BaumschützerInnen-Info vom 02.09.08

Öffentliche Debatte um die Zukunft des Kanals

Schon die Podiumsdiskussion am 13. September im Umspannwerk, wenn VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft, Umweltschutzverbänden und Zivilgesellschaft im Rahmen des vom Verein Bäume am LWK e. V. veranstalteten „Großen Tag des Landwehrkanals“ über dessen Zukunft debattieren, wird allerdings Gelegenheit bieten, die Katze bezüglich Masterplan schon mal aus dem Sack zu lassen, denn die Frage der Notwendigkeit einer integrierten Gesamtplanung wird natürlich auch hier thematisiert:

Spreeathen (by Marcella)

Spreeathen (by Marcella)

Sollen bei der notwendigen Sanierung des LWK alle Aspekte von der Freizeit- und Erholungsnutzung bis zu Stadtökologie und -naturschutz berücksichtigt werden, oder ist es im Bewusstsein all der Versäumnisse der letzten Jahrzehnte dennoch zu verantworten, sich lediglich auf die denkmalgerechte Reparatur der von der Fahrgastschifffahrt beschädigten Uferbefestigung zu beschränken und den Kanal für ebendiesen fossil betriebenen, so überdimensionierten wie antiquierten Schiffsverkehr auf Vordermann zu bringen, damit dieser ihn künftig wieder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und in beiden Richtungen als Wasserautobahn nutzen und womöglich erneut zuschanden fahren kann?

Die öffentliche Aufmerksamkeit und das mediale Echo, die der leidenschaftliche Widerstand gegen die vom WSA beabsichtigte Massenfällung des gesamten ufernahen Baumbestands im letzten Jahr über Wochen und Monate hervorrief, konnten die seit letzten Oktober andauernden Mediationsverhandlungen zwischen den beteiligten Institutionen und Interessengruppen naturgemäß nicht erringen.

Dass im kommenden Winter endlich die monströsen Betonklötze an den 22 angeblich durch sie gesicherten Bäumen an Kanalufern in Kreuzberg und Mitte verschwinden können, indem Stahlspundwände vor den abrutschgefährdeten Ufermauern in die Kanalsohle gepresst werden, wurde zwar hie und da gemeldet [vgl. auch unsere Presseschau links unter den Links], doch dass es sich dabei nur um temporäre Maßnahmen handelt, hinsichtlich der dauerhaften aber nach wie vor alles offen ist und eine weit blickende Planung noch aussteht, taugt nur im Ausnahmefall zur Nachricht.

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8 Kommentare

  1. Gast said,

    3. September, 2008 um 17:27

    Liebe Facharbeiter für falschen Alarm … es sollten letztes Jahr etwa 30 Bäume gefällt werden, wenn ich mich richtig erinnere. Aber nicht jedoch „… Massenfällung des gesamten ufernahen Baumbestands …“. Wie viele Bäume stehen am Ufer des Kanals? 3000?

    Wer ernst genommen werden will, sollte sich nicht In Blöd-Zeitungs-Manier artikulieren. Gute Besserung!

  2. BaL said,

    3. September, 2008 um 19:36

    Na, da scheint bei unserem Gast doch ein gewisses Informationsdefizit vorzuliegen.

    Nach dem Schadensereignis am Riedel-Anleger wurde zunächst die Zahl von 200 zu fällenden Altbäumen in den medialen Raum geworfen (siehe z. B. hier und in zahllosen anderen Presseartikeln), dann plante das WSA in Gestalt von Herrn Brockelmann, damals Amtsleiter, und insbesondere Frau Bodsch (die weiland zuständige Sachbereichsleiterin, nunmehr Amtsleiterin in Aschaffenburg) in der Tat die Fällung von allen Bäumen im 3 Meter-Abstand von der Ufermauer. Dies wären ca. 2000 Stück gewesen (BI-Mitglieder haben sich seinerzeit sogar der Mühe unterzogen, sie zu zählen und ihre Art zu bestimmen). Angesichts der massiven Proteste wurde die Zahl der Fällkandidaten dann sukzessive verringert, zuletzt auf 41, und von diesen wiederum wurden schließlich 38 gefällt.

