BaumschützerInnen-Info vom 27.06.08

Widersprüchliche Signale aus Richtung Senat

Einerseits berichtete die Vertreterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (SenStadt), Anette Mangold-Zatti, auf der 8. Mediationsforumssitzung am 23. Juni, dass die Beauftragung der Entwicklung eines Strukturkonzepts gemeinsam mit den Bezirken und − im Hinblick auf einen durchgängigen Ufer-Radwanderweg − auch mit Einbeziehung der Abteilung Verkehr bevorstehe und sie auch, was die Frage der Finanzierung angehe, zuversichtlich sei; andererseits warnt dieselbe Senatsvertreterin immer wieder die BI, über den Zuständigkeitsrahmen des WSA hinauszudenken: „Es geht hier doch nur um die Sanierung der Ufermauer!“

Auch die Rede, wonach aus den Interessen der Freizeit- und Erholungsnutzung einerseits, den Naturschutzbelangen andererseits „ein Paket geschnürt“ werden solle, machte hellhörig, denn dass in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Naturschutz in solchen Paketen regelmäßig ganz zu unterst liegt und arg lädiert wird, ist hinlänglich bekannt.

Dass sich beide Interessen nicht grundsätzlich widersprechen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie nicht selten konfligieren, gerade im Fall hoffnungslos übernutzter, hundedichter städtischer Grünanlagen oder eben konkret im und am LWK, wo die Autoren des 1990er-Gutachtens, das eingestandenermaßen ökologische Aspekte nur marginal berücksichtigte, aktuell einen beklagenswert schlechten Pflegezustand konstatieren und sich zur Äußerung versteigen, wonach für den Naturschutz der Kanal ja ohnehin nicht sehr relevant sei.

Hier kommt alles auf sorgfältiges Abwägen beider Belange und eine intelligente Lenkung des Nutzungsverhaltens an, was allerdings zunächst eine analytische Phase umfassender Bestandserhebungen und Bedarfsermittlung voraussetzt.

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1 Kommentar

  1. Oliver Ginsberg said,

    29. Juni, 2008 um 12:54

    Ein Gesamtpaket zu schnüren, welches sowohl die komplexen Ansprüche an den Landwehrkanal hinsichtlich
    – Freizeit- und Erholungsnutzung
    – Naturschutz und Artenvielfalt
    – Baumschutz und Stadtklima
    – Stadtbild
    – Denkmalschutz
    – Barrierefreiheit/Verbesserung der nichtmotorisierten Mobilität
    – Schifffahrt
    – Verbesserung von Luft- und Wasserqualität
    als auch künftige Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte im Blick behält (Stichwort: Nachhaltigkeit) − das wünschen sich die meisten BI-Aktiven. Nun scheinen sich auch VerwaltungsvertreterInnen und politische Entscheidungsträger langsam aufzuraffen, sich dieser „interdisziplinären“ Aufgabe zu stellen.

    In wieweit alle Aspekte angemessen berücksichtigt werden, das bleibt im weiteren öffentlichen Diskurs auszuhandeln. In wieweit die Kassandra-Rufe berechtigt sind, die jetzt schon „hinlänglich bekanntes Politikversagen“ konstatieren, bleibt abzuwarten.

    Dem Denkmalgutachten von 1990 sollte jedoch insofern Gerechtigkeit widerfahren, dass eine ökologische und verkehrstechnische Betrachtung von Auftragsgeberseite nicht gefordert worden war. Dies kann den Gutachtenden Prof. Geyer, Wenzel und Bappert nicht vorgeworfen werden. Tatsächlich haben sie diesbezüglich engagierte Beiträge in das Gutachten einfließen lassen, die bemerkenswert sind und eine durchaus ganzheitliche Betrachtungsweise andeuten, die Herrn Lingenauber als aktuell Denkmalpflegeveranwtortlichen in der Senatsverwaltung zu wünschen wären, der allenthalben lediglich einer schematischen Rekonstruktion der „Regelbauweise“ das Wort redet.


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