BürgerInneninitiative Bäume für Kreuzberg

Bekanntmachung der Bäume für Kreuzberg!

Die BI trifft sich fortan nicht mehr montags und donnerstags bei den Pappeln. Dafür gibt es am Sonntag, 29. Juni, von 17 bis 19 Uhr erstmals unseren Infostand am Drachenbrunnen auf dem Oranienplatz, den wir von nun an regelmäßig einige Stunden am Wochenende dort aufbauen, später dann auch an anderen Stellen entlang des Grünzuges.
Infostand DrachenbrunnenAlso kommt vorbei und informiert Euch über den Stand der Dinge, macht Vorschläge, übt Kritik, gebt uns Anregungen, beteiligt Euch an der Planung und Gestaltung Eures Grünzugs, denn er gehört zu Eurem persönlichen Wohnumfeld, ist das Naherholungsgebiet vor Eurer Haustür!
Wir sehn uns!

Nächste BürgerInnenversammlung erst nach der Sommerpause!
Die zweite BürgerInnenversammlung wurde einvernehmlich auf nach der Sommerpause verschoben und soll im September nur der Information über die verschiedenen Leitbild-Entwürfe dienen. Ca. drei Wochen später dann soll auf einer dritten Bürgerinnenversammlung im Oktober ein Konsens oder eine Entscheidung darüber erzielt werden, nach welchem Leitbild sich die konkrete, abschnittsweise Planung zu orientieren hat.

BaumschützerInnen-Info vom 13.06.08

Baumgutachter Barsig vom WSA mit der baumsachverständigen Aufsicht betraut

Um dafür Sorge zu tragen, dass der Baumbestand am Corneliusufer in Mitte und am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg in bestmöglicher Weise geschont und geschützt werde, wenn in Vorbereitung der kommenden Herbst geplanten Spundwand-Einpressung im Bereich der betongesicherten Bäume in Kürze die Kampfmittelsondierung und -räumung1 erfolgt − vor allem aber während der Phase der eigentlichen Einpressung der sechs Meter langen Stahlbohlen −, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) nunmehr den renommierten Baumexperten, Dr. Michael Barsig, offiziell beauftragt. Bei der Durchführung beider Maßnahmen ist er im Interesse des optimalen Baumschutzes der gleichfalls beauftragten Gartenbaufirma gegenüber weisungsbefugt.

Dr. Barsig, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Statik und Verkehrssicherheit von Bäumen sowie für Baumpflege, ein neutraler, von BaumschützerInnen berlinweit geschätzter Gutachter, der stets baumfreundlich und, wenn irgend vertretbar, im Interesse des Baumerhalts urteilt, steht auf Grundlage eines regulären Beratervertrags schon seit geraumer Zeit den Bäumen am Landwehrkanal fachlich zur Seite. Auch für andere Berliner Baumschutzinitiativen von Pankow über Kreuzberg bis Köpenick hat er fundierte Fachgutachten erstellt, die in vielen Fällen bereits todgeweihte Bäume retten konnten. Wo nicht, wie jüngst im Gleimviertel, handelte es sich zumeist um „politische“ Fällungen.

Von dreien dem WSA seitens der BügervertreterInnen vorgeschlagenen Sachverständigen ihres Vertrauens hatte Barsig schließlich den Zuschlag erhalten. Alles scheint jetzt von der Kooperationsbereitschaft der verantwortlichen BezirksvertreterInnen abzuhängen, von denen einige offenbar die Bäume als ihrer alleinigen Verfügungsgewalt unterliegend betrachten, BürgerInnenbeteiligung als nervende Einmischung in ihren Amtsbereich empfinden und allenfalls einen engen Rahmen abzustecken bereit sind, worin der bestellte Baumsachverständige, dessen Bestallung sie unverhohlen missbilligen, agieren darf.