    Dies ist alles nachzulesen in unserem Pressespiegel sowie in unserer Chronik auf baeume-am-landwehrkanal.de, bleibt aber auch eigener ernsthafter Recherche nicht verborgen, denn: das Netz vergisst nichts.

  3. Gast said,

    4. September, 2008 um 17:20

    Das Netz vergisst also nichts … Nun Google-Web, Google-News oder Google-Newsarchiv werfen keinen Eintrag aus, in dem behördenseits das Vorhaben oder die Planung der Fällung von 2000 Bäumen die Rede ist. So auch Ihr Archiv oder Chronik. Ich gebe aber zu nicht jeden Link da angeklickt zu haben.

    Dass im Zusammenhang mit einer eventuellen Sanierung des gesamten Kanals am Sankt-Nimmerleins-Tag damit zu rechnen ist, in einem Streifen zu fällen, wird in – ich bleibe dabei – Blöd-Zeitungs-Manier hier von Ihnen dazu umgedichtet – sollte ich besser sagen verkauft?, das Amt hätte letztes Jahr vorgehabt, 2000 Bäume zu fällen. Das ist Facharbeit für falschen Alarm. Auf Besserung hoffe ich zwar nicht mehr, wünsche sie Ihnen aber trotzdem.

    Ihr Auftreten hier, aber auch und gerade im Zusammenhang mit dem Luisenstädtischen Grünzug, stösst nicht nur mir übel auf. Gibt es eigentlich eine Schätzung, wie viel Steuergelder in den Debattierklubs (Mediation, Infoveranstaltungen, Workshops …) auf Ihre Veranlassung bisher verbraten wurden?!

  4. BaL said,

    4. September, 2008 um 21:20

    Liebe(r) Herr/Frau Gast,

    wer sich hier welcher Manier befleißigt, mal dahingestellt, aber wir erlauben uns den Hinweis, dass Sie von „etwa 30 Bäumen“ sprachen, die letztes Jahr gefällt werden sollten, weshalb wir uns angeblich – um Ihren originellen Vergleich totzureiten – „in Blöd-Zeitungs-Manier artikulieren“, wenn wir von „geplanter Massenfällung des gesamten ufernahen Baumbestands“ schreiben. Tatsache ist aber – und darauf bezog sich unsere Recherche-Empfehlung zur Schließung Ihrer Erinnerungslücken – dass die Fällung von 200 Bäumen geplant war (wobei uns der Ausdruck „Massenfällung“ schon bei dieser Zahl durchaus angebracht scheint), dass 38 Bäume tatsächlich gefällt worden sind (was Ihnen offenbar entgangen bzw. wurscht ist), aber darüber hinaus, wie gesagt, von den Verantwortlichen im letzten Sommer wiederholt und vor vielen Zeugen die Notwendigkeit behauptet wurde, den gesamten Baumbestand innerhalb eines drei Meter breiten Streifens entlang beider Kanalufer zu fällen. (Wenn Sie z. B. „Fällung Landwehrkanal“ googeln, werden sie schon beim 4. Eintrag fündig: ein SPD-Blog notabene. – Die Zahl von 2000, so konnten Sie bei uns lesen, ermittelte die BI – übrigens nicht auf Spaziergängen.) Dass derlei Massenfällung gängige Praxis bei der WSV ist, demonstrieren z. B. lange Uferstrecken an Oder-Spree-/ und Oder-Havel-Kanal, die in jüngster Zeit großflächig ratzekahl geschlagen wurden.

    Was nun unser „Auftreten…gerade im Zusammenhang mit dem Luisenstädtischen Grünzug“ betrifft, sind folgende Ausführungen vielleicht von allgemeinerem Interesse und deshalb etwas ausführlicher:

    Es stieß nämlich beileibe nicht nur uns, sondern bekanntlich der überwiegenden Mehrheit einer gut besuchten BürgerInnenversammlung im Frühling übel auf, dass das Bezirksamt F’hain-Xberg – da nun mal Mittel aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zur Verfügung standen, für die ein Projekt gefunden werden musste – im Verein mit einigen besonders geschichtsbewussten BürgerInnen und dem Leiter der Gartendenkmalpflege auf den Gedanken verfiel, diese Steuergelder (zunächst 600.000 Euro) ausgerechnet zur „denkmalgerechten Rekonstruktion“ einer Gestaltung zu verbuddeln, die schon ihren ursprünglichen Planer, Erwin Barth, in der Umsetzung missraten dünkte -, dafür aber kurzerhand einen unter BürgerInnenbeteiligung in den 1980er Jahren geschaffenen Grünzug mit seinem Baum- und Strauchbestand, mitsamt seinem Charakter weitestgehend zu opfern. – Die 11 (elf) Pappeln an der Waldemarbrücke konnten wir (vorerst) vor der Kettensäge retten und dadurch die Ausführung der aufoktroyierten Planung stoppen.

    Dass bei jener Planung die BürgerInnenbeteiligung suboptimal und vor allem die notwendige öffentliche Leitbilddebatte (z.B. Denkmal- vs. Naturschutz) unterblieben war, hat dann Bürgermeister Schulz (Grüne) höchstselbst eingeräumt, weswegen zum Behuf, das Versäumte nachzuholen, eine Arbeitsgruppe aus Amts- und BürgervertreterInnen gebildet wurde. – Leider fanden die Verhandlungen nicht auf Augenhöhe statt, und als zuletzt auch noch die vereinbarte Zielstellung: Vorbereitung einer weiteren BürgerInnenversammlung mit Debatte/Entscheidung über das der Sanierungsplanung zugrunde zu legende Leitbild, einseitig und ohne jede Absprache gekippt wurde zugunsten der Veranstaltung einer „Wünsch-dir-was“-Planungswerkstatt [am 20. September ab 12 Uhr auf dem Oranienplatz], verließ die BI BÄUME FÜR KREUZBERG besagte Arbeitsgruppe und wird die BürgerInnen künftig verstärkt darüber aufklären, dass die Steuergelder aus besagtem Förderprogramm, wenn sie für den Luisenstädtischen Grünzug verwandt werden, nur zu seiner Verschlimmbesserung und zur Vernichtung wertvoller Stadtnatur führen, also verschwendet werden, indem die Denkmalpfleger jede neue Planung nur dann befürworten, wenn sie gemessen an der alten für „denkmalgerecht“ befunden wird, so dass auch BürgerInnenwünsche leider nur insoweit berücksichtigt werden können, als sie mit dem zu rekonstruierenden Gartendenkmal kompatibel sind. Die BürgerInnenbeteiligung gerät damit einmal mehr zur Farce!

    Dies zur Verschwendung von Steuergeldern. (Der ökologische Wert eines Altbaumes im urbanen Raum ist heutigentags kaum zureichend quantifizierbar.) – Die Mediation zur Zukunft des Landwehrkanals mag in absoluten Zahlen kostspielig scheinen, aber die Chance eines derartigen Forums aus 25 involvierten Behörden verschiedener Verwaltungsebenen sowie unterschiedlichen Interessengruppen, zu gemeinsamen Beschlüssen zu kommen, wäre auf anderen Wegen nur ungleich zeit- und kostenaufwendiger, wenn überhaupt zu erreichen. – Dass im Übrigen BürgerInnenbeteiligung und überhaupt Demokratie nicht zum Nulltarif zu haben ist, mag man beklagen, aber in Zeiten einer gigantischen Umverteilung von unten nach oben und einer durch zügellose Spekulation losgetretenen Finanzkrise hat diese Klage einen besonders schalen Beigeschmack.

    Und zum Schluss: Die Tausende Stunden bürgerschaftlichen Engagements, für die BI- und Anwohner-VertreterInnen ihre Freizeit opfern bzw. als Freiberufler sogar Einkommensausfälle in Kauf nehmen, gibt’s für die Allgemeinheit gratis.

  5. Oliver Ginsberg said,

    4. September, 2008 um 23:01

    Die Steuerverschwender sitzen woanders.

