BaumschützerInnen-Info vom 02.05.08

Lennés Konzept der Allee als Sozialraum weitergedacht

Interessant in diesem Zusammenhang, dass die Autoren im Weiterdenken der Lennéschen Intention, mittels Alleen sozialen Begegnungsraum zu schaffen, und natürlich auch im zeitgemäßen Interesse umweltverträglicher Mobilität vorschlagen, durchgängige Fuß- und Radwegeverbindung beiderseits des Kanals zu realisieren, an vielbefahrenen Verkehrskreuzungen auch durch Untertunnelung!

Es kann also nicht darum gehen, ein einheitliches Bauwerk historisch stimmig zu rekonstruieren, sondern das Erbe sollte mit seiner partiellen Gestörtheit angenommen und, einer formalen Gestaltungslogik folgend, sinnvoll ergänzt und weiterentwickelt werden, um der Stadt Identität zurückzugeben. Angesichts unterschiedlicher Zeitschichten stellt sich allerdings die Frage nach der Leitebene, und hier empfiehlt Dr. v. Krosigk mit den Gutachtern das jeweilige Anknüpfen an der jüngsten Ebene, wenn es denn sinnvoll und vertretbar erscheint.

Der lineare Alleencharakter z. B. sollte nur dort unterbrochen werden, wo es die Besonderheit des stadträumlichen Umfelds nahe legt. Andererseits gilt es, sowohl die schräg angeschnittenen Ufermauern inklusive der Gitter und Geländer instand zu setzen als auch die Fehlstellen und Lücken im Baumbestand standortgerecht nachzupflanzen und zu schließen, ebenso auch am Luisenstädtischen Kanal.

Auf die Frage eines BI-Vertreters, von wem denn nun die jetzt sanierungsbedürftigen 11 Kanalkilometer sog. Regelbauweise mit ihren massiven Steiluferwänden stamme, räumten v. Krosigk und Lingenauber ein, dass sie erst nach Lenné entstanden sei, doch als Vorbild habe der Spandauer Schifffahrtskanal bzw. der Humboldthafen gedient, wo Lenné sie bereits 1854 errichtet habe.

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2 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    4. Mai, 2008 um 18:15

    Ob das Regelbauwerk am Humboldthafen tatsächlich von Lenné stammt oder nur der landschaftsarchitektonische Entwurf, der dem Becken die typische Form mit der kurvigen Einmündung des Spandauer Schifffahrtskanals gab, wurde nicht geklärt.

  2. Oliver Ginsberg said,

    4. Mai, 2008 um 19:16

    Die architektonische Qualität des Humboldthafens diente als Vorbild für die spätere gemauerte Einfassung des Landwehrkanals. Die Ufermauer am Landwehrkanal kann dennoch nicht ohne Weiteres mit Lenné begründet werden, denn die beiden Bauwerke basierten auf ganz verschiedenen gartenplanerischen Grundkonzeptionen: streng-formale, an barocke Tradtion anknüpfende einerseits (Spreebogen mit Humboldthafen und Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal). Landschaftlich geprägte Freiraumplanung in englischer Traition andererseits (Landwehrkanal).

    Das bestätigt auch das Gutachten von Prof. Geyer, aus dem im Folgenden zitiert wird:

    „Nach der Verfüllung des Luisenstädtischen Kanals und seiner Hafenbecken,
    ist der Oberlauf des Berlin-Spandauer Schiffahrtskanals jedoch das einzige
    erhaltene Berliner Beispiel einer – im Gegensatz zum Landwehrkanal – von Beginn an steng formal durchdachten Wasserstraße mit städtischem Charakter.“ […]

    „Entgegen allen Stilvorstellungen der landschaftlichen Freiraumkunst, sah Lenné für den Spreebogen einen gleichsam barokken, streng formal geprägten Stadtraum vor, der nach Pariser Vorbild weltstädtisch sein sollte (vgl. v. KROSIGK 1991, in BUGA Berlin GmbH 1991, S. 14).“

    Es sei die Bemerkung erlaubt, dass sich das Gutachten von Prof. Geyer ausdrücklich auch mit ökologischen und soziale Qualitäten befasst und sich damit wohltuend von der reduktionistischen Sichtweise eines Denkmalschutzes abhebt, der lediglich auf Erscheinungsbild und Bausubstanz abstellt. Zitat:

    „[…] Die Böschungen des Kanals stellen wertvolle Biotope für Pflanzen und Tiere dar. Sie sind wichtiger Bestandteil eines Biotopverbundsystems und fungieren als Artenreservoir für die Umgebung“
    (FUGMANN 1991, in: BUGA Berlin GmBH 1991, S. 55).“

    „Der Gesamtplan der (Lenné’schen) „Schmuck und Grenzzüge“ versucht dem Anspruch der Bevölkerung auf gesunde Lebensverhältnisse gerecht zu werden. Sie werden Belangen der öffentlichen Hand, der Wirtschaft und der gestalterisch-ästhetischen Dimension gleichgesetzt (vgl. HALLMANN et al. 1989, S. 158).“

    „Bis heute sind die Planungen Lennés, den Kanal als Wandelraum und Kommunikationsort auszugestalten, in Relikten erkennbar (vgl. GEYER et al. 1992, S. 101; FUGMANN 1991, in: BUGA Berlin GmbH 1991, S. 55).“

    Quelle: Prof. Dr. Hans-Jürgen Geyer, Freier Landschaftsarchitekt – Gutachten Humboldthafen & Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal


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