BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

Gegenrede Barsig
In der Erläuterung seiner kritischen Stellungnahme betonte Dr. Barsig zunächst einmal, dass Fäule nicht Fällen bedeute, sondern gerade die Vitalität der Traubenkirschen ein sicheres Indiz dafür sei, dass sie sich mit der Erkrankung erfolgreich auseinandersetzen und sie kompensieren konnten. Es sei überhaupt nicht untersucht worden, ob und inwieweit sich die Bäume gegen die Fäule abschotteten.

Für die Standsicherheit der Bäume seien die stark ausgebildeten Seitenwurzeln entscheidend und das Fehlen der Polwurzel dadurch gleichermaßen kompensiert. Das verwandte Wurzelmodell sei mithin völlig ungeeignet. — An den sog. Torsionsbruchstellen wurde seltsamerweise nicht gemessen und die Hypothese einer durchgängig dort vorfindlichen Schwachstelle auch in keiner Weise dokumentiert, so dass es sich um eine bloße Behauptung handele.

Bei der Ermittlung der Restwandstärken mit dem Resistografen beschränkten sich Dengler und Rinn gemeinhin auf nur zwei Bohrungen. Fiel nur eine davon negativ aus, traf also in eine Faulstelle, war das nicht etwa Anlass zu mindestens einer weiteren Bohrung, sondern zur Fällung. — Baumerhaltende Maßnahmen wie Kroneneinkürzung wurden im Gutachten nicht einmal empfohlen.

Unter der Vielzahl weiterer Kritikpunkte Dr. Barsigs greifen wir zum Schluss nur noch jenen heraus, wonach eine Rechtsbelehrung dergestalt, dass, wenn das AUN nicht unverzüglich durch Fällung die Verkehrssicherheit herstelle, eventuelle Schadenersatzforderungen nicht zurückweisen könne, in einem Sachverständigengutachten nichts verloren hat, sondern das Amt unzulässigerweise unter Handlungszwang setzt. Ein Gutachter hat sich auf Empfehlungen zu beschränken.

Nach Auffassung Dr. Barsigs müssen ca. 80 Prozent der Traubenkirschen mitnichten gefällt werden.

In der anschließenden, sehr leidenschaftlich geführten, wenn auch viel zu kurzen Debatte äußerten viele ihr Missfallen an Vorgehensweise und Empfehlungen von Dengler und Rinn. VertreterInnen der Bäume am Landwehrkanal bzw. der Bäume für Kreuzberg erinnerten u. a. an das Gutachten Roland Denglers zu der mittlerweile berühmten Pappelgruppe an der Waldemarbrücke, deren angeblich ungünstiger Höhe:Dicke-Koeffizient sie bei weiterem Wachstum zwangsläufig zu einer Verkehrsgefährdung mache, weshalb sie am besten sofort zu fällen seien. Das Friedrichshain-Kreuzberger AUN hat sich mittlerweile mehrfach von diesem Gutachten distanziert.

Während die VertreterInnen der BIs Bürgerverein Gleimviertel und Rettet die Straßenbäume klarstellten, dass sie das Gutachten angesichts der gewichtigen Einwände nicht akzeptieren, verkündete der Pankower Bürgermeister und Umweltstadtrat Matthias Köhne (SPD), dass Dr. Barsigs Ausführungen das Gutachten von Dengler und Rinn in keiner Weise hätten entkräften können und konstatierte eine allgemeine Zustimmung. Seine Arroganz gegenüber den BürgervertreterInnen, deren Widerstand immerhin eine beträchtliche Anzahl von Bäumen rettete, die Einzelfallprüfung durchsetzte und schließlich den Senat zur Bereitstellung von Mitteln für Nachpflanzungen bewogen hat, ist so groß wie sein Nachholbedarf in Sachen BürgerInnenbeteiligung. Der Ausschussvorsitzende Dr. Bielefeldt (Linke) steht ihm darin übrigens in nichts nach und heizte durch herrisch-autoritäres Gehabe die gereizte Atmosphäre noch zusätzlich an. Es fiel indessen auf, dass Köhne kein Mitglied seiner Fraktion in dieser Ausschusssitzung zur Seite stand.

Gleichwohl bleibt uns hier nur das traurige Resümee zu ziehen, dass auf Zuruf von Roland Dengler die Fällorgie im Gleimviertel bis auf weiteres fortgesetzt wird.

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