    Eben ist man in Berlin dabei, für über 400 Mio € eine ca. 3 km Autobahntrasse durch den Südosten der Stadt zu schlagen, deren Sinnhaftigkeit nicht nur angesichts mittel- bis langfristig weiter stark steigender Benzinpreise bezweifelt werden kann. 317 Mio € sollen für eine weitere und ebenso wenig notwendige neue S-Bahntrasse (zweite Nord-Südverbindung über den Hauptbahnhof) ausgegeben werden. Das summiert sich zu mehr als den fünffachen Kosten, als bisher für die Sanierung des Landwehrkanals veranschlagt werden, und letzterer hat für Berliner/innen und Berlinbesucher/innen weit größere Bedeutung.

    Was für die Mediation ausgegeben wurde ist bist dato unbekannt, dürfte aber angesichts der Zukunftsaufgabe, die hier thematisert wird, absolut vernachlässigbar sein. Außer ein paar belegten Brötchen, etwas Obst und Getränken wurde den Beteiligten der Bürgerinitiative meines Wissens auch keine Aufwandsentschädigung geschweigen den Einkommensausfall zuteil.

    Allerdings stimmt, dass das Mediationsverfahren über die ganzen Monate bisher keine Ergebnisse hervorgebracht hat, die einer wirklichen Lösung der Sanierungsfrage auch nur entfernt ähnlich sehen. Das liegt einerseits daran, dass es für Behördenvertreter/innen keinen wirklichen Anreiz gibt, dieses Verfahren effizient zu gestalten, zu einem großen Teil an der Dauerblockadehaltung der Reeder, die meinen, sie könnten in der bisherigen kanalbauwerk- und umweltschädlichen Art und Weise weitere 30 oder 50 Jahre den Kanal allein für sich in Anspruch nehmen, und nicht zuletzt an der gelegentlichen Überforderung der Mediatoren. Irreführend und wenig erhellend ist der überwiegende Teil der bisherigen sensationsheischenden und verzerrten Presseberichterstattung, über die sich der Gast offensichtlich ebenfalls (des)informiert hat. Gegen schlecht Presse hilft nur direkte Kommunikation. Dazu besteht zur Zeit jeden abend ab 18 Uhr auf der Admiralbrücke Gelegenheit.

  6. Gast said,

    6. September, 2008 um 20:56

    Zu meinem Ausgangspunkt: Herr/Frau Schreiber hinter BaL … auch Ihr neuerlicher Link (SPD-Blog, Link leider kaputt) vermag nicht zu belegen, das WSA hätte vorgehabt 2000 Bäume am Landwehrkanal im letzten Jahr zu fällen.

    Ist es so schwer zuzugeben, dass dies eine Falschmeldung Ihrerseits ist? Muss man stattdessen pubertär im Kreis argumentieren, Verweise auf Chinesische Autobahnbauten mit Baumfällungen bringen, um davon abzulenken?! Ach nein, das war nun meinerseits präpotent. Aber von welchen Fällungen am Oder-Havel-Kanal reden Sie denn eigentlich? Mein Google vermag mir da nicht weiterzuhelfen …

    Höchst gespannt auf weitere Belege Ihrerseits wartend … 😉

  7. 8. September, 2008 um 0:33

    Das WSA wollte letztes Jahr Bäume fällen. Das WSA nannte zunächst eine Zahl von „… 200…“.

    In den weiteren Diskussionen um die anstehende Sanierung und Gefahrenabwehr am Kanal kam es tatsächlich zu der Aussage „…. dass möglicherweise …. alle Bäume die bis zu 3 Meter zur Uferkante stehen…. gefällt werden müssten“.

    Ob das nun via Google zu finden ist oder nicht, diese Aussage gab es wirklich.

    Übrigens ganz nebenbei (ohne dass das eine Ablenkung sein soll):
    Bitte nicht Google über alles stellen. Nur weil bei Google etwas nicht
    gefunden wird, heißt das noch lange nicht, dass es das nicht gibt!
    (Remember: Von wegen „Blöd-Zeitung“ und so).

    … soweit, just die 2 Cent vom ollen Micha.

    Nachtrag:
    Der „Gast“ wäre gerne am 13.09., ab 19:00 Uhr im Umspannwerk, Ohlauerstrasse (Berlin) gesehen – dort könnte man und frau das Thema noch ausweiten 😉


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