in den Augen der Öffentlichkeit als leeres Gerede und Augenwischerei zu entpuppen, als Versuch, kritisches bürgerschaftliches Engagement zu ködern, einzuhegen, zu korrumpieren und schließlich zu verschleißen. − Und um den immer gleichen Sachzwang- und Die-Kassen-sind-leer-Argumenten präventiv zu begegnen: Gerade in der heraufziehenden Depression sind auch in ökonomischer Hinsicht ökologisch anspruchsvolle Infrastrukturinvestitionen das Gebot der Stunde (Stichwort Green New Deal) [Vgl. auch einen Kommentar vom 8.11.08 (also Nr. 3).]

Wir wollen nicht das Denkmal schleifen, sondern seine Sanierung, Nutzungsmöglichkeiten und ökologischen Funktionspotentiale auf der Höhe der Zeit, im Geiste seines Schöpfers und im Interesse der zukünftigen Generationen gestalten! Und wenn es heißt, temporäre Zwischenlösungen (und zwar solange, bis eine Gesamtplanung die wirklich dauerhafte, weil stimmige Detailplanung möglich macht) seien rausgeworfenes Geld, so fragt sich eben, ob sich angesichts eines fehlenden Gesamtkonzepts nicht isoliertes Drauflos-Flicken mittelfristig als Geldverschwendung erweist, ebenso wie angesichts solchen, offenbar von vornherein intendierten 1:1-Reparierens mit Sicherheit gefragt werden wird, wozu denn dann überhaupt Steuermittel für die Ehrenrunde der Planung durch dieses umfängliche Mediationsverfahren aufgewendet werden mussten.

Zeichen von Flexibilität?

Wir glauben auch, auf Seiten des Denkmalschutzes Anzeichen von Flexibilität bemerkt zu haben, indem bspw. der Umbau vorhandener Treppen zu Anlegestellen für kleinere und vor allem niedrigere Wasserfahrzeuge als möglich bezeichnet wurde. wenn in einem Abwägungsprozess der Nutzungsvorteil einen Eingriff ins Bauwerk gerechtfertigt erscheinen lasse.

Reeder-Vertreter Freise wiederum stellte in Aussicht, die Uferböschung sowie die Auf- und Vorbauten sowohl barrierefrei und wasser- wie landseitig entsprechend den gewandelten Anforderungen als auch denkmalverträglicher zu gestalten − denn der jetzige Zustand mit eher hässlichen Schuppen, Stromverteilerkästen u. dgl. kann schwerlich denkmalgerecht* sein − und sprach sich gar für eine aufwendige, prototypische Gestaltung aus, natürlich alles unter Finanzierungsvorbehalt.

Wir wollen deshalb an dieser Stelle auch nicht verfehlen, Lutz Freise an seine freiwillig eingegangene Verpflichtung zu erinnern, sich als eines von zehn mittelständischen Berliner Unternehmen im Pilotprojekt Corporate Social Responsibility (CSR) zu engagieren [worüber wir schon an anderer Stelle berichteten], was hoffentlich nicht nur als Ethical Branding gedacht ist. Dabei soll’s nämlich um den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung gehen − über die gesetzlichen Forderungen hinaus.

Vorschlag Ursula Kleimeiers

In Erfüllung eines vom Arbeitkreis Sanierung den AnwohnerInnen aufgegebenen To-Do − Welche weiteren Belange spielen bei einer Entscheidung über eine Sanierung am Maybachufer eine wichtige Rolle? − (sozusagen einem ersten Schritt in die richtige Richtung), hatte Anwohnervertreterin und Architektin Ursula Kleimeier in der Umgebung des Riedel-Anlegers AnwohnerInnen und Ladeninhaber befragt [siehe hier] und u. a. erfahren, dass der Minimierung der Lärmbelastung hohe Bedeutung beigemessen wird.

Um nun die Baugrubenspundwand einzusparen und dadurch vor allem die Lärmemissionen um zehn Tage zu verkürzen, schlägt Frau Kleimeier eine Variante vor, die ähnlich Plass I in ca. 1,75m-Abstand eine Spundwand vorsetzt, diese aber im Unterschied zu Plass unter Wasser abschneidet, auf die Granitabdeckplatte verzichtet und den Zwischenraum mit Beton verfüllt. Die Reduzierung der Fahrrinnenbreite wäre unproblematisch, da einerseits der Schiffsverkehr bereits jetzt durch Dalben auf Abstand von der Uferwand gehalten wird, und andererseits über Wasser nicht sichtbar, so dass die ursprüngliche Wasserspiegelbreite erhalten und das Erscheinungsbild des Bauwerks unbeeinträchtigt bliebe.

Ob die Wahl dieser Variante jedoch, wie verschiedentlich behauptet, ein PFV erforderlich machen würde, muss von der Planfeststellungsbehörde in Magdeburg nochmals erfragt werden.


* Klaus Lingenauber, einmal dazu befragt, wie er derlei dulden oder gar genehmigen könne, meinte, das entstünde so schnell, da käme man unmöglich hinterher, während Frau Kayser auf den Einwand, unseres Wissens stehe doch das technische Bauwerk zusammen mit Böschungsgestaltung und -aufbauten, markanter Vegetation etc. als komplexes Ensemble unter Denkmalschutz, auf die Unterscheidung zwischen Denkmal- und Umgebungsdenkmalschutz verwies: bei diesem änderten sich die gesetzlichen Bestimmung ständig.

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