Frühstücksperversionen

ARD-Moderatorin steht auf Minierraupen

Das ARD-Morgenmagazin lieferte am 4. September kurz nach 8 ein besonders unappetitliches Beispiel flapsiger Geschmacklosigkeit und öffentlich-rechtlicher Unbedarftheit angesichts der erheblichen Gefährdung einer heimischen Baumart, nämlich unserer Rosskastanie durch die Miniermotte.

Reporter mit geschädigtem Blatt

ARD-Reporter mit geschädigtem Kastanienblatt

Den lobenswerten, wenn auch allzu oberflächlich geratenen Versuch des Reporters vor Ort, mit einem mottenbefallenen Kastanienblatt in der Hand das Thema ernsthaft anzugehen und die Schädigung der Bäume, den Lebenszyklus der Miniermotte und Möglichkeiten der Abhilfe zu schildern, konterkarierte Moderatorin Anne Gesthuysen im Studio, indem sie das Gesehene offenbar optisch reizvoll fand − „sieht gut aus von hier“ − und unter dümmlichem Feixen ihr Faible für den Indian Summer, also die herbstliche Rotfärbung der Blätter, im Kölner Stadtwald gestand, was sie „möglicherweise die Minierraupe lieb gewinnen“ lasse.

Abgesehen davon, dass raupenzerfressene Kastanienblätter höchst jämmerlich aussehen, so gar keine Indian-Summer-Impressionen zu wecken vermögen und die Sprüche der Dame schon den Kollegen desavouierten, der sich, sichtlich irritiert, auch sogleich verwahrte und in seinem Fall eine Minierraupen-Liebe kategorisch ausschloss, müssen sich durch diese geistfreie Abmoderation zahllose engagierte BürgerInnen verhohnepiepelt fühlen, die alljährlich nicht nur im eigenen Garten, sondern in ehrenamtlichem Einsatz auch unter den Rosskastanien im Park und auf öffentlichem Straßenland das kontaminierte Laub beseitigen, da dies erfahrungsgemäß durch Stadtreinigung und Grünflächenämter nur unzureichend geschieht. Und schon bald, nämlich im Oktober/November, ist die Zeit ja wieder herangerückt, wo solcher Einsatz dringend notwendig wird!

Der Motivation für diese freiwillige Mithilfe und Anstrengung, ihrer öffentlichen Anerkennung sowie dem allgemeinen Problembewusstsein in punkto Miniermotte und Baumschutz überhaupt hat die ARD somit am Donnerstag gleich zum Frühstück wohl einigen Schaden zugefügt − buchstäblich aus Gedankenlosigkeit, wollen wir gerne annehmen.

Anne Gesthuysen

Raupenfreundin Anne Gesthuysen

Nach unserer Auffassung aber ist es nunmehr Pflicht und Schuldigkeit des Senders, sich für diese Entgleisung seiner Mitarbeiterin zu entschuldigen, die Problematik noch einmal angemessener darzustellen (z. B. dass die Bäume keineswegs mal eben Blätter „nachschieben“ können und es auch nicht damit getan ist, das gesammelte Laub in die nächste Mülltonne zu stopfen), also etwa das einschlägige Video des Pflanzenschutzamtes Berlin zu zeigen (siehe auch unsere Beiträge hier und hier), vor allem aber die Gelegenheit wahrzunehmen, Ehrenamtliche selber zu Wort kommen zu lassen, die sich im Kölner Raum oder anderswo beim Zurückdrängen der Miniermotte engagieren, und ihnen wie den ZuschauerInnen damit zu demonstrieren, dass ihr alljährlicher Einsatz als Beispiel praktischen Naturschutzes auch von der ARD hochgeschätzt und nicht etwa belächelt oder gar dem Gespött preisgegeben wird.

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