Feuer und Flamme für die Spree!

Vor dem YaamHunderte FlussschützerInnen strömten vergangenen Freitag (23.5.) in Berlin und Brandenburg an Spree, Havel und Sacrow-Paretzer-Kanal, um mit der Aktion „Leuchtender Fluss — Feuer und Flamme für Havel und Spree“ gegen den nach wie vor drohenden ökonomisch unsinnigen und naturzerstörenden Ausbau dieser Wasserstraßen im Zuge des Verkehrprojekts Deutsche Einheit (VDE 17) zu protestieren. Die geplante Verbreiterung und Vertiefung für große Binnenschiffe, die selbst nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums nur selten kommen dürften, droht wertvolle Naturräume — Feuchtbiotope, Auenwaldreste, ein letztes Überschwemmungsgebiet — für eine Vielzahl seltener oder vorm Aussterben bedrohter Arten zu zerstören.

Ein bemerkenswerter Antrag

Vor dem YaamIn einem gemeinsamen Antrag bekräftigten vor wenigen Tagen auch die Fraktionen von SPD und Linken im Abgeordnetenhaus die Forderung, „das Projekt 17 zügig qualifiziert abzuschließen […], eine weitere Verbreiterung und Vertiefung generell zu vermeiden und mit geeigneten Ausgleichsmaßnahmen die ökologische Wertigkeit der Gewässer und der Uferlandschaften zu erhöhen. […] Uferbereiche und Bauwerke sind generell so auszugestalten, dass sie Wasserlagen für die Bevölkerung erschließen sowie Natur und Landschaft respektieren“, heißt es im Antrag vom 21. Mai.

Nicht nur den Ausbau, auch den Zubau verhindern!

Doch auch der Ausverkauf der Spreeufer an private Investoren im Rahmen umstrittener Großprojekte wie Media Spree in Friedrichshain-Kreuzberg macht sie nicht nur für die Allgemeinheit unzugänglich, sondern führt zum Verlust ökologisch wertvoller Bereiche, auf denen sich nach dem Mauerfall auch ästhetisch attraktive Uferbiotope spontan entwickeln konnten. So drohen, wie berichtet, entlang der Ufergrundstücke Mühlenstraße 46 — 60 Bäume und Strauchvegetation in Kürze gerodet zu werden.

Leuchtender FlussRund 30 Mitglieder der BIs Bäume am LWK und Bäume für Kreuzberg, von BUND und Grüner Liga sowie einige auch unorganisierte Fluss- und BaumschützerInnen nahmen deshalb die Aktion „Leuchtender Fluss“ zum Anlass, um für den Erhalt auch dieses Uferbewuchses und seine Integration in einen offen zu haltenden Ufergrünzug zu demonstrieren, unter dem Motto „Spreeufer für alle — auch für wilde Bäume!“, mussten dies allerdings — ein Protestanlass mehr — vom benachbarten Strand des YAAM aus tun und den mit ihren Fackeln erleuchten, denn der Weg auf die fraglichen Grundstücke war versperrt; die Ordnungshüter, denen die Erlaubnis zum Entzünden von Fackeln erst abgerungen werden musste, wollte man nicht unnötig provozieren. (Apropos: Auch das Gelände, auf dem sich das genannte Strandlokal befindet, ist bereits verkauft.)

Ein Jahr Bäume am Landwehrkanal

Auf den Tag genau jährte sich am 23.5. übrigens die Gründung der BI Bäume am Landwehrkanal. Ihr ist es mit hartnäckiger Ausdauer, Kreativität und Witz gelungen, nicht nur rund zweihundert Bäume zu retten, sondern vor allem nachdrücklich ins öffentliche Bewusstsein zu rufen, dass die Sanierung von Wasserstraßen nicht einfach auf Kosten ihrer vielgestaltigen Ufervegetation, gar eines ganzen innerstädtischen Grünzugs und der Lebensqualität seiner AnwohnerInnen und BesucherInnen mal eben durchgepeitscht werden kann.

Ein aufwendiges, nunmehr seit acht Monaten laufendes Mediationsverfahren wurde auf den Weg gebracht, um den Vorgaben der beteiligten Institutionen, den Interessen und Ansprüchen der verschiedenen stakeholders sowie nicht zuletzt den Erfordernissen von Ökologie und Naturschutz gleichermaßen Rechnung zu tragen. Inzwischen wurde ein umfänglicher Katalog der Anforderungen aller Beteiligten an eine gelungene Sanierung ermittelt, die Aufgabenstellung an eine detaillierte Bestandsaufnahme wird bis zur Sommerpause erarbeitet, und das Verfahren strebt auf seine Peripetie zu, wo es sich vom Ganzen und Allgemeinen ins Besondere und Einzelne wendet, indem jetzt für jeden Uferabschnitt die konkreten Planungsanforderungen aus einer übergreifenden Gesamtkonzeption gewissermaßen deduziert werden sollen.

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