Gerettete Linde am Tempelhofer UferWie berichtet, hatten sich die AnwohnervertreterInnen sowie BI und Verein Bäume am Landwehrkanal mit der Einpressung von Stahlspundwänden einverstanden erklärt, weil dadurch endlich die berühmt-berüchtigten Brockelmannschen Würfel verschwinden können, doch wegen der langen Lieferfristen der Spezialbohlen (Z-Profil) sowie der zeitaufwendigen Ausschreibungsregularien ist damit leider vor November nicht mehr zu rechnen.

Viel zu spät wird übrigens die fachlich von Anbeginn höchst zweifelhafte und gegenwärtig, da die Wachstumsperiode längst begonnen hat, besonders schädigende monströse Anbindung der betreffenden Bäume durch Anlegung einer elastischen, entsprechend dem Dickenwachstum nachjustierbaren Manschette unter die Spanngurte „baumfreundlich“ modifiziert, was eigentlich längst hätte geschehen müssen und tatsächlich auch schon für Mitte Mai geplant gewesen war.

———————————————————
1Die Arbeiten, ursprünglich auf den 5.6. terminiert und schon zum zweiten Mal verschoben, sollen jetzt am 23.6. beginnen.

BürgerInneninitiative Bäume für Kreuzberg

Zur Zukunft des ehem. Luisenstädtischen Kanals — Leitbild-Entwurf der BI Bäume für Kreuzberg

Vorbemerkung

Angesichts der Vorgeschichte, als eine ohne ausreichende BürgerInnenbeteiligung und überhaupt ohne Leitbild-Diskussion zustande gekommene, denkmallastige Planung dirigistisch durchgesetzt werden sollte und erst im allerletzten Moment durch beherzten BürgerInneneinsatz gestoppt werden konnte, verstehen wir unsere derzeitige Aufgabe zunächst nur in der groben Skizzierung der davon diametral abweichenden Richtung, in die sich nach unserer Auffassung die Sanierung des Kreuzberger Abschnitts des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals (ELK) mit Blick auf Erholungsbedürfnisse, Lebensqualität und Stadtnaturschutz bewegen sollte.

Unserer Meinung nach kann ein Leitbild ohnehin nur dann eine Maßnahme leiten, wenn es von Details absieht und eine allgemeine Richtung vorgibt, für den gesamten Prozess verbindlich und nicht umkehrbar ist. Dazu ist es notwendig, die verschiedenen konkurrierenden Leitbilder einfach, unmissverständlich und grob zu halten, sie öffentlich zur Diskussion zu stellen und in einem demokratischen Prozess zu einer klaren Entscheidung darüber zu gelangen, an welchem allgemeinen Leitbild sich die künftigen Einzelplanungen orientieren sollen.

Im Folgenden geht es um unsere Essentials einer solchen allgemeinen Orientierung, bevor dann abschnittweise inhaltlich analysiert werden muss, wie sie jeweils konkret angewendet und ausgestaltet werden kann.

Hauptaspekte

  1. Naturschutz und Nutzungsqualität statt Denkmal-Rekonstruktion!
    Bei der Sanierung des ELK haben wir uns zunächst und vor allem am Vorhandenen, am Bestand zu orientieren, der auf einer Planung der 1980er Jahre beruht und unter reger Anteilnahme der Anwohnerschaft gestaltet wurde. Ohne dass ihr Charakter verändert wird, gilt es, diese Grünanlage behutsam weiterzuentwickeln und aufzuwerten, und zwar im Hinblick auf Verbesserung

