BaumschützerInnen-Info vom 27.06.08

Visualisierungsexperiment nicht zustande gekommen

Die meisten VertreterInnen der BI und auch einige der beteiligten Behörden waren (noch) nicht bereit, ihre Ideen zu Potentialen, Defiziten und Konfliktbereichen entlang des von WSA-Mitarbeitern durch fortlaufende Panoramafotos1, Luftaufnahmen und Karten in wirklich beispielhafter Weise dokumentierten Kanalverlaufs und angrenzenden Stadtraums mittels farbigen Markern einzuschreiben, um so den erreichten Diskussionsstand gewissermaßen zu visualisieren. Nach einem Statement über ihre essentiellen Anforderungen an eine gelungene Sanierung hätten jeweils VertreterInnen unterschiedlicher Interessen eine Gruppe bilden sollen, um dadurch zu verhindern, dass eine Seite ihre Maximalforderungen womöglich durchgängig von Ober- bis Unterschleuse erheben und damit verabsolutieren kann −, doch, wie gesagt, aus dem Experiment wurde nichts.

Es war aber auch bei weitem nicht so, dass diese Vorgehensweise in der vorangegangenen Forumssitzung schon beschlossene Sache gewesen wäre. Vielmehr waren auf verschiedenen Seiten Reserven deutlich geworden, wogegen z. B. ausgerechnet die VertreterInnen der großen Naturschutzverbände, die das Experiment befürwortet hatten und nun sinnigerweise mit jenen der Wirtschaft, also den Reedern, eine gemeinsame Gruppe hätten bilden sollen, mal wieder durch Abwesenheit glänzten.

Doch auch die anwesenden Vertreter der Fahrgastschifffahrt, von denen man eine detaillierte Kenntnis des Kanals noch am ehesten erwartet hätte, sahen sich außerstande, ihre Vorstellungen von spezifischen Potentialen, Defiziten und Konfliktbereichen mal eben im Bild des Kanals zu lokalisieren und einzuzeichnen, sondern delegierten diese Aufgabe an ihre Schiffsführer, die sich ihrer mit Zustimmung des Forums in den nächsten Tagen entledigen sollen, indem sie alle Stellen kenntlich machen, wo die Aufrechterhaltung des Begegnungsverkehrs und entsprechender Raumpotentiale fürs Ausschwenken der größeren Flotteneinheiten unabdingbar und unverhandelbar seien.

Die BI begründete ihre Weigerung zunächst mit dem Hinweis, dass sämtliche der von ihr befragten Planungsbüros übereinstimmend eine integrierte Gesamtplanung als notwendige Voraussetzung einer Betrachtung spezifischer Abschnitte für erforderlich hielten, und dass sich, wie es in Oliver Ginsbergs Abstract der aus BI-Sicht wichtigsten zu berücksichtigenden Aspekte heißt, „sinnvollerweise eine Analyse nicht allein auf subjektive Betrachtungsweisen einzelner TeilnehmerInnen des Mediationsforums, sondern auch auf vorhandene Gutachten bzw. gutachterliche Stellungnahmen stützen und systematisch über alle Uferabschnitte erfolgen [sollte]“. [Das auch im Forum verteilte Papier findet sich hier.] Vor allem muss bei einer solchen Konkretisierung des Vorhabens vor Ort eine breite BürgerInnenbeteiligung gewährleistet sein und die AnwohnerInnen müssen in den Planungsprozess einbezogen werden, denn es geht um ihr persönliches Lebensumfeld. Die vom WSA erstellte, übers Internet erreichbare Dokumentation bietet dafür ein hervorragendes, ausbaufähiges Tool!

BI ist weder Vertretungsorgan noch Lobby-Gruppe!

Keinesfalls aber macht sich die BI anheischig, die besonderen Bedürfnisse und Wünsche all dieser Menschen im Mediationsverfahren zu repräsentieren und möchte auch mitnichten irgendwelches Lobbying betreiben. Dass es unsere Pflicht und Zuständigkeit sei, gefälligst die BürgerInnenbeteiligung zu organisieren, wie uns aus Richtung der Verwaltung bedeutet wurde, empfinden wir angesichts der vielen Tausend Stunden bereits innerhalb und außerhalb des Mediationsverfahrens geleisteter ehrenamtlicher Arbeit, der lapidaren Weigerung des Verkehrsministeriums, in irgendeiner Form für Verdienstausfälle aufzukommen sowie unserer fruchtlosen Teilnahme am Interessenbekundungsverfahren zu einer Projektförderung im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, mit Verlaub, als Zumutung.

Abgesehen davon, dass wir nach neunmonatigen Verhandlungen den Wunsch sowohl der MediatorInnen als auch der WSV nach einem vorzeigbaren konkreten Ergebnis dieses aufwendigen, (viel ehrenamtliche) Zeit raubenden Verfahrens verstehen können, hat es aus Sicht der BI nunmehr einen entscheidenden Punkt erreicht, an dem sich zeigen muss, ob die politisch Verantwortlichen auf Bundes- wie Landesebene ihre Zuständigkeit anerkennen, sich ihrer Verantwortung für dieses Großprojekt ökologisch und ökonomisch nachhaltiger Stadtentwicklung endlich stellen, indem sie eine integrierte Gesamtplanung oder einen Masterplan etwa unter dem Motto „Neue Ufer für den LWK“ beauftragen sowie die erforderlichen Mittel für seine Umsetzung gemeinsam bereitstellen bzw. akquirieren − oder ob es tatsächlich nur um denkmalgerechte Reparatur einer durch übermäßigen Schiffsverkehr zuschanden gefahrenen Ufermauer geht.

Dazu hätte es allerdings, wie oft gesagt, gar keines Mediationsverfahrens bedurft, und eine weitere Teilnahme der BI Bäume am LWK sich damit auch erübrigt. Sie wäre nunmehr angehalten, den Absentismus der PolitikerInnen, ihr fortdauerndes verantwortungsscheues Nichthandeln und das, was dadurch auf dem Spiel steht, wieder einer größeren Öffentlichkeit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bewusst zu machen, verstärkt um breite Unterstützung ihres Anliegens zu werben und ihr zivilgesellschaftliches Mandat zu erneuern.

Von derlei Appellen erwartungsgemäß unbeeindruckt, vereinbarte der überwiegende Teil der Forumsmitglieder eine weitere Sitzung noch vor der Sommerpause, um sich allein dem Visualisierungsexperiment zu widmen.

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1Die orange umrandeten Bereiche jeweils anklicken; dann Cursor auf dem Panorama-Foto nach rechts oder links bewegen. [Achtung: Längere Ladezeiten!]

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3 Kommentare

  1. blindfisch said,

    3. Juli, 2008 um 13:40

    Hier dreht sich bei einem der auch anwesend gewesenen der Magen um! Nicht alle der Bürgervertreter haben sich verweigert – das war vor allem die Gruppe um Arno Paulus, Herrn Ginsberg, Herrn Heitmann und Frau Enwald herum. Und trotzdem erwecken die hier schreibenden den Eindruck, sie würden die Bürgerinitiative vertreten? Erleben durfte ich auch, wie eine weitere engagierte Bürgervertreterin einfach von Herrn Apel und Herrn Paulus per Zuruf aus der BI auf dem Mediationsforum ausgeschlossen wurde, weil sie keine den Herren passende Meinung vertrat – welche BI ist das also? Und mit welchen Methoden arbeitet diese? Solche Fragen gehören inzwischen gestellt und ich kann alle hier Lesenden nur noch einmal auffordern, sich auf der offiziellen Seite der Mediatoren zu informieren.

    Und es ist leistbar, die eigenen Ideen in die Pläne einzutragen – vor allem Herrn Ginsberg als Landschaftsarchitekten sollte das leicht fallen.
    Warum er also genau das nicht tun möchte und immer weitere Forderungen stellt, lässt sich bisher nicht nachvollziehen – da muss es wohl noch andere Gründe geben.

    Und soweit mir bekannt, haben die Mediatoren die BI auch aufgefordert, andere Beteiligte aus anderen Bezirken zu dem folgenden Montag einzuladen – haben diese das getan? Jedenfalls nicht hier im Blog. Das gibt zu denken!

  2. Oliver Ginsberg said,

    3. Juli, 2008 um 19:52

    Allgemein pflege ich nicht auf Kommentare einzugehen, deren Schreiber/innen glauben, sich hinter einem Pseudonym verstecken zu müssen.
    Da nun aber offensichtlich niemand anderes als Frau Fortwengel hier in Frage kommt und ich auch persönlich angegriffen werde, antworte ich hier mal stellvertretend für den Rest der BI, ohne auf die für Frau Fortwengel typischen Unterstellungen und Vorwürfe einzugehen.

    Die BI verweigert sich selbstverständlich nicht einer uferabschnittsweisen systematischen Bestandsaufnahme von Potenzialen und Konflikten. Im Gegenteil: Die BI hält genau diese Arbeit für so wichtig, dass sie gründlich, systematisch und begleitet von einer breiteren Bürgerbeteiligung vorgenommen und nicht im Rahmen eines Mediationsforums übers Knie gebrochen werden sollte. Wir haben deshalb vorgeschlagen, nunmehr die Bestandsaufnahme in die Hände von professionellen Planungsbüros zu legen.

    Bei einer Vorauswahl von vertrauenswürdigen Büros hat die BI darauf geachtet, dass die entsprechenden Büros einerseits die fachliche Kompetenz besitzen, um die komplexen gutachterlichen Stellungnahmen und Ansprüche an die Kanalsanierung zu bündeln und auszuwerten, andererseits auch die Fähigkeit, die Bürgerbeteiligung auf eine breitere Basis zu stellen, als das bisher den Mediatoren gelungen ist.

    Was nun ansteht und am 11. Juli passieren soll ist: eine Verständigung mit dem WSA um die Ausschreibung eben einer solchen Aufgabenstellung, die allein sinnvolle Grundlage für die Entwicklung von alternativen Sanierungsvarianten sein kann, über deren Notwendigkeit im Mediationsforum bereits Einvernehmen hergestellt wurde.

    Die von den Mediatoren vorgeschlagene Verfahrensweise ist der Bedeutung der Kanalsanierung für die Stadt Berlin nicht angemessen. Es wäre fatal, wenn die viele Arbeit, die das WSA in die Erstellung einer vollständigen optischen Dokumentation der Kanalufer investiert hat dadurch ins Lächerliche gezogen wird, dass hier nur ein paar zufällig anwesende Gäste des Mediationsforums Kommentare zu jedem einzelnen Uferabschnitt abgeben sollen. So lange also nicht klar ist, ob und wie eine Beteiligung auf breiter Basis durchgeführt wird, wird sich die BI auch nicht an einer Detailbewertung der Ufer beteiligen.

    Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob einzelne Vertreter/innen der BI fachlich in der Lage sind, eigene Ideen zu formulieren. Im Gegensatz zu Frau Fortwengel halten wir unsere eigenen Ideen und Vorstellungen vielleicht nur einfach nicht unbedingt für wichtiger als die der anderen Bewohner/innen dieser Stadt.

  3. xonra said,

    4. Juli, 2008 um 20:06

    Die Blindfische (Amblyopsidae) sind eine Familie innerhalb der Ordnung der Barschlachse.

    Sie leben in Höhlen im Süden und Osten der USA und sind an das Leben in der Dunkelheit angepasst – ihnen fehlen die Augen (obwohl Amblyopsis spelaea kleine Augen besitzt) und die Pigmentierung, weshalb sie weiß erscheinen. Blindfische sind mit bis zu 11 cm eher klein, vielen fehlen außerdem die Brustflossen.

    Blindfische leben ausschließlich in Höhlen, die eine invertige Wasserströmung aufweisen. In Höhlen ohne Einströmung leben definitiv keine Blindfische. Es wird angenommen, dass sie sich evolutionär von ihren obererdig lebenden Pendants entwickelt haben.
    Aus Wikipedia zum Thema Blindfisch am Landwehrkanal


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