Baumgutachter Dengler verlangt Widerruf

Gestern (10. Juli) erreichte uns über Umwege eine Mail des Baumgutachters Roland Dengler [er hat sich, wie wir heute erfahren, auch postalisch an den Verein Bäume am Landwehrkanal e.V. gewandt, doch hier wäre natürlich die BI Bäume für Kreuzberg die korrekte Adressatin gewesen (d. R.)], in der er uns ultimativ auffordert, unsere Behauptung, das Kreuzberger Amt für Umwelt und Natur (AUN) habe sich von seinem Gutachten zu den Pappeln an der Waldemarbrücke mehrfach distanziert, als unwahr zu widerrufen, andernfalls er wegen Rufschädigung rechtliche Schritte gegen uns ergreifen werde.

Die inkriminierte Behauptung hatten wir während einer Sitzung des Pankower Umweltausschusses am 29. Mai ’08 getan sowie in dem darüber berichtenden Blog-Beitrag Showdown im Pankower Umweltausschuss am 4. Juni wiederholt. Der Leiter des Friedrichshain-Kreuzberger AUN, Hilmar Schädel, hat dem Baumgutachter inzwischen brieflich versichert, dass weder politisch Verantwortliche noch Amtsmitarbeiter sich von seinem Gutachten zu den Pappeln des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals jemals distanziert hätten und deswegen die Behauptung in unserem Blog für „schlicht unwahr“ erklärt. Dieses Schreiben war der Mail angehängt.

Stellungnahme der Redakteurs

In der Tat habe ich auf der genannten Sitzung des Umweltausschusses in Pankow am 29.5.08 behauptet, dass sich das AUN Kreuzberg öffentlich wiederholt von dem Gutachten Denglers zu den Pappeln an der Waldemarbrücke in Kreuzberg distanzierte, und muss diese Aussage nun dahingehend präzisieren, dass sich Baustadträtin Jutta Kalpeky vom genannten Gutachten mehrfach distanziert hat. Für einen Widerruf meiner Behauptung sehe ich hingegen keine Veranlassung.

Pappeln an der Waldemarbrücke

Pappeln an der Waldemarbrücke

Als nämlich die elf Pappeln an der Waldemarbrücke im Februar dieses Jahres gefällt werden sollten, geschah es mit Hinweis auf ein Gutachten Herrn Denglers, das ihre mangelnde Standsicherheit konstatiert und ihre Fällung wegen Verkehrsgefährdung angeraten habe. Mitglieder der BI Bäume für Kreuzberg verlangten daraufhin unverzüglich Akteneinsicht nach UIG und stießen tatsächlich auf das besagte Gutachten, das in Bezug auf die betreffenden Pappeln jedoch nur sehr oberflächlichen Charakter hatte und lediglich nach Augenschein behauptete, der HD-Koeffizient dieser Bäume sei so ungünstig, dass sie bei Sturmereignissen brechen könnten, weshalb die komplette Fällung der Pappelgruppe ratsam sei. − Das Gutachten liegt uns leider nicht vor, denn Kopien anzufertigen ist im Rahmen einer solchen Akteneinsicht nicht gestattet. Es veranlasste jedenfalls die BI, auf eigene Kosten ein Gegengutachten in Auftrag zu geben.

BI und AnwohnerInnen verhinderten am 3. März bekanntlich die Fällung, und die elf Bäume überstanden z. B. den Sturm „Emma“ unbeschadet (im Unterschied zu vielen anderen für standsicher erachteten Bäumen im Stadtgebiet).

Bei mindestens zwei Gelegenheiten, nämlich bei einer Fraktionssitzung der Grünen im Rathaus Kreuzberg am 31. März und auf der großen BürgerInnenversammlung zur Sanierung des Luisenstädtischen Grünzugs am 21. April im Alevitischen Kulturzentrum, erklärte Frau Kalepky, auf die „Windigkeit“ des Dengler-Gutachtens und die Haltlosigkeit seiner Schlussfolgerungen angesprochen: „Das war ja gar kein Gutachten…“ Bei der geplanten Fällung der Pappeln hätten baumgutachterliche Zweifel an ihrer Standsicherheit auch nie eine Rolle gespielt. − Diese Äußerungen können eine ganze Reihe von BürgerInnen bestätigen.

Im Anschluss an jene Sitzung des Pankower Umweltausschusses erklärte übrigens Baumgutachter Dengler auf die Frage, warum er in seinem „Gutachten“ auf Fällung gedrungen und nicht im Interesse des Baumerhalts bspw. eine Einkürzung empfohlen habe, sinngemäß, er habe ästhetische Vorbehalte gegen die dadurch entstehenden „Klobürsten“. − Auch hierfür gibt es selbstverständlich ZeugInnen.

Mit baumfreundlichen Grüßen,
Achim Appel

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1 Kommentar

  1. Oliver Ginsberg said,

    16. Juli, 2008 um 18:50

    Es ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass die kritischen Äußerungen von Seiten der Bürgerinitiative mit Androhung von juristischen Schritten belegt werden. Der Volksmund sagt dazu: „Getroffene Hunde bellen!“.

    Die Distanzierung von einem baumfeindlichen Gutachten, insofern, als auch von Bezirksamtsseite bezweifelt wurde, dass die Empfehlung zur Fällung einiger Bäume gerechtfertigt war, ist einerseits Fakt, der von etlichen Beteiligten und Anwohner/innen notfals auch vor Gericht bestätigt werden kann – völlig unabhängig davon, was ein Mitarbeiter des Bezirksamtes im Nachhinein behauptet.

    Andererseits fragt man sich, warum eine solche eher harmlose Feststellung gleich dermaßen heftig attackiert wird? Herr Dengler hätte besser das Gespräch mit der Initiative gesucht und seine Sichtweise vermittelt, anstatt gleich nach der juristischen Keule zu greifen. So reagieren nicht Menschen, die gewohnt sind, professionell und mit Augenmaß zu agieren. Die juristische Attacke kommt eher einer professionellen Selbstdemontage gleich.

    Die Menschen in unserer Stadt sind zwischenzeitlich sehr sensibilisiert von einseitig interessegesteuerten Gutachten – insbesondere, wenn es um Baumfällungen geht. Gutachter, die mehr den Zielvorstellungen der Auftraggeber als dem neutralen und sachlich begründeten Erkenntnisinteresse verpflichtet sind, werden zu Recht mit öffentlicher Missachtung bestraft.


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