    • der Naturaustattung (Entwicklung und Stärkung des Biotop-Potentials als Habitat sowie Wander- und Ausbreitungskorridor für eine möglichst hohe Artenvielfalt durch standort- und florengerechte Nachpflanzung und Sicherstellung fachkundiger Pflege)
    • des Spiel- und Naturerlebnisraums (nicht zuletzt im Hinblick auf Umweltbildung)
    • der Erholungs- und Aufenthaltsqualität (z. B. durch Bänke, Liegewiesen, Schattenplätze, funktionierende Brunnen/Wasserläufe)
    • der (barrierefreien) Spazier- und Flanierqualität vom Engelbecken bis zum Urbanhafen
    • der Wahrnehmbarkeit dieses historischen Beispiels Gestalt gewordener BürgerInnenbeteiligung im Kreuzberg der 1980er Jahre
    • einer punktuellen Wahrnehmbarkeit materieller Relikte tiefer liegender Zeitschichten (Lenné, Barth/Kloss, III. Reich, Teilung und ihre Überwindung…)
  2. Pflegen statt Tieferlegen!
    Einer gartendenkmalpflegerischen Rekonstruktion welcher Zeitschicht auch immer darf die bereits vorhandene Naturausstattung und ihre Entwicklungspotentiale, die bestehende Gestaltung (etwa die geschwungene Wegeführung) und die gegebene Nutzungsqualität keinesfalls geopfert werden! — Deshalb und auch aus Kostengründen (s.u.) lehnen wir eine Tieferlegung des Grünzugs grundsätzlich ab!
  3. Wenn schon ein Denkmal auf Kreuzberger Seite, dann die unter BürgerInnenbeteiligung entstandene Gestaltung der 1980er Jahre!
    Würdig für Denkmalschutz und -pflege im Kreuzberger Abschnitt ist vor allem die aus den 1980er Jahren überkommene Gestaltung des Grünzugs, insofern sie unter beispielhafter BürgerInnenbeteiligung umgesetzt wurde: Sie ist unser lebendiges Gartendenkmal!
  4. Keine Vergeudung öffentlicher Mittel für eine unzeitgemäße, unnötige und nutzerInnenunfreundliche Baumaßnahme!
    Ein grundlegendes Kriterium unseres Leitbilds ist der Kosten/Nutzen-Aspekt. Die BürgerInnen dürfen erwarten, dass ihre Steuergelder (und darum handelt es sich) so eingesetzt werden, dass auf globale Schicksalsfragen wie Erderwärmung und Artensterben lokal angemessen reagiert wird. Daher ist es weder effizient noch nachhaltig, über eine vorhandene Grünanlage, die obendrein von Seiten der verantwortlichen Verwaltung systematisch in Pflege und Unterhaltung vernachlässigt wurde, in einem Prozess kreativer Zerstörung mehrere Millionen Euro auszuschütten, nur um in einigen Jahren wieder eine Grünanlage vorzufinden, deren Gestalt sich gewandelt hat.
    Diese Form öffentlich zur Schau gestellter Verschwendung wäre angesichts der Haushaltslage einerseits, der vielen drängenden Probleme andererseits ein Skandal!Dem Kosten/Nutzen-Kriterium gemäß wird hingegen eine behutsame Weiterentwicklung in der oben beschriebenen Weise nur einen Bruchteil an Kosten verursachen, verglichen mit den bisherigen, inzwischen offiziell zurückgezogenen Planungskonzepten und den für die dort beschriebenen Maßnahmen bereits bewilligten Geldern.
    Die dadurch freigewordenen finanziellen Mittel aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ sollten besser im Sinne des Klimaschutzes für die energieeffiziente Sanierung denkmalgeschützter öffentlicher Gebäude eingesetzt werden. — Dies ist im Rahmen des Programms problemlos möglich, zeitgemäß und auch in höchstem Grade Image verbessernd.
  5. Permanente BürgerInnenbeteiligung!
    Nicht zuletzt gehören zu unserer Leitbild-Vorstellung die Eröffnung und Gewährleistung von Beteiligungschancen für alle Betroffenen an seiner Ausgestaltung.

Nachbemerkung

Unser Leitbild soll den BürgerInnen ein verständliches, überschaubares Bild vor Augen führen, anhand dessen sie innerhalb relativ kurzer Zeit eine Entscheidung darüber treffen können, in welche Richtung die künftige Planung des ELK gehen soll. Entsprechendes hatten wir eigentlich auch von den anderen LeitbildnerInnen erwartet, denn es dürfte allen klar sein, dass man die AnwohnerInnen mit den vorgelegten Leitbildern in einer zwei- bis dreistündigen Bürgerversammlung nicht einmal annähernd informieren, geschweige denn zu einer Entscheidung hierüber veranlassen kann.

Eine Zersplitterung des Leitbilds in ein Sammelsurium unverbindlicher und teilweise widersprüchlicher Detailvorschläge kann nur allseitige Verwirrung stiften und würdigt die Leitbilddiskussion, die ja nicht umsonst einer Planung vorausgehen sollte, anstatt in immer neue „Einstiege in Leitbilddebatten“ zerstückelt zu werden, zu einer bloßen BürgerInnen-Informationsveranstaltung in einem beliebigen Planungsstadium herab!

Ein an der 80er-Jahre-Planung Beteiligter gab uns folgende Fragen eines aufgeklärten Stadtplaners mit auf den Weg:

  • Wenn es eine Veränderung ist — ist es auch eine Verbesserung?
  • Wenn es eine Verbesserung ist — dann für wen?
  • Wer wird durch die Veränderung verdrängt und wo gehen die hin?
  • Wie ist es für die da?
  • Haben sie es da gut oder verschwinden sie einfach?
  • Oder verdrängen sie dort jemand anderes?
  • Kurzum: Ist es eine Verbesserung für alle?

Alexander Kretzschmer

BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

Workshop Planerbüros

Wie vielleicht noch erinnerlich, hatten sich Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) und Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) in der 3. Mediationsforumssitzung am 21. Januar bereiterklärt, als „vertrauensbildende Maßnahme“ ein von den BürgervertreterInnen vorgeschlagenes weiteres Gutachter- bzw. Ingenieurbüro zu beauftragen und zu finanzieren, um über die Plass’schen 11 Varianten hinaus innovative nachhaltige Sanierungsverfahren zu entwickeln. Diversen Empfehlungen folgend, hatten die Bäume am Landwehrkanal zahlreichen Planungsbüros in Nah und Fern die Anforderungen, die sie an eine gelungene Kanalsanierung stellen, übermittelt und sie eingeladen, ggf. ihr Interesse an der Bewältigung einer solch komplexen planerischen Aufgabe zu bekunden.

Daraufhin haben sieben Büros in einem Wochend-Workshop am 17. Mai in der Geschäftsstelle des Berliner BUND ihre Ideen und Vorstellungen präsentiert und kamen dabei unabhängig voneinander zur Überzeugung, dass vor der Ausarbeitung detaillierter, rein technischer Lösungen für spezifische Kanalabschnitte die Konzipierung eines umfassenden Sanierungsleitbilds, einer Art von Masterplan, nicht nur für die ca. 11 km instand zu setzender Regelbauweise, sondern für den gesamten LWK von Ober- bis Unterschleuse erfolgen müsse. Hierfür seien aber nicht nur detaillierte Erhebungen über die vorhandene bauliche Substanz, den Vegetationsbestand, die ökologische Wertigkeit, Wasserqualität, Sedimentbeschaffenheit etc., sondern auch über die stadträumlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten und Defizite, die stadtökologischen Funktionen, gegenwärtige Nutzungsformen und zu erwartende bzw. evtl. zu fördernde -szenarien und in diesem Kontext bspw. auch sozioökonomische Gutachten und dgl. erfordert, um sich von einem möglichst detailreichen Gesamtbild und seinen vielfältigen Entwicklungspotentialen in der konkreten Planung der lokalen Einzelabschnitte jeweils leiten zu lassen.

Für BI und Verein kam es bei der Auswahl nicht zuletzt auch darauf an, welche Erfahrung die Planungsbüros mit kontroversen Vorhaben, der Vermittlung divergierender Ansprüche und BürgerInnenbeteiligung bereits gemacht haben und welche externen Partnerfirmen sie für die Bearbeitung spezieller Fachfragen hinzuziehen würden.

Relativ schnell und einvernehmlich einigten sich die BI- und VereinsvertreterInnen (bei einer Enthaltung) darauf, dem WSA die folgenden drei Büros bzw. Planungsgemeinschaften für ein Auswahlverfahren vorzuschlagen:

  • Koenzen/Freie Planungsgruppe Berlin
  • Landschaft Planen und Bauen/Aquatectura/Natur&Text
  • Hoch C / ggf. in Verbund mit ST Raum A

Selbstredend sind diese Büros bereit und in der Lage, einige der erforderlichen Gutachten und Datenerhebungen selbst zu erstellen, doch das bislang seitens WSA bzw. WSD eingeräumte Auftragsvolumen dürfte dafür bei weitem nicht hinreichen.

BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

Rang der Jahrhundertaufgabe noch immer nicht erkannt!

In der 7. Sitzung des Mediationsforums am 19. Mai hatten BI-Mitglieder scharfe Kritik am derzeitigen Diskussionsverlauf geäußert, nicht nur im Hinblick auf den zentralen Arbeitskreis Sanierung, der besser „AK Denkmalschutz“ hieße, insofern die denkmalgerechte Restaurierung der Regelbauweise dort alle anderen Aspekte und Interessen marginalisiere und laut Klaus Lingenauber vom Landesdenkmalamt (LDA) folgerichtig die Arbeit in diesem AK auch erst dann fortgesetzt zu werden brauche, wenn kurz vor der Sommerpause die Aufgabenstellung für die Weiterentwicklung/Aktualisierung des denkmalpflegerischen Gutachtens verhandelt werde.

Auch im Forum verliert sich jenseits von Oberkante Ufermauer, also des unmittelbaren Zuständigkeitsbereichs des WSA, die Diskussion im Ungefähren: Bis auf wenige Ausnahmen würden die SenatsvertreterInnen den Eindruck erwecken, lediglich abgeordnet zu sein, nur pflichtenhalber mit am Tisch zu sitzen, sich mit Hinweis auf fehlende bzw. haushaltsmäßig längst verplante Finanzmittel auf eine Zaungastrolle zu beschränken und übergeordnete Landesinteressen am LWK erst gar nicht zu artikulieren, geschweige zu vertreten.

BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

Kampfmittelräumung entlang der 370 Meter Spundwandtrasse

Der auf Altlasten spezialisierte Dipl.-Geol. Mathias Muckel von der Oberfinanzdirektion (OFD) Hannover, in der 1992 die Leitstelle für die Kampfmittelräumung (KMR) eingerichtet wurde, hielt einen prägnanten Vortrag über die methodischen Verfahrensabläufe bei der Bearbeitung von kampfmittelverdächtigen und -belasteten Flächen samt der zum Einsatz kommenden Techniken, dessen detaillierte Darstellung unseren Rahmen sprengen würde.

Auf Grundlage des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes hat der Bund eine besondere Verantwortung für ein der jeweiligen Gefährdungslage angemessenes, einheitliches und wirtschaftliches Vorgehen bei der KMR, welche die OFD natürlich nicht selbst durchführt; in unserem Fall wurde der Auftrag an die Räumfirma SeaTerra GmbH vergeben, die ab 5. Juni bis Ende Juli mit der KMR entlang der 370 Meter langen Spundwandtrasse befasst sein wird.

Das größte Problem im LWK ist der Schrott, vom Fahrrad bis zum Einkaufswagen, der die Munition sozusagen maskiert. Auf einem der jeweils 400 m2 großen drei Testfelder auf der Kanalsohle, die Taucher 50 cm tief absuchten, fanden sich z. B. nahe der Hiroshimabrücke drei Stabbrandbomben, eine Handgranate und zwei Panzerfäuste unter einer Tonne Schrott „Beifang“. — Zur eigentlichen Sondierung wird erstmals wasserseitig von einem noch zu bauenden Rigg aus im 1,5-Meter-Abstand ein 4 cm starkes PVC-Rohr ca. sechs Meter tief eingepresst, das sowohl per CPT-Drucksondierung mit einem Totalfeld-Magnetometer als auch mit einem Georadar misst, um Aufschluss über die Form des jeweiligen Störkörpers zu gewinnen. Auf diese Weise werden also zwei Messungen in einem Arbeitsgang vorgenommen. Ein Bagger wird von einem Ponton aus arbeiten, wobei das Verfahren der Bergung vom Einzelfall abhängt.

Fragen zur erforderlichen Arbeitshöhe bat Mathias Muckel zurückzustellen, bis die nötigen Vorarbeiten abgeschlossen sind, doch werden auch diese Maßnahmen ja, wie von der BI gefordert, vom noch zu beauftragenden Baumsachverständigen beaufsichtigt. — Die Kosten der KMR zur Einpressung der 370 m Spundwand im Bereich der gesicherten Bäume wird mit 330.000 Euro veranschlagt.

BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

WSA-Chef über Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen

Zu den Routineaufgaben in den Bereichen Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht, Gefahrenabwehr sowie Pflege und Unterhaltung zählen nach Amtsleiter Scholz u.a.

  • regelmäßige Peilarbeiten
  • Tauchuntersuchungen (seit 2007)
  • Verfüllungen von Untiefen
  • Ausbaggerung von Übertiefen
  • Fugenpflege
  • Herstellung des Lichtraumprofils (4,50 m)
  • Baumpflege (nach Kanalbereisung einmal jährlich und im Benehmen mit den Bezirksämtern)
  • Bauzaunkontrolle (zweimal wöchentlich)

Der Unterhaltungsplan der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) von 2001 für den Uferbereich von Bundeswasserstraßen betreffe nur die Flora auf Landflächen und sei nicht speziell auf den LWK bezogen. Jener gemeinsam mit der TU-Umweltberatungsstelle KUBUS erstellte beziehe sich indes nur auf die 1,3 km Salzufer, was BezirksamtvertreterInnen wie Denkmalpflege auch eifrig bestätigen. Klaus Lingenauber wünscht einen neuen Pflegeplan für den gesamten Kanal. — Nach unseren Informationen jedoch sollte der vorliegende Plan von 2001 durchaus auf die gesamte Kanalstrecke übertragen werden, sofern es entsprechende Ufervegetation gibt.

In den 1990er Jahren hatte der LWK laut Scholz keine hohe Unterhaltungspriorität. Erst 2004 sollte sich dies mit dem Aufbau des Logistikzentrums Süd und dem Güterverkehr zum Potsdamer Platz ändern. 2002 habe es die erste gründliche Bauwerksinspektion gegeben, bis zu dieser Zeit aber nur dort Fugenpflege, wo die Statik unterhalb der Regelbauweise durch Stahlspundwände gewährleistet gewesen sei, welche Logik sich den BI-VertreterInnen nicht ohne weiteres erschließt. Scholz räumte jedenfalls eine falsche Prioritätensetzung des WSA bis 2007ein (auf dem Kanal verkehrten ja nur Sport- und Fahrgastschiffe, es gab Wichtigeres …) und übernahm dafür die volle Verantwortung. Schließlich war es vor seiner Zeit.

Die Frage der BI, warum bereits 2006 am Anleger Kottbusser Brücke durch Stangenpeilung eine Übertiefe von 3,10 m festgestellt, aber dennoch nicht gehandelt wurde, obwohl doch Gefahr für Leib und Leben bestanden habe, findet Scholz berechtigt. Auf die erregte Gegenfrage der Reedervertreter, ob es denn noch immer um die Suche nach dem Schuldigen gehe, ist erneut zu erwidern, dass deshalb so beharrlich versucht wird, die Verantwortlichkeiten zu klären, um künftig solche Schadensfälle zu vermeiden — und ihnen auch nach Möglichkeit ohne Baumfällung vorzubeugen! Wer freilich für die Peilung bei Anlegern und Stegen zuständig sei, könne nicht eindeutig beantwortet werden, da die Nutzungsverträge unterschiedlich seien. — Das haben wir ja unlängst auch schon von der Vize-Chefin, Bettina Kummerlöw, gehört.

« Older entries Newer